Coronado

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  1. Das Thema Depression ist sicherlich nicht einfach. So weit ich mich erinnere, treten etwa 30% der Bevölkerung während ihres Lebens wegen einer depressiven Verstimmung ärztlich in Erscheinung, die Dunkelziffer wird auf bis zu 50% geschätzt. Das hieße also, dass sehr große Teile der Bevölkerung im Laufe ihres Lebens Symptome erleben. Wie kann/sollte man damit umgehen? Depressionen sind großteils vorübergehend und/oder behandelbar. Depressionen bedeuten nicht zwangsläufig Suizidalität. Depressionen sind ein gesellschaftliches Stigma. Depressionen bleiben sehr häufig unentdeckt. All das zusammennehmend finde ich es schwierig, bei einem völlig gesunden Menschen aus dem früheren Vorhandensein einer depressiven Verstimmung eine Untauglichkeit für eine bestimmte Tätigkeit auf Lebenszeit abzuleiten. Wir reden jetzt konkret über einen Piloten, davon gibt es nicht so viele, aber was ist mit Zugführern oder Busfahrern, die durch ihre Tätigkeit täglich eine ebenso große Zahl an Menschenleben in ihrer alleinigen Verantwortung haben? Was ist mit dem bekannten Phänomen, wo sich Feuerwehrleute oder Krankenpfleger aufzuwerten versuchten, indem sie Menschen zuerst in Lebensgefahr bringen, um sich später als Retter feiern zu lassen? Sollten also z.B. Krankenpfleger, die zeitweilig an Minderwertigkeitskomplex, Depression oder Burnout litten Berufsverbot bekommen? Und dann reden wir hier über Psychiatrie, zweifellos eine höchst wichtige medizinische Disziplin, aber wie zuverlässig sind Diagnosen überhaupt möglich, wenn der Patient nicht kooperiert oder schauspielert? Auch ein Psychiater oder Psychologe kann keine Gedanken lesen, die Erkennungsquote liegt sicherlich nicht bei 100%. Und eines kommt mir in der Diskussion, die sich immer auf die Depression fixiert, viel zu kurz: Suizid ist nicht gleich erweiterter Suizid. Ich würde mal behaupten, dass es einem Größtteil von Suizidenten ausschließlich darum geht, das eigene Leben zu beenden, ohne andere Menschen zu behelligen. Nun ist die unsägliche Praxis des Schienensuizids, die zu tausenden traumatisierten Lokführern geführt hat, sicherlich ein Grenzfall, wo Unbeteiligte durch eine selbstzentrierte Ignoranz des Selbstmörders geschädigt werden. Aber das ist nicht dasselbe, wie das, womit wir es in diesem Fall zu tun haben. Wer dermaßen antisozial handelt, und den Tod von über 100 Menschen herbeiführt, müsste, wenn er es aus reiner Ignoranz täte, schon so dermaßen in schwerster Depression gefangen und von sämtlichem sozialen Leben abgekoppelt sein, dass er vor einer solchen Tat extrem auffällig gewesen sein müsste. In diesem Fall weist alles auf einen absichtlich herbeigeführten erweiterten Selbstmord hin, um eine Tat, die so schrecklich ist, dass dem Suizidenten eine große öffentliche Aufmerksamkeit sicher ist. Das ist aber durch eine Depression allein nicht zu erklären. Vielmehr spricht es für eine schwere narzisstische Persönlichkeitsstörung. Über deren Diagnose oder Nichtdiagnose bei Lubitz spricht aber niemand, genauso wenig, ob eine solche Störung ein Ausschlussgrund für eine Eignung z.B. zum Verkehrsflugzeugführer sein könnte.
  2. Der Kniff mit dem aerotoxischen Syndrom würde jedenfalls für TvB Sinn ergeben. Damit kann er die Werbetrommel für einen zünftigen Verschwörungsskandal schlagen, an dem er sich die nächste Zeit abarbeiten kann (hat er das nicht schon mal mit dem Thema?), und GWI9525 ist da das perfekte medienwirksame Trittbrett. Leider wäre es völliger Quatsch, wenn es wirklich darum gehen sollte. Lubitz hat alleine im Cockpit gehandelt, und er hat perfiderweise äußerst schlüssig gehandelt, schlüssig für genau eine Interpretation. Ich kann verstehen, dass Eltern es nicht wahrhaben wollen. Aber es sieht im Moment nach einer grausamen Schmierenkomödie aus. Grausam für die Angehörigen der Opfer. Naja, mal sehen, was kommt.
  3. Entlasten könnte es ihn nur, wenn es seine vollkommene Unzurechnungsfähigkeit glaubhaft machen würde. Damit würden dann allerdings alle anderen - die Eltern eingeschlossen - möglicherweise belastet, keinesfalls aber entlastet.
  4. Wenn es nicht so ganz südlich, sondern ein ganz klein wenig südsüdöstlich war, dann hast du das sehr schön diplomatisch ausgedrückt!! :lol:
  5. Ich finde es tausendmal besser, das sieht doch nach Kommandobrücke aus! :) Die ausgefeilte Form der einzelnen Fenster wird erkennbar und das Flugzeug wirkt viel größer. Mit Rand sieht die A350 ziemlich schmal aus, und außerdem wie ein Zyklop... http://futurama-madhouse.net/fanart/leila/leela13_01_by_leila.png Ich halte das für Schlangenöl. Zumal: Die Windshields werden von außen aufgesetzt und mit einem Rahmen befestigt. Die Seitenfenster werden aber von innen eingesetzt, die Fensterrahmen sind Bestandteil der Rumpfstruktur. Vorne würde (wenn es denn eine kraftschlüssige Verbindung WÄRE) die durch die Spannung von der Rahmenbefestigung aufgenommen, an den Seiten aber von der in diesem Bereich verdammt steifen Rumpfstruktur. Dann kann man über das gesamte Einsatzspektrum des Flugzeugs davon ausgehen, dass die Fensterrahmen maximal 2 mm breiter werden, was man wiederum mit der Ausdehnung des Fensters verrechnen muss, dessen Temperatur sich ebenfalls über den Einsatztemperaturbereich ändert. Und wie man an BobbyFans Abbildung gut erkennen kann, ist das Ganze so konstruiert, dass das Fenster im Rahmen ausreichend Bewegungsfreiheit hat. Dann die Spannungen durch den Druckunterschied, die nichts mit strahlungsinduzierter Temperatur zu tun haben, und was ist eigentlich mit der Scheibenbeheizung? Die interessiert sich auch nicht dafür, wie warm der Fensterrahmen gerade ist. Schwarze Cockpitumrandungen gab es bis in die 70er häufig, dann verschwanden sie. Offensichtlich ohne dass derartige Nachteile entstanden sind. Und dann ist ja die Konstruktion der Cockpitfenster von der A380 übernommen worden - wenn es also irgendeinen messbaren Nutzen von diesem Rand geben würde, würde man die A380-Fenster ebenfalls sofort schwarz pinseln. Und bei der A330 ist klar zu erkennen, dass die Form des Randes Designgründen folgt, um sie optisch näher an die A350 zu rücken. Nee, nee, Marketing-Gag mit fadenscheiniger Innovations-Begründung. Airbus kann ja schlecht sagen, dass sie das tun, weil sie ein Flugzeug mit Sonnenbrille total lustig finden.
  6. Weil es völliger Unsinn ist. Temperaturunterschiede ausgleichen, aha. Gerade Schwarz absorbiert hervorragend Sonnenlicht, dementsprechend groß sind die Temperaturunterschiede zwischen der Sonnen- und der Schattenseite. Und wenn man sich umschaut, mit welchen Bemalungen so rumgeflogen wird, gäbe es wohl kaum etwas einfacheres, als mit einem universellen Weiß nachzupinseln. Der eindeutige Beweis ist aber der vollkommen misslungene Versuch, die eckigen Fenster der A330 nach A350-Art rundzuschminken, anstatt die Ränder des Rahmens parallel zu den Fensterkanten zu bemalen. Die blöde Sonnenbrille ist nichts weiter, als ein infantiler Marketing-Gag. Gut, mit der Coolness klappt's halt nicht bei jedem, und bei einer Firma wie Airbus erwartet man das ja eigentlich auch nicht (erst recht nicht, nachdem sie schon ihre klassische fett-kursiv-Helvetica durch diese albern unförmig-verspielte, vermutlich "High Tech" aussagen sollende Exklusivschriftart ersetzt hat). Aber dann soll man es halt einfach lassen. Ich frage mich aber wirklich auch, warum gerade auf Seriosität bedachte Fluggesellschaften wie Lufthansa sich dieses Karnevals-Gimmick nicht verbeten haben. Wobei der Mist komischerweise (bis jetzt) bei Lufthansa noch am besten aussieht.
  7. Ja, genau, es ging bei dem Boulevard-Artikel aber tatsächlich um eine angeblich geplante Zwischenlandung zum Auftanken. Aber das scheint überholt, Alternates sind da das perfekte Stichwort: Bei PPruNe hat jemand den Flugplan gepostet und dazu ein Statement der Flugsicherungs-Mitarbeiterin, die das Ding genehmigen sollte. Angegeben ist als Alternate Bogota, ein zweiter Alternate fehlt. Der Hammer ist aber, dass sowohl bei der Endurance, also der maximalen Zeit, die das Flugzeug in der Luft bleiben kann, als auch bei der planmäßigen Flugdauer jeweils 4h 22min angegeben sind. Sie erklärt dazu, der Lamia-Mann hätte dazu gesagt, der Captain wolle das so, und sie solle sich keine Gedanken machen, das wäre alles prima, sie würden für den Flug in Wirklichkeit viel weniger Zeit brauchen.
  8. Case closed. Sehr gut! :top:
  9. Die gelben Blätter (Daily Mail) berichten, man habe verzögert starten müssen, weil noch nach dem Videospiel eines Passagiers gesucht worden sei. Deshalb hätte man nicht mehr wie geplant in Cojiba zwischenlanden können, weil der Flughafen bei Erreichen geschlossen gewesen sei. Schwer zu sagen, wie hoch der Wahrheitsgehalt dieser Meldung ist. Etwas, was ich gerade überhaupt nicht verstehe, sind die Meldungen bezüglich einer CopilotIN. Auf dem von mir verlinkten Video mit dem ATC-Mitschnitt hört man bei 2:45 einen Funkspruch der männlichen Stimme (von der Controllerin als Kapitän angesprochen), die die ganze Zeit am Funk von LMI2933 ist. Am Ende dieses Funkspruchs hört man eine andere Stimme im Hintergrund, die "Gear Down" ausruft. Aber auch diese Stimme ist männlich.
  10. Hier noch mal der ATC-Mitschnitt mit Übersetzung (Es sind zumindest kleine Fehler drin. Mein Spanisch ist zwar mickrig, aber zumindest in einem Fall wurde ein Kurs falsch rausgehört): Wenn man das mit dem Flightradar-Playback vergleicht (Das natürlich wie üblich nicht allzu präzise Daten liefert), stellt man fest, dass LMI2933 ohne das Holding mit Sprit für 5-10 min gelandet wäre, also auf dem allerletzten Tropfen. Wenn der Flug also wissentlich mit dieser Treibstoffmenge geplant worden sein sollte, dann wäre das nicht nur kriminell, sondern ein Selbstmordkommando. Das Video setzt leider erst unmittelbar vor dem Einfliegen der RJ85 in die Warteschleife ein. Da wird also nicht ganz klar, ob es vorher schon einen Hinweis der Crew auf Spritknappheit an die Flugsicherung gegeben hat. Zumindest auf FR24 sieht es so aus, als ob zu dem Zeitpunkt, in dem die RJ85 ins Holding geht, die VivaColombia A320 mit dem Notfall schon im Endanflug ist. Diese A320 wollte ja wegen eines Verdachts auf ein Treibstoffleck runter, nach ihrer Landung gab es laut ATC eine Überprüfung der Landebahn. Zu dem Zeitpunkt, als seitens der RJ85 wirklich deutlich wurde, dass es sehr ernst ist, war diese Überprüfung offensichtlich gerade in Gange und die RJ85 mit FL210 noch ziemlich hoch, wohl zu hoch für einen direkten Anflug, der beginnt dort von 10000ft. Die Situation war im einzelnen: - VivaColombia 8170 gelandet, Bahn wird überprüft - Vorgesehen für die nächste Landung ist eigentlich der Flug LAN Colombia 3020, der beginnt gerade den Endanflug - zusammen mit der RJ85 ist eine Avianca A320 (AV9771) in der Warteschleife, wohl ursprünglich die Nr. 3. Nach der Bitte von LMI2933 um sofortiges Sinken, wurde für den Flug sofort sämtlicher Verkehr aus dem Weg geräumt. Sehr gute Arbeit von der Controllerin, wie ich finde. Alles in allem kann man sich wirklich kaum vorstellen, dass die von vorneherein bewusst in diese Situation gegangen sind. Und das, obwohl anscheinend nichts dafür gesprochen hat, dass der Treibstoff reichen würde. Rätselhaft.
  11. Das wird Airbus wohl müssen, wenn sie nicht wollen, dass sich auf ihrem Hof nicht bald LH-A350er stapeln. Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, dass sich auch nur ein einziger LH-Pilot bereit erklärt, bei seinem absurden Hungerlohn auch noch auf ein neues Flugzeugmuster umzuschulen. Die haben bei der Hyperinflation der letzten Jahre die größten Schwierigkeiten die Wohnung noch warm und was karges zum Essen auf den Tisch zu bekommen, und sollen für solche Sklaventreiber auch noch Extrawürste braten? Da würde ich dem Herrn Spohr aber ordentlich was husten!! (Aber bin überrascht, ist ja doch ganz niedlich, die kleine. Wenn ihr nur mal endlich einer diese furchtbaren Augenringe wegschminken würde...)
  12. Die Frage ist, ob das Flugzeug mit Zusatztanks ausgerüstet war. Es gibt eine ganze Reihe von Optionen, mit der Maximalaustattung schafft eine RJ85 auch 2500nm. Edit: Gibts auch bei Jacdec zu sehen. nochmal Edit: Steht ja auch alles schon oben... :ph34r:
  13. Hmm, man fliegt auf dem allerletzten Tropfen und geht dann noch munter ins Holding? Ergibt erst mal wenig Sinn.
  14. 2013: Aufwendung Gesamt Passage: 24.035 Mio. € Personalaufwand: 4.203 Mio € Das sind 17,5%. Spohr sagt ja, dass davon 40% für die Piloten draufgehen, das hieße, sie hätten insgesamt einen Anteil von 7%.
  15. Vielleicht ist dieser Nasa-Versuch noch von Interesse: https://en.wikipedia.org/wiki/Controlled_Impact_Demonstration