Rolf

Mitglied
  • Content count

    318
  • Joined

  • Last visited

Community Reputation

29 Good

About Rolf

  1. NRZ vom 9.3.2017: "Der Airport meldet einen Rekordgewinn": http://www.nrz.de/region/niederrhein/der-airport-meldet-einen-rekordgewinn-id209874667.html
  2. Von einer einvernehmlichen Absprache kann man ganz sicher ausgehen. Eine Sperrminorität bedeutet ja auch Verantwortung für das operative Geschäft, und genau die wollte der Kreis nach eigenem Bekunden nie haben, sondern ganz den Privaten überlassen. Aus nachvollziehbaren Gründen. Und die Investoren wollen sich auch nicht reinreden lassen. Vermutlich ist der Kreis genau deswegen bei einer Einlage von 24 Mio. gelandet und nicht bei der Summe von 26,8 Mio. Euro, die ursprünglich als Kredit gewährt wurde. Mir war auch schon aufgefallen, dass der neue Kredit und die zugesagten Rückzahlungen zusammen offenbar höher ausfallen als die angefallenen Zinsen. Es wäre daher plausibel, dass der Flughafen in Absprache mit dem Investor den Anteil der Kreiseinlage ganz bewusst unter 25% gedrückt hat. Für die konkreten Zahlen übernehme ich allerdings keine Gewähr, denn der Kreis hat die Causa Airport Weeze stets hinter verschlossenen Türen verhandelt und des dringen nur wenige konkrete Zahlen bzw. bruchstückhafte Teilinformationen nach draußen, aus denen man sich ein Gesamtbild zusammenreimen muss. Etwas mehr Transparenz wäre wünschenswert, zumal ja jetzt (endlich) eine tragfähige, dauerhafte und scheinbar gute Lösung gefunden wurde, die sich sehen lassen kann. Danke für die aufschlussreichen Erläuterungen. Damit wird doch hinreichend deutlich, warum man sich in Weeze nicht nur benachteiligt fühlt, sondern dass es auch so ist. Ich will den Bogen auch mal weiter spannen und etwas über die Landesgrenzen hinaus schauen. In Rheinland-Pfalz hat das Land für den Flughafen Hahn eine vierspurige Straße durch den halben Hunsrück gebaut und das, obwohl der Hahn stets ein Zuschussbetrieb war und ist. Und jetzt wird sogar der Anschluss an das Autobahnnetz der Eifel realisiert, inclusive dem umstrittenen Hochmoselübergang. Und das, obwohl die Zukunft des Hahns sehr ungewiss ist. Dagegen liegt Weeze richtig günstig. Es geht nur um eine vergleichsweise kurze Strecke von der Autobahn bis zum Flughafen. Bis auf den genannten Kreisverkehr wurde hier noch gar nichts an dem Zustand der zubringenden Verkehrswege getan, obwohl der Flughafen Weeze doch viel besser dasteht als der Hahn. Klar, es ist ein anderes Bundesland, aber dass der Anschluss des Flughafens Weeze dem (anderen) Bundesland NRW so wenig wert ist, ist schon ein Ärgernis, so dass es verständlich ist, dass der LEP hinterfragt wird. Eigentlich sollte das Land, unabhängig vom LEP, Interesse daran haben, Weeze verkehrstechnisch besser anzubinden. Hier tut sich aber nichts. Die völlig tatenlose Landesregierung ist das eigentliche Problem, denn sie vernachlässigt nicht nur den Flughafen, sondern sie gefährdet auch die ansässige Bevölkerung, die mit überlasteten Straßen klar kommen muss. Todesfälle gab es ja schon. Aber die untätige Landesregierung direkt anzugehen, hält man in Weeze wohl nicht für zielführend und nutzt stattdessen den Hebel LEP. Wie auch immer, es wird Zeit, dass sich etwas tut, die Verkehrssituation in Weeze schreit danach, so oder so!
  3. In dem Artikel kommt es in der Tat nicht rüber, dass es um die Anbindung ans Verkehrsnetz geht. Aber das Thema steht schon lange im Raum und ich verfolge es in der Lokalpresse genau. Man hätte auf NRN gerne eine bessere Straßenanbindung. Darüber wird seit Beginn des Projektes diskutiert. Bei der Bahn wären übrigens ein paar mehr Züge in Randlage wünschenswert, um alle Passagiere auffangen zu können. Aber ganz vorrangig geht es um die Straße. Nun ja, der Bedarf ist allerorten schon lange da, aber dass die Infrastruktur in Deutschland in den letzten Jahren nicht im erforderlichen Maße ausgebaut wurde, ist ja offensichtlich. Marode Brücken, überfüllte Straßen, Schlaglöcher wie noch nie ... alles bekannt. Trotzdem passiert viel zu wenig, obwohl es immer heißt, dass Deutschland ein wohlhabendes Land ist. An der Infrastruktur kann man das jedenfalls nicht festmachen. In Weeze und im Kreis ist der Bedarf unstrittig, aber das Geld muss vom Land, und soweit es die Bundesstraßen und Autobahnen betrifft, vom Bund kommen. Bei der besseren Anbindung des Flughafens Weeze geht es aber vorrangig um Landstraßen, die ausgebaut werden müssten. Dafür stellt die Landesregierung viel zu wenig Geld zur Verfügung. Und da kann der Kreis noch so viel fordern. Bestellt wird in Düsseldorf. Obwohl die Steuereinnahmen so hoch sind wie nie, wird in die Infrastruktur (gefühlt) so wenig investiert wie nie. Das viele Geld geht offensichtlich woanders hin. Ja, das erstaunte mich zunächst auch. Ich hätte mit rund 30 Prozent gerechnet, zumal vor einigen Jahren wiederholt kommuniziert wurde, dass die privaten Investoren 60 Mio. Euro in das Projekt gesteckt hätten. Außerdem konnte man den Wert bei aller Geheimniskrämerei aus den Anteilen errechnen, die der Flughafen in den letzten Jahren an den Kreis abgetreten hat. Aus den wenigen öffentlich kommunizierten Angaben bin ich per Dreisatz ferner auf einen Zins (beim Altkredit) von 4% gekommen und auf einen etwas geringeren Wert des Flughafens als er jetzt angesetzt wurde. Im Dezember 2015 tauschte der Kreis nach Angaben der Presse eine Zinsforderung in Höhe von 1,393 Millionen Euro gegen einen 1,73-prozentigen Anteil am Flughafen aus. Daraus lässt sich der 2015 noch auf Basis älterer Gutachten (das vermutlich zum Zeitpunkt der einige Jahre zurückliegenden Vertragsschließung entstanden ist) zugrunde gelegte Wert des gesamten Flughafens mit 80,5 Mio. Euro errechnen. Gemäß der Pressemitteilung des Kreises hat man sich bei der Wertermittlung bei der Lösung der Altschuldenfrage Ende 2016 an ein neueres Gutachten von Price Waterhouse Cooper gehalten. Diese Gutachter müssen also zu einem Wert von knapp 97 Mio. Euro gekommen sein, da die Einlage des Kreises mit 24 Mio. (nicht 26,8 Mio.) und der prozentuale Anteil mit 24,8 angegeben werden. Diese Wertsteigerung um rund 17 Mio. ist auf den ersten Blick etwas verwunderlich, lässt sich aber damit erklären, dass in den letzten Jahren einige Millionen investiert wurde (zentrales Flüchtlingsdurchgangslager, Solar-Parkplätze, neues Zufahrtsterminal usw.). Wenn man diese wertsteigernden Investitionen berücksichtigt, passt das schon recht gut zusammen. Anmerkung: Der Altkredit belief sich zwar auf 26,8 Mio. Euro, aber da der Kreis umgehend 3,5 Mio. vom Flughafen zurück gezahlt bekommt und ein neuer Kredit über 4 Mio. Euro für die restlichen alten Zinsforderungen vereinbart wurde, hat sich der Kreis nur mit 24 Mio. Euro beteiligt. Quelle: https://www.kreis-kleve.de/de/aktuelles/flughafen-niederrhein-gmbh-kreistag-beschliesst-gruendung-einer-stillen-gesellschaft-und-fortfuehrung-eines-teildarlehens/
  4. Danke für die Blumen, aber die anderen Beiträge hier sind doch auch sehr lesenswert, Deine sowieso. Ich finde, das Niveau hier im NRN-Thread ist mittlerweile sehr hoch. Ich hätte auch keine Lust, an dieser Stelle mit Rüpeln zu kommunizieren. Warum ein Vergleich zwischen FMO und NRN gezogen wird? Nun, weil FMO laut Landes-LEP 1. Liga (landesbedeutsam) sein soll und NRN nur 2. Liga (regional bedeutsam). Das hat dann zur Folge, dass bei dem einen Flughafen (FMO) die infrastrukturelle Anbindung vorrangig behandelt wird, und bei dem anderen Flughafen (NRN) eben nachrangig. Die Einstufung hat also absolut substantielle Bedeutung und hat nicht mit Prestige oder (verletzter) Eitelkeit zu tun. Also stellt sich die Frage, warum gibt es diese Ungleichgewichtung? Dazu gibt es hier aufschlussreiche Stellungnahmen, wie ich finde. Im Übrigen hat der Weezer Gemeinderat am Donnerstag der endgültigen Regelung der Altschuldenfrage ohne Gegenstimme zugestimmt. Die Grünen haben sich übrigens enthalten. In Weeze hat nämlich keine Partei eine Chance, die gegen den Flughafen ist. Deswegen halten sich hier sogar die Grünen zurück. Schließlich arbeiten Hunderte Weezer auf dem Flughafen. Mit dem Ratsvotum ist die Beteiligung des Kreises und der Gemeinde am Flughafen von ursprünglich 0,07 auf 24,8 Prozent gestiegen und zwar in Form einer "stillen Beteiligung". Bei einer Aktiengesellschaft würde man den kommunalen Anteil übrigens in Form von "Vorzugsaktien" (ohne Stimmrecht) ausgeben, was zudem besser klingt.
  5. @Jet: Deine Ausführungen habe ich mit großem Interesse gelesen. Ich bin trotzdem weiter der Auffassung, dass der LEP den von der ursprünglichen Planung abweichenden tatsächlichen Entwicklungen stärker Rechnung tragen sollte. Wenn FMO so gute Voraussetzungen hat, wie Du schreibst, dann muss man sich doch fragen, warum es trotzdem schon seit sehr langer Zeit nicht gelingt, diese guten Voraussetzungen in wirtschaftlichen Erfolg umzumünzen. Ich vermute mal, die etwas periphere Lage des FMO spielt hier eine zentrale Rolle. Aber daran wird sich nicht ändern, auch wenn ich es dem FMO sehr wünsche, dass er in die schwarzen Zahlen kommt. Es geht bei dem Protest der Weezer gar nicht um einen Ausbau des Flughafens. Das ist nicht das Thema. Es geht um die Anbindung an Bahn und Straße. Und da vegetiert Weeze immer noch auf dem Level eines abgelegenen Militärflughafens. Die Straßenanbindung ist noch die gleiche wie zur Zeit der Royal Air Force und damit unzureichend für einen recht stark genutzten Zivilflugplatz. In den letzten Jahren ist auf dem Weg Autobahn-Airport lediglich eine Kreuzung durch einen Kreisel ersetzt worden, weil es dort schwere Unfälle gab, auch tödliche. Die ganze Verkehrs-Situation ist unbefriedigend. Man erhofft sich in Weeze, bei einer Höherbewertung im LEP als "landesbedeutsam" eine bessere Cance auf eine zeitnah optimierte Anbindung an die Straße (Autobahn) zu haben. Und vielleicht auch eine bessere Schienenanbindung. Man sehnt sich konkret nach einer Nordwest-Umgehung des Ortes und damit an eine direkte Anbindung an die A 57. Bisher bewegt sich das Land in dieser Angelegenheit aber sehr wenig. Es geht also nicht darum, dass sich in Weeze jemand auf den Schlips getreten fühlt; in der Hinsicht sind die Weezer "Flughafenmacher" ohnehin viel gewohnt und haben ein sehr dickes Fell. Es geht um eine bessere Erreichbarkeit des Flughafens, weil es seine Konkurrenzfähigkeit stärken würde. Eine Scheindiskussion würde ich das daher nicht nennen. Es geht um handfeste Interessen, und dass der Flughafen NRN dabei etwas auf die Pauke haut, und das bei schlechten Chancen in Brüssel, hat natürlich auch etwas mit PR zu tun. Der Flughafen bringt sich damit ins Rampenlicht, und das ist für einen Flughafen einer kleinen Gemeinde am Niederrhein, die nicht viele kennen, ein durchaus wichtiger Aspekt. Wenn Du das mit Scheindiskussion meinst, stimme ich Dir zu.
  6. Hallo @Fachmann, Du schreibst zu Recht, dass die Bevorzugung bzw. die Etablierung des FMO schon vor sehr langer Zeit festgeschrieben wurde und dass die Förderung durch das Land schon sehr weit zurück liegt. Alles okay. Aber genau das ist der springende Punkt. Man hat vor einigen Jahrzehnten auf FMO gesetzt, aus nachvollziehbaren strukturpolitischen Gründen. Aber die Welt hat sich weiter gedreht, Lippstadt, Dortmund und Weeze sind dazu gekommen. Die beiden letzteren haben sich sogar weit besser entwickelt als FMO, und das ist eben eine ganz andere Entwicklung, als man sie von Seiten der Landesregierung vor vielen Jahrzehnten erwartet hat. Genau deswegen sollte man von Seiten des Landes nicht an einer (damals plausiblen) Uralt-Planung festhalten, sondern den neuen Realitäten gerecht werden. Es wäre ebenso absurd, wenn das Land weiter auf Steinkohle setzen und diese fördern würde, weil das vor 50 Jahren DER heimische Energieträger war. Auf dem Energiesektor hat sich das Land an die geänderten Realitäten angepasst und setzt längst ganz andere Prioritäten. Warum soll das nicht im Luftverkehr auch so sein? Keiner fordert eine Benachteiligung des FMO, sondern lediglich Gleichberechtigung im LEP. Dann besteht immerhin eine Chance, dass der Markt entscheidet, welcher Flughafen besser angenommen wird und welcher nicht. Das ist meistens besser als staatliche Lenkung. Und der Osten von NRW wird schon nicht zu kurz kommen. Dort gibt es ja 3 Flughäfen, genauso wie im Rheinland. Das ursprüngliche Ziel, beide großen Landesteile gleichwertig mit Flughäfen zu versorgen, ist ja bereits realisiert.
  7. Ja, da hast Du Recht. So wurde es damals eindeutig kommuniziert. Aber nur, weil rechtzeitig holländische Investoren gefunden wurden, die leichtgläubig 60 Mio. Euro investiert haben. In Düsseldorf und in Berlin hat man sich wahrscheinlich laut lachend auf die Schenkel geklopft und diebisch gefreut, eines der größten Konversionsprojekte des Landes so einfach und fast kostenlos vom Tisch zu bekommen. Zum Vergleich: Das von der Landesregierung als Erfolgsmodell gepriesene Konversionsprojekt Wildenrath hat bis 1999 (!) laut Landesregierung 85 Mio. DM an Fördermitteln bekommen. Dafür wurden 800 Arbeitsplätze geschaffen (Weeze: über 1000). Und Wildenrath war wie Weeze vorher ein Flugplatz der Royal Air Force. Die Voraussetzungen sind also fast identisch. Gemessen an Wildenrath sind für Weeze nur Peanuts an Landesmitteln (3,8 Mio. Euro für ohnehin notwendige Anpassungsmaßnahmen) abgefallen: Quelle: https://www.bicc.de/uploads/tx_bicctools/Konversionsbericht_Band_4.pdf Nein, willkürlich ist die Entscheidung sicher nicht, sie ist vielmehr wohl kalkuliert. Ich vermute Absicht im Vorfeld der Landtagswahl. In FMO hat sich das Land finanziell über Jahrzehnte finanziell sehr engagiert, und das, bis auf die 5 Rüttgers-Jahre, immer unter SPD-Landesregierungen. FMO ist weitgehend ein SPD-Projekt (plus Koalitionspartner). Diese Investitionen muss die Landespolitik natürlich vor der Wählerschaft rechtfertigen. Ein wirtschaftlicher Flop von FMO wäre fatal und würde (auch) dem Land bzw. der Landesregierung (unter SPD-Führung) angekreidet werden. Deswegen wird Münster/Osnabrück bevorzugt. Und FMO im LEP besser zu stellen als die anderen Regionalairports ist ein guter Trick, den Flughafen zu begünstigen, ohne das als direkte Subvention rechtfertigen zu müssen. Das ist m. E. des Pudels Kern. ... Es geht auch nicht darum, was dem Land künftig erlaubt ist. Es geht darum, was in der Vergangenheit investiert wurde und heute durch wirtschaftlichen Erfolg vor dem Wähler gerechtfertigt werden muss. Und da steht FMO in Sachen Landesförderung eben schon lange ganz weit oben. Und DAS ist aus meiner Sicht kein Zufall. Weeze hat halt das "Pech", dass das Land das Konversionsprojekt praktisch ohne große eigene Anstrengung bekommen hat und nicht mal in die Konversion investieren musste. Ein Geschenk des Himmels. Also kann man NRN von Seiten des Landes auch kurz halten; es gibt da, im Gegensatz zum FMO, politisch nicht so viel zu verlieren, denn es ist ja kein Projekt der Landes-SPD. Und da der Kreis Kleve fest in CDU-Hand ist, engagiert sich der Kreis (notgedrungen!) auch mehr für NRN als das Land (unter SPD-Grün). Kurzum, ich bin davon überzeugt, dass die Landespolitik im Vorfeld der Landtagswahlen 2017 eine große Rolle spielt, zum Nachteil für NRN, zum Vorteil für FMO.
  8. Die Erfolgsaussichten in Brüssel dürften in der Tat gering sein. Dennoch sollte man nichts unversucht lassen und damit auch öffentlichen Druck ausüben, denn es ist wettbewerbsverzerrend und schlicht ungerecht, Münster/Osnabrück im LEP deutlich besser zu stellen als andere Flughäfen, die erheblich mehr Passagiere befördern. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass das Land ausgerechnet denjenigen Flughafen begünstig, der in besonderem Maße mit Landessubventionen bedacht wurde, nämlich Münster/Osnabrück, während Weeze nur ein Minimum an Unterstützung erhalten hat, obwohl Weeze, im Gegensatz zu FMO, ein Konversionsprojekt ist. Und die Konversionsprojekte wurden vom Land NRW in der Regel sehr üppig gefördert; nur eben Weeze nicht. Da hatte man ja die investitionsfreudigen Niederländer und so konnte sich das Land (wie der Bund) vornehm zurück halten. Das stinkt schon ein wenig zum Himmel.
  9. Wenn ich das wüsste ... Das Ryanair-Programm ab NRN ist jedenfalls seit Jahren stabil. Dem Vernehmen nach gibt es einen Vertrag mit Ryanair, der wohl ein gewisses Volumen garantiert. Mehr ist nie kommuniziert worden. Mehr möchte ich daher dazu auch nicht sagen. Dass der "Flughafen" im letzten Jahr 2,3 Mio. Euro erwirtschaftet hat und jetzt sogar zeitnah 3,5 Mio. Euro Zinsen für den Altkredit zurück zahlen will, spricht für eine gewisse Leistungsfähigkeit des "Gemischtwarenladens", die doch ein wenig überraschend erscheint. Wenn man aber meine Interpretation berücksichtigt, dass der Flughafen den Kreis unbedingt ins Boot ziehen wollte, was ja jetzt gelungen ist, dann überrascht das allerdings nicht mehr so sehr. Für die Politik im Kreis war es immer sehr peinlich, dass die Rückzahlung der Kreiskredite Jahr für Jahr aufgeschoben wurde und in der Öffentlichkeit dafür stets viel Kritik zu ertragen war, was natürlich am Image der Politik nagte, so weit sie den Flughafen befürwortet. Für die Grünen war es wiederum stets ein verlässlicher Anlass, die Befürworter aus CDU und SPD jedes Jahr kurz vor Weihnachten, wenn es um die Thematik ging, vor sich her zu treiben. Die Nichtrückzahlung hatte jedenfalls ein beachtliches "Erpressungspotential", das H. Buurman geschickt genutzt hat, um den Kreis doch noch an der Finanzierung zu beteiligen. Selbst in Weeze, wo gemäß Umfragen 90% der Einwohner den Flughafen befürworten, war die Kritik an der ungelösten Altschuldenproblematik heftig, und das bis in die Reihen der treuesten Anhänger, was wiederum die Politik mürbe gemacht hat. Jetzt ist das Thema vom Tisch, der Kreis ist mit im Boot, was dem Investor langfristig das Wohlwollen der Politik sichert. Die Politik wiederum ist jetzt von der Altlast "Altschulden" befreit und kann aufatmen, dass das Thema endgültig erledigt ist. Die Gegner heulen jetzt noch einmal auf, und das war es dann. Im nächsten Jahr fällt das gewohnte Theater jedenfalls erstmals aus, und das ist gut so. Als alter Weezer bin ich froh, dass dieses Schauspiel bzw. Pokerspiel zu Ende ist. Es hat dem Image beider Seiten geschadet, was den niederländischen Investor aber wohl weniger gestört hat als die deutschen Kommunalpolitiker, die ja wiedergewählt werden wollen. Es beginnt nun ein neues Kapitel. Wie es mit dem Flughafen weiter geht, weiß ich nicht, aber ich hoffe, insbesondere für das engagierte, verschworene Flughafenteam, und meine alte Heimat, dass die Zukunft gut wird!
  10. Nun ja, der Flughafen wurde von Anfang an als "Euregionales Zentrum für Luftverkehr, Transport und Logistik" konzipiert. Also als Gemischtwarenladen. Und das ist er auch. Flugbetrieb ist nur noch eine Säule, und mit Immobilien, Flüchtlingslager, Veranstaltungen etc. scheint der Flughafen am meisten Geld zu verdienen. Er ist also breit aufgestellt und das macht ihn wohl etwas unabhängiger von Ryanair.
  11. In der Tat! Zur endgültigen Regelung der seit über zehn Jahren offenen "Altschuldenfrage" hat der Klever Kreistag am Donnerstag einen entscheidenden Beschluss gefasst, und zwar so wie vorab von der RP erwartet (s. o.). Der Kreistag hat die Gründung einer sogenannten "Stillen Gesellschaft" beschlossen. Stille Gesellschaft bedeutet, dass sich der Kreis mit der Summe von 26,8 Mio. Euro beim Airport Weeze einkauft, ohne in die operative Geschäftsführung einzutreten. Gleichzeitig erhält der Kreis Anteile aus dem Gewinn des Flughafens und ist, wie bisher, im Falle einer Insolvenz Gläubiger. Hintergrund: In den Jahren 2004 bis 2006 hatte der Kreis Kleve dem Flughafen Kredite gewährt, die nicht zurück gezahlt wurden. Ursprünglich wollte die Politik in Weeze bzw. Kreis Kleve den Flughafen ja komplett fremd (privat) finanzieren lassen und selbst keinen Cent beitragen. Es wäre ein Husarenstück gewesen. Nachdem der erste (niederländische) Investor aber frustriert ausgestiegen war (s. o.), nachdem er rund 60 Mio. Euro in den Aufbau gesteckt hatte, hat der niederländische Nachfolger im Investorenkonsortium (H. Buurman) den Kreis über die Kredite quasi nachträglich noch mit in die Finanzierung hineingezogen. Über 10 Jahre wurde gepokert, was mit den Krediten geschieht. Der Kreis wäre gerne dabei geblieben, keinen Cent in das Konversionsprojekt zu stecken. Nun hat sich der Investor aber doch durchgesetzt und der Kreis beteiligt sich doch mit einem Anteil an dem Projekt. Die damals gewährten Kredite entsprechen der jetzt getätigten Beteiligung des Kreises über 26,8 Mio. Euro. An Zinsen sind in den letzten Jahren etwa 7,5 Mio Euro angefallen, von denen der Flughafen zeitnah 3,5 Mio. Euro an den Kreis zurück zahlt. Für die restlichen 4 Mio. Euro wird ein neuer Kredit vereinbart; vermutlich zu deutlich niedrigeren Zinsen (der alte Kredit war mit etwa 4% verzinst). Damit wird der Kreis (stiller) Teilhaber am Flughafen. Wie hoch der relative Anteil des Kreises an der Flughafen-Gesellschaft sein wird, wurde bisher nicht offiziell kommuniziert. Dem Vernehmen nach soll der Anteil bei nur 24,8 Prozent liegen (ich hatte ungefähr 33 Prozent getippt). Damit ist die Altschuldenfrage endgültig gelöst und der Flughafen bleibt zu drei Vierteln in privater Hand. Ursprünglich wollten die Gemeinde Weeze und der Kreis Kleve ihren Anteil auf symbolische 0,07 Prozent begrenzen und den Flughafen zu über 99,9 Prozent privat finanzieren lassen. Dieses Ziel ist mit dem Beschluss vom Donnerstag zwar hinfällig geworden, aber eine private Beteiligung von 75,2 Prozent kann aus Sicht der Kommunen trotzdem als großer Erfolg bewertet werden. Andere Flughäfen in NRW sind zu 100 Prozent von der öffentlichen Hand finanziert und befinden sich damit vollständig in staatlichem Besitz, etwa Dortmund, Lippstadt, Münster und Köln/Bonn (und schreiben z. T. auch noch Verluste, die zusätzlich von der Öffentlichen Hand beglichen werden). Lediglich für den Flughafen Düsseldorf konnten vor einigen Jahren Investoren gefunden werden, die sich zu 50 Prozent beteiligt haben. Damit befindet sich der Flughafen Weeze auch im bundesweiten Vergleich in einer Spitzenposition; kaum ein anderer Flughafen in Deutschland wurde mit so einer geringen Beteiligung der Öffentlichen Hand und einem so großen Engagement privater Investoren realisiert. Quellen: https://www.kreis-kleve.de/de/aktuelles/flughafen-niederrhein-gmbh-kreistag-beschliesst-gruendung-einer-stillen-gesellschaft-und-fortfuehrung-eines-teildarlehens/ http://www.rp-online.de/nrw/staedte/kevelaer/flughafen-finanzierung-neu-aufgestellt-aid-1.6455056
  12. Für die Altschulden des Flughafens Weeze scheint sich jetzt eine Lösung anzubahnen. Ende 2016 läuft bekanntermaßen die alte Regelung aus und ein Neuregelung muss noch in diesem Jahr gefunden werden. Die Kredite des Kreises Kleve (Altschulden), die dem Flughafen im Zeitraum von etwa 2004 bis 2006 gewährt wurden, wurden damals über eine kreiseigene Entwicklungsgesellschaft (EEL) direkt in die Aufwertung der Infrastruktur investiert, um eine Subventionierung des Flugbetriebes mit dem geliehenen Geld auszuschließen. So wurde von dem Geld beispielsweise die Aufrüstung mit Cat III finanziert. Obwohl der Flughafen seit über 10 Jahren auf eigenen Beinen steht und seither einen bescheidenen Gewinn erwirtschaftet hat, hat er es nie geschafft, Zinsen und Tilgung für den Kreiskredit (Altschulden) aufzubringen. Der alte Zinssatz dürfte nach meiner Schätzung auf Basis der (wenigen) bekannten Zahlen bei ca. 4% liegen, was nach derzeitigem Stand natürlich extrem günstig für den Kreis ist, und entsprechend ungünstig für den Flughafen. Dieses Vor-sich-herschieben hat dem Image des Flughafens stets geschadet, weil einige Kritiker darin eine verdeckte Subventionierung sehen. Gemäß der aktuellen Berichterstattung (s. u.) sollen die ursprünglich vom Kreis geliehenen 26,8 Millionen in eine stille Beteiligung des Kreises am Flughafen umgewandelt werden. Ein Teil der Zins-Schulden wird in einen neuen Kredit zu vermutlich deutlich niedrigeren Zinsen umgewandelt und die restlichen Zinsschulden von 3,5 Mio. Euro zahlt der Flughafen direkt zurück an den Kreis. Nach meinen Schätzungen auf Basis der begrenzten öffentlich verfügbaren Informationen zu dem Thema würde der Kreis damit Anteilseigner in einem Volumen von rund 30 bis 35% werden. Die restlichen Anteile verbleiben in der Hand der niederländischen Investoren, die das operative Geschäft weiter führen. Mit der angestrebten Lösung wäre endlich ein Schlussstrich unter die Angelegenheit gezogen. Man fragt sich, warum nicht gleich so? Andernorts wäre die Öffentliche Hand heilfroh, nur mit einem Drittel an einem Flughafen beteiligt zu sein und keine laufenden Defizite ausgleichen zu müssen. Das hat aus meiner Sicht einen einfachen, aber wenig bekannten Grund. Die Politiker vom Niederrhein wollten den Flughafen seinerzeit ohne jede eigene Beteiligung durch private Investoren realisieren lassen. Während andernorts private Investoren die naiven Politiker über den Stuhl ziehen und ausquetschen, verlief es in Weeze zunächst nämlich genau umgekehrt. Die Weezer und Klever Politik suggerierte den zupackenden niederländischen Investoren gute Geschäfte. Der ursprüngliche Hauptinvestor (Hans van de Lande), eine freundlicher ehemaliger Kapitän, der sich ein Logistik-Imperium aufgebaut hatte, steckte einen hohen zweistelligen Millionenbetrag in den Aufbau des Flughafens in der naiven Hoffnung, damit leicht gutes Geld verdienen zu können. Dass in Deutschland alles ein Bisschen schwieriger und bürokratischer ist, und in der Luftfahrt sowieso, musste der sympathische, hemdsärmelige Investor erst noch lernen. Noch vor der Eröffnung des Flughafens ließ er über die Presse verlauten, er habe schon Flug-Gesellschaften an der Hand, die in die Karibik fliegen würden. Von "Taino" war damals zu lesen. Der gutgläubige Mann wusste gar nicht, dass Weeze für entsprechendes Fluggerät gar keine Zulassung hat; die Politiker hatten es ihm jedenfalls nicht gesagt. Als er erkannte, dass seine Pläne nicht aufgingen, und dass die schlitzohrigen niederrheinischen Politiker wohl ein etwas zu rosiges Bild gezeichnet hatten, zog er sich frustriert aus dem Projekt auf sein Kerngeschäft (Logistik) zurück. Ein anderer niederländischer Unternehmer, der aus ganz anderem Holz geschnitzt ist, übernahm das Ruder im Konsortium und zog den Kreis über die Kredite dann doch noch mit ins Boot nach der Devise, entweder macht der Kreis bei der Finanzierung doch noch mit oder der Betrieb wird gegen die Wand gefahren. Damit ist die Rechnung des Kreises am Ende doch nicht ganz aufgegangen wie geplant. Eine Beteiligung zu einem Drittel wäre m. E. aber immer noch ein tolles Geschäft. Bei welchem Flughafen mit ähnlich gelagerten Rahmenbedingungen kommt die öffentliche Hand besser weg? Mir fällt kein Beispiel ein. Als gebürtiger Weezer mit guten Kontakten in die Heimat ziehe ich meine Hut vor den Beteiligten, der erfolgreichen niederrheinischen Politik und dem cleveren Management des Flughafens. Als die Briten in den 90er Jahren Weeze verließen und mit der Royal Air Force Basis das wichtigste Standbein der Region weg brach, war die Gemeinde in tiefe Depression verfallen und die Panik groß. Weeze bot ein tristes Bild des Jammers. Heute dagegen ist Weeze eine stark boomende, stetig wachsende, heraus geputzte Gemeinde. Kein Vergleich mit der Depression vor 20 Jahren. Und wer eine Runde über den Flughafen fährt, wird ebenfalls feststellen, dass man dort sehr genau weiß, wie man noch die letzte Hütte gut vermarktet. Die ehemalige Geisterstadt hat sich in ein boomendes Gewerbegebiet gewandelt, in dem der Flugbetrieb nur noch ein Baustein unter anderen zu sein scheint. Und wohl nicht der gewinnträchtigste. Sei's drum, der Laden läuft, und das ist offensichtlich gut so für die Region. Hier der Link zum aktuellen Stand um die Lösung der Altschuldenproblematik: http://www.rp-online.de/nrw/staedte/kleve/flughafen-weeze-zahlt-teil-seiner-schulden-zurueck-aid-1.6421602
  13. Wie der Flughafen Weeze (auch) Geld verdient. Wieder eine clevere Idee: http://www.rp-online.de/nrw/staedte/goch/airport-mit-der-sonne-geld-verdienen-aid-1.6259983
  14. Der "Spiegel" untersuchte jüngst 11 Regionalflughäfen, und nur einer kommt dabei positiv weg: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/regionalflughaefen-in-deutschland-wenig-passagiere-kaum-fluege-a-1101924.html
  15. Flughafen Weeze meldet 2 Mio. € Gewinn in 2015 - Neues über NRN und andere Regionalflughäfen im "Handelsblatt": http://app.handelsblatt.com/unternehmen/handel-dienstleister/regionalflughaefen-in-der-krise-nur-landratspisten-ohne-perspektive/13365914.html?mwl=ok