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shamu

Der Klassiker – Neu aufgelegt: Mit Ryanair nach Dublin 2.0 (FMM – DUB – FMM)

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Ich erinnere mich noch gut an die „Anfangszeiten“ der Billigfliegerei, als besonders die Reisebericht über Dublin, London (mit Anflug über Stansted) und Barcelona (mit Anflug über Girona bzw. Reus) die Foren füllten. Jeder düste einmal auf der Standartstrecke und hinterließ einen Bericht für die Nachwelt.

 

Leider ist mir beim Durchklicken durch die alten Berichte aufgefallen, dass viele der Berichte mittlerweile bilderlos sind. Die imageshack-Links sind tot, die damaligen Server platt oder die Fotos sind bei diversen Foren-Umzügen unter die Räder gekommen.

Deswegen habe ich mich nun noch einmal auf diese “Standart-Reise“ begeben und euch nicht nur ein paar Fotos sondern auch ein Phil-typisches Reisevideo in 1080p mitgebracht.

Und ja, ich geb's zu: Ich bin in Sachen Airline ein wenig voreingenommen :D

 

Reisevideo (1080p FullHD – 8:40min)

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Videolink: youtu.be/dhgcU0WNDVE

Mein YouTube-Kanal freut sich immer über euer Abo: http://www.youtube.com/killerwalcom

 

Text-Reisebericht

Tag 1 - Flug mit Ryanair von Memmingen nach Dublin, Ankunft am Trinity College & gemütlicher Spaziergang in Temple Bar

 

Montag morgen – kurz nach dem Frühstück.

Noch immer waren die Spuren des wohl regenreichsten Mai sowohl am Himmel als auch am Boden zu sehen und natürlich auch in den Nachrichten zu verfolgen: Deutschland wurde erneut von einem Jahrhunderthochwasser heimgesucht. Ganze Landstriche und Städte kämpften mit den Fluten und selbst die A8 in meiner alten Heimat wurde vom Chiemsee verschluckt. Während Conny und ich zum Memminger Flughafen fuhren, kam das Wasser glücklicherweise nur tröpfelnd von oben.

Boah, was haben wir Petrus eigentlich getan? Immerhin haben wir es jetzt schwarz auf weiß, dass ein solch beschissener Frühling nicht normal ist.

 

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Für uns ging's aber jetzt nach Dublin!

Mittlerweile ist Ryanair gute 4 Jahre in Memmingen aktiv und die Strecke nach Irland war zusammen mit London und Girona von Anfang an dabei. Komisch, wieso war ich noch nie an Bord? Ich war selber total von der Beliebtheit dieser Strecke überrascht. Für einen Flug am Montag Mittag war die Maschine echt gut ausgebucht.

 

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Großes Lob an dieser Stelle an den Allgäu Airport: Im Zuge einer Service-Offensive hat man sich zum Installieren von kostenlosem WiFi im kompletten Terminal entschieden. Dafür gibt’s von mir den Doppeldaumen noch oben. Mögen die Zeiten von kostenpflichtigen und zeitlich begrenzten Zugängen bald der Vergangenheit angehören.

 

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Erst nach dem Start unserer Boeing wurde mir bewusst, dass ich tatsächlich seit meinem zweiten Ausflug nach Brüssel nicht mehr mit den Iren unterwegs war. Bei Conny haben wir sogar dank lückenlos geführter Flugstatistik mehr als ein ganzes Jahr Ryanair-Abstinenz ermittelt. Da war dieser Flug aber allerhöchste Eisenbahn.

 

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Die geflogene Strecke überraschte mich doch ein wenig. Statt einem direkten Flug in nördlicher Richtung hielt unser Pilot zuerst einen strengen Westkurs und sackte sogar bis auf die Höhe von Basel ab. Danach ging's dann über Frankreich in Richtung Kanal.

 

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Oben sieht man sehr gut, wie wir zum ersten Mal über die englische Küste flogen. Diese Landzunge ist eine ehemalige Sandinsel innerhalb der Romney Marsh bei Lydd, die durch Entwässerung und diverse Dämme bewohnbar wurde. Der Flughafen von Lydd ist in der Mitte gut zu erkennen.

Gerade im südlichen England merkte man die Nähe zu Heathrow & Co. Die Luft wurde eisenhaltig und immer wieder knatterten Jets links und rechts an einem vorbei. Ein beeindruckender Anblick.

 

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Gemäß dem vorher in Memmingen noch einmal frisch aktualisierten Wetterbericht konnten wir ruhigen Gewissens den heutigen Tag zum Ankommen benutzen. Das Wetter sollte mittelmäßig bleiben, während die Zeichen für den Dienstag auf „heiter“ standen. Völlig konform zu dieser eher miesen Prognose flogen wir die letzten Minuten durch eine fiese Nebelsuppe in Richtung Dublin.

Aber Moment mal: Was zum Geier war das denn für ein Wetter am Flughafen kurz nach der Landung?

 

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Strahlender Sonnenschein! 20°C! Und wir beide standen in unseren dicken Winterjacken auf dem Apron.

Leider dauerten die Formalien am Flughafen in Dublin doch ein wenig länger als ich dachte, so dass wir erst eine Stunde nach der Landung in der Innenstadt ankamen. Genau wie in England gibt es in Irland immer noch eine Passkontrolle für ankommende Passagiere. Der Euro als Währung sollte nicht über die Tatsache hinweg täuschen, dass Irland beim Schengener Abkommen nur zu der Gruppe der kooperierende Staaten gehört.

Vor lauter Hektik hatte ich sogar glatt vergessen, den Flughafenbus zu fotografieren. Egal, dann gibt’s halt noch mal ein Bild von unserem fotogenen Flugzeug.

 

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Die Innenstadt selber war an diesem Tag zum Bersten gefüllt: Hier lief gerade der Mini-Marathon, der ausschließlich Frauen vorbehalten ist. Möchte man als Mann dennoch mitlaufen, so bleibt einem ausschließlich die Verkleidung. Ein klein bisschen diskriminierend, aber dennoch lustig.

Unser Bus wich aufgrund umfangreicher Straßensperrungen von seiner normalen Route ab und ließ uns direkt am Trinity College aussteigen.

 

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Am heutigen Tag musste uns der Anblick vom Nordportal reichen. Für ein spontanes Sightseeing im ältesten College von Dublin waren wir doch zu schwer bepackt und nebenbei auch viel zu warm angezogen. Mit gekonntem Blick auf die Karte wurde der Weg zu unserem Hotel ein Kinderspiel. Erst auf dem Weg realisierte ich, dass unser Central Hotel seinen Namen mehr als verdient: Wir wohnten ja direkt am südlichen Ende von Temple Bar.

 

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Nachdem wir unser Hotelzimmer inklusive Dusche ausgiebigst getestet hatten, beugten wir uns der strahlenden Sonne. Verdammt – so ein Mistwetter wäre die perfekte Ausrede für einen faulen Abend gewesen. Und jetzt auf einmal dieses latente Gefühl von Torschlusspanik. Petrus, wir müssen reden!

 

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Als erstes stockten wir unsere Mampf-Vorräte auf und machten den direkt gegenüberliegenden Supermarkt unsicher. Vom Preisniveau überraschte mich Dublin wirklich mit seiner Erschwinglichkeit. Im Gegensatz zu Städten wie Paris oder Stockholm würde ich der irischen Metropole fast schon das Prädikat „normal“ verleihen. Kein Vergleich zu Oslo, wo man vor vollen Theken verhungern kann.

 

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Am Abend ließen wir uns einfach durch die Gassen in nördlicher Richtung treiben. Als grobes Ziel steuerten wir das kleine Flüsschen Liffey an. Erster Halt auf unserem Weg: Das Stadtviertel Temple Bar.

 

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Temple Bar ist einfach der Touristenmagnet schlechthin. In der Nähe dieses In-It-Must-Have-Hipster-Viertels sollte sich niemand ein Hotel buchen, der nicht mit lauter irischer Musik und ein wenig Gesang klar kommt. Im Vorhinein hatte uns allerdings schon ein Einheimischer den Hinweis gegeben, dass sämtliche Pubs in Dublin (und vor allem in Temple Bar) ausschließlich für Touristen gebaut wurden. Der Ire, so seine feste Überzeugung, würde eigentlich gar keinen Alkohol trinken.

Starke These. Also ich glaubte dem Zeitgenossen kein Wort.

 

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Für den perfekten Ausklang am Wasser sorgte dann mein kleines Highlight des Tages: Die Ha'Penny Bridge. Ich finde Brücken und ihre Geschichten einfach total spannend. Und diese hier hat wirklich so einiges zu erzählen.

 

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Bis 1815 sorgte an dieser Stelle nur eine Fährverbindung dafür, dass die Einwohner von der Nord- zur Südseite der Liffey kamen. Willy Walsh, der Betreiber der Schiffe, bekam allerdings von den Offiziellen der Stadt mächtigen Ärger, weil sämtliche Fähren in einem erbärmlichen bis katastrophalem Zustand waren. Die Auflage war relativ simpel: Entweder würde er seine Seelenverkäufer runderneuern oder einfach eine Brücke bauen.

Walsh entschied sich für die Brückenlösung, obwohl die Stadt eine fiese Klausel im Vertrag verankert hatte: Sollte die Brücke im Nachhinein als störend empfunden werde, müsste Walsh sie auf eigene Kosten wieder abreißen. Ein Geschäftsrisiko der besonderen Art.

 

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Doch die Rechnung ging für Walsh auf und die Brücke wurde nicht nur zu dem Markenzeichen der Stadt Dublin, sondern auch zu seiner persönlichen Goldgrube. Genau wie für seine Fährschiffe verlangte er von jedem einen halben Penny als Maut, die bei den Drehkreuzen an beiden Enden der Brücke zu entrichten waren. Genau der daher rührt auch auch der Name Half Penny Bridge, obwohl sie eigentlich auf den Namen Wellington Bridge getauft wurde. 1919 endete nach über 100 Jahren die Mautpflicht, so dass man heute die Liffey so oft kostenlos überqueren darf, wie man will.

 

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Das letzte Ziel des heutigen Abends war The Spire, eine 123 Meter hohe Edelstahl-Naden die 2003 in der Mitte der O'Connell Street errichtet wurde. Wenn ich mich recht erinnere wollte man ursprünglich noch irgendwas das Wort "Millenium" im Namen des Bauwerks einbringen. Dank der gescheiten Verspätung verzichtete man aber drauf und nannte die Säule offiziell „Monument of Light.

Bis zum 8.März 1966 stand an dieser Stelle die Nelson's Pillar, eine 36 Meter hohe Säule mit einer Statue von Admiral Horatio Nelson. Joe Christle, ein ehemaliges Mitglied der IRA, war allerdings sichtlich unzufrieden mit diesem Denkmal, so dass er eines Morgens jede Menge Sprengstoff anbrachte und die Umgestaltung der Stadt selbst in die Hand nahm.

 

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Den Rest des Abends ließen wir dann gemütlich ausklingen. Schließlich stand uns der eigentliche Sightseeing-Tag mit jeder Menge Sonne erst noch bevor.

 

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Tag 2 – Trinity College, Grafton Street, St. Stephen’s Green, Fusilier’s Arch, St. Patricks Cathedral, Christ Church Cathedral, Sean O’Casey Bridge, Samuel Beckett Bridge, Custom House & Ha’Penny Bridge

 

Nach den vielen Pauschalreisen, die wir in letzter Zeit unternommen hatten, waren Conny und ich wieder so richtig im Trott der guten alten Billigflieger-Städtetrips angekommen. An einem Tag fliegt man hin und akklimatisiert sich ein wenig, während der nächste Tag voll und ganz dem Sightseeing gewidmet wird. Das Ausschlafen war somit beschlossene Sache. Schon alleine deswegen, weil wir die passenden irisch/englischen Stromadapter nicht dabei hatten und den Akku unserer iPhones nicht unnötig mit der Weckerfunktion belasten wollten.

Erster Stopp des Tages: Das Trinity College.

 

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Zwar hatten wir dieses Gebäude gestern eigentlich schon abgefrühstückt. Allerdings waren wir zu diesem Zeitpunkt nicht nur für Sightseeing viel zu dick angezogen und zu schwer beladen gewesen, sondern auch ein weiteres Manko ließ mich diesen Platz links liegen lassen: Die Sonne schien von der falschen Seite. Ja, bei solchen Details bin ich schwer pingelig. Und so freute ich mich ganz speziell auf die morgendliche interstellare Beleuchtung, die den Parliament Square des College wunderbar in Szene setzte.

 

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Richtig großes Glück hatten wir, als ich eine Putzkollonne vor der offenen Tür der Examination Hall erspähte. Schnellen Schrittes mischte ich mich dazu und konnte ein Foto vom Interieur schießen. Alle Achtung, hier darf standesgemäß gepaukt werden.

 

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Natürlich rennt einer solchen Einrichtung ihr Ruf voraus, so dass es niemanden wundern dürfte, dass das Trinity College zu den besten 50 Bildungseinrichtungen der Welt gehört. Zwar las ich erst kürzlich in einem Zeitungsbericht, dass es zwischen Lehrern und Schülern weit lockerer als in beispielsweise Cambridge zugehen soll. Beim Rasen, wie hier am Library Square, bleibt man hingegen strikt englisch. Hier wird wahrscheinlich täglich mit der Nagelschere getrimmt. Betreten ist natürlich strengstens untersagt.

 

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Ich weiß zwar nicht, wie ihr dazu steht. Aber die Pub-Mentalität in Dublin ist aus meiner Sicht einfach großartig. Schänken sind in der Innenstadt allgegenwärtig und wirken mit ihren Fässern vor der Tür teilweise wie extra errichtete Touristenattraktionen.

 

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Generell wirkt die Bausubstanz der Innenstadt unglaublich original, was sicher auch mit der relativ neutralen Position von Irland im Zweiten Weltkrieg zu erklären ist.

Einzig und allein um einen Bombenangriff der Deutschen auf Dublin im Jahr 1941 ranken sich heute mehrere Mythen, gerade weil sich die Schäden für damalige Verhältnisse in Grenzen hielten. Die Deutschen argumentierten später, dass sich unerfahrene Piloten verflogen hätten und überwiesen eine ganze Stange Geld als „Entschuldigung“. Später gab es auch Stimmen, die die Angriffe den Briten in die Schuhe schoben, um einen Kriegseintritt Irlands zu provozieren.

 

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Schwenken wir von der Geschichte wieder zurück ins heutige Dublin. Wie in jeder Großstadt steht auch Shopping ganz oben auf der Liste von Einheimischen und Touristen, so dass ich euch nun die Haupteinkaufsstraße der Stadt zeigen möchte. Die Zeiten der individuellen Läden auf der Grafton Street sind zwar auch schon lange gezählt. Conny fand dennoch zwischen McDonald's und H&M diverse Klamottenläden, die es bei uns zu Hause wohl nicht gibt. Mehr dazu wird sie sicher auf ihrem Blog Fashionvictress.com erzählen.

 

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Wem nebeneinander aufgereihte Läden nicht reichen, darf auch gerne im St. Stephen's Green Shopping Centre sein Glück auf mehreren Etagen versuchen. Zur Zeit ihrer Errichtung war die Mall das größte Einkaufszentrum Irlands.

 

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Perfekt zum Namen der Mall passend, befinde sich der Park St. Stephen's Green direkt daneben. Als grüne Lunge der Stadt würde ich zwar eher den etwas weiter entfernt liegenden Phoenix Park mit 8km² Fläche bezeichnen. St. Stephen's Green liegt aber wesentlich näher an der Altstadt. Und trotz seiner Größe von "nur" 89000 m² kommt hier auch nicht wirklich Platzangst auf.

 

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Von der Mall bzw. der Grafton Street kommend, betritt man den Park durch den Fusilier’s Arch aus dem Jahre 1907, der an die gefallenen Soldaten der Royal Dublin Fusiliers erinnert, die während des Burenkrieges gefallen sind.

Da die Errichtung dieses Bogens gerade in eine Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Irland fiel, hielt die Bevölkerung damals nicht von Denkmälern an vergangene imperialistische Schlachten. Deswegen besitzt das Bauwerk auch heute den Spitznamen Traitor's Gate.

 

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Völlig unpolitisch war dieses Schwanenpaar, die mehrere Baby-Schwäne im Schlepptau hatten. Klar, dass hier sofort gestoppt wurde und das lange Objektiv ausgepackt werden musste.

Nach der Enten-Fotografiersession in Zürich folgte jetzt Part 2 mit Schwänen.

 

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Die Zeit rannte nur so vor uns davon, so dass wir quasi dazu gezwungen wurden uns ein schnelleres Verkehrsmittel zu besorgen. Zwar besitzt Dublin mittlerweile auch ein öffentliches Fahrradverleihsystem nach dem Vorbild der Velib'-Stationen in Paris. Wir entschieden uns aber für ein Fahrzeug mit mehr PS und enterten zum ersten Mal einen Hop-on/Hop-off-Bus. Premiere!

 

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In alter Tradition fuhren wir zuerst zum weit entferntesten Ziel für den heutigen Tag: Der St. Patricks Cathedral. In völlig geistiger Umnachtung standen wir auf einmal mitten während des Fotografierens in einer russischen Reisegruppe und wurden vom weiblichen Guide in Domina-Manier in die Kirche gescheucht. Wir verstanden zwar kein Wort von dem, was sie uns erzählte. Aber braves Nicken und Fotografieren half, sie milde zu stimmen.

 

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Still und leise separierten wir uns wieder von der Gruppe, um die Kathedrale von außen zu bestaunen. Das Gotteshaus steht in Mitten des St. Patrick's Park, der bei diesen Temperaturen nur zu gerne als Picknick-Wiese bemühte wurde.

 

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Nächster Stopp auf der Liste war die Christ Church Cathedral, die man im nächsten Bild auf der rechten Seite sieht. Das linke Gebäude trägt den Namen Dublinia und beherbergt die gleichnamige Ausstellung über die Geschichte der Stadt und vor allem das mittelalterliche Dublin.

 

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Interessanterweise steht die Kirche an einer Stelle, an der bereits im Jahre 1038 die Wikinger eine hölzerne Kirche gebaut hatten. Die erste Kirche aus Steinen in etwa der gleichen Form wurde 1172 in Auftrag gegeben und 1240 fertig gestellt. Leider ist durch die ungenaue Dokumentation einer umfangreichen Sanierung gegen Ende des 19. Jahrhundert nicht mehr genau nachweisbar, welche Steine nun aus dem Mittelalter und welche aus der Neuzeit stammen.

 

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Für den Abend planten wir noch eine kleine Tour am Wasser entlang. Ich hatte im Vorhinein wunderbare Fotos vom Sonnenuntergang an der Liffey gesehen, so dass ich unbedingt die zahlreichen Brücken über die Liffey in einer ähnlichen Stimmung ablichten wollte. Wir schlenderten also hinaus in Richtung Meer zu den Docks von Dublin, in denen die europäischen Vertretungen von Google, Microsoft oder Apple ihren Sitz haben. Niedrige Steuern können ja so verdammt attraktiv sein.

 

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Die Sonne wanderte langsam nach unten, so dass wir die Sean O’Casey Bridge noch relativ unspektakulär vorfanden. Diese Fußgängerbrücke wurde 2005 erbaut und nach dem irischen Dramatiker und politischem Aktivist benannt.

 

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Während man die O’Casey-Brücke in zwei Teilen zur Seite schwenken kann, um Schiffen die Durchfahrt zu ermöglichen ist die wesentlich spektakuläre Samuel Beckett Bridge in einem Teil dreh- bzw schwenkbar. Gut zu erkennen ist die preisgekrönte Harfenform und das mächtige asymmetrische Drehlager.

 

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Wir blieben dort einige Zeit, doch leider wollte partout kein Schiff durchfahren und ein Verschwenken der Brücke auslösen. Immerhin die Sonne tat mir einen Gefallen und platzierte sich direkt hinter der Brücke.

Yeah, genau dieses Motiv wollte ich haben!

 

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Auf dem Rückweg zum Hotel stolpern wir fast zufällig an diesem klassizistischen Bauwerk vorbei. Das Custom House war früher einmal die Zollbehörde des Dubliner Hafens. Heute sitzen dort die Bürohengste der Abteilung für Umgebung, Erbe und der Kommunalverwaltung. Eher langweilige Funktionen, aber ein cooles Bild mit der Liffey als Fotopfütze.

 

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Die letzten Minuten Tageslicht brachen an und für mich war klar, wo ich den Abend verbringen wollte. Ich musste zurück zu meiner Brücke. Während die Sonne langsam unterging knipste ich einfach weiter Fotos von der Ha'Penny Bridge. Genau so muss man den letzten Tag in Dublin genießen.

 

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Tag 3 – Heimflug von Dublin nach Memmingen

 

Der letzte Tag begann für uns mit einer kleinen Verdauungsübung: Das Frühstücksbuffet unseres Hauses startete um 07:30 Uhr. Aller spätestens mussten wir aber bereits um 07:30 Uhr unser Taxi zum Flughafen erwischen. Leider war trotz meiner Verhandlungen in feinstem Englisch die Rezeptionistin nicht zu einem Lunchpaket zu überreden, so dass ich stattdessen auf die Gunst der Damen im Frühstücksraum hoffte.

 

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Dort konnte ich mit meinem Charme punkten und bereits um 07:20 Uhr durften wir uns an der ordentlichen Auswahl an Toast und Frucht-Marmelade bedienen. Und so speisten wir in den vorhandenen 10 Minuten fürstlich - nur eben etwas schneller, so dass Umstehende den Eindruck gewannen, wir hätten seit Jahren nichts Festes zu essen bekommen.

 

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Am Flughafen legten wir dann den nächsten Mampf-Stopp ein. Vorsorglich hatten wir für den Fall des Nicht-Funktionieren unseres Frühstücksplan ein paar Sandwiches gekauft. Diese landeten vor der SiKo auch noch in unseren Mägen.

 

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Ein wenig fühlt man sich schon im falschen Film, wenn man auf einmal mehr als 10 Ryanair-Schalter im Hauptgebäude eines Terminals sieht, die sogar noch alle mit original gekleidetem Personal besetzt sind. Bei einer solchen Menpower fällt es schwer zu realisieren, dass Ryanair wirklich ein Billigflieger ist.

 

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Unsere Maschine wartete bereits mit ausgeklappten Treppen vor dem Terminal, so dass mir fast keine Zeit für ein ausführliches Fotografieren der Flugzeuge übrig blieb. Allerdings muss an dieser Stelle auch erwähnt werden, dass mir vor lauter Air Lingus und Ryanair-Flugzeugen nichts besonderes aufgefallen ist.

 

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Genau wie auf dem Heimflug blieb uns dieses Mal der Wetterwechsel erspart. Bei absolut passablen Temperaturen und strahlendem Sonnenschein setzte unser Flieger seine Krallen auf den Asphalt.

 

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An dieser Stelle komme ich ja meistens zu dem Passus, in dem ich erwähnte, wie Conny und ich gemütlich zum Auto schlenderten und bereits jetzt an einen herrlichen Urlaub zurück dachten. Doch Pustekuchen. Conny hatte noch an diesem Tag einen Presstermin in München, so dass wir ordentlich Gas gaben, um noch rechtzeitig in der bajuwarischen Hauptstadt zu sein.

 

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Fazit: Wow!

Ich denke, dass meine bisherige Dublin-Abstinenz mit Sicherheit auch daran lag, dass ich die Stadt nicht unbedingt als Sightseeing-Ziel sondern eher "nur" als Hauptstadt von Irland auf dem Radar hatte. Lasst mich es ganz deutlich ausdrücken: Ich habe mich geirrt! Dublin ist ein hervorragendes Ziel für ein langes Wochenende und spielt besonders bei einem solch schönen Wetter alle Trümpfe einer Kulturhauptstadt aus.

Der Barszene in (aber auch nicht nur!) Temple Bar rundet den Urlaub perfekt ab. Auch wenn man natürlich davon ausgehen muss, dass dieses Viertel primär als Anlaufstelle für Touristen dient.

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@Andie: Danke dir! Leider verkleinert dieses Forum die Bilder immer noch automatisch. Gut, mit 800px Breite wären sie jetzt nicht unendlich viel größer, aber immerhin :)

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Gast SA261

Super Fotos! Darf man Frage was fuer eine Cam/Objektiv du verwendest? Und evt auch einen Filter?

 

Ich wollte auch schon fragen ob die Kameraausrüstung ins Handgepäck passte... aber Tante EXIF verrät ja einiges.

Kompliment (mal wieder)!

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