klotzi

[24MAR15] Germanwings A320 (D-AIPX) über Südfrankreich abgestürzt

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Wenn es so wäre, stellt sich die Frage Cui bono?

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Die Welt schreibt von mehreren Kritikpunkten, die der Scharlatan Experte Autor vorbringt.

Arztbesuche 2014 und 2015 ausschließlich wegen Augenleiden / Er rwar zu dem Zeitpunkt nicht depressiv
Ich bin kein Experte für Depressionen, aber ich denke hier liegt eine Schutzbehauptung vor. Es war nicht nur ein Arzt, der kein organisches Augenleiden feststellen konnte. Zur Depression, die Atteste aus der Ausbildungszeit sprechen von einer "reaktiven Depression", nach meinem Verständnis ist das eine Krankheit von der man nicht geheilt werden kann, von der man nur die widerkehrenden Depressiven Phasen behandeln kann. Ob eine depressive Phase sich in (eingebildeten) Sehstörungen ausdrücken kann, keine Ahnung, kann man aber gutachterlich zeigen oder ausschließen.

Ermittler legen sich schon nach 24 Stunden fest
Das ist ein berechtigter Einwand, man könnte sagen, diese Festlegung hat zu Scheuklappen geführt. Ein Phänomen das in Ermittlungen vorkommt. Aber, Dienste wie Flightradar24 haben sehr schnell ihre Daten zur Verfügung gestellt, aus denen hervorging, dass der Autopilot mehrfach ausserplanmäßig auf die Zielflughöhe 100 eingestellt wurde, jedoch nicht aktiviert wurde. Jeweils war Lubitz alleine im Cockpit. Aber auch unabhängig davon wäre es ein fataler Fehler, wenn sich der Autopilot der A320 "von alleine" so einstellt, der bekannt sein müsste.

Es ist nicht klar, welcher der beiden Piloten im Cockpit war
Der Untersuchungsbericht äußert sich dazu nicht. Als seriöser Ermittler müsste man hier ein Gutachten vorbringen, um zu beweisen, dass die französischen Behörden sich hier geirrt haben. Das kann man nicht ausschließen, die Frage wäre dann, warum soll der Pilot den Copiloten mit Pilot ansprechen und umgekehrt. Dann ist man nicht mehr beim erweitertern Suizid, sondern beim gemeinschaftlich geplanten Mord. 

keine „Human Factor“-Experten, die darauf spezialisiert sind, den Faktor Mensch zu analysieren. 
Was sollen sie zeigen, hier rutscht man schnell in den Bereich der Pseudowissenschaft.

Probleme mit der Cockpit-Verriegelung
Mal angenommen, dass es stimmt. Warum hat der im Cockpit verbliebene Pilot (wer auch immer es war, siehe oben), nicht auf die Funksprüche reagiert, nicht den Autopiloten richtig eingestellt, etc.

Um es kurz zu fassen: Es war ein Freak-Unfall, der so nicht hätte passieren dürfen. Er ist passiert. Alle alternativen Erklärungen setzten einen "größeren Freakfaktor" (kriminelle Koordination, unaufklärbare Vertuschung, noch abstrusere Zufälle) vorraus. Ob es für die Eltern als angehörige hilfreich ist, sei dahingestellt. Als Scharlatan Experte Autor diese Alternativen nur aufzuzeigen und dann ohne Kontext im Raum stehen lassen ist unverantwortlich. 

Das dem Komplex Depressionen im Allgemeinen und Depressionen bei Piloten im besonderen mit der Scharade nicht geholfen wird kommt noch dazu.

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Es ist schon eine unglaubliche Sache, dieses Szenario am Todestag aufzuführen. Das ist in meinen Augen einfach schäbig. Den vielen trauernden Familien muss das wie ein Schlag ins Gesicht vorkommen. Und dann noch mit dem van Beveren, der das alles als PR-Aktion für seine Bücher ausschlachtet.

Ich habe mir oft vorgestellt, wie die letzten Minuten vor dem Absturz gewesen sein müssen. Vermutlich sind die Menschen an Bord tausend Tode gestorben, denn zum Schluss wird wohl jeder mitbekommen haben, was auf sie zukommt. Der Gedanke daran ist einfach grausam. Und genau an so einem Tag dieses Tamtam. Mieser geht’s nicht.

Es gibt doch eine Menge von (so weit ich weiß) klaren Fakten:

  • ·         Wegen einer psychischen Erkrankung musste Lubitz seine Ausbildung unterbrechen
  • ·         Nach der Einstellung als F/O war er wg. Depressionen in ärztlicher Behandlung
  • ·         Wegen dieser Erkrankungen hat er mehrere Ärzte aufgesucht
  • ·         Man hat viele Psychopharmaka in seiner Wohnung gefunden
  • ·         Man hat Krankmeldungen in seiner Wohnung gefunden
  • ·         Auf dem Hinflug hat er bereits die Eingaben zum Absturz geprobt
  • ·         Auf dem Rückflug hat er die Tür verriegelt
  • ·         Im MCDU die Höhe auf Null geändert
  • ·         Die Tür nochmals verriegelt, als der CPT über die Code-Eingabe öffnen wollte

Und jetzt soll es evtl. die kontaminierten Kabinenluft, oder noch schlimmer Turbulenzen lt. van Beveren gewesen sein. Unglaublich so ein Schwachsinn.

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vor 49 Minuten schrieb aaspere:

Wenn es so wäre, stellt sich die Frage Cui bono?

Aus meiner Sichtweise: Lubitz hätte nie Verkehrspilot werden dürfen, dass er es denoch geworden ist, ist auf Fehler aller Beteiligten zurückzuführen. Wenn man die Vier-Augen-Regel wieder abschafft, weil sie keinen meßbaren Mehrwert hat, impliziert man, man hat auch vor dem Absturz keine Fehler gemacht. Ob das die tatsächliche Denkweise ist, oder ob hier nur finanzielle Aspekte der Airline (Mehr Personal?) und Status-Fragen der Gewerkschaft (Gängelung von gutausgebildetenen Spezialisten) einen gemeinsamen Nenner finden. Wer weiß.

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vor 56 Minuten schrieb Hubi206:
  • ·         Wegen einer psychischen Erkrankung musste Lubitz seine Ausbildung unterbrechen
  • ·         Nach der Einstellung als F/O war er wg. Depressionen in ärztlicher Behandlung
  • ·         Wegen dieser Erkrankungen hat er mehrere Ärzte aufgesucht
  • ·         Man hat viele Psychopharmaka in seiner Wohnung gefunden
  • ·         Man hat Krankmeldungen in seiner Wohnung gefunden
  • ·         Auf dem Hinflug hat er bereits die Eingaben zum Absturz geprobt
  • ·         Auf dem Rückflug hat er die Tür verriegelt
  • ·         Im MCDU die Höhe auf Null geändert
  • ·         Die Tür nochmals verriegelt, als der CPT über die Code-Eingabe öffnen wollte

Und jetzt soll es evtl. die kontaminierten Kabinenluft, oder noch schlimmer Turbulenzen lt. van Beveren gewesen sein. Unglaublich so ein Schwachsinn.

das Fatale bei Depressionen ist, daß diese eine Krankheit darstellen (und damit ein absolutes Flugverbot bedingen sollten), daß aber diese Erkrankung eben auch Stufen hat. Und Nein, der Zeitpunkt ist absolut angemessen, wenn man die vorgebliche Unfallursache (Selbsmord und Totschlag an 149 Passagieren) in Frage stellt. Und das Medien Echo hat den Angehörigen ja auch recht gegeben (so ist unsere Medienwelt nun einmal). Letztlich muß sich die DLH aber die Frage stellen, was ihre vorgeblich so hohen Sicherheitsstandards wert sind, wenn man trotz zahlreicher Hinweise und entsprechender Prozesse diesen Piloten eine Passagiermaschine hat steuern lassen. Ich dachte immer, daß gerade die DLH sehr siebt, bevor bei ihr jemand eine Pilotenausbildung beginnen kann und dann bemerkt während der Ausbildung dann immer noch niemand, daß etwas mit einem Kandidaten nicht stimmt. Und wie andere schon gesagt haben, die Schnelligkeit, mit der die Behörden nach dem Absturz die "Unfallursache" wußten, das schon sehr eigenartig gewesen. (ach ja es gibt glaube VIDEO aus der Kabine vom Absturz der Air France über dem Süd Atlantik und die Paxe sitzen da fast alle unbeweglich in ihren Sitzen außer denen, die bereits aus der Kabine geschleudert werden.)

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vor 55 Minuten schrieb Hubi206:

Es gibt doch eine Menge von (so weit ich weiß) klaren Fakten:

  • ·         Wegen einer psychischen Erkrankung musste Lubitz seine Ausbildung unterbrechen
  • ·         Nach der Einstellung als F/O war er wg. Depressionen in ärztlicher Behandlung
  • ·         Wegen dieser Erkrankungen hat er mehrere Ärzte aufgesucht
  • ·         Man hat viele Psychopharmaka in seiner Wohnung gefunden
  • ·         Man hat Krankmeldungen in seiner Wohnung gefunden
  • ·         Auf dem Hinflug hat er bereits die Eingaben zum Absturz geprobt
  • ·         Auf dem Rückflug hat er die Tür verriegelt
  • ·         Im MCDU die Höhe auf Null geändert
  • ·         Die Tür nochmals verriegelt, als der CPT über die Code-Eingabe öffnen wollte

Einstellungen zum Absturz? Welche soll das sein? Das die MCDU auf Null gedreht wurde? Das ist mir ehrlich gesagt auch schon einige male passiert, sind ja nur ein paar Klicks wenn man in 1000er Schritten einstellt, was bei uns der Normallfall ist. Der Knopf ist ja kein Hoch-Runter Knops sondern Rechts/Links. Gerade wenn man müde ist (oder unter Einfluss von nicht zulässigen Medikamenten steht) ist das schnell passiert. 

Ist übrigens auch teil eines Procedures das man jederzeit ohne nachdenken ausführen muss, und ohne ein Handbuch oder das ECAM zu benutzen, genauso wie das sofort darauf folgende Ziehen am Knopf das dann den Sinkflug auslöst. Immer dann wenn man den Verdacht hat dass es Probleme mit der Kabinenluft gibt (Loss of Pressurization).

Die Tür verriegelt immer automatisch wenn man sie zu macht. Oder meinst Du das der Lock-Schalter betätigt wurde? Das ist meines Wissens im Untersuchungsbericht nicht ausgeführt da man das nicht nachvollziehen kann, wird einfach nicht aufgezeichnet ob man den benutzt oder nicht.

Es sind also durchaus Fragen da die nicht zu klären sind, und wann wenn nicht am Jahrestag des Unglücks. 

Zweifel an Untersuchungsbehörden und deren Ergebnissen sind durchaus berechtigt, diese arbeiten auch nicht komplett unabhängig von äußeren Einflüssen (gerade in Frankreich) und kommen durchaus auch mal zu falschen Ergebnissen, ist sogar schon so einer renommierten Behörde wie dem NTSB passiert. In diesem Fall halte ich das gerade wegen der öffentlichen Beachtung die dieser Fall erregt hat und der Kritik an der schnellen (Vor) Verurteilung für fragwürdig da man eher sorgfältiger als sonst ermittelt hat. 

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vor 27 Minuten schrieb Dummi:

 

Ich habe nur aufgezählt, daß es mehrere (m.M. nach auch belegte) Fakten gibt, die den F/O Lubitz betreffen. Oder war er nicht bei mehreren Ärzten? Oder gab es keine entsprechenden Medikamente in seiner Wohnung? Oder gab es nicht zerrissene ärztliche Krankmeldungen?

Und das alles hat es nie gegeben? Jetzt plötzlich in Frage stellen, wer überhaupt im Cockpit war, obwohl man die Geräusche ja auch CVR zuordnen kann?

Ob alles geklärt ist oder nicht, stelle ich hier nicht in Frage. Aber 1. diese Vorhehensweise am Todestag und 2. jetzt plötzlich alles in Frage zu stellen, ist für mich eine unglaubliche Sache, zu der sich der Vater hat entschieden oder bewegen lassen. Er hätte besser heute 150 Kerzen angesteckt und hätte (auch um seinen Sohn) trauern sollen, ob dieses schrecklichen Ereignisses.

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Das Thema Depression ist sicherlich nicht einfach. So weit ich mich erinnere, treten etwa 30% der Bevölkerung während ihres Lebens wegen einer depressiven Verstimmung ärztlich in Erscheinung, die Dunkelziffer wird auf bis zu 50% geschätzt. Das hieße also, dass sehr große Teile der Bevölkerung im Laufe ihres Lebens Symptome erleben. Wie kann/sollte man damit umgehen? Depressionen sind großteils vorübergehend und/oder behandelbar. Depressionen bedeuten nicht zwangsläufig Suizidalität. Depressionen sind ein gesellschaftliches Stigma. Depressionen bleiben sehr häufig unentdeckt. All das zusammennehmend finde ich es schwierig, bei einem völlig gesunden Menschen aus dem früheren Vorhandensein einer depressiven Verstimmung eine Untauglichkeit für eine bestimmte Tätigkeit auf Lebenszeit abzuleiten. Wir reden jetzt konkret über einen Piloten, davon gibt es nicht so viele, aber was ist mit Zugführern oder Busfahrern, die durch ihre Tätigkeit täglich eine ebenso große Zahl an Menschenleben in ihrer alleinigen Verantwortung haben? Was ist mit dem bekannten Phänomen, wo sich Feuerwehrleute oder Krankenpfleger aufzuwerten versuchten, indem sie Menschen zuerst in Lebensgefahr bringen, um sich später als Retter feiern zu lassen? Sollten also z.B. Krankenpfleger, die zeitweilig an Minderwertigkeitskomplex, Depression oder Burnout litten Berufsverbot bekommen? Und dann reden wir hier über Psychiatrie, zweifellos eine höchst wichtige medizinische Disziplin, aber wie zuverlässig sind Diagnosen überhaupt möglich, wenn der Patient nicht kooperiert oder schauspielert? Auch ein Psychiater oder Psychologe kann keine Gedanken lesen, die Erkennungsquote liegt sicherlich nicht bei 100%.

Und eines kommt mir in der Diskussion, die sich immer auf die Depression fixiert, viel zu kurz: Suizid ist nicht gleich erweiterter Suizid. Ich würde mal behaupten, dass es einem Größtteil von Suizidenten ausschließlich darum geht, das eigene Leben zu beenden, ohne andere Menschen zu behelligen. Nun ist die unsägliche Praxis des Schienensuizids, die zu tausenden traumatisierten Lokführern geführt hat, sicherlich ein Grenzfall, wo Unbeteiligte durch eine selbstzentrierte Ignoranz des Selbstmörders geschädigt werden. Aber das ist nicht dasselbe, wie das, womit wir es in diesem Fall zu tun haben. Wer dermaßen antisozial handelt, und den Tod von über 100 Menschen herbeiführt, müsste, wenn er es aus reiner Ignoranz täte, schon so dermaßen in schwerster Depression gefangen und von sämtlichem sozialen Leben abgekoppelt sein, dass er vor einer solchen Tat extrem auffällig gewesen sein müsste. In diesem Fall weist alles auf einen absichtlich herbeigeführten erweiterten Selbstmord hin, um eine Tat, die so schrecklich ist, dass dem Suizidenten eine große öffentliche Aufmerksamkeit sicher ist. Das ist aber durch eine Depression allein nicht zu erklären. Vielmehr spricht es für eine schwere narzisstische Persönlichkeitsstörung. Über deren Diagnose oder Nichtdiagnose bei Lubitz spricht aber niemand, genauso wenig, ob eine solche Störung ein Ausschlussgrund für eine Eignung z.B. zum Verkehrsflugzeugführer sein könnte.

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vor 2 Stunden schrieb OliverWendellHolmesJr:

Aus meiner Sichtweise: Lubitz hätte nie Verkehrspilot werden dürfen, dass er es denoch geworden ist, ist auf Fehler aller Beteiligten zurückzuführen.

Das ist auch aus meiner Sicht der entscheidende Punkt. Die Depressionen traten während der Ausbildung auf, was unbestritten ist. Und dann hätte jemand die Reißleine ziehen müssen. Aus diesem Grund sind ja auch die Klagen in USA eingereicht worden.

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vor einer Stunde schrieb aaspere:

Das ist auch aus meiner Sicht der entscheidende Punkt. Die Depressionen traten während der Ausbildung auf, was unbestritten ist. Und dann hätte jemand die Reißleine ziehen müssen. Aus diesem Grund sind ja auch die Klagen in USA eingereicht worden.

Wie im Beitrag von Coronado beschrieben werden ca. 50% der Bevölkerung in ihrem Leben Depressiv. Depressionen sind also weit verbreitet. Wenn man sie zum Anlass eines Berufsverbots macht haben wir ein Problem.

In der Ausbildung wurde gemäß der bestehenden Regelungen gearbeitet. Verlust des Medicals, Therapie, und nach dem er aus der Depression wieder raus war und das unabhängig bestätigen ließ, hat er wieder ein Medical bekommen. Viel anders kann man da nicht vorgehen oder man treibt betroffene Piloten in den Untergrund. Man lässt sich also nicht behandeln, redet nicht offen mit seinem Fliegerarzt über seine Probleme, verschlimmert damit seine Probleme und wir haben wieder den Salat.

Ohne ein Sicherheitsnetz, sowohl wirtschaftlicher als auch sozialer Art, kann man mit dem Problem nicht umgehen ohne es zu verschlimmern. Und dieses Netz gibt es nicht, ganz im Gegenteil findet gerade eine Stigmatisierung statt und wir laufen in das Problem das selbst bei den Airlines wo es noch halbwegs vernünftige Regelungen gibt die bekannten Fälle massiv zurückgehen, also die Dunkelziffern steigen.

In den USA hat man ganz bewusst die Entscheidung getroffen das depressive Piloten die korrekt mit zugelassenen Psychopharmaka eingestellt sind auch wieder fliegen dürfen. Und es gibt über die staatlich geförderten Peer Support Programme das Sicherheitsnetz das man beruhigt sich um sich selber kümmern kann bis das Problem so weit im Griff ist das man wieder arbeiten kann ohne das es zu finanziellen Einbußen kommt und/oder man den Job verliert.

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vor 48 Minuten schrieb Dummi:

Wie im Beitrag von Coronado beschrieben werden ca. 50% der Bevölkerung in ihrem Leben Depressiv. Depressionen sind also weit verbreitet. Wenn man sie zum Anlass eines Berufsverbots macht haben wir ein Problem

Wie gut das es noch einen Unterschied gibt zwischen "der eine Pilot hätte keine Lizenz erhalten dürfen" am einen Ende der Skala und einem Berufsverbot für jeden, der mit Depressionen "in Kontakt gekommen ist."

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Posted (edited)

... liegt leider im menschlichen Verhalten, dass man für alles immer einen Schuldigen sucht und immer übereilig "Wege" sucht (in Aktionismus verfällt), um etwas in Zukunft zu verhindern und dabei den Unterschied zwischen "effektiv" und "effizient" vernachlässigt. Finde es sehr wichtig,dass da eventuelle Entscheidungen mit Augenmaß getroffen werden. Klar wiederholt sich sowas nicht, wenn nun keiner mehr fliegen darf, aber man darf nicht ganze Gruppen "aussperren", nur, weil einer von ihnen einen Fehler gemacht hat. Da man, wie gesagt, Leuten nicht in den Kopf gucken kann, wird es schwierig sein das in Zukunft zu vermeiden. Wichtig finde ich es aber, dass man dabei keinen Betroffenen so verängstigt, dass dieser hinterher nichts mehr zugibt - das wäre dann nämlich eine geschaffene - und nicht gebannte- Gefahr.

Edited by d@ni!3l
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vor 40 Minuten schrieb OliverWendellHolmesJr:

Wie gut das es noch einen Unterschied gibt zwischen "der eine Pilot hätte keine Lizenz erhalten dürfen" am einen Ende der Skala und einem Berufsverbot für jeden, der mit Depressionen "in Kontakt gekommen ist."

Das ist richtig. Aber wo liegt die Grenze und wie stellt man sie fest? Psychologie und Psychotherapie sind so ziemlich die unexaktesten "Wissenschaften" die wir kennen, und mentale Probleme diagnostizieren ist offensichtlich nicht ganz einfach, denn das alles hatte AL ja durchlaufen. Diagnose, Therapie, Diagnose, Überprüfung dieser und erneutes Medical. Darum wird dieser Weg ja auch nicht geändert, weil man es schlicht nicht anders und schon gar nicht besser regeln kann. Stattdessen wird aktionistisch mit Placebo Aktionen wie Anlasslosen Alkohol- und Drogenkontrollen gearbeitet die gerade den Germanwings Fall nicht mal im Ansatz verhindert hätten.

Mit den derzeitigen Regeln und den vorgeschlagenen Regeländerungen lässt sich ein zweiter solcher Fall in Europa nicht verhindern. Er könnte Heute genauso wieder passieren. Und das machen sich die wenigsten klar.

Absolute Sicherheit gibt es nicht, die bestehende zu verbessern ist aber natürlich immer ein Ziel, das im Augenblick, gerade vor dem Hintergrund des immer schärfer werdenden Wettbewerbs in Europa eher hinten runter fällt. Ist auch nicht erstaunlich, der Level an Sicherheit in der Luftfahrt ist extrem hoch, so das jede auch nur minimale Verbesserung extrem hohen Aufwand und damit Kosten nach sich zieht.

vor 5 Stunden schrieb OliverWendellHolmesJr:

Wenn man die Vier-Augen-Regel wieder abschafft, weil sie keinen meßbaren Mehrwert hat, impliziert man, man hat auch vor dem Absturz keine Fehler gemacht. Ob das die tatsächliche Denkweise ist, oder ob hier nur finanzielle Aspekte der Airline (Mehr Personal?) und Status-Fragen der Gewerkschaft (Gängelung von gutausgebildetenen Spezialisten) einen gemeinsamen Nenner finden. Wer weiß.

Man stellt sich letztendlich der Realität. Die EASA hat aus gutem Grund die Vier-Augen-Regel nicht vorgeschrieben sondern empfohlen einen entsprechenden Safety/Security-Case zu machen und daraufhin zu entscheiden ob das eine Lösung sein könnte. Alle deutschen Airlines haben diesen Case auch schon beim Einführen gemacht, aber die Ergebnisse nicht verwendet da der öffentliche Druck als zu hoch angesehen wurde. Es war aber in den Sicherheitsabteilungen sehr schnell klar das man die Sicherheit eben nicht erhöht sondern sogar deutlich abgesenkt hat. Die Cockpit-Türen sind öfter und länger offen (höheres Hijack-Risiko), Personal ohne Hintergrund-Check und mit gerade mal wenigen Wochen Ausbildung, erstaunlich oft mit Migrationshintergrund, wird als "Aufpasser" missverstanden und hat auch noch direkt eine Axt in Griffweite und bleibt allein mit dem einzig verbliebenen Piloten. Piloten versuchen möglichst wenig auf Toilette zu gehen weil es nun mal Abläufe stört und einen sehr hohen Koordinationsaufwand bedingt, was wiederum zu Performance-Einbußen aufgrund von Dehydration führt. Und so weiter und so fort. Es gibt durchaus gute Gründe warum Airlines die nicht so unter Druck standen wie z.B. British Airways das Vier-Augen-Prinzip gar nicht erst eingeführt haben.

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vor 34 Minuten schrieb Dummi:

Absolute Sicherheit gibt es nicht, die bestehende zu verbessern ist aber natürlich immer ein Ziel, das im Augenblick, gerade vor dem Hintergrund des immer schärfer werdenden Wettbewerbs in Europa eher hinten runter fällt.

Das sehe ich nicht so, dass das "hinten runter fällt". Ich denke es gibt einige Experten, die sich damit beschäftigten Lösungen zu finden, die wirklich nachhaltig wirken. Aber Aktionismus benötigt auch keiner.

Ich halte den Status-Quo, wo jemand mit Depression zum Arzt geht, sich krankschreiben lassen kann und später in den Dienst zurückkehrt für erstrebenswerter (und sicherer!) als den Weg, das "einmal Depression, immer Depression" heißt und ein Berufsverbot nach sich zieht. Einmal macht ein drohendes Berufsverbot die Lage für einen Betroffenen nicht besser, zweitens erhöht das die Dunkelziffer, da Ärzte tatsächlich Probleme haben die Krankheit ohne Kooperationsbereitschaft herauszufinden.

Zwar OT, aber ich sehe folgende Aussage nicht so:

 

vor 34 Minuten schrieb Dummi:

Psychologie und Psychotherapie sind so ziemlich die unexaktesten "Wissenschaften" die wir kennen

Ich glaube das kann schon funktionieren, allerdings nicht, wenn man Betroffenen Angst macht darüber zu reden.

 

vor 34 Minuten schrieb Dummi:

Er könnte Heute genauso wieder passieren. Und das machen sich die wenigsten klar.


Wie gesagt, absolute Sicherheit ist erstrebenswert, aber nun eine ganze Menge Leute / Piloten zu stigmatisieren, weil einer von 100.000 Piloten auf der Welt innerhalb von zig Jahren das mal gemacht hat halte ich für über das Ziel hinausgeschossen und die Sicherheit wird dadurch geringer, statt größer. Genauso könnten heute zig Leute beim Psychologen sitzen und ihr Anliegen verschweigen, und dann?

PS: Die von mir zitierte dritte Aussage und die erste, bzw. dessen erster Satz, bilden zusammen einen wahren Zusammenhang. Klar, es könnte wieder passieren, aber absolute Sicherheit lässt sich nie erreichen. Man muss auch mal abseits der Luftfahrt denken und sich vergegenwärtigen, was man die Tage wieder erlebt hat: Will jemand Leute umbringen schafft er es leider so oder so. Man kann es nicht vorhersagen, aber schafft jmd. es nicht mit einem Flugzeug, macht er es mit einem Auto, Bus, Bombe, Messer etc. In der Luftfahrt hat man wenigstens die Medicals, wenn man anderen Leuten kaum vertraut darf man mMn nicht mal in ein Taxi, Bus, Bahn steigen, darf Polizisten nicht bewaffnen und im Zweifel nicht mal über die Straße gehen. Wenn einer sich (oder andere)umbringen will macht er es. AL hätte genauso gut mit einem Auto in eine Menschenmenge fahren können, hätte man ihm die Lizenz entzogen (mMn hätte ein Berufsverbot die persönliche Lage tatsächlich noch mehr eskalieren lassen können). So hart und makaber es klingt: Man kann es nicht ändern... M.M.n. hilft es sogar einfach mal weniger drüber zu diskutieren und zu berichten, um Leuten nicht noch zu zeigen, wie man sich (postum) eine Bühne schaffen kann


Nebenbei bemerkt sind wir hierbei auch wieder bei der Ryanair Diskussion der letzten Tage: Meldet man sich bei Schicksalsschlägen etc. mal "unfit to fly" oder braucht man aus finanziellen Gründen die Stunden?

Edited by d@ni!3l
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ich versuche es einmal mit einem zugegeben schrägen Vergleich: Alkoholiker, sofern festgestellt (und hier mangelte es doch offensichtlich vor dem Absturz im Hinblick auf eine mögliche vorliegende Depression) dürfen natürlich nicht fliegen, genauso wenig, wenn ein Pilot angetrunken ist in einem konkreten Fall. Damit aber stigmatisiert man natürlich nicht die Alkoholiker generell, es gibt viele Berufe (fast alle), in denen Alkoholkranke sehr wohl ihrer Arbeit nachgehen können, nur eine Passagiermaschine fliegen, das geht natürlich nicht. Und gleiches sollte doch wohl auch gerade im Bereich einer depressiven Erkrankung eigentlich selbstverständlich sein und der eigentliche Skandal ist, dass die oberen Lufthansa Chargen sich zu den Trauerfeiern trauen, obwohl ihre Fehler und ihr Versagen diesen Absturz begünstigt haben, vielleicht sogar verursacht.

Edited by flieg wech
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Der Bürgermeister der Stadt Haltern hat es in seiner Trauerrede gestern m.M. nach auf den Punkt gebracht.

Sinngemäß sein Kommentar: 'im Hinblick auf die heutige PK in Berlin glaube ich, daß der Vater des Piloten an Realitätsverlust leidet'.

Edited by Hubi206
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Dass 'der Vater des Piloten' leidet, ist offensichtlich, woran ist nachrangig. Er klammert sich mit aller Kraft an jeden Strohhalm, der seinen doppelten Schmerz mindern kann. Anders als alle anderen Angehörigen muss er nicht allein den Verlust eines nahestehenden Menschens verarbeiten, er muss obendrein bewältigen, dass sein Angehöriger der Auslöser des Flugzeugabsturzes war. Dass das nicht so einfach, wenn nicht unmöglich ist, lässt sich für Unbeteiligte wohl nur erahnen. Statt aber am Todestag seines Sohnes innezuhalten, zu trauern, das Grab des geliebten Kindes aufzusuchen, zu weinen, zu schreien, seine Frau zu umarmen, begibt er sich in die Hände eines Scharlatans und gibt im fernen Berlin eine Pressekonferenz. Die wirklichen Ursachen der Katastrophe sucht er nicht, sonst hätte er mehrere Experten involviert, deren Meinung zu den Widersprüchen eingeholt. Er aber verlässt sich auf die Meinung eines umstrittenen Bücherverkäufers, weil der ihm einflüstert: du bist nicht der Vater eines Massenmörders.

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vor 3 Stunden schrieb DasVerkehrswesen:

Dass 'der Vater des Piloten' leidet, ist offensichtlich, woran ist nachrangig. Er klammert sich mit aller Kraft an jeden Strohhalm, der seinen doppelten Schmerz mindern kann. Anders als alle anderen Angehörigen muss er nicht allein den Verlust eines nahestehenden Menschens verarbeiten, er muss obendrein bewältigen, dass sein Angehöriger der Auslöser des Flugzeugabsturzes war. Dass das nicht so einfach, wenn nicht unmöglich ist, lässt sich für Unbeteiligte wohl nur erahnen. Statt aber am Todestag seines Sohnes innezuhalten, zu trauern, das Grab des geliebten Kindes aufzusuchen, zu weinen, zu schreien, seine Frau zu umarmen, begibt er sich in die Hände eines Scharlatans und gibt im fernen Berlin eine Pressekonferenz. Die wirklichen Ursachen der Katastrophe sucht er nicht, sonst hätte er mehrere Experten involviert, deren Meinung zu den Widersprüchen eingeholt. Er aber verlässt sich auf die Meinung eines umstrittenen Bücherverkäufers, weil der ihm einflüstert: du bist nicht der Vater eines Massenmörders.

Es ist nicht einfach akzeptieren zu müssen das das eigene Kind statt der hoffnungsvollen, angesehenen Karriere in folge einer Krankheit nicht nur Suizid begann, sondern auch zum Mörder wurde.

Man kann auch daran psychisch zerbrechen und es ist zu erwarten das dieser Mann bis zum Ende seines Lebens versuchen wird Schuldigen und Verschwörungstheorien zu finden um die bittere Wahrheit nicht annehmen zu müssen.

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vor 12 Stunden schrieb flieg wech:

ich versuche es einmal mit einem zugegeben schrägen Vergleich: Alkoholiker, sofern festgestellt (und hier mangelte es doch offensichtlich vor dem Absturz im Hinblick auf eine mögliche vorliegende Depression) dürfen natürlich nicht fliegen, genauso wenig, wenn ein Pilot angetrunken ist in einem konkreten Fall. Damit aber stigmatisiert man natürlich nicht die Alkoholiker generell, es gibt viele Berufe (fast alle), in denen Alkoholkranke sehr wohl ihrer Arbeit nachgehen können, nur eine Passagiermaschine fliegen, das geht natürlich nicht. 

Sachlich falsch. Therapierte Alkoholiker die ihre Krankheit im Griff haben dürfen selbstverständlich als Pilot arbeiten und tun das auch in vielen Fällen bei deutschen Airlines. Das sie eventuell Auflagen im Medical haben ist durchaus möglich, aber das haben Diabetiker, Leute mit einer Niere etc. auch, und die fliegen auch alle normal ihre Verkehrsflugzeuge.

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Bin mir nicht sicher, was ich davon halten soll. Aber wer heute im Schweizer Forum die Aussagen eines uns allen bekannten und auch anerkannten Users gelesen hat, der wird vielleicht auf erklärende Ausführungen seitens der Ermittler / Behörden hoffen. Und nein, ich bin kein Anhänger von Verschwörungstheorien, bin aber etwas neugierig geworden.

 

LG, Hardy

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vor 23 Minuten schrieb Hardy:

Bin mir nicht sicher, was ich davon halten soll. Aber wer heute im Schweizer Forum die Aussagen eines uns allen bekannten und auch anerkannten Users gelesen hat, der wird vielleicht auf erklärende Ausführungen seitens der Ermittler / Behörden hoffen. Und nein, ich bin kein Anhänger von Verschwörungstheorien, bin aber etwas neugierig geworden.

 

LG, Hardy

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Entschuldigung, bin zur Zeit unterwegs, schau bitte im ILS-Flightforum / Aviatik Corner/ Vorfaelle.

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