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OT: Deutsche Bahn adaptiert Beförderungsklassen der Airlines

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Zwar OT, aber das das Vorbild ja bei den Airlines zu finden ist:

 

 

Auf der bekannten über das Darknet zu erreichenden Informationsplattform DBLeaks sind weitere Fakten zur Fernverkehrsoffensive der DB aufgetaucht. Der in der Vergangenheit als zuverlässige Informationsquelle erwiesene Whistleblower mit dem Pseudonym Hannes Weber hat hier Excerpte und Zitate aus einem Arbeitspapier der DB-Projektgruppe PreisManagementSystem (intern nur PMS genannt) veröffentlicht.


Die Kernpunkte:

1. Die DB adaptiert im Fernverkehr das bewährte Beförderungsklassensystem der Airlines.

2. Die DB strebt im Fernverkehr eine generelle Einheit aus Fahrkarte und obligatorischer Reservierung an.

3. Die Systematik der Bahncards wird erheblichen Modifikationen unterworfen.


Dabei wird aus Rücksichtnahme auf veraltete Buchungssysteme und nur einer teilweisen möglichen Vollkontrolle der Vertriebswege (beispielsweise bei nicht zur DB-Gruppe gehörenden Bahnen) das System der 1. und 2. Klasse zunächst prinzipiell beibehalten, jede Klasse wird aber in jeweils 3 Unterbeförderungsklassen mit unterschiedlichen Preisen, Wertigkeit und Wertschöpfungsmöglichkeit gesplittet.

In der 1. Klasse ergeben sich daraus die Beförderungsklassen 1. Business (Großraumwagen), 1. Business Plus (Abteil) und 1. First (Abteil mit max. 50%-Belegung). Dabei wird die Zuordnung der Abteile flexibel gehandhabt: In Zügen mit hoher Auslastungsprognose (Beispiel: Züge mit Sonderhalt in Hannover Messe/Laatzen) wird nur ein First-Abteil angeboten, umgekehrt wird bei geringer Auslastungsprognose Business Plus zugunsten von First massiv reduziert.

Ähnlich verhält es sich in der 2. Klasse mit 2. Economy (Großraumwagen) und 2. Economy Premium (Abteil). Neu ist die Einführung der 2. Klasse Basic (die exclusiv als zuggebundener Sparpreis vermarktet wird), mit der die DB durch offensive Preisgestaltung Kunden von Fernbussen zurückgewinnen will.

Die Beförderungsklasse Basic wird zunächst nur in bestimmten Zügen angeboten. Bei den IC2 findet sie sich auf den Plätzen 11-13, 101-105 und 171-175. In klassischen ICs wird Basic üblicherweise im Steuerwagen gebucht. Besonderheiten ergeben sich bei den ICEs: Im ICE T wird der Quick-Change-Bereich zu diesem Zweck (auch mit Fahrradstellplätzen) reaktiviert. Weiterhin werden zunächst die Schweiz-tauglichen ICE 1 (wg. des umlaufbedingt möglichen Einsatzes als reiner innerschweizer Binnenzug unter finanzieller Beteiligung der SBB) mit einer entprechenden Kombination aus Basic- und Fahrradplätzen erweitert.

Die damit in einer Testphase gewonnenen Erkenntnisse werden bei der dann anstehenden Modifikationen der restlichen ICE 1 sowie ICE 3 berücksichtigt. Als letzter Schritt soll dann neben der Einführung von Basic im ICE 2 (und auch im Velaro) auch in diesen Zügen voll abgegrenzte Abteile angeboten werden.

Vor allem der letzte Schritt wird aber davon abhängig gemacht, ob die Teile der Kundschaft, die Abteile als subjektives Qualitätsmerkmal empfindet, auch fähig ist, die Konsequenz, dass für die höher empfundene Wertigkeit ein höhere Preis objektiv am Markt gerechtfertigt ist, intellektuel nachvollziehen kann.

Durch die erweiterte Differenzierung der Beförderungsklassen ergibt sich die Notwendigkeit einer verbesserten Auslastungssteuerung. Um eine dafür notwendige qualitativ höhere Belegungsprognose zu erhalten, werden alle Fernverkehrsfahrscheine demnächst mit obligatorischer Reservierung angeboten, wobei bei zuggebundenen Tickets die Reservierung zu 0€ verkauft wird (und damit bei Sparpreisen auch nicht umbuchbar ist).

Umgekehrt wird die kostenlose Umbuchbarkeit einer kostenpflichtigen Reservierung beim Flexpreis Standard. Darüber hinaus wird ein System eingeführt, bei der eine real genutzte Reservierung dem Kunden die Kosten in Form eines Codes für die nächste Reservierung auf ein Kundenkonto gutgeschrieben wird (was natürlich bedeutet, dass bei weiterhin möglicher Reservierung ohne Zuordnung zu einem Kundenkonto diese Option nicht zur Verfügung steht).

Ermöglicht wird dies durch die Einführung einer neuen App (mit der auch ein Self-Check-In per QR-Code am gebuchten Platz erfolgt) und durch die neue Bahncard Flex: Diese wird NFC-fähig sein. Auf die Bahncard Flex können nicht nur Fahrscheine und Reservierungen geladen werden, sie bietet vielmehr neben der Grundfunktion der bisherigen BahnBonusCard auch die Möglichkeit, sowohl die klassischen Bahncards wie auch die dann generell angebotene 3-Monats-Variante aufzuladen (kunden, die beispielsweise eine BC50 im Jahresabo aufgeladen haben, können diese so um eine vergünstigte BC25 erweitern).

In den Zügen erfolgt dabei der Check-In mittels Bahncard Flex zunächst nicht sitzplatzscharf, vielmehr werden im Türbereich einfache, aber robuste Systeme installiert, die eine optimale Durchlässigkeit gewährleisten: Eine rote Anzeige bedeutet, das die aufgebuchte Fahrkarte nicht in diesem Zug gültig ist. Eine orangene Anzeige informiert den Kunden, dass er für diesen Zug ein gültiges Ticket besitzt, die Reservierung aber für einen anderen Wagen vorliegt. Die grüne Anzeige schließlich ist dann selbserklärend.

Die neue Bahncard Flex (in der Farbe Grün) ersetzt damit die bisherige BahnBonusCard sowie die Bahncards 25 und 50. Letztere werden aus rechtlichen Gründen weiterhin (in der Farbe Rot) angeboten, aber nicht mehr offensiv vermarktet. Die BC100 1. Klasse (berechtigt zur Nutzung aller Beförderungsklassen innerhalb der 1. Klasse; sowie bei Zügen, die lediglich über eine 2. Klasse verfügen, dort auch zur Nutzung derselben) wird weiterhin in schwarz angeboten. Gold ist die Farbe der BC100 2. Klasse Economy Premium, Silber die der BC100 2. Klasse Economy.

Unterstützt wird dieses System durch verbesserte Reservierungsmöglichkeiten für BahnComfort-Kunden in einer erweiterten App bzw. durch die kostenlosen Überlassung eines Kartenlesers zum indiviuellen Aufladen von signierten Tickets und Reservierungen auf die BahnCard. Diese Möglichkeit steht (gegen Gerätepfand) natürlich auch jedem Kunden offen, wobei als normaler Vertriebsweg neben dem personenbedienten Verkauf das Online-Tixen auf neue Self-Service-Punkte an den aufkommenstarken Bahnhöfen seitens der DB bevorzugt wird: Der Kunde holt sich seine online gebuchte Fahrkarte (oder auch beispielsweise nur seine Reservierung zu einem vorhandenen ausgedruckten Online-Ticket) quasi im Vorbeigehen auch beim Umsteigen ab.

Der Whistleblower Hannes Weber steht diesen Innovationen kritisch gegenüber. Er führt aus, dass man zur Jahrtausendwende das heutige Preissystem für einen bösen Scherz gehalten hätte und befürchtet für das kommende PMS weitere schier unvorstellbare Details. Letztlich sei diese Entwicklung ein weiterer Sargnagel für die gute alte Bahn.




 

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