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Aktuelles zum Flughafen Weeze NRN

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Welche Fristen meinst Du CB?

 

Widerspruchsfristen gegen Behördenentscheidungen.

 

in der Regel 4 Wochen nach Zustellung des Bescheides (hier: Auslegung der Genehmigung per öffentlicher Bekanntmachung). Hat aufschiebende Wirkung wie hier geschehen.

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Ergänzung zu Rolf`s post:

Wenn ich richtig informiert bin, hat das OVG den zivilen Flugbetrieb auf dem NRN untersagt, den militärischen jedoch nicht. Ein Teil der Begründung, zivile Flugzeuge erzeugen einen höheren Lärmpegel als die militärischen, was die Kläger auch immer wieder behaupteten und das OVG sich dieser Meinung auch angeschlossen haben soll.

 

Wenn ich es mir leisten könnte, würde ich mir eine 104 mieten und mit dem Nachbrenner eine Schleife über das Gerichtsgebäude ziehen, vielleicht überlegen es sich die Herren Richter dann noch einmal mit dem Lärmpegel.

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Ergänzung zu Rolf`s post:

Wenn ich richtig informiert bin, ...

Auf die schnelle habe ich in oben verlinkten Urteil nur folgende Eingabe der Beklagten gefunden:
Zudem treffe der Lärm auf Gebiete mit verminderter Schutzwürdigkeit. Der frühere militärische Fluglärm habe an einzelnen betrachteten Punkten hohe Belastungen verursacht, habe auch Nachtstunden und Wochenenden nicht gänzlich ausgenommen und behalte im Sinne einer Vorbelastung auch nach wenigen Jahren der Pause noch Bedeutung.
Dieser Argumentation wollten die Richter aber nicht uneingeschränkt folgen.

 

Ansatzpunkt der Klagen ist die Änderung der Nutzung: Während der Altbestand Bestandsschutz genoß, kann sich der "neue" zivile Flughafen nach Ansicht der Klägen nur beschränkt darauf berufen und es sollen die zum Zeitpunkt der Beantragung/Erteilung der zivilen Genehmiung geltenden Richtlinien, Gesetze etc. eingehalten werden. Das ist aber auch bei vielen anderen Bauvorhaben gängige Praxis. Selbst wenn man sich zu jedem Flugplatz hier in D. nur auf wenige Seiten beschränken, könnte man daüber trotzdem ein dickes Buch darüber schreiben. Wenn man seinen Blick etwas weiter schweifen lässt, kann man gleich eine Bibliothek gründen.

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Ergänzung zu Rolf`s post:

Wenn ich richtig informiert bin, ...

Auf die schnelle habe ich in oben verlinkten Urteil nur folgende Eingabe der Beklagten gefunden:
Zudem treffe der Lärm auf Gebiete mit verminderter Schutzwürdigkeit. Der frühere militärische Fluglärm habe an einzelnen betrachteten Punkten hohe Belastungen verursacht, habe auch Nachtstunden und Wochenenden nicht gänzlich ausgenommen und behalte im Sinne einer Vorbelastung auch nach wenigen Jahren der Pause noch Bedeutung.
Dieser Argumentation wollten die Richter aber nicht uneingeschränkt folgen.

 

Ansatzpunkt der Klagen ist die Änderung der Nutzung: Während der Altbestand Bestandsschutz genoß, kann sich der "neue" zivile Flughafen nach Ansicht der Klägen nur beschränkt darauf berufen und es sollen die zum Zeitpunkt der Beantragung/Erteilung der zivilen Genehmiung geltenden Richtlinien, Gesetze etc. eingehalten werden.

Im Falle Weeze hat das OVG in seinem ersten Urteil (2006) sinngemäß festgestellt, dass die Vorbelastung (militärischer Fluglärm) berücksichtigt werden muss. Man kam in Münster aber zu dem höchst absurden Ergebnis, dass der zivile Betrieb insgesamt mehr (Lärm-) Belastung verursache als der militärische (als alter Weezer, der die Zeit mit 65 Tornados erlebt hat, kann ich das nur als völlig lächerlich bezeichnen. Diese Aussage belegt, wie realitätsfern die Richter in Münster sind). Das Bundesverwaltungsgericht hat bei der erfolgreichen Revision dieses absurden Urteils im Oktober 2008 jedoch festgestellt, dass die Vorbelastung keine Rolle (mehr) spielt. Sinngemäß hieß es, der Flugbetrieb müsse so oder so genehmigungsfähig sein. Da die Grenzwerte deutlich unterschritten werden, erkannte das Bundesverwaltungsgericht keine Bedeutung des Lärms für irgendwelche Einschränkungen. Das Thema Lärm spielt daher in Münster, solange es den Tagesbetrieb betrifft, keine Rolle mehr. Es geht nur noch um die Nachtruhe!

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Irgendwie habe ich die Stelle mit der von Dir zusammengefassten Fluglärmbewertung des OVG übersehen.

 

Man kann aber in z.B. in BVerwG 4 C 6.07, Absatz 64 finden:

Das Oberverwaltungsgericht ist ferner der Ansicht, die Annahme der Beklagten, die Vorbelastung durch den militärischen Flugbetrieb wirke sich zu Lasten des Klägers zu 1 schutzmindernd aus, sei abwägungsfehlerhaft. Das ist nur im Ergebnis richtig.

Weiter wird im Folgenden z.B. in Absatz 67 ausgeführt:

Wird auf einem ehemaligen Militärflugplatz ein ziviler Verkehrsflughafen eingerichtet, entsteht auch im Hinblick auf die Lärmbelastung eine neue Situation, die in ihrer Gesamtheit abwägungsfehlerfrei bewältigt werden muss. Den Anwohnern darf nicht mehr Lärm zugemutet werden als bei der Anlegung eines neuen oder der wesentlichen Änderung eines bestehenden Verkehrsflughafens. Auch soweit der zivile Fluglärm die fachplanungsrechtliche Zumutbarkeitsschwelle (§ 9 Abs. 2 LuftVG) nicht überschreitet, ist die Schutzwürdigkeit der Anwohner durch eine militärische Vorbelastung nicht gemindert.

Das dort Jahre vorher einmal dutzende Kampfjets stationiert waren, ist damit nach Ansicht des BVerwG völlig ohne Belang.

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Irgendwie habe ich die Stelle mit der von Dir zusammengefassten Fluglärmbewertung des OVG übersehen.

Macht ja nichts. Ist ja auch ein sehr langes Urteil. Dennoch danke für die Mühe, die richtige Stelle zu finden.

 

Das dort Jahre vorher einmal dutzende Kampfjets stationiert waren, ist damit nach Ansicht des BVerwG völlig ohne Belang.

Tja, ich empfinde das als weltfremd. Meine Eltern sind damals nach Weeze gezogen, weil es da deutlich billigeres Bauland gab. Damals haben bis tief in die Nacht die Wände gewackelt. Selbst wenn die Tornados alle unten waren, ging es erst richtig los. Da wurden die Triebwerke bei Volllast getestet, so dass noch im 4 km entfernten Elternhaus die Scheiben wackelten. Oft bis nach Mitternacht. Von wegen Nachtruhe... Kein alteingesessener Weezer versteht daher das heutige Theater um den "Fluglärm" moderner ziviler Flugzeuge, das von ein paar Zugezogenen veranstaltet wird.

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Macht ja nichts. Ist ja auch ein sehr langes Urteil. Dennoch danke für die Mühe, die richtige Stelle zu finden.
Ich habe ja eigentlich nicht auf Dank gehofft, sondern auf ein Zitat, welches Deinen Aussage untermauert.

 

Tja, ich empfinde das als weltfremd.
So ist nun mal die Rechtslage - und das sogar unabhängig von unserer föderalen Struktur.

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Und das finde ich auch gut so!

 

Es ist doch wohl klar, dass bei einer heutigen Betriebsgenehmigung auch heutige Maßstäbe, und nur die, angesetzt werden müssen.

 

Denn auf andere Bereiche ausgedehnt, würde es ja sonst bedeuten, dass ich überall dort eine Fabrik völlig ohne die heute üblichen Umweltschutzauflagen erreichten kann, wo früher eine gestanden hat, die noch mehr "Schmutz" verursacht hat.

 

Also hat jeder Anwohne von NRN ein Recht darauf, dass die Betriebserlaubnis die heutigen Vorschriften berücksichtigt.

Andererseits hat der Flughafen das Recht, genau so behandelt zu werden, wie andere Flughäfen in diesem Land.

 

Und deswegen werden die Prozesse wohl noch eine Weile weiter gehen.

Irgendwann hat dann zu allen Streitfragen das BVG entschieden, dann ist Ruhe. (an der Juristenfront!)

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Dies sehe ich genauso.

Es geht ja nicht um eine Schließung von NRN, sondern um geregelte Betriebszeiten. Warum soll ein kleiner Airport andere Zeiten haben als ein Grossflughafen?

Und da sollte man sich von FR nicht unter Druck setzen lassen. Die sollen sich darum kümmern, dasss man die Slots bekommt alle stationierten Flieger spätestens um 6.15 rauszuhaben und keine Leerstandszeiten in NRN zu haben.

Guckt mal ins NRN-Forum, da sind einzelne Flieger, die im Tagesverlauf länger als 60 Minuten am Boden stehen.

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Es geht ja nicht um eine Schließung von NRN, sondern um geregelte Betriebszeiten. Warum soll ein kleiner Airport andere Zeiten haben als ein Grossflughafen?

Nun ist eine 24 Stunden Betriebsgenehmigung oder auch nur kurze Ausschlußzeiten wohl eindeutig als Wettbewerbsvorteil anzusehen!

Und auf einen solchen dürften Airports ala Weeze dringend angewiesen sein, will man wirtschaftlich überleben!

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Es geht ja nicht um eine Schließung von NRN, sondern um geregelte Betriebszeiten.
Naja, es geht schon um die grundsätzliche Genehmigung des Flughafens. Bisher ist der zivile Flugbetrieb nur unter Vorbehalt erlaubt. Doch scheint die Tendenz dahin zu gehen, dass die Fehler aus dem urspünglichen Genehmigungsverfahren nachträglich geheilt werden könnten. In den Urteilen wird z.B. auf die fehlende Umweltverträglichkeitsprüfung abgehoben. Ich erwarte aber schon eine Genehmigung, wenn auch mit Nachtflugbeschränkungen. Die einstweilige Verfügung deutet dabei in diese Richtung.

 

Warum soll ein kleiner Airport andere Zeiten haben als ein Grossflughafen?
Zweischneidiges Schwert, da es die unterschiedlichsten Regelungen sowohl bei Primär- wie Tertiär-Flughäfen gibt. Es hängt vom glaubhaft dargelegten Bedarf wie auch dem Zeitpunkt der Genehmigung ab. In der aktuellen Rechtsprechung geht die Tendenz dahin, dass das Recht zur Durchführung von Passagierflügen in der Nacht niedriger zu bewerten ist wie das Recht der Anwohner auf Ruhe.

 

Und da sollte man sich von FR nicht unter Druck setzen lassen.
Uh, pass auf die tieffliegenden Pompons auf. ;-) Es gab hier schon Mecker aus der irischen Ecke, weil über die aktuelle Ankündigung der Ryanair zu Weeze als Reaktion auf die Flugzeitenbeschränkung hier im Thema diskutiert wurde.

 

Da sehe ich es allerdings mit eingigen EU-Politikern, die eine generelle Schließung aller EU-Airports nachts beführworten.
Nicht nur in der EU! Politiker erzählen jedoch viel, wenn der Tag lang ist. Ich schaue lieber auf die Taten. Allerdings ist nur schwer einzusehen, warum manche Nachts beschallt werden müssen, damit andere möglichst billig von A nach B fliegen können, egal ob dass der Flug von/nach London oder die Pauschalreise in den Urlaub ist. Bei Fracht sieht es etwas anders aus, aber das ist in Weeze ja kein nenneswertes Thema.

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Da sehe ich es allerdings mit eingigen EU-Politikern, die eine generelle Schließung aller EU-Airports nachts beführworten.

Was allerdings in etwa so realistisch ist, wie ein Sonnenaufgang im Westen!

 

Denn dann könnte nach 12:00 Uhr Mittags kein Flieger mehr aus den USA nach Europa starten!

Europäische Reisende müssten immer einen Tag mehr einplanen, wenn sie Termine in Fern-Ost haben (denn sie können ja immer erst abends am Ziel sein)

 

Auf der einen Seite von Globalisierung tönen, dann aber ignorieren, dass eindeutig die meisten Menschen nicht in der gleichen Zeitzone leben, wie wir hier in Europa.

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Zu dem Thema Erpressung:

Sehe ich nur als eine Meinungsäusserung, sagen wir mal so, die Drohung kommt so an. Ich empfinde es so. Das bedeutet: Gefühl und nicht Feststellung oder Unterstellung.

Ob es tatsächlich soetwas ist, mag nur der Staatsanwalt oder ein Richter beurteilen.

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Sagen wir es mal so:

Wenn ich niemanden unter Druck setzen will, sage ich einfach als Unternehmer, ich reisse meine Zelte ab und gehe, weil ich nicht hier wirtschaftlich arbeiten kann.

Wenn ich Druck ausüben will, dann sage ich, wenn sich nichts tut und bis zum Tage x sich nichts ändert, dann bin ich weg und ach so viele Arbeitsplätze auch. Oder?

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Zu dem Thema Erpressung:

Sehe ich nur als eine Meinungsäusserung, sagen wir mal so, die Drohung kommt so an. Ich empfinde es so. Das bedeutet: Gefühl und nicht Feststellung oder Unterstellung.

Ob es tatsächlich soetwas ist, mag nur der Staatsanwalt oder ein Richter beurteilen.

Also wer hier von Erpressung spricht sollte genau wissen was er tut, denn das ist definitiv falsch. Zur Erpressung gehört immer die Androhung einer nicht legalen Tat (klassischer Fall: Zahle, oder ich bringe wen um...). Das ist doch hier in keinster Weise gegeben. Ein Unternehmen (hier Ryanair) erhält zunächst eine Handlungseinschränkung. Das Unternehmen ist darauf hin der Auffassung, mit dieser Einschränkung in nicht mehr ausreichender Form operieren zu können, und will daher die Tätigkeit dorthin verlagern, wo dies möglich ist. Man sollte die Aussage daher eher als Warnung sehen, "Hallo, das passt nicht in unser Geschäftsmodell, wir gehen!", aber in keinem Fall als Erpressung. In wie weit diese Kette logisch nachvollziehbar ist, steht auf einem anderen Blatt. Ich habe da so meine Zweifel, werde aber bevor nichts endgültig entschieden ist dies nicht weiter bewerten.

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Ich habe ja auch gesagt, es ist ein persönliches Empfinden. Druck ausüben. Vielleicht ist da Erpressung da das falsche Wort.

Allerdings Druck auf ein Gericht auszuüben ist auch nicht so ganz koscher. Man kennt dort wohl nicht die Gewaltenteilung?

Entsrpechend habe ich mein ursprüngliches Posting korrigiert mit der Bitte, dass z. B. dies Charliebravo etc. bei seinem Quote ebenso macht.

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@conrad: Das Ganze war nicht auf dich persönlich bezogen, sondern auf die vielen Posts vor meinem... Mit dem Zitat wollte ich nur an den Themenkomplex "Erpressung" andocken.

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Das habe ich auch so schon verstanden.

Ein Gericht sollte allerdings unabhängig, frei von allen wirtschaftlichen Interessen, entscheiden.

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...

Es geht ja nicht um eine Schließung von NRN, sondern um geregelte Betriebszeiten. Warum soll ein kleiner Airport andere Zeiten haben als ein Grossflughafen?

Ganz einfach: Weil in der "Pampa" erheblich weniger Menschen von Fluglärm betroffen sind als in den Metropolen. Bis auf ein paar zugezogene Berufsquerulanten (die sich sogar gegenseitig verklagen) steht die Bevölkerung in Weeze, nicht zuletzt wegen der mitlitärischen Vorgeschichte, fast geschlossen hinter den Flughafen. Umfragen belegen rund 90% Zustimmung (was auch dem Simmenanteil derjenigen Parteien bei der letzten Kommunalwahl entspricht, die den Airport eindeutig befürworten). Wo findet man das sonst?

 

...Und da sollte man sich von FR nicht unter Druck setzen lassen. Die sollen sich darum kümmern, dasss man die Slots bekommt alle stationierten Flieger spätestens um 6.15 rauszuhaben und keine Leerstandszeiten in NRN zu haben.

Guckt mal ins NRN-Forum, da sind einzelne Flieger, die im Tagesverlauf länger als 60 Minuten am Boden stehen.

Es ist doch ganz klar, wen MOL hier unter Druck setzt: Den Flughafen NRN (dass sich das Gericht nicht beeindrucken lässt, ist doch wohl auch dem großen Zampano MOL klar. Der Mann ist vielleicht größenwahnsinnig, aber doch nicht naiv!). Der Flughafen hat jetzt noch ganz passable Konditionen (bessere als HHN). Nun kann MOL diesen unter Druck setzen nach der Devise "seht her, Euer Flughafen ist jetzt weniger wert, kommt uns mal mit den Konditionen entgegen". Das ist das Spiel, das jetzt gespielt wird. Flugplantechnisch ist der Münsteraner Paukenschlag längst eingeplant, wie Du richtig erkannt hast.

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nicht zuletzt wegen der mitlitärischen Vorgeschichte,
Das der Flughafen eine militärische Vorgeschichte hat, dürfte mittlerweile hinlänglich bekannt sein. Durch weiterhin permanente Wiederholung wird das Argument aber vor Gericht nicht relevanter. Den genau dieser Bezug wurde vom BVerwG verworfen- s.o.

 

Umfragen belegen rund 90% Zustimmung

Welche Umfragen meinst Du? Handelt es sich dabei um seriöse, repräsentative Umfragen oder um die insbesondere in den Medien beliebten Online-Umfragen, bei denen nicht kontrolliert wird, wer wie oft klickt.

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Dass der Flughafen eine militärische Vorgeschichte hat, dürfte mittlerweile hinlänglich bekannt sein. Durch weiterhin permanente Wiederholung wird das Argument aber vor Gericht nicht relevanter. Den genau dieser Bezug wurde vom BVerwG verworfen- s.o.

Wenn Du meinen Post bitte etwas genauer lesen würdest: Es geht mir in dem Zusammenhang nicht um die juristische Relevanz, sondern um die Akzeptanz in der Bevölkerung. Und diese basiert i. W. auf der Erfahrung der Vorbelastung. Da kannst Du jeden Weezer fragen, der die Zeiten der RAF mitbekommen hat. Zu den Umfragen schreib ich später etwas. Jetzt will ich erst mal das schöne Wetter genießen.

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Ich habe mal gesucht:

Es gibt z.B. eine Straßenumfrage von Schülern und eine Online-Umfrage eine Radiosenders - beide mit breiter Zustimmung zum Flughafen.

 

Des Weiteren befragte die IHK Niederrhein 1.500 Unternehmen. Von denen gaben gut 20% an, dass der Flughafen eine regionalwirtschaftliche Bedeutung habe, 256 Unternehmen befürchteten negative Folgen, den anderen war es egal, sie trafen keine Aussagen oder sie verneinten die Fragen. Den meistern war die Frage nicht mal so wichtig als dass sie überhaupt auf die Umfrage reagiert hatten.

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Danke für die Vorlage, die Befragung durch Schüler Anfang 2004 brachte etwa 80% Zustimung (ein großer Teil der übrigen 20% hatte teilweise gar keine Ahnung, dass auf Laarbruch wieder geflogen wird oder war zugezogen und wusste nichts davon. Richtig dagegen waren etwa 10%).

 

Vielleicht darf ich etwas weiter ausholen. Ich bin selbst in Weeze geboren, aufgewachsen und habe sogar noch meinen Wehrdienst in der Gegend abgeleistet, sogar teilweise auf Laarbruch. Auch heute bin ich, familiär bedingt, noch häufig dort und kenne die Gemeinde und viele Einwohner sehr gut. Von denen, die ich kenne, sind alle für den Flughafen (was erst mal Zufall sein kann).

 

Wichtig ist zunächst mal die prägende Vorgeschichte. Die Briten (Royal Air Force, RAF) waren in Weeze immer ausgesprochen populär. Anders, als an anderen Standorten, wohnten die meisten Briten mitten im Ort und hatten vielfältige Kontakte zu den Weezern, bis hin zum Vereinsleben. Die Briten ließen viel Geld in der Gemeinde; man profitierte sehr offensichtlich von ihrer Anwesenheit. Und es war auch allen klar, was der Flughafen für Weeze bedeutete! Ca. 600 Zivilangestellte arbeiteten zudem auf dem Flughafen, und es waren sehr populäre, gut bezahlte Jobs! Die RAF rühmte sich, der größte Arbeitgeber im Umkreis von 40 km zu sein, was vermutlich zutraf. Weeze, die Briten und der Flughafen waren eine Symbiose, zumal das Zusammenleben ausgesprochen gut klappte. Der Fluglärm (und zwar richtiger Fluglärm, etwa durch 65 stationierte Tornados) gehörte einfach dazu. Das war die Kehrseite, die bis 1990 ohnehin kaum diskutiert wurde.

 

Als die Briten 1994 ihren Abzug aus Weeze verkündeten, war die Panik groß. Andernorts wäre man vielleicht froh gewesen, nicht aber in Weeze. Es gab Bürgerinitiativen und sogar einen Beschluss aller (!) Parteien im Rat (OK, die Grünen sind in Weeze bedeutungslos) für einen Appell an die brit. Regierung, doch bitte nicht den vorletzten RAF-Standort Laarbruch (Weeze) dicht zu machen, sondern besser RAF Brüggen, der (vorerst) erhalten bleiben sollte. Man schlug sogar vor, die in Brüggen unbeliegten Tornados nach Weeze (zurück) zu holen, als Ersatz für die seit 1992 in Weeze stationierten Harrier, die nach England verlegt werden sollten. Ich glaube, es ist ziemlich einzigartig, dass eine Gemeinde sowas beschließt (die gewählten Parteien repräsentieren immerhin die Bürger und deren Willen). Es nützte aber nichts, 1999 war das Kapitel RAF zu Ende. Wer die letzte Parade der Briten in Weeze erlebt hat, wird sich an die traurigen Gesichter aller Beteiligten erinnern. Ich glaube, auch das ist ziemlich einzigartig. Nicht zuletzt diese guten Beziehungen zu den Briten haben dazu geführt, dass die RAF-Zeit in Weeze auch durch ein Museum dokumentiert wird. Andernorts sind sie einfach abgezogen, und das war es dann.

 

Die nun einkehrende Ruhe war für viele Weezer geradezu erschreckend, denn nicht nur die Jets waren weg, auch die Kaufkraft und das bunte Weezer Leben war dahin. 35% der Einwohner waren weg, Weeze verödete regelrecht, Geschäfte mussten schließen, die Schlüsselzuweisungen des Landes (eine Art Kopfprämie) fielen weg, Weeze war auf einmal eine arme Gemeinde.

 

Der Gedanke, den Jobmotor Flughafen wieder aufzumachen, fiel daher in der Gemeinde auf äußerst fruchtbaren Boden. Alle (!) im Rat vertretenen Parteien waren dafür, einzig die "Unabhängigen" mit gewissen Einschränkungen (die Bürger haben die Parteien nicht zuletzt wegen Laarbruch gewählt, was zeigt, dass die Wähler die Reaktivierung wollten). Mitte der 90er sollen die großen Parteien im Rat eine Untersuchung in Auftrag gegeben haben, ob eine zivile Reaktivierung beim Wahlvolk ankommt. Die fiel angeblich positiv aus; ich werde mal versuchen, darüber was Genaueres rauszubekommen.

 

Der mühsame Start des Projektes hat zwar die Sorgen gefördert, aber insgesamt ruhten die Hoffnungen einzig auf "Laarbruch", zumal es kaum Alternativen gab/gibt.

 

Nun zu den Umfragen. Die "Forschungsgruppe Wahlen" war nicht am Werk, aber das kann man für einen solchen Provinzflughafen auch kaum erwarten. 2004 machten Schüler die o. g. Umfrage unter - immerhin - rund 200 Weezer Bürgern (etwa 2% der Einwohner).

 

2006 machte der Lokalsender "Antenne Niederrhein" eine online-Unfrage, die auch ein Ergebnis (Zustimmung) zwischen 80 und 90 Prozent erbrachte. Anfang 2009 vergab eine Gymnasial-Lehrerin aus Goch eine sogenannte "Facharbeit" an zwei Schüler. Diese befragten etwa 250 Weezer und etwa die gleiche Zahl an Bewohnern in Kevelaer und Goch. Das Verblüffende: Je näher am Flughafen gefragt wurde, desto höher die Zustimmung (90% für Weeze, 80% für Kevelaer, 70% für den Ortsteil Winnekendonk, der in der Einflugschneise liegt). Es wäre schön, wenn die Beteiligten der Veröffentlichung der Umfrage zustimmen würden; leider ist das (noch) nicht der Fall (ich bin da am Ball).

 

Fazit: "Forsa", "Infratest" und wie sie alle heißen, waren noch nicht in Weeze aktiv. Die Umfragen sind, naturgemäß für einen Airport in der 3. Liga, etwas amateurhaft zustande gekommen. Aber ich habe jetzt mal ein paar Hinweise zusammengetragen, die meinen persönlichen Eindruck bestätigen (ich kenne in Weeze viele Leute, darunter ist aber kein einziger Flughafengegner). Und, bei aller berechtigten Skepsis, der Trend ist schon sehr eindeutig. Und ich denke, der ist schon ziemlich einzigartig für einen Flughafen.

 

Mehr kann ich nicht bieten. Wem das nicht reicht - bitteschön.

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