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shamu

Auf nach Brüssel (... und mit dem Fahrrad durch die Stadt)

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Hallo zusammen,

 

als kleine Inspiration für einen Wochenend-Trip gibt es heute für einen Reisebericht über Brüssel. Auch dieses Mal hatte ich meine große Kamera dabei, so dass es einmal mehr eine filmischen Reisebericht für euch gibt. Dieses Mal gab es eine kleine Premiere: Das komplette Foto- und Videoequipment musste in einen 10kg Ryanair-Handgepäckkoffer passen. Aber was macht man nicht alles, wenn man eine FullHD-Reisedoku mit nach Hause bringen möchte.

Der Bericht dauert ungefähr 6 Minuten, viel Spaß beim Anschauen!

 

 

Natürlich gibt's den Bericht auch im "üblichen" Format, mit einigen Bildern. Viel Spaß damit!

 

Brüssel Tag 1 - Hinflug nach Charleroi mit Ryanair, Kathedrale St. Michael und St. Gudula, Grand Place & Manneken Pis

 

Ich will nicht behaupten, dass Conny und ich keine Wahl hatten nach Brüssel zu fahren. Aber je näher die Osterfeiertage im April rückten, desto mehr wurde uns klar, dass wir in die belgische Hauptstadt fahren mussten. Aber wieso?

Schon seit der Verkündung der neuen Brüssel-Routen ab Memmingen lagen die Preise auf einem historischen Dauertiefstand: Nur 10€ pro Flug, die noch gültige Verwaltungsgebühr-Befreiung der Mastercard Prepaid und die Tatsache, dass die Angebotsflüge an jedem (und ja, ich meine wirklich an jedem) Wochentag, sogar über Ostern, verfügbar waren, machten ein Ausweichen nur schwer möglich. Und da die Ferien bzw. Feiertage jegliche Pauschalreisen bis weit über die Schmerzgrenze verteuerten, schlugen wir dann doch zu. Es ging nach Brüssel (natürlich über Charleroi, aber der eingefleischte Ryanair-Flieger hätte niemals etwas anderes erwartet).

 

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Die Flugzeiten bzw. -tage wählten wir so, dass wir den wenigsten Stress hatten: Abflug um 10:30 Uhr bedeutete so viel wie Motoranlassen um 08:45 Uhr, und nix wie ab nach Memmingen. Schnell auf den Parkplatz gefahren und gemütlich rein ins Terminal und ab durch die SiKo. Auch wenn der letzte Flug mit Ryanair nach Mallorca fast ein Jahr her ist (Ojeh, ich lasse doch nicht etwa nach?) absolvierten wir die Fummelbude mit spielerischer Routine – ganz im Gegensatz zu jenem, jungen, temperamentvollen Spanier vor uns, der ernsthaft eine Diskussion anfing, wieso er seine 500ml Dose Haarspray nicht ins Handgepäck nehmen durfte. Obwohl noch mehr als genügend Zeit bis zum Abflug bleibt, hampelte die Masse schon ungeduldig am Gate. Und tatsächlich bekam der Flieger fast 10 Minuten vor der Zeit die Krallen vom Boden und durchbrach die bis dato undurchsichtige Wolkendecke.

 

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Das erste Mal erblickte ich den Flughafen Charleroi, und mit der typischen Ryanair-Fanfare begleitet, setzte die Boeing 737 butterweich auf. Bei der anschließenden Kabinendurchsage knallte dann fast mein Kinn auf den Boden: „… and we've reached Brussels South Airport fifty-five minutes ahead schedule“. 55 Minuten Ver“früh“ung? Das haut mich wirklich aus den Socken. Das Wetter bei der Ankunft vermochte selbiges leider nicht, aber laut Wetterbericht sollte Petrus auch einen schlechten Tag haben, so dass ich mir für den Rest des Tages nichts weiter vorgenommen hatte, als mich über die acht Achtel bedeckter Himmel aufzuregen. Klingt doch nach einem Plan, oder? :D

 

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Ein paar Tips um den Flughafen Charleroi möglichst schnell zu verlassen, habe ich bereits auf meinem Blog gepostet. Wir entschieden uns für Autocars l'Elan, einen Direktbus vom Airport zur Gare du Midi (alle 30 Minuten, 13€ oneway, 22€ return). Obwohl wir uns bei der Buchung auf eine bestimmte Uhrzeit festlegten, durften wir den ersten verfügbaren Bus nehmen und ließen uns etwa 45 Minuten in die Innenstadt von Brüssel chauffieren.

 

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In Brüssel angekommen, wurde ich doch glatt von den ersten blauen Himmelfetzen überrascht. So ein Mist, ich wollte mich den ganzen Samstag über's Wetter aufregen. An der Gare du Midi suchten wir uns erst einmal ein ordentliches Mittagessen. Und da auf Bahnhöfe in Europa einfach Verlass ist, fanden wir auch gleich ein Subway, das für mich immer noch als ordentlicher Kompromiss zwischen Fast-Food und anständigem Essen gilt. Auf jeden Fall sattmachender als ein Burger.

 

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Ein Glück hatten wir jetzt erstmal etwas Ruhe vor unseren knurrenden Mägen, denn der nächste Schock ließ nicht lange auf sich warten. Und das meine ich dieses Mal absolut ernst:

Am Morgen war ein Auto mit einem Bus kollidiert, und ein Mitarbeiter des örtlichen Verkehrsverbund STIB sollte den Unfall aufnehmen. Anscheinend hatte der Fahrer des Autos seine Homies gerufen, die im Eifer des Gefechts den STIB-Mitarbeiter zu Tode prügelten. Angewidert durch diese Gewalt, traten sämtliche Fahrer des Öffentlichen Nahverkehrs daraufhin sofort in einen Streik, bis der Innenminister ihre Sicherheit gewährleisten könne. Alle Eingänge zu U-Bahnen und Trambahnen wurden verrammelt oder mit rot/weißen Bändern abgesperrt.

 

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Uff, was für ein Auftakt für eine Städtereise.

Kurzerhand traten wir dann den Weg zu unserem Hotel mitten in der Innenstadt zu Fuß an. Natürlich war ich darauf nicht vorbereitet, denn ich hatte mir nur den Fußweg der U-Bahn-Station „De Brouckère“ gemerkt und mir am Flughafen keinen Stadtplan geholt. So ging es dann teilweise durch Raten und Schätzen, teilweise aber auch mit dem Kompass des iPhones zum Hotel. Eben Oldschool Dampfschiff-Navigation. Nach dem Weg fragen wäre viel zu einfach gewesen.

 

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So ging es zum Beispiel vorbei an der Börse von Brüssel:

 

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Nach unserer Ankunft im Hotel erfuhren wir dann, dass der Streik des Nahverkehrs wahrscheinlich schon morgen vorbei sein sollte. Also theoretisch alles noch im grünen Bereich.

Zuerst entschieden wir uns für eine kleine Auszeit im echt geräumigen Hotelzimmer. Allerdings beleuchtete die Sonne mal wieder die Innenstadt von Brüssel, und überredete uns zu einem Spaziergang durch die City. Hilft ja nix, ich kann mich ja noch ein anderes Mal über das schlechte Wetter aufregen.

 

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Bereits nach wenigen Minuten standen wir vor der Kathedrale St. Michael und St. Gudula (Cathédrale St. Michel et Gudule).

Nur um eure Frage gleich zu beantworten: Ja, dieses Kirche steht wirklich in Brüssel, und Notre-Dame steht immer noch in Paris.

 

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Wenn man sich ein wenig in die Geschichte einliest, dann gehen die ersten Erwähnungen von Brüssel tatsächlich auf zwei Kirchen zurück: Laut einer Legende wurde im 7. Jahrhundert eine dem heiligen Michael geweihte Kapelle in „Brousella“ errichtet. Gesichert ist, dass von 977 bis 979 zusätzlich eine Sankt-Gudula-Kapelle auf einer Insel im Flüsschen Senne am heutigen Ort von Brüssel gebaut wurde. Von diesen beiden Bauwerken gibt es nach so vielen Jahren natürlich keine Spur mehr, aber wie ihr seht sind die beiden Heiligen tief mit der Stadt verbunden.

 

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Bereits von der Kirche ist der Belfried des Rathauses auf dem Grand Place (Grote Markt) von Brüssel zu sehen. Wie gut, dass die Innenstadt so gut zu Fuß zu erkunden ist. Keine fünf Minuten später standen wir auf dem zentralen Platz, der vor allem wegen der vielen Zunft-Häuser rundherum, des bereits erwähnten Rathauses und des Maison du Roi als eines der Wahrzeichen der Hauptstadt gilt.

 

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Ein wenig Zeit blieb uns noch, so dass wir noch dem berühmtesten Bürger der Stadt einen Besuch abstatteten: Dem Manneken Pis.

 

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Ähm, nuja … also.

Nehmt es mir nicht übel, aber ich war selten so enttäuscht von einer hochgelobten und weltberühmten Touristenattraktion. Natürlich will ich auf keinen Fall die Größe eines Monumentes mit dessen Bedeutung in Relation bringen, und auch die Tatsache, dass ein Künstler im Jahr 1619 eine solch „laszive“ Statue schuf (und überlebte) entbehrt nicht einer gewissen Relevanz für die Geschichte. Doch irgendwie war ich doch etwas enttäuscht von der Kopie der 61cm hohen Figur, deren Original übrigens im Maison du Roi steht, und den Menschenmassen, die teilweise für ein gutes Foto den Schutzzaun hinauf kletterten.

 

Statt uns dieser Euphorie hinzugeben, schlenderten wir zurück ins Hotel und kümmerten uns um das Abendessen. Zur Feier des Tages ließen wir es richtig krachen und entschieden uns für den Lieferservice. Ok, die Tatsache sich Sushi auf wackeligem französisch ins Hotel liefern zu lassen, entbehrt zwar nicht einer gewissen Risiko-Bereitschaft, aber geklappt hat's dann trotzdem.

 

Brüssel Tag 2 – Mit dem Leihfahrrad zur Basilika Sacré Cœur, Atomium & Kunstberg

 

Der Haupt-Sightseeing-Tag war gekommen und schon kurz nach dem Aufstehen ging das Zittern los: Wie würde sich wohl heute das Wetter verhalten? Über Facebook bekamen wir die Hiobs-Botschaften aus dem eigenen Lande mit: Die Ostereiersuche musste dieses Mal in den Schnee verlegt werden, die Temperaturen rauschten in den Keller und Weihnachten 2011 würde sich wärmer als Ostern 2012 entpuppen. Der Wetterfrosch der iPhone App war allerdings ein kleiner Hoffnungsschimmer, denn hier orakelte die virtuelle Meteorologie-Amphibie irgendetwas zwischen wolkig (4/8 bis 6/8 des Himmels ist bedeckt), stark bewölkt (7/8) und bedeckt (8/8). Diese Achtel-Einteilung sollte sich zwischen mir und Conny als Running-Gag des Trips heraus stellen.

 

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Die Metro kam mittlerweile in unsere Plan nicht mehr vor, denn selbstverständlich wären wir niemals so naiv gewesen und hätten ernsthaft mit der Wiederaufnahme des Nahverkehrs nach dem tödlichen Zwischenfall gerechnet. Und tatsächlich dauert der Streik der STIB zum Zeitpunkt des Erstellens dieses Tripsreports noch immer an, und das obwohl die Regierung bereits zusätzliches Sicherheitspersonal im Umfang von über 400 Polizisten in Aussicht gestellt hat. Unser erstes Ziel war die Nationalbasilika des Heiligen Herzens (Basilique Nationale du Sacré-Cœur), die sich in der Brüsseler Gemeinde Koekelberg, etwa 4 Kilometer außerhalb der Innenstadt, befindet.

 

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Die Kirche liegt recht idyllisch am Ende des Elisabethparks, und wirkt durch ihre Größe sehr beeindruckend. Da wir pünktlich um kurz vor 12:00 Uhr am Ostersonntag eintrafen, platzte die Kirche fast aus allen Nähten. Da sei es auch dem gläubigsten Kirchgänger verziehen, dass er mit seinem klapprigen Nissan quer über den Rasen bretterte, nur um noch einen Parkplatz zu erwischen. Sein Manöver diente ja einem höheren Zweck.

 

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Bedingt durch den temporären Ausfall der Metro legten wir die 4 Kilometer trotzdem nicht zu Fuß zurück. Um auch der Taximafia ein Schnippchen zu schlagen, probierten wir das öffentliche Fahrradverleih-System Villo! aus, dass wir bereits aus Paris (dort unter dem Namen velib') oder Valencia (hier Valenbisi) kannten. Eine „Tages-Mitgliedschaft“ kostet 1,50€ pro Person, die erste halbe Stunde radeln ist umsonst, bringt man das Fahrrad dann nicht an eine andere Station muss man blechen. Das genaue Tarifsystem findet man auf der Website von der/die/das Villo!. Selbstverständlich kann man das Bike vor Ablauf der 30 Minuten zurück geben und sich dann ein Neues (gerne auch das Gleiche nochmal) ausleihen und wieder eine halbe Stunde kostenlos strampeln.

 

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Mit unseren Drahteseln bewaffnet ging es dann endlich zu dem Wahrzeichen von Brüssel schlechthin: Dem Atomium. Dieses Bauwerk wurde anlässlich der ersten Weltausstellung nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahr 1958 erbaut und soll als Zeichen für die friedliche Nutzung der Kernenergie stehen. Streng genommen müsste man es im Rahmen der Energiewende also wieder demontieren.

 

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© www.atomium.be - SABAM 2012 – Phil Klever

 

Leider ist die belgische Behörde für Urheberrechte (SABAM) Inhaber und Manager der Bildrechte des Atomiums, so dass man es leider nicht uneingeschränkt fotografieren darf. Jedoch gibt es laut der offiziellen Seite ( http://www.atomium.be/Search.aspx?search=p...orsRights.aspx) eine Ausnahme für private Fotos zu nicht-kommerziellen Zwecken, bei denen das Bauwerk eine Auflösung von 600 Pixeln nicht übersteigt. Das Copyright erlischt übrigens im Jahr 2075. Da sollte ich mir schon einmal 'nen Wecker stellen.

 

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Die Sonne meinte es mehr als gut mit uns, und tatsächlich bekamen wir mindestens 3/8 freien Himmel zu Gesicht als wir den Rückweg in die Innenstadt mit unseren Fahrrädern antraten. Anständigerweise sind auf den großen Hauptstraßen genügend Fahrradwege vorhanden, die teilweise allerdings recht abenteuerlich im Nachhinein auf Tramgleisen, Parkplätzen oder kleinen Nebenstraßen aufgepinselt wurden. Also Augen auf beim Fahrradfahren in fremden Städten!

 

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Die Grundidee des Villo!-Fahrradverleihsystems muss ich hier noch einmal wirkich loben: Noch nie war es so unkompliziert an ein Fahrrad zu kommen und (!) es auch überall wieder abgeben zu können.

Im Gegensatz zu Paris und Valencia ist aber das Angebot an Fahrrädern und leeren Stellplätzen sehr unausgeglichen: Sehr oft fuhren wir an Stationen vorbei, bei denen alle Plätze bereits mit Rädern belegt waren, so dass wir die nächste Station auf der Karte finden und ansteuern mussten. Wiederum zweimal passierte uns auch genau das Gegenteil, dass wie nur leere Stellplätze vorfanden. Hier kann man zwar sehr gut seine kostenlosen 30 Minuten verlängern, allerdings kommt man von dort nicht mehr weg. Besonders unschön wird die Sache, wenn man sein Fahrrad um 30 Minuten verlängern möchte und es dann kurz nach dem Zurückbringen von jemand anderem weggeschnappt wird.

 

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Eine kurze Erfrischungspause beim Hotel verbanden wir gleich noch einmal mit einem Besuch der Innenstadt. Die Sonne strahlte mal gerade wieder, und wir gönnten uns eine anscheinend typische Brüsseler Spezialität: Waffeln!

Ja, so lässt's sich aushalten.

 

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Nebenbei statteten wir noch der berühmten Fressgasse (Rue des Bouchers) einen Besuch ab. Leuten mit Platzangst sei diese enge Straße nicht ans Herz gelegt, zumal sich hier der gesamte Touristenstrom der Stadt durchquetscht. Der geübte Individualreisende sollte für diesen Ort nicht mehr als einen Fotostopp einplanen: Da diese Gasse in so ziemlich jedem 0815-Reiseführer als "Geheimtip" vermerkt ist, kann man sich das Preisniveau ungefähr vorstellen.

 

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Direkt danach machten wir einen Ausflug nach Europa, denn unser nächstes Ziel lag direkt hinter dem Europa-Viertel. Hier sieht man die eindrucksvollen Gebäude, in denen viel Geld in heiße Luft umgesetzt wird. Imposant sind die sehr modernen Bauwerke mit Sicherheit, allerdings hatten wir nicht wirklich allzu viel Lust uns hier länger aufzuhalten: Überall wurden Gebäude entkernt, saniert, umgebaut, neu gebaut oder abgerissen, und durch die immensen Häuser links und rechts verwandelten sich die Straßen schnell zu kalten und schattigen Schluchten.

 

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Da gefiel mir das alt-ehrwürdige Kontrastprogramm am Zielort doch gleich viel besser: Der Jubelpark (Parc du Cinquantenaire) mit seinem Triumpfbogen ist ein kleines Naherholungsgebiet für gestresste Brüsseler, die sich hier besonders im Sommer gerne vom Stadtstress erholen. Erbaut wurde er zur Feier des 50. Jahrestages der belgischen Unabhängigkeit auf einem ehemaligen Militärübungsgelände um die Prosperität des Landes zu demonstrieren.

 

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Die Sonne senkte sich schon langsam, und auch der Himmel forderte seine letzten Achtel zurück, so dass wir den Tag gemütlich auf dem Kunstberg (Mont des Arts) von Brüssel in der Nähe der Gare du Midi ausklingen ließen.

 

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Mit dem Wetter hatten wir tatsächlich großes Glück gehabt, auch wenn die Wolken zwischendurch immer wieder etwas bedrohlicher wurden. Die Temperaturen blieben zum Glück die ganze Zeit zweistellig, so dass besonders das Fahrradfahren nicht zur Qual wurde. Dafür ersetzten die Höhenunterschiede in der Innenstadt teilweise das Workout im Fitness-Center und widerlegten eindeutig die Physik: Ich hätte nämlich schwören können, dass es im Europa-Viertel sowohl auf dem Hin- und auf dem Rückweg bergauf ging!

 

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Brüssel Tag 3 - Galeries Royales Saint-Hubert und Heimflug von Brüssel Charleroi nach Memmingen

 

Genau so wie der erste Tag nur für das Fluchen über's Wetter reserviert war, sollte der dritte Tag die benötigte Ruhe bringen. Denn irgendwie schaffen wir es selbst auf eintägigen Trips uns die Füße kaputt zu laufen. Und das wohl bemerkt trotz der kräftigen Unterstützung der Leih-Drahtesel. Ich sollte in Zukunft wirklich mal die Meter per GPS tracken.

 

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Dennoch standen wir relativ früh auf, schließlich brachte das lange Osterwochenende einen massiven Stau am Frühstücksbuffet mit sich. Klar, so etwas nennt man Luxusprobleme. Aber auch mit so etwas steht und fällt der Start in den Tag.

 

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Vielleicht noch ein, zwei Worte zu unserem Hotel: Wie wir deutlich an unserem http://killerwal.com/2010/09/15/auf-zu-ikea-hm-und-wasa-mit-ryanair-nach-stockholm-fmm-%e2%80%93-nyo-%e2%80%93-fmm/">Wochenende nach Stockholm</a> im vorletzten Jahr gemerkt hatten, kann ein Städtetrip mit einem unanständigen Hotel total in die Hose gehen. Gerade wenn das Wetter latent beschissen ist, braucht man einen halbwegs passablen Rückzugsort. Dieses Mal machten wir alles richtig: Gute Planung im Vorhinein erspart lautes Scheiße-Schreien vor Ort.

 

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Ein kleines Highlight sparten wir dann doch noch für den letzten Tag auf: Die Galeries Royales Saint-Hubert (Galerie de la Reine) erinnert nicht nur sehr an die Galleria Vittorio Emanuele II in Mailand, sie wurden auch noch zeitgleich eröffnet. Die Ladenstraße ist heute hauptsächlich mit hochpreisigen Cafés, Boutiquen oder Schokoladengeschäften bestückt. Ein Durchlaufen ist trotzdem wärmstens empfohlen.

 

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Die Fressgasse vom letzten Tag endet übrigens genau rechtwinklig in der Mitte der Gallerie, so dass man Shoppen und Mampfen sehr gut mit einander verbinden kann. Auch kann man durch die wunderschöne runde Glasüberdachung selbst bei schlechten Wetter theoretisch "draussen" im Café sitzen. Der Stadtkern von Brüssel hat mich wirklich sehr positiv überrascht.

 

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Unseren Flug nach Hause hatten wir am späten Nachmittag gebucht, so dass wir mehr als gemütlich auschecken und zum Bahnhof laufen konnten. Auch auf dem Rückweg nahmen wir den Direktbus nach Charleroi. Dummerweise verwechselte ich die Abfahrtszeit von Bus-Hinfahrt mit Bus-Rückfahrt, so dass wir tatsächlich eine halbe Stunde zu früh am Flughafen ankamen. Damn, solange hätten wir noch im Hotel chillen können.

 

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Gut, andersherum wäre die Sache sicher deutlich problematischer gewesen. Lieber bin ich zu früh am Flughafen als zu spät. Die Abfertigung am Flughafen von Charleroi verzögerte sich jedoch ziemlich: Statt wie in Memmingen einfach frühzeitig loszudüsen, bestand Ryanair dieses Mal auf einer Punktlandung (oder sagen wir Punktabflug), so dass das Anstehen in der Schlange im schlecht gelüfteten Untergeschoss des Airports zu einer unangenehmen Sache wurde. Besonders da der Raum so klein war, dass die Menschenmassen bis vor die Toiletteneingänge standen.

 

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Allerdings war dies auch ein Indiz für die hohe Auslastung unseres Fluges. Unser Bordkarten trugen bereits Nummern oberhalb der 140 und im Flieger selbst war fast jeder Platz besetzt. Den Einfluss des verlängerten Wochenendes darf man hier sicher nicht außer Acht lassen, aber dennoch hat mich der Load auf der Verbindung überrascht. Zur Erinnerung: Die Strecke lief erst die dritte Woche!

 

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Der Rest des Trips verlief in bester Routine: Relativ pünktlich setzten wir bei grau-doofen Wetter im Allgäu auf und ich ließ mich vom Parkgebührautomaten auf die harte Tour aus meinem leichten Dämmerschlaf wecken: 19,50€ für drei Tage ist der höchste Preis, den ich bis jetzt jemals in Memmingen abdrücken musste. Hier sollte der Airport so langsam aber sicher auf die Bremse treten und endlich wieder Vernunft annehmen: Bis jetzt war ich immer bereit den Airport durch meine Parkgebühren zu unterstützen (übrigens im Gegensatz zu Stuttgart oder München), aber irgendwo muss die Kirche halt doch im Dorf bleiben.

 

Fazit:

Schon lange wollte ich einmal nach Brüssel, da ich von Freunden viel Positives über das Flair und die Architektur gehört habe. Obwohl wir bereits bei unserem Roadtrip nach Kanada kurz in Brüssel stoppten, war dies der erste Besuch in der Innenstadt, der mich definitiv nicht enttäuschte. Vom Manneken Pis einmal abgesehen haben mir die Sehenswürdigkeiten sehr gut gefallen - hier macht das Fotografieren Spaß. Besonderes Lob verdienen die Villo! Leihfahrräder, die bei schönen Wetter die beste Art der Fortbewegung sind. Es macht einfach viel mehr Spaß als irgendwo an einer U-Bahn Station im Erdboden zu verschwinden, um dann bei einer anderen Station wieder aufzutauchen ohne den örtlichen Zusammenhang zwischen den beiden Orten zu kennen.

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Herzlichen Dank fürs mitnehmen. Hat ein paar schöne Erinnerungen geweckt, hab ich doch ähnliches 2007 ab MUC (aber mit CL) unternommen...

Leider fiel damals mein Fazit nicht so positiv aus wie deines. Mir kam die Stadt ziemlich dreckig/herunter gekommen vor (Gepäckaufbewahrung im Bahnhof!), aber würde mich freuen sollte sich das gebessert haben.

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Guest SA261

Wieder ein richtig schöner Shamu-Report und Video - das ich natürlich schon vorher kannte ;)

Brüssel ist für mich als Flugreise-Report natürlich etwas seltsam, da es von Luxemburg (Tanken) wirklich nur noch ein Sprung über die Ardennen-Autobahn ist. Für die bayr. Schwaben sieht das natürlich etwas anders aus.

 

Hattest dich nicht mit dem Fahrrad auf dem Weg zum Atomium verfahren - ist doch ein schönes Stück? Mit dem Auto verfahre ich mich regelmäßig in der Stadt, obwohl ich mich nicht schlecht auskenne und meine 1. Freundin sogar von Brüssel war.

 

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@Jetto: Jap, Brüssel hat auch so seine unansehnlichen Seiten. Im Prinzip gibt's die ja in jeder Stadt, aber leider liegen diese in Brüssel ein bisschen zu nah an der alten Innenstadt und somit fallen sie sofort ins Auge. Für eine Stadt, die in Europa ja keine geringe Rolle einnimmt ist das schon etwas peinlich.

 

@SA261: Brüssel als "Reiseziel" mag wirklich für den einen oder anderen etwas verdreht klingen, deswegen habe ich auch gleich das Auto als Anreisemittel im Video erwähnt. Ich würde mich wahrscheinlich genau so fühlen, wenn jemand mit dem Flieger nach Salzburg donnert, während ich mal eben schnell mit dem Bayernticket hindüsen kann.

 

Die Navigation hätte ich mir echt schlimmer vorgestellt, da wir nämlich nur eine detaillierte Innenstadt-Karte besaßen (wo das Atomium eben nicht drauf war) und während dem Fahrradfahren das Straßenschilder-Erkennen sowieso etwas schwer ist. Wir haben uns dann halt einfach an großen Straßen orientiert und irgendwie klappt's ja doch immer. Nur das 30-Minuten Limit sitzt dir halt immer im Nacken und "motiviert" dich beim Wegfinden ^^

Und danke für das Lob zum Video.

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