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HB-IPK

Laienfrage: Wirtschaftlichkeit möglicher Zubringerflüge mit "Buschflugzeugen"?

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Kürzlich habe ich, nach langer Abwesenheit, meinem ehemaligen "Heimatflugplatz" Hohenems (HOH/LOIH) einen kurzen Besuch abgestattet. Es ist ein kleiner aber recht geschäftiger Flugplatz mit 630m Asphalt, mitten im österreichischen Rheintal. Vor laaaanger Zeit gab es von dort aus mal eine Linienverbindung nach Wien, bedient von Rheintalflug mit einer Turbo Commander. Im Rahmen einer Flugshow war auch mal eine Tyrolean Dash 7 zu Gast.

 

Das Rheintal ist eine der dichtbesiedeltsten Gegenden Österreichs, auf der Schweizer Seite sieht es ähnlich aus und im Umkreis von vielleicht 20km leben an die 200.000 Menschen. Die fliegen bevorzugt von ZRH, MUC oder gelegentlich auch von FRA in die große weite Welt. Das bedeutet für jeden Einzelnen eine lange Bahnfahrt, oder die Anreise mit dem Auto und ein teures Parkticket in einem Parkhaus. Dazu kommt ein großes Sicherheitsposter, das man für Zugausfälle oder Staus bei der Abreise einkalkulieren muss. HOH liegt mitten im freien Feld mit ausreichend Parkmöglichkeiten, bei wenigen Kilometern Anreise kennt fast jeder jemanden der ihn kurz mal zum Flughafen schupfen könnte und ein Taxi wäre ggf. auch nicht teuer. Bei Bedarf und politischem Willen könnte man die einen zusätzlichen Halt an der nahegelegenen Bahnstrecke oder einen Shuttlebus einrichten.

 

Flugzeuge wie Dash 7, DHC-6 oder DO-228 sind nicht gerade für ihre Wirtschaftlichkeit bekannt. Sie könnten aber problemlos von diesem Airtport aus eingesetzt werden, um einen der genannten Flughäfen (ZRH, MUC, FRA) als Zubringer zu bedienen. Da die Flugzeit sehr gering wäre, würde man auch nicht sehr lange unnötig viel Kersosin verbrennen. Mit LH- und LX-Codesharing und der Möglichkeit das Gepäck vor Ort einzuchecken wäre das für viele sicherlich eine attraktive Alternative zur Anreise mit Bahn oder PKW. Man würde sich nicht nur die Anreise selbst ersparen, sondern könnte zeitnahe von zuhause abreisen. Auch incoming hätte die Verbindung Potenzial, schließlich ist man in HOH schon fast auf der Skipiste und auch die Bregenzer Festspiele ziehen Publikum an.

 

Dass dies nicht geschieht zeigt wohl, dass solche Zubringerflüge nicht rentabel wären. Aber warum, ist der Betrieb von Buschflugzeugen wirklich so viel teurer als dass man sie nicht für 150€ bis 200€ pro Strecke voll kriegen könnte? Es geht mir jetzt nicht nur um HOH, sondern generell um kleine Flugplätze mit großem Einzugsgebiet und ohne Großflughafen in direkter Nähe.

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ist der Betrieb von Buschflugzeugen wirklich so viel teurer als dass man sie nicht für 150€ bis 200€ pro Strecke voll kriegen könnte?

 

Das Problem in unseren gefilden ist, dass die laufenden Betriebskosten für kleinere Maschinen pro zahlendem Fluggast gerechnet so hoch sind, dass selbst bei voller Auslastung keine schwarzen Zahlen mehr unterm Strich stehen. In anderen Teilen der Welt, in denen Personalkosten, Steuern, Landegebühren etc. niedriger sind mag das anderes aussehen, aber selbst dort sind mehr solcher Verbindungen bezuschusst als man gemeinhin glauben möchte.

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Zudem haben die Großflughäfen in den für Zubringer attraktiven Zeiten (sprich früh morgens und spät abends) meist so gut wie keine freien Slots mehr. Für ein attraktives Zubringersystem sind aber genau diese Zeiten unverzichtbar. Ein einzelner Flieger zur Mittagszeit, vor und nach dem die Passagiere 4-6 Stunden auf ihren Anschluss warten müssen, ist dann auch kein wirklicher Vorteil gegenüber der Anreise per PKW oder Bahn...

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Im konkreten Fall:

Ab ACH, was nur einen Katzensprung von der Hauptstadt Voralrbergs entfernt ist, gibts VIE.

In FDH, 40 Pkw-Minuten ab Dornbirn, gibts Drehkreuzanbindungen nach FRA, TXL und IST.

In ZRH, 75 Pkw-Minuten entfernt, (fast) die ganze Welt.

Die beiden letztgenannten Flughäfen sind zudem per Schiene erreichbar.

 

Allgemein, ergänzend zu den Statements der beiden vorigen Beiträge: vgl. http://forum.airliners.de/topic/47454-aktuelles-zum-flughafen-magdeburg-cochstedt/page-8#entry602987 zum Thema, was so ein Ticket für einen Flug mit Kleingerät kosten müsste, um wirtschaftlich zu fliegen.

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Ist ja nur rein hypotetisch, aber: Um eine hohe Zuverlässigkeit zu garantieren, sollte zudem mindestens ein ILS vorhanden sein. Im konkreten Fall Hohenems ist zudem die Bahn selbst für Twin Otter, Do228 etc zu kurz. Zwar ist es technisch möglich dort zu landen und zu starten. Eine kommerzielle Operation mit Paxen dürfte aber eher schwierig werden.

Rechnerisch stellt sich das ganze dann in etwa so da:

Man kann eine Do 228, bzw Twin Otter mit ca. 1600,- Euro pro Stunde rechnen, zzgl der Landegebühren und ggf Luftverkehrsabgaben.

Geht man also nur von einem 15min Leg aus, ergibt sich folgendes: 400,- Euro pro Strecke, zzgl. Landegebühren - würde ich inkl. Handling mal mit ca, 500,- Euro bei einer Linienverbindung ansetzten, zzgl. ca. 8,- Euro pro Pax Luftverkehtsabgabe.

Wenn man sowas tatächlich aufziehen würde, darf man nicht vergessen, dass eine Linienverbindung vor Allem zuverlässig sein muss. Das heist, es wird auch geflogen wenn eben nur ein oder 2 Paxe an Bord sind.

Ich denke, es ist hier in Europa mit gut ausgebautem Straßen und Bahnnetz nahezu unmöglich soetwas aufzuziehen. Anders siehts aus, wenn Wasser dazwischen ist (sie friesische Inseln) und man so einen noch deutlicheren Zeitvorteil erzielen kann.

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Im konkreten Fall Hohenems ist zudem die Bahn selbst für Twin Otter, Do228 etc zu kurz. Zwar ist es technisch möglich dort zu landen und zu starten. Eine kommerzielle Operation mit Paxen dürfte aber eher schwierig werden.

Die DHC6 ist ein STOL Flugzeug. 630m reichen für eine DHC6 locker. In der Karibik wird noch von weit kürzeren Bahnen kommerziell mit DHC6 geflogen.

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nur wie oft gibt es durch Regen, Schnee und Eis verschlechterte Landebahneigenschaften in der Karibik? :)

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so eine Strecke kann man anbieten, wenn man

 

1. zuviel Geld hat

2. als Inhaber selbst am Steuerknüppel sitzt

3. viel Liebhaberei im Spiel ist

 

Airlines die nichts zu verschenken haben, sollten die Finger davon lassen!

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4. Meint, schlauer zu sein, als alle Vorgänger, die mit so einem Konzept bereits gescheitert sind.

 

;)

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2 Anmerkungen eines Lustenauers (NAchbargemeinde):

 

1. die Wienflüge waren zu einer Zeit, als ein Flug nach Wien einfach 300-500 Euro gekostet hat, weil das eben so war. Und nicht wie heute, wo man davon ausgeht, dass eine Verbingung von 500 km nicht mehr als 200 hin und retour kosten darf.

Rheintalflug hatte ja dann seine Gründe nach Altenrhein zu übersiedeln.

 

2. Mich erstaunt, dass sich offenbar in Vorarlberg eine Busverbindung an den Flughafen Altenrhein oder Friedrichshafen nicht reniert und eingestellt wurde. Wie sollen sich dann Flüge erst rentieren?

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4. Meint, schlauer zu sein, als alle Vorgänger, die mit so einem Konzept bereits gescheitert sind.

"Gescheitert" ist hier nicht das Wort der Wahl, siehe Beitrag von ChristianAustria. Die Linie wurde mit größerem Fluggerät von einem anderen Flughafen fortgesetzt. Es war auch weniger ein Zubringer als vielmehr eine normale Linienverbindung, kein Vorarlberger fliegt ab Wien wenn es ab ZRH, MUC oder FRA eine bessere Verbindung gibt.

 

2 Anmerkungen eines Lustenauers (NAchbargemeinde):

 

1. die Wienflüge waren zu einer Zeit, als ein Flug nach Wien einfach 300-500 Euro gekostet hat, weil das eben so war. Und nicht wie heute, wo man davon ausgeht, dass eine Verbingung von 500 km nicht mehr als 200 hin und retour kosten darf.

Rheintalflug hatte ja dann seine Gründe nach Altenrhein zu übersiedeln.

 

2. Mich erstaunt, dass sich offenbar in Vorarlberg eine Busverbindung an den Flughafen Altenrhein oder Friedrichshafen nicht reniert und eingestellt wurde. Wie sollen sich dann Flüge erst rentieren?

 

Wenn ich mich nicht irre bietet Peoples die Flüge auch nicht gerade günstig an. Nach dem Abschied von OS und 3L hat man ja quasi ein Monopol auf der Strecke. Ich schätze aber, dass nur die wenigsten einen Anschlussflug in Wien buchen, sondern dass es primär um eine Verbindung in die Bundeshauptstadt geht. Bei der Frage hätte ich eher an kleine Hüpfer zum nächstgelegenen größeren Flughafen gedacht, wobei ich durchaus einsehe dass es sich vermutlich nicht rentiert.

 

Was die Busverbindung angeht: Auch ACH und FDH sind recht verschlafene Airports, auf denen nicht wirklich viel los ist. Damit sich eine öffentliche Buslinie rentiert müsste es täglich viele vollausgelastete Linienflüge geben, und das ist bei beiden Flughäfen nicht der Fall. Schon gar nicht bei ACH. Als ich vor vielen Jahren mit WE von ACH nach VIE geflogen bin, da gab es allerdings ein Shuttle das von WE selbst betrieben wurde. Eine Buslinie würde wohl eher nach Zürich Sinn ergeben, beispielsweise Bludenz-Feldkirch-Rankweil-Götzis-Dornbirn-Lustenau-ZRH. (das wäre dann auch die Alternative zu den Zubringerflügen ab HOH) Da die Schweizer schon allergisch reagieren wenn ein österreichisches Taxi in ZRH auftaucht wird das wohl nix.

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