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Folgen der Pleite von Thomas Cook für Pauschalurlaub


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Hallo zusammen,

 

mit der TC-Pleite sind mal eben größere Teile des Pauschalreise-Angebotes weggefallen. Dazu werden nun vermutlich hunderte von Urlauber-Hotels mit hohen TC-Buchungsanteilen (bis hin zu 100% z.B. bei TC-eigenen Hotels) in den einschlägigen Regionen ums Überleben kämpfen oder stehen bereits jetzt vor dem Aus.

 

Man kann sicherlich davon ausgehen, dass andere Veranstalter einen Teil der TC-Kontingente übernehmen werden. Doch gerade im Falle schließender Hotels kann es fraglich sein, ob diese bald wieder geöffnet und vermarktet werden können.

 

Insofern stellt sich die Frage, ob dadurch  Auswirkungen auf die nächste Hauptsaison zu erwarten sind - im Bezug auf verfügbare Kapazitäten der Veranstalter und Preise... Und - ob auch Airlines etwas davon (sofern spürbare Beeinträchtigungen kommen sollten) im Urlauber-Geschäft zu spüren kriegen werden?

 

Bin da offen gestanden nicht wirklich im Thema. Aber die Meldungen der letzten Tage könnten evtl auf entsprechende Folgen hindeuten.... 

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Ich glaube das gleicht sich aus. In Großbritannien wird es auf jeden Fall Einschränkungen geben, weil auch die TC Airline wegfällt. Das können die anderen britischen Airlines bis zum nächsten Sommer bestimmt nicht komplett auffangen. Da schrumpft der Markt, aber wegen dem Brexit ist die Nachfrage sowieso zurück gegangen.

 

Für das Angebot in Deutschland gibt es weniger Auswirkungen, glaube ich. Es wird weniger Hotels zur Auswahl geben, wenn sie bankrott gehen. Aber wenn weniger Briten kommen, dann ist das wieder ausgeglichen. Ist aber gut möglich, dass die Preise hoch gehen. Das ist oft normal, wenn ein wichtiger Player wegfällt und die anderen sich den Kuchen aufteilen.

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Das Vertrauen in Pauschalreisen wird stark leiden. Aktuell ist die Situation ja die, daß z.B. in Deutschland Kunden einen Großteil ihrer Zahlungen nicht wiedersehen werden. Vermutlich durch Fehleinschätzungen, auch von Seiten der Bundesbehörden. Indem man die EU-Vorgaben offenbar nicht konform umsetzte und eine Deckelung der Haftungssumme der Rückversicherer einbaute. Aber die Geschichte wird rechtlich wohl noch aufgearbeitet werden.

 

Die Bemühungen der ThomasCook Deutschland, wieder durchzustarten, wird aus meiner Sicht nicht von Erfolg gekrönt sein. Die dazugehörigen Marken wie Neckermann, Bucher, airmarin werden einen erheblichen Vertrauensverlust erleiden. Eher wechselt die Kundschaft die Marke. Auch gehe ich davon aus, daß nach der Zwischenmeldung von unserem Wirtschaftsminister, daß die Situation mit dem Überbrückungskredit für TC Deutschland schwierig wäre, dieser nicht bewilliigt werden wird. 

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vor 17 Stunden schrieb emdebo:

Die dazugehörigen Marken wie Neckermann, Bucher, airmarin werden einen erheblichen Vertrauensverlust erleiden.

 

Die Marke "Neckermann" kann vielleicht in einem gewissen Rahmen überleben, wenn sie von einem anderen RV übernommen wird, vermutlich aber viel kleiner als jetzt und nur als reine Vertriebsmarke. Gerade bei der älteren Generation ist die noch sehr bekannt. Ein Weiterleben von Thomas Cook Deutschland hingegen kann ich mir nicht vorstellen.

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  • 2 Wochen später...
Am 3.10.2019 um 18:57 schrieb emdebo:

Auch gehe ich davon aus, daß nach der Zwischenmeldung von unserem Wirtschaftsminister, daß die Situation mit dem Überbrückungskredit für TC Deutschland schwierig wäre, dieser nicht bewilliigt werden wird. 

Du hast erfreulicherweise - nicht - recht gehabt mit Deiner Vermutung ...

Siehe: https://www.aviation24.be/airlines/thomas-cook-group/condor/state-aid-european-commission-approves-e380-million-german-rescue-aid-to-condor/

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Du verwechselst da etwas:

 

Der Überbrückungskredit an Condor, der von Dir auch verlinkt wurde,

ist nicht der für den Reiseveranstalter Thomas Cook Deutschland GmbH.

 

Dieser ist ebenfalls seit Wochen beantragt, aber eine Rückmeldung fehlt bis heute, selbst von der Bundesregierung.
Aber vielleicht irre ich mich tatsächlich, auch wenn ich zwischenzeitlich noch weniger dran glaube. 

 

 

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  • 2 Wochen später...

Da frage ich mich natürlich, wie es überhaupt möglich ist, dass TC unterversichert war?

Denn eigentlich sollte die Rückversicherung ja gerade im Falle einer Unternehmenspleite die Kosten der Urlauber decken.

 

Gesetzeslücke, Schlupfloch im Versicherungsvertrag (zu Lasten der Urlauber) oder kriminelle Energie des Reiseveranstalters?

Ich bin mal gespannt, was es dann am Ende war.

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Wikipedia sagt zum Reisesicherungsschein u.a. Folgendes:

 

"Im Gegensatz zu der Anforderung der EU-Richtlinie vom 13. Juni 1990 (Richtlinie 90/314/EWG) hat die damalige Bundesjustizministerin, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), für den Sicherungsgeber in Deutschland eine absolute Haftungsgrenze von 110 Millionen Euro festgelegt."

 

 

Demzufolge liegt der K(n)ackpunkt in der Gesetzlichen Regelung...

 

 

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Reisesicherungsschein?wprov=sfla1

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Dann stellt sich die Frage, welchen Sinn der Sicherungsschein in heutigen Verhältnissen überhaupt noch machen soll. 110 Mio. € dürfte vermutlich auch bei den anderen großen Reiseveranstaltern wie TUI, FTI, Alltours oder Schauinsland längst nicht ausreichen... 

 

Vielleicht muss man Sinn und Zweck der Versicherung anpassen (ich meine, heute gilt Gießkannen-Prinzip für alle Anspruchsteller - oder??!!) - so dass vorrangig die im Ausland festsitzenden Urlauber "gerettet" werden. Wer seine Reise eigentlich noch vor sich hat, müsste sich dann dem Rest zufrieden geben, falls die Versicherung noch etwas übrig hat.

 

Überall sonst gibt es solche Pflicht-Versicherungen schließlich auch nicht - auch der direkte Airline-Kunde schaut nach der Insolvenz in die Röhre wenn das Ticket plötzlich null und nichtig wird...

Bearbeitet von Tschentelmän
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22 hours ago, Tschentelmän said:

 

Überall sonst gibt es solche Pflicht-Versicherungen schließlich auch nicht - auch der direkte Airline-Kunde schaut nach der Insolvenz in die Röhre wenn das Ticket plötzlich null und nichtig wird...

 

Es existiert halt einfach ein sehr hohes Klumpenrisiko. Ob man sonst bereit wäre oft 5 stellige Summen dem Reiseveranstalter anzuvertrauen?

 

bei Individualreisen ist das Risiko deutlich gestreuter. Hotels werden meist vor Ort beglichen (oft auch die erste Nacht hinterlegt). Der größte Block ist meist dann nur noch das Flugticket. 

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vor 3 Stunden schrieb Blablupp:

 

Es existiert halt einfach ein sehr hohes Klumpenrisiko. Ob man sonst bereit wäre oft 5 stellige Summen dem Reiseveranstalter anzuvertrauen?

 

Demzufolge müsste die Veranstalter-Branche ein großes Interesse daran haben, dass die Insolvenz-Versicherung ausreichend Deckungssumme hat und die Kunden ihre Reise nach dem TC-Schock wieder bedenkenlos buchen...

 

Vielleicht wäre man als Anbieter somit gut beraten, selbst für die notwendige Police zu sorgen, ohne dass der Gesetzgeber an der bestehenden Regelung herumschraubt...

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vor 31 Minuten schrieb Tschentelmän:

Vielleicht wäre man als Anbieter somit gut beraten, selbst für die notwendige Police zu sorgen, ohne dass der Gesetzgeber an der bestehenden Regelung herumschraubt...

Es ist eine Kostenfrage. Wenn man annimmt, dass die Versicherung 5 % der versicherten Summe kostet. Dann müsste Thomas Cook knapp 25 Mio. EUR im Jahr für die Versicherung zahlen, wenn der oben genannte Betrag stimmt. Dann kommt dazu, dass die Kosten für die Versicherung auch von der eigenen Liquidität abhängen.

 

Bei der Neufassung des Reisevertragsrechts hat die Bundesregierung den Betrag bei 110 Mio. EUR belassen, weil bis dato die größte Schadensumme 30 Mio. EUR betragen hat.

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Bei Einzelleistungen wie Hotel, Flug, Mietwagen ist das Risiko bei Einsatz einer der beiden führenden Kreditkarten ohnehin bei "nicht erbrachter Leistung" über den Chargeback in großen Teilen abgedeckt.

 

Bei Pauschalreisen verlautete, daß einige Rückversicherer nach der ThomasCook-Insolvenz kein gesteigertes Interesse an der Fortführung der Pauschalreiseabsicherung in der bisherigen Form haben. Mit erhöhtem Risiko wohl eher noch weniger. Das Thema wird auch zukünftig auf der Agenda stehen. 

 

Wenn man hingegen vom führenden Reiseveranstalter TUI liest, daß die Insolvenz der ThomasCook-Group keine Auswirkungen auf den Ruf der Pauschalreisen habe, dann ist das aus meiner Sicht fern der Realität: 

 

https://www.merkur.de/reise/tui-ruf-pauschalreise-hat-nicht-gelitten-zr-13160625.html

 

 

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Wenn man berücksichtigt, dass es in den letzten Jahrzehnten keine größere Veranstalter-Insolvenz gab und dass die TC-Pleite hauptsächlich durch mehrere sehr individuelle Faktoren entstanden ist - dann besteht auch kein wirklicher Anlass zur Sorge für deutsche Kunden.

 

Vielleicht könnte man über eine gemeinsame Versicherung für alle Pauschal-Veranstalter nachdenken, mit einer Deckungssumme von einigen hundert Mio €. Jetzt hat jeder große Einzelanbieter max. 110 Mio, was im Insolvenzfall niemals reichen würde - die Kunden würden also vermutlich immer einen Großteil ihrer Vorauszahlungen verlieren - wie bereits beschrieben kann die Versicherung damit kaum noch ihren ursprünglichen Zweck erfüllen... Die Wahrscheinlichkeit, dass jedes Jahr ein Major-Veranstalter der Kategorie TUI, Alltours, FTI usw pleite geht erscheint sehr gering - demzufolge bräuchte man die Prämien je Anbieter kaum erhöhen... Allerdings nehme ich an, dass die Versicherungen so eine Idee weniger gut fänden - bzw dass sie das Risiko deutlich teurer berechnen würden...

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Das böse Erwachen für die Verbraucher aus der ThomasCook-Insolvenz kommt ja erst noch. Da ist die Rede von rund 660.000 Buchungen und einer geschätzten Rückzahlungsquote von vielleicht 10 - 20 Prozent. Wer als Familie oder Gruppe da  einen Ausfall

von mehrereren tausend € zu vermelden hat, wird auf eine zukünftige Absicherung großen Wert legen. 

 

Und mal ehrlich: Die wenigsten haben wirklich geglaubt, daß es ThomasCook final erwischt. 

Trotz roter Zahlen seit etlichen Jahren. Und natürlich kann das bei anderen Veranstaltern

auch schnell mal einreissen. Der Winter ist ohnehin Zusatzgeschäft und wenn dann

Marktausfälle durch Krisen, Ausfall von Flugzeugen etc. dazukommen, kann das schnell umschlagen.  

Muß nicht, aber nach TC würde ich es auch nicht ausschließen wollen.   

 

Musterfeststellungsklage gegen Zurich Versicherung? 

https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/thomas-cook-pleite-streit-um-schuldfrage-1.4659004

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vor 2 Stunden schrieb emdebo:

Musterfeststellungsklage gegen Zurich Versicherung? 

 

Dann will man Zurich vorwerfen, dass sie Thomas Cook eine höhere Deckung aufzwingen mussten, obwohl TC nur das Standardprodukt haben wollte? Seit wann sind Versicherungen verpflichtet, ihre Kunden über die gesetzliche Haftungssumme zwangszuversichern? Bin sehr gespannt, ob die Klage zugelassen wird!

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  • 1 Monat später...

Der Bund springt nun ein und übernimmt eine dreistellige Millionensumme, um die TC-Kunden vollständig zu entschädigen. Offenbar sieht sich die Bundesregierung in der Verantwortung, da die gesetzlich geregelte Absicherung (max 110 Millionen Euro) längst nicht mehr zeitgemäß war, die Verbraucher jedoch auf einen ausreichenden Schutz vertrauten...

 

Im Anschluss dürfte der Bund einige Millionen Euro von der Zurich-Versicherung zurück fordern, da Zurich einige Kosten bspw. für Rückholaktionen in der Maximalsumme anrechnete, wofür es unterschiedliche Rechtsauffassungen en gibt....

 

https://www.tagesschau.de/wirtschaft/thomas-cook-rettung-101.html

 

 

https://www.n-tv.de/21450190

 

Bearbeitet von Tschentelmän
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vor einer Stunde schrieb Tschentelmän:

da die gesetzlich geregelte Absicherung (max 110 Millionen Euro) längst nicht mehr zeitgemäß war, die Verbraucher jedoch auf einen ausreichenden Schutz vertrauten...

 

Nicht ganz. Es handelt sich bei der deutschen Regelung um eine Umsetzung einer EU-Richtlinie. Und diese sieht keine Obergrenze vor, Deutschland hat diese Richtlinie von Anfang an unzureichend umgesetzt und wäre deshalb nach Ansicht vieler Juristen in der Haftung gewesen.

 

Insgesamt ist die Regelung schon spannend. Die 110-Mio-Grenze sorgte ja für einen Kostendeckel für die Versicherungsbeiträge. Kleine Reiseveranstalter mussten 100% ihres Ausfallrisikos versichern, ein Konzern, der unter zig Marken auftrat, hat am Ende nur 17,5% der Ausfälle der Endverbraucher über die Versicherung abgeckt (zumindest ist das die Quote, die die Versicherung nach aktuellem Stand zahlen will)...

 

Jetzt mal überlegen, dass der Marktanteil von Tui etwa doppelt so groß wie der von TC ist. Wenn Tui crasht, sind die dort ausgestellten Reisesicherungsscheine unter 10% wert.

 

Die Ausrede, dass man nicht mit einem Ausfall in dem Umfang rechnen konnte, ist absurd. Versichern kann man ihn trotzdem, fast jede KFZ-Haftpflicht hat heutzutage eine 100Mio-Deckung. Es ist Sache der Versicherung, zu kalkulieren, was der Kram am Ende kostet - und wie gesagt, die kleinen Reiseveranstalter bekommen es auch hin, 100% zu versichern, warum nicht die großen?

 

 

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TUI Deutschland hat keinen Versicherer, wie es zuletzt ThomasCook hatte. Sondern eine Vereinbarung mit DERTours der Rewe-Group und Ameropa über DRS Deutsche Reisepreis Sicherungsverein, wonach im Fall des Falles die jeweils anderen Partner dieses Vereins die Ausfälle übernehmen sollten. Seinerseits wurde berichtet, das die Einlagen der beteiligten Unternehmen im "Vereinstopf"  unter 10 Millionen Euro liegen sollen.  Die BAFIN befasst sich mit dem Fall: 

 

https://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/pauschalreisen-insolvenzabsicherung-unzureichend-bafin-kritisiert-tui-und-rewe/25217830.html?ticket=ST-29882208-fK3H4Vhs49mbnIs4mrpG-ap6

 

 

 

 

Bearbeitet von emdebo
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