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[Tripreport] Stansted-Rotterdam-Antwerpen-London (SZG-STN-SZ


Tecko747

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Geschrieben

Eine längere Flugpause liegt hinter mir zurück. Dies hatte mehrere Gründe: Einerseits wird es wegen der gestiegenen Kerosinpreise immer schwieriger an wirkliche Schnäppchen zu kommen – andererseits wird es wegen dem zunehmenden Trend viele Ziele bei den Billigfliegern nur noch 2 bis 3 mal wöchentlich zu bedienen immer komplexer übers Wochenende sich eine interessante Tour zusammenzustellen.

 

Doch das verlängerte Wochenende im Oktober bot sich diesmal an. Gerade wegen der längeren Pause freute mich richtig auf diese Reise. Endlich mal wieder im Flieger zu sitzen – endlich mal wieder in ein Abenteuer eintauchen. Was vor 5 Jahren mit einem Flug von Salzburg nach London begann, hatte sich im Laufe der Jahre zu einem sehr intensiven Hobby und sehr vielen schönen und aufregenden Momenten entwickelt. Danke für diese schöne Zeit.

 

Zum Jubiläum wollte ich natürlich nochmals dieselbe Strecke fliegen wie damals Salzburg-London-Salzburg mit Ryanair. Ich setzte mich gleich nach Arbeit ins Auto und trat die Fahrt nach Österreich an. Doch schon in München bekam ich die Auswirkungen des anstehenden Feiertags zu spüren. Nach einer Stunde Stop and Go hatte ich mich auf dem Mittleren Ring durch München gequält. Doch schon auf der A8 am berüchtigten Irschenberg stand die Blechlawine schon wieder. Weitere anderthalb Stunden vergingen und mein doch sehr großzügig geplanter Zeitpuffer schwand zunehmend. Sollte es etwa das erste mal sein, dass ich wegen eines Staus meinen Flug erst gar nicht antreten konnte? Es wäre recht fatal gewesen, da ich doch eine recht komplexe Reise mit vielen Buchungen und reservieren vor mir hatte.

 

Inzwischen war es schon dunkel, es regnete und stürmte. Bei fast schon gruseliger Atmospere – der Stau hatte sich nach dem Inntaldreieck aufgelöst – raste ich Salzburg entgegen. Da ich keine Autobahnvignette hatte, verließ ich bei Bad Reichenhall die Autobahn und fuhr über die Landstraße weiter zum Flughafen. Eilig fuhr ich ins Parkhaus, marschierte strammen Schrittes zum Terminal und checkte wenige Minuten vor Annahmeschluss schweißgebadet ein. Geschafft! Schnell durch die Sicherheitskontrolle und dann ging es auch schon los.

 

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Salzburg (SZG) - Stansted (STN)

Ryanair FR 307

Boeing 737-800

EI-DPB

 

In Stansted hatte ich nach der Ankunft nur rund 15 Minuten um gegen 23.00 meinen Bus zu bekommen. Der nächste fuhr erst wieder 2 Stunden später. Dies wollte ich natürlich vermeiden. Doch als vor im Anflug in eine Warteschleife drehten, musste ich mich von meinem Plan schon fast verabschieden. Obwohl es bei der Passkontrolle erstaunlich schnell ging, erreichte ich den Busbahnhof rund 5 Minuten zu spät.

 

Ziel des heutigen Tages sollte die rund 25 km östlich gelegene englische Kleinstadt Braintree sein, wo ich im dortigen Holiday Inn Express nächtigen wollte. Nun hatte ich 2 Alternativen. Entweder ich wählte um Mitternacht eine Busverbindung die mich zu dortigen Bahnhof bringen konnte, oder ich wartete ganze 2 Stunden auf den nächsten Bus, der in etwa der nähe des Hotels an der Umgehungsstraße hielt.

 

Da ich schon recht müde war, entschied ich mich für die erste Möglichkeit. Der Bus war recht schwach besetzt. Jeder der solche Touren gerne macht kennt sicher dieses Gefühl. Man fährt nachts ins Unbekannte – weiß nicht was einen erwartet und ist vollkommen auf sich allein gestellt. Einerseits natürlich ein abeuteuerliches Gefühl. Andererseits natürlich ein wenig ein respektvolles, unheimliches Gefühl.

 

Nach recht kurzer Fahrzeit erreichten wir Braintree. Ich stieg als einzige Person aus und stand vor einem verlassenen kleinen Bahnhofgebäude in einer schlecht beleuchteten Straße. Der Regen und der Wind peitschten mir ins Gesicht. Taxis waren keine in Sicht. Also packte ich meinen Google-Earth-Ausdruck aus meiner Tasche und marschierte los. Durch nächtliche Wohngebiete, verlassene Industriegegenden und Gewerbegebieten.

 

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Ich war froh als ich endlich meinem Ziel näher kam. Doch dann der Schock – weit und breit war kein grünes Holiday Inn Logo zu erkennen. Es wäre nicht das erste Mal gewesen, dass Hotel.de oder auch Google Earth in den angaben komplett falsch waren. Nachdem ich ein wenig hin – und herirrte, entdeckte ich doch noch eine Art Motel „Premier Inn“. Ich ging hinein um mich zu erkundigen – und tatsächlich – das Hotel hatte vor 2 Wochen seinen Namen geändert. Obwohl ich mit Hotel.de recht zufrieden bin, war dies schon der dritte Fall, wo das Hotel anders firmierte oder sogar ganz geschlossen war, ohne dass ich informiert wurde. Aber meine Reservierung war noch vorhanden und ich bekam den vereinbarten Preis.

 

Am nächsten Morgen nahm ich den Bus nach Witham, um von dort aus mit der Bahn nach Colchester zu gelangen.

 

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Auf der Bahnstrecke herrschte starker Güterverkehr zu den Nordseehäfen.

 

Colchester hat rund 100.000 Einwohner und hat eine recht nette, typisch britische Innenstadt.

 

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Colchester Castle

 

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Burgpark

 

Am späten Nachmittag setzte ich meine Reise fort. Um Haaresbreite wäre dieser Tripreport nicht so geworden – wie er nun ist. Rutschte doch mein Foto aus meinen Rucksack auf die Bahnhofsbank. Als ich schon in den Zug einsteigen wollte – wies mich ein freundlicher Brite darauf hin. Tolle Hilfsbereitschaft!

 

Langsam aber sicher näherte ich mich mit dem Zug Harwich. Genauer gesagt „Harwich International“. Nie gehört? Kein Wunder – es ist auch kein Flughafen, sondern der Bahnhof des Fährterminals.

 

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Im Terminal herrschte reger Betrieb. Die Abfahrt der DFDS-Linie ins dänische Esbjerg stand unmittelbar bevor. Da ich bis zu meiner Abfahrt noch ein wenig Zeit hatte, schaute ich mich noch ein wenig in der kleinen Stadt um.

 

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Blick auf den Hafen von Felixstowe – größter Containerhafen Großbritanniens.

 

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Auslaufen zur Nordseequerung nach Esbjerg

 

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Abendstimmung am Nordseestand von Harwich

 

Anschließend fuhr ich mit dem Bus zurück zum großen Hafengelände. Inzwischen stand auch die Stena Hollandica, die mich ins niederländische Hook van Holland bringen sollte, bereit.

 

Die Fähre ist wurde urspünglich mit einer Länge von 210 Metern ausgeliefert. Vor gut einem Jahr wurde sie in der Werft in Bremerhaven um 30 Meter auf 240 Meter verlängert und trotz ihres recht jungen Alters komplett renoviert. Meine letzte Fährfahrt hatte auf der Stena Germanica von Göteborg nach Kiel. Aus Kostengründen wählte ich damals eine Innenkabine – irgendwo unter dem Wasserspiegel zwischen Autodeck und Maschinenraum. Ein recht interessantes Erlebnis. Diesmal allerdings wollte ich mir ein wenig mehr Komfort gönnen und buchte eine Außenkabine.

 

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Ging es doch damals in der Kabine recht beengt zu, wirkte diesmal alles wie in einem normalen Hotelzimmer – inklusive wunderbarem nächtlichem Meerblick vom hochgelegenen Deck 7. Hier merkte man deutlich, den Altersunterschied zur schon über 20 Jahre alten Stena Germanica. Aber wegen der kürzeren Reiseroute war allerdings an Bord allerdings nicht ganz so viel geboten. Ein klassisches Restaurant, ein SB-Restaurant und ein Supermarkt – viel mehr war nicht geboten.

 

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Blick von der Kabine auf die Hafenanlagen von Harwich. Lange Passagierbrücken verbinden das Fährterminal mit den einzelnen Anlegestellen.

 

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Blick auf das hintere, oben offene LKW-Deck. Gemessen an ihrer Beförderungskapazität für LKWs und PKWs ist die Stena Hollandica zusammen mit ihrem Schwesterschiff das größte Fährschiff der Welt. Nimmt man andere Kriterien als Grundlage, liegen andere Fähren wiederum vorne.

 

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Frühmorgendliche Ankunft der Stena Hollandica in Hook van Holland

 

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Mit einer direkt am Fährterminal haltenden Vorortbahn erreicht man in rund einer halben Stunde bequem den Rotterdammer Hauptbahnhof.

 

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Mainhattan am Rhein. In den letzten 20 Jahren entstanden in der zweitgrößten niederländischen Stadt zahlreiche Hochhäuser.

 

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Im Stadtzentrum quert die markante, 1994 eröffnete Erasmusbrücke die Nieuwe Maas. Rotterdam verfügt mit Abstand den bedeutendsten Hafen Europas. Ein großer Teil der Güter wird mit Binnenschiffen nach Deutschland weitertransportiert. Deshalb herrscht auch in der Stadt reger Schiffsverkehr.

 

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Im Maastunnel können Radfahrer und Fußgänger die Nieuwe Maas auf getrennten Ebenen trockenen Fußes unterqueren.

 

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Während sie bei der Londoner U-Bahn inzwischen ausgestorben sind, rattern sie hier schon seit vielen Jahrzehnten: Holzrolltreppen.

 

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Der Euromast ist einer der Hauptattraktionen der Stadt.

 

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Vom Turm bietet sich ein toller Ausblick über die 550.000-Einwohnter-Stadt.

 

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Herrlich restaurierter Stadthafen

 

Gegen Mittag ging es mit dem Zug weiter nach Belgien.

 

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Wir überqueren den Waal, größter Fluss im weiten Rheindelta, der 67 % des ursprünglichen Rheinwassers führt. Im Vordergrund die Brücke der neuen Schnellfahrstrecke von Amsterdam nach Brüssel, die wohl in diesen Tagen abschnittsweise in Betrieb gehen soll.

 

Nächster Halt: Antwerpen. Gelegen in der Region Flandern, mit 470.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Belgiens. Hinter Rotterdam befindet sich dort der zweigrößte Hafen Europas.

 

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Der prächtige Antwerpener Bahnhof wurde in den letzten Jahren prächtig ausgebaut. Die historische Bahnhofshalle wurde erhalten, der Bahnhof erhielt 2 neue unterirdische Ebenen, sodaß aus dem Kopfbahnhof ein Durchgangsbahnhof wurde.

 

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Blick in die Fußgängerzone.

 

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Die Kathedrale zu Antwerpen.

 

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Prächtig: Der Große Markt mit Brunnen und der herrlichen Häuserfassade.

 

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Rathaus

 

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Antwerpen wurde von der Schelde durchquert. Der Wasserstand des Flusses ist stark gezeitenabhängig.

 

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Schloss am Schelde-Ufer

 

Weiter ging es mit dem Zug vom Brüsseler Südbahnhof. Dem Hochgeschwindigkeitsbahnhof in Europa schlechthin. Hier treffen sich regelmäßig ICE, TGV, Thalys und Eurostar.

 

Die Eurostar-Verbindungen unterscheiden sich doch recht deutlich von den gewohnten Bahnverbindungen und ähneln in vielen Dingen Flugreisen. Man muss dort eine Sicherheitskontrolle, die Pässe werden von beiden Ländern bereits am Abfahrtsbahnhof kontrolliert und kommt anschließend in einen Warteraum, wo man dann zum Einsteig ähnlich wie am Flughafen aufgerufen wird. Es gibt feste Sitzplätze, die beim Einchecken vergeben werden. Meine bereits vorab aufgedruckten Sitzplätze auf dem Ticket waren somit hinfällt – und sich erhielt wie sich später im Zug herausstellte einen Gangplatz. Aber da es eh eine Nachtfahrt war, empfand ich das nicht ganz so schlimm.

 

London kann von Brüssel nun in einer Stunde, 50 Minuten erreicht werden. Da es aber im Tunnel vor einigen Wochen einen folgenschweren Brand gab, wurde eine Tunnelröhre für einen längeren Zeitraum gesperrt. Durch die zweite Röhre läuft nun der ganze Betrieb – deshalb kam es auch bei unserer Fahrt zu leichten Verzögerungen und einem außerplanmäßigen Halt an der Tunneleingang.

 

Während man aus Richtung Frankreich schon seit der Eröffnung des Kanaltunnels auf Hochgeschwindigkeitsstrecken sich dem Tunnel nähert, war die Fahrt durch England doch verhältnismäßig Zeitaufwändig. Im Jahr 2007 wurde die Hochgeschwindigkeitsstrecke nun auch auf britischer Seite komplett fertiggestellt. Neuer Endbahnhof in London ist nun St. Pancras, der meiner Meinung nach sehr ansprechend renoviert wurde. Das alte Eurostar-Terminal am Waterloo-Bahnhof wurde aufgegeben.

 

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Da mein Rückflug am nächsten morgen gegen sechs Uhr in Stansted starten sollte, verzichtete ich auf ein Hotelzimmer. Um mir etwas die Zeit zu vertreiben, beschloss ich kurzerhand von St. Pancras quer durch die Stadt zur Victoria-Station zu laufen. Doch von ausgestorbenen Straßen keine Spur. Samstagnacht steppt in London der Bär.

 

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…was soll’s? Ich geh’ lieber zu Fuß!

 

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Nächtliches Chinatown

 

Vom Victoria Bus Terminal ging es dann wieder mit dem Bus nach Stansted. Gegen halb drei Uhr nachts erreichte ich wieder den Flughafen. Wie wir alle schon lange wissen, ist dieser Nachts einige einzige große Schlafstätte, hauptsächlich für Junge Menschen, die sich kein teures Hotel leisten wollen.

 

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Doch man hat sich darauf eingestellt und greift zu recht interessanten Mitteln: Als gegen vier Uhr der Check-In-Schalter für meinen Rückflug öffnen sollte, der ganze Bereich vor dem Schalter aber noch mit schlafenden Leuten auf dem Boden belegt war, wurde auf Kopfdruck ein greller Warnton wiedergegeben – Zeit zum aufstehen!

 

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Nette Grafik an der Flugzeugspitze der Ryanair-Maschine. Gibt’s auf einer anderen Maschine auch als lustige Weihnachtsmann-Version.

 

Stansted (STN) – Salzburg (SZG)

Ryanair FR 304

Boeing 737-800

EI-DAE

 

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Herrenchiemsee

 

Pünktlich landeten wir in Salzburg. Ein schöner, erlebnisreicher und sehr abwechslungsreicher Ausflug durch 5 Länder damit ging zu Ende.

Geschrieben

Gut das du es doch noch geschafft hast den Flieger zu erreichen.

 

Aber sei froh, dass es bei dir nur auf dem Hinflug sehr eng wurde. Auf dem Rückflug wären dann noch saftige Summen dazugekommen für ein neues Ticket, etc.

 

Dein TR hat mir sehr gefallen. Vielen Dank fürs einstellen.

Geschrieben

Habe mich schon gewundert, dass es so lange keinen Report mehr von dir gab.

 

Danke für den netten Bericht. Du bist ja immer für ausgefallene Routings gut. Das Bild von Herrenchiemsee gefällt mir.

Geschrieben

Vielen Dank für deinen Bericht! Hab mich auch schon gewundert dass kein Bericht mehr von dir kommt. ;-) Dieser ist aber mal wieder ein sehr schöner geworden und hat Interesse bei mir für Rotterdam geweckt.

 

Dass mit deiner Hotelreservierung hatte ich auch schon einmal, aber ich glaube mit Expedia - ich buchte ein Hotel auf Ibiza, was aber schon in der Winterpause war. Ich stand also vor verschlossener Tür, ohne vorher informiert worden zu sein. Kein schönes Gefühl, aber zum Glück war es am späten Nachmittag und nicht mitten in der Nacht passiert.

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