jared1966 Geschrieben 2. Dezember 2008 Melden Geschrieben 2. Dezember 2008 Ich würde gerne näheres dazu wissen, inwieweit CATs vorher bestimmbar und umfliegbar sind. Inwieweit weiß man als Pilot beim Briefing z.B. vor einem Langstreckenflug, was auf einen zukommt - werden Wettermeldungen an andere Flugzeuge weiter gegeben oder verlässt man sich auf das einmal vorab gemachte Briefing?
clairedepari Geschrieben 14. Dezember 2008 Melden Geschrieben 14. Dezember 2008 Naja, natürlich werden Gebiete mit schlechtem Wetter und der Wahrscheinlichkeit auf starke Turbulenzen umflogen, aber das geht nun mal nicht immer, da diese Wetterfronten ja auch oft riesig sind. Denke schon dass die Technologie das mittlerweile viel leichter gemacht hat, aber einen Flug ohne ein bisschen hin und hergeschaukle wirds glaub ich trotzdem noch nicht geben :-)
Gast Geschrieben 15. Dezember 2008 Melden Geschrieben 15. Dezember 2008 CAT [Clear Air Turbulence = Turbulenz ohne Wolkenbildung] kommt bei Jet-Streams sehr häufig vor. Jet-Streams sind sehr gut vorhersagbar und auf welcher Seite vom Jet-Stream die Turbulenz liegt [wenn da welche liegt] weiß man erstens aus Erfahrung zweitens mathematisch berechnet. Wie gut heutzutage der Air-Flow über Gebirgen vorausberechnet wird mit dort auftretenden Wellenphänomenen und CAT, weiß ich nicht, theoretisch ist das sehr exakt vorausberechenbar.
Pad81 Geschrieben 15. Dezember 2008 Melden Geschrieben 15. Dezember 2008 Das Problem vor allem an den CAT's ist aber, dass sie eben auch einfach da sind. Das heißt, es gibt weit und breit keinen Jetstream und trotzdem sind CAT's da. Es ist ziemlich sicher, das CAT`s da sind, wo sie vorhergesagt sind. Leider ist aber der Umkehrschluss nicht möglich.
nabla Geschrieben 17. Dezember 2008 Melden Geschrieben 17. Dezember 2008 CAT [Clear Air Turbulence = Turbulenz ohne Wolkenbildung] kommt bei Jet-Streams sehr häufig vor. Jet-Streams sind sehr gut vorhersagbar und auf welcher Seite vom Jet-Stream die Turbulenz liegt [wenn da welche liegt] weiß man erstens aus Erfahrung zweitens mathematisch berechnet. Jein! Richtig ist, daß Jet Streams recht gut vorhergesagt werden. Falsch ist leider, daß die Turbulenz akkurat vorhergesagt werden kann. Natürlich gibt es Modelle und physikalische Gegebenheiten - Mutter Natur hat aber leider in ihrer undendlichen Vielfalt ein unglaublich großes Spektrum an Luftmassenströmungen und -schichtungen, so daß es immer noch reine Spekulation ist, wo es wackelt und wo nicht. Unser Spruch ist immer: Wenn man im Kabinenbriefing erwähnt, wo es wackeln wird laut Karte, wird es dort nicht wackeln, bzw. insgesamt eher ruhig. Sagt man aber nichts, da die Wahrscheinlichkeit laut Karte sehr gering ist, wird es in jedem Falle wackeln... Dazu kommt: Wenn es beginnt zu wackeln, hört es in dem Moment auf, wo man die Anschnallzeichen einschaltet und fängt dann wieder an, wenn man sie ausschaltet... (Hat was mit Murphy zu tun, stimmt nur leider im Alltag viel zu oft). Abhilfe könnte ein LIDAR bringen (http://de.wikipedia.org/wiki/Light_detection_and_ranging), allerdings haben auch heutige LIDARs ihre Probleme in der oberen Atmosphäre aufgrund des Mangels von Partikeln. Gruß, Nabla
Pad81 Geschrieben 18. Dezember 2008 Melden Geschrieben 18. Dezember 2008 Das ist wie mit dem Marmeladenbrot.....
jared1966 Geschrieben 18. Dezember 2008 Autor Melden Geschrieben 18. Dezember 2008 ....ist es also eigentlich noch nicht wirklich möglich, z.B. CATs zu sehen, bevor man reinfliegt...ok. Dann bleibt zumindest noch die Frage, was man als Pilot so zur Vorbereitung eines Fluges unternimmt, wenn man ziemlich sicher weiß, dass man einer Gewitterfront nicht ausweichen kann und durch muss, obwohl es eine gewisse (immer kalkulierbare?) Risikostruktur für die Passagiere gibt? Schließlich ist doch der Flug durch solche Gebiete oftmals wohl kaum ungefährlicher oder besser kalkulierbar, als eine Landung im Nebel ohne die geübte Berechtigung.
nabla Geschrieben 20. Dezember 2008 Melden Geschrieben 20. Dezember 2008 @jared: Eine Gewitterfront ist in unseren Breiten keine geschlossene Wand. Eine Gewitterfront, z.B. im Rahmen einer Kaltfront besteht immer aus vielen einzelnen Gewitterzellen, die sich unterschiedlich stark entwickeln bzw. entwickelt haben. Hier kann man nach Sicht und/oder mit Hilfe des Wetterradars oft sehr gut drum herum navigieren, auch wenn das mit Abweichungen vom geplanten Flugweg von teilweise 50-80km einhergehen kann. Anders sieht es teilweise an der Innertropischen Konvergenzzone aus, die in äquatornahe Gebieten unterschiedlich stark ausgeprägt zu finden ist: Hier kann es durchaus sein, daß sich die Gewitter als geschlossene Wand darstellen - aber auch hier ist die Wand nicht überall gleichstark. In so einem Fall heißt es dann: Kabine sichern und die beste Stelle aussuchen und durch. Fälle, wo es so krass ist, daß man keine Stelle zum Durchfliegen findet und der Flug wieder umgekehrt ist kann ich mir zwar vorstellen, sind mir aber nicht bekannt. Übrigens: Gewitterturbulenz sind keine "CAT", denn der Begriff Clear Air Turbulence bedeutet ja gerade Turbulenz außerhalb von Wolken... Gruß, Nabla
sailor Geschrieben 22. Dezember 2008 Melden Geschrieben 22. Dezember 2008 Vor einem längerem Flug sehe mir gerne die Vorhersagekarte der Jetstreams auf stormsurfing.com an. Hier die direkten Links für den Nordatlantik, Indischen Ozean und den pazifischen Raum: http://www.stormsurfing.com/cgi/display_alt.cgi?a=natla_250 http://www.stormsurfing.com/cgi/display_alt.cgi?a=nindi_250 http://www.stormsurfing.com/cgi/display_alt.cgi?a=npac_250 Mache mir immer einen Spass daraus und kalkuliere aufgrund der aktuellen Vorhersagen meine ungefähre Flugzeiten. Auch wann und wo es etwas turbulent werde könnte. Zum Beispiel heute auf einem Flug von Zürich nach New York kann man in der ersten Hälfte mit einem recht ruhigen Flug rechnen. Speziell in den beiden letzten Stunden könnte es, nach meiner Interpretation, vermutlich etwas ruppig werden. Bei sehr heftigen Jetstreams weichen die Flugrouten teilweise extrem von den Grosskreisrouten ab. Hatte mal einen Trip nach New York mit einer Route sehr weit südlich der Grosskreises. Dementsprechend dauerte auch der Flug gut 90 Minuten länger als sonst üblich. Habe aber nach der damaligen Vorhersage bereits damit gerechnet.
jared1966 Geschrieben 22. Dezember 2008 Autor Melden Geschrieben 22. Dezember 2008 Eine weitere schicke Website fügte sich eben meiner Hobby-Sammlung zu. Hier eine von mir zu dem Thema: http://apps.turbulenceforecast.com/ Überhaupt möchte ich zwischendurch allen mal kurz danken, die hier schlaue Sachen beitragen. Mir ist natürlich bewußt, dass CATs nicht mit Seitenwinden etc gleichzusetzen sind. Dennoch scheint mir summasummarum, dass die Luftfahrt noch immer relativ wenig auf das Wetter reagieren kann, vor dem Flug. Sondern man fliegt wohl los, guckt, wie es sich entwickelt und reagiert dann quasi situativ. Wenn man es mal ins Verhältnis zur fortgeschrittenen Technik anderer Bereiche setzt, wirkt es immer noch ziemlich "unterentwickelt" - was natürlich der komplexen Wetterkunde zugrunde liegt. Dennoch frage ich mich: Kann man denn CATs nicht auf dem Radar sehen?
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