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[Tripreport] Rumänien Temeschwar & Oradea


joBER

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Geschrieben

Milt Malev nach Rumänien – Tripreport

 

Okay, es ist Sommer. Der Sommer ist lang, die Reisen sind wenig. Ideale Grundbedingungen also, um die ein oder andere Flugzeugspinnerei zu starten. Nur - wohin?

Auf diese existenzielle Frage warf die gute alte Tante Malev Mitte Juli ein ganzes Potpourri an Antwortern heraus: Nahezu der gesamte (Süd)-Osten Europas war für Preise um 50-70 Euro oneway verfügbar. Mit den Ungarn war ich zuvor noch nie geflogen, und mit der Fokker 70 und der Embraer 120 in der Flotte, war es eigentlich ein No-Brainer dies zu ändern.

Auf geht’s also am Abend des 14. August. MA wird in Achims Spezialbaumarkt abgefertigt. Die Schlange am Check-In zeigt dann auch gleich, wie sich der Nahost-Konflikt am besten lösen ließe: Die Hälfte aller Passagiere hatte einen Anschluss nach Beirut, Damaskus, Amman oder Tel Aviv gebucht. Unsere 737-600 nach Budapest sollte voll werden, so gab es nicht einmal mehr einen Fensterplatz, obwohl ich über eine Stunde vor Abflug erschienen war (Web-Checkin funktioniert bei Malev nur zwischen Weihnachten und Neujahr manchmal).

 

MA673

TXL-BUD B736 HA-LOE

2040-2205 sched.

2115-2225

 

Hinter der Fummelbude gabs dann noch Gratis Weißwein – gesponsert von 2-Euro-Gutscheinen der Firma Heinemann. Das Boarding beginnt gegen 20.30 und ruckzuck ist unser Minibobby gut gefüllt – nichts spricht gegen einen pünktlichen Start bis, ja bis auf den Headcount. Eine geschlagene halbe Stunde dauert es, bis das Infant der libanesischen Großfamilie, die sich in den drei Reihen rechts von mir ausgebreitet hat, als solches erkannt und auf der Paxliste korrekt abgehakt wird. Möge der Spaß beginnen. 35 Minuten zu spät starten wir also in den Berliner Sonnenuntergang.

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Ansonsten: schnöde, ereignislos.Das Malev-Catering verdient den Namen nicht, eine äußerst beschränkte Auswahl alkoholfreier Getränke und Schokolade oder Nüsse. Mhm, war Ungarn nicht mal ein Weinland? Auf den Deckenmonitoren laufen Werbefilmchen, die libanesisch-Berlinernde Großfamilie neben mir stellt aber die interessantere Variante des Inflight-Entertainment dar. Krass klar, was, alta?`

Das Umsteigen in Budapest ist eine halbe Qual, der mittlere Terminalbereich wird umgebaut und man muss von Schengen nach Nicht-Schengen ein Stückel latschen. Boarding für den Anschlussflug beginnt pünkltich, in mir sabbert es vor Endlich-Fokker-70-Erlegen-Freude.

 

MA856

BUD-OTP DH4 HA-LQC

sched: 2310-0135+

tatsächlich: 2330-0152+

 

Doch: Pustekuchen. Wir kriegen eine Dash8-400. NEEEEEEEINNNNN.

Ansonsten: Der Flug ist verspätet und voll. Das Interieur wirkt SAS-like (Surprise Surprise – bedenkt man den Vorbesitzer).Es gibt ein orangenhaltiges Fruchtsaftgetränkt und die selbe Nuss-Schokoladenauswahl nebst Kaffee und Tee. Geschickt getrödelt erreichen wir Otopeni mit nur 20 Minuten Verspätung auf der 08R. Meine persönliche Halbzeitbilanz für Malev sieht einen Wald voller Nieten vor.

Für die Nacht hatte ich mir, Expedia sei Dank, einen Schicki-Micki-4-Sterne-Tempel am Flughafen für quasi lau gebucht. Laut Bing-maps (Die Karten von google ignorieren Rumänien) war es auch gar nicht soweit (ein knapper Kilometer). Nach leichtem Irrweg und einen Sprint über die Schnellstraße fand ich dann auch das Rin Hotel und fiel dort alsbald in einen Schlaf, der Napoleon wohl gefallen hätte: Knapp 3 Stunden später klingelte der Wecker.

Im Inlandsbereich von OTP ist Samstag Morgen tote Hose: Da Tarom nur nachmittags und abends einige Flüge durchführt (zu meinem Leidwesen – optimalerweise hätte ich den A318 auch ganz gerne mitgenommen, das war fahrplantechnisch aber nicht so recht drin), war unsere Carpatair der einzige Flug bis 17 Uhr. Ganze 16 Passagiere lassen indes auch keinen allzu großen Bedarf an frühsamstäglichen Flügen erkennen ;) Im Warteraum läuft die Glotze - es wird ein Anti-Korruptionswerbespot gesendet und ich muss irgendwie an Siemens denken.

 

V3 203

OTP-TSR Saab 2000 YR-SBB

0705-0805

 

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Morgens in Bukarest...

Bis zuletzt hatte ich ja wieder die Befürchtung, dass mir Carpatair hier noch eine Fokker 100 unterjubelt, doch es blieb bei der Saab. Immerhin etwas. Der Flug war ansonsten unspektakulär, es gab Kaffee und Croissants samt kalten Getränken (inklusive Alkohol, aber danach war mir zu dieser grusligen Uhrzeit und der kurzen Nacht dann doch nicht zumute).

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Wiederum ging es von der 08R los, unterwegs gabs einen hübschen Blick auf den Fagaras, ansonsten ist ganz Rumänien im Frühnebel versunken und in genau diesem kamen wir auch pünktlich zur Karpatenrushhour in Temeschwar an. Binnen Minuten füllt sich das Vorfeld mit Flügen aus ganz Rumänien und Umland. Eine gute Stunde später ist der Spuk vorbei und die Saab-und-Fokker-Armada auf dem Weg nach Italien, Österreich und Deutschland.

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Daher hat der Akhim das mit dem Drehkreuz auf Mallotzka also…. TSR ist übrigens ungefähr einmal stündlich per Bus an die Stadt angeschlossen, der war natürlich gerade gefahren. Tickets zu 2 Lei gibt’s am Zeitungskiosk. Das Terminal hat gratis WLAN, man kriegt die Zeit also rum. Highlight eines Sightseeingaufenthalt ist übrigens das moderne Siemens-Minigepäckband.

In der Stadt angekommen, schreit mein Bauch nach Frühstück. Das erledige ich zusammen mit dem Fahrkartenkauf am Nordbahnhof (der übrigens im Osten der Stadt liegt. Der erste geneigte Leser, der mir verraten kann, wo der Ostbahnhof liegt, bekommt einen vom Autor signierten Teebeutel. Vermutlich verbirgt sich hinter diesem Wechselspiel ein System und der panische Ceausescu wollte so die garantiert per Eisenbahn einfallenden Ungarn oder Jugoslawen verwirren.)

Bis zur Abfahrt meines Zuges nach Oradea vertreibe ich mir die Zeit um die Piatsa Victoriae herum. Immer wieder schön, zumal bei diesem goldigen Wetter.

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Ich erwartete als Schnellzug nach Oradea ja eigentlich etwas rumpliges. Das wurde es dann auch – in Form eines modernen Siemens-Dieseltriebwagens. Diese Züge, welche bei uns im Regionalverkehr eingesetzt werden, bestreiten in Rumänien einen Großteil des Fernverkehrs. Leider sind die Sitze deshalb nicht bequemer.

Der Zug braucht für die 178km lange Strecke übrigens knapp drei Stunden, womit er gegenüber dem Personenzug wohl wirklich als „schnell“ gelten kann, denn der braucht 4 1/2.

Oradea gilt als einer der besser erhaltenen KuK-Städte in Rumänien, im Gegensatz zu Temeschwar trifft das auch wirklich zu. Die Stadt ist äußerst nett und wenn man in der Gegend ist (was ein Witz!), lohnt ein Stop.

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Mein Hotel ist das einst edle Vulturul Negru („schwarzer Geier“) direkt an der Piatsa Unirii. Dank Expedia war auch das eine angenehm günstige Nacht in einem ziemlich habsburgerisch eingerichteten Zimmer. Insgesamt gute 3 Sterne wert.

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Irgendwie hat heute halb Oradea geheiratet, jedenfalls gab es im Zweiminutentakt ein Hupkonzert und Autokorsos. Leider hatten die Hochzeitsgesellschaften auch die großen Lokale mit rumänischer Küche in Beschlag genommen, was dazu führte, dass ich mit Pizza Vorlieb nehmen musste. Etwas ärgerlich. Es gibt aber zahlreiche Bierkneipen, die alle zum Verweilen einladen, sodass es an Abendbeschäftigung nicht mangelt.

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Dem Brautpaar alles Gute ;)

 

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Sonntag Morgen steht die Rückfahrt nach Timisoara an (zum Bahnhof geht es übrigens mit einer modernen Siemens-Niederflurstraßenbahn...). Diesmal mit Umsteigen in Arad. Der Zug ist als Intercity ausgewiesen, das Rollmaterial allerdings schon bekannter Dieseltriebwagen aus dem Hause Siemens. In Arad bleibt genug Zeit das mächtige Bahnhofsgebäude zu begutachten und die Gerstensaftvorräter für den Nachmittag aufzufüllen, bevor der aus Budapest kommende EC mich die letzten 56km zurück bringt.

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Bis zum Abflug bleibt noch genug Zeit für Eis & Kaffe an der Piatsa Victoriae und der Piatsa Unirii (s.u.).

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Leider fährt der Bus zum Flughafen sonntags noch seltener (so alle 1-2 Stunden), sodass mir nichts anderes übrig bleibt, als für das letzte Stück ab der Stadtgrenze auf ein Taxi zurückzugreifen. Wenn Taxi in Rumänien, dann aber bitte stilecht ein Dacia Logan! Yippie! Der Taxifahrer versucht nicht mal mich zu bescheißen (wäre ihm ohnehin schwer gefallen, ich hatte nur noch 20 Lei :D) und drückt mir sogar eine eigens gestempelte Taxometer-Quittung in die Hand.

Am Check-In steht niemand vor mir, es gibt diesmal auch noch Fensterplätze. Alles schnieke. Auf der Wiese vorm Terminal genieße ich das lokale Brauereierzeugnis, und flugs geht’s zum Boarding.

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MA881 opb. Budapest Air Service (BASe)

TSR-BUD Embraer 120 HA-FAN

1615-1605

 

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AUA ist auch schon da...

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Nebst Putzkommando ;)

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18 Leute wollen heute mit mir in die kleine Mühle, ich habe einen Sitz am Notausgang mit einem gefühlten Kilometer Beinfreiheit. Unterwegs: Orangensaft, Erdnüsse und als IFE eine Portion ordentlicher Turbulenzen. Im Anflug drehen wir eine Runde über Budapest mit bester Sicht. So macht das Spaß!

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Margareteninsel

 

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Das Parlament

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Im vollen Terminal

Im Terminal ist es noch voller als Freitag, bis zum Weiterflug bleiben über 2 Stunden Zeit, die ich in einer (bzw. der – es gibt nur eine) Bar im Schengenterminal verbringe. Einzig nett an dem Baustellen-Chaos ist das freie WLAN. Zur Boardingzeit stehen die Leute am Gate schon Schlange – allerdings für den Flug nach WAW vor uns. Malevmäßig verspätet machen wir uns auf den Weg. Es ist das selbe Flugzeug wie am Freitag. Und es ist wiederum proppevoll.

 

MA672

BUD-TXL Boeing 737-600 HA-LOE

sched. 1835-2000

actual. 1902-2017

 

Der Flug ist nicht weiter berichtenswert, wenn man davon absieht, dass sich der Captain diesmal immerhin für die Verspätung entschuldigte. Erdnüsse und Schokolade kann ich nicht mehr sehen. Anflug in Tegel von Osten auf der Nordbahn über das VOR Fürstenwalde.

 

Insgesamt ein nettes Wochenende. Malév brauche ich nicht noch mal zum Glücklichsein, irgendwie bezeichnend, wenn von 4 Flügen nur der pünktlich ist, der im Wetlease betrieben wird. Carpatair ist ein netter Haufen. Der Fokker 70 werde ich weiterhin hinterher jagen. Irgendwann muss es doch klappen. Rumänien ist bei mir auf der Sympathieliste weiter nach oben geklettert. Irgendwie ein lustiges Land.

 

Die Firma Siemens hat diesen Tripreport nicht finanziell unterstützt. Und wenn, würde ich es nicht verraten :D

Geschrieben

Danke für den Bericht. Sehr lustiger Schreibstil :)

 

in TSR woltle ich eigentllich einen Bus nach BEG nehmen (und TSR quasi links liegen lassen). Da es aber von TSR nach BEG kaum Bus noch Bahn gab habe ich kurzfristig in TSR übernachtet, mir im Platzregen die Stadt angeschaut und mir am nächsten morgen um 5 Uhr den Nachtzug Bucharest-Belgrad genommen. Glaub mir, ich hätte alles für den Dieseltriebwagen gegeben :)

 

Aber das Schicksal wollte es wohl richtig mit mir. Ich fand TSR gar nicht schlecht, und nachdem ich dann noch ein Paar Stunden Zeit hatte mir BEG anzuschauen war dies definitiv auch die bessere Wahl in TSR zu bleiben (naja die Wahl hatte ich ja nicht).

Geschrieben

Toller Bericht!

 

Aber was hast du gegen Q400er? Na gut, für mich wäre das mal ne willkommene Abwechslung nachdem ich immer, wenn ich AUA fliege, in einer Fokker lande... B)

Nochmals danke fürs zeigen!

Geschrieben
Aber das Schicksal wollte es wohl richtig mit mir. Ich fand TSR gar nicht schlecht, und nachdem ich dann noch ein Paar Stunden Zeit hatte mir BEG anzuschauen war dies definitiv auch die bessere Wahl in TSR zu bleiben

 

Ja, TSR ist schon ganz nett. In Belgrad war ich (leider) (noch) nicht - TSR war bei mir auch eher eine Notlösung, weil ich letztes Jahr schon mal mit dem Auto dort war (klick). Ich wäre lieber von Iasi oder Cluj zurückgeflogen - aber das wäre dann wieder die Dash gewesen.

Den Hinflug nach OTP hatte ich ursprünglich auch nur wegen der F70 genommen. Naja, C'est la vie. MA fliegt ja in Rumänien so ziemlich jede Milchkanne an.

 

Aber was hast du gegen Q400er? Na gut, für mich wäre das mal ne willkommene Abwechslung

Mhm, ja die F70 hat mir die AUA bis dato noch immer gegen eine Dash eingetauscht. So kann's einem gehen, was ;)

 

Geschrieben

Tja siehste, mir hat MA letztes Jahr statt der geplanten 736 frecherweise eine F70 auf den Hof gestellt. Aber die kriegste schon noch, irgendwann kommt die von allein, musst nur fleissig VO fliegen ;-)

 

Schoener Report, danke, Rumaenien steht bei mir auch auf der To-Do-Liste, ich kenne bisher nur OTP und einen blau-gelb-roten Schlagbaum irgendwo in der ungarisch-rumaenischen Pampa (wegen Land abhaken ;-)

 

Ach ja: Wer A (Temeschwar) sagt, muss auch B (Grosswardein) sagen :-P

Geschrieben
Ach ja: Wer A (Temeschwar) sagt, muss auch B (Grosswardein) sagen :-P

 

Hehe, ja du hast Recht...oder auch "Temeswar, Temeschwar beziehungsweise Temeschburg, ungarisch Temesvár, serbisch Temišvar" ;)

Oradea heißt übrigens auch noch "ungarisch Nagyvárad, slowakisch: Veľký Varadín, Latein: Magnovaradinum" - volle Auswahl also^^

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