Tecko747 Geschrieben 24. August 2009 Melden Geschrieben 24. August 2009 Ohne große Worte steigen wir heute gleich ein. Es geht von Memmingen mit Ryanair ins italienische Pisa. Da ich Pisa und Florenz bereits von früheren Besuchen kannte, wollte ich mir diesmal mit einer Rundfahrt die Toskana bereisen und mir gleichzeitig noch ein paar Fährschiffe anschauen. Doch beginnen wir in trüben Memmingen bei typischen Wendemanöver am Ostkopf der Stand- und Landebahn. Der Flug nach Pisa dauerte rund 1 Stunde. Alles verlief ohne besondere Vorkommisse. Memmingen (FMM) – Pisa (PSA) Ryanair FR8873 Boeing 737-800 EI-DCR Landung auf dem Flughafen von Pisa. Im Hintergrund die etwas abseits abgestellte 767 von Delta Airlines für die Verbindung nach New York JFK, die seit dem Jahr 2007 bedient wird. Ich mag den Flughafen von Pisa. Der Bahnhof der Stadt ist in einer Viertelstunde zu Fuss erreichbar, kaum hat man das Flughafengelände verlassen, läuft man durch eine Pinienallee. Es duftet überall nach „Urlaub“. Doch ich hatte keine Zeit zu verlieren. Nach einer kleinen Stärkung fuhr ich mit dem nächsten Zug nach Campiglia, etwa 80 Kilometer südlich unweit der Hafenstadt Piombino gelegen. Zugfahren ist bekanntlich in Italien äußerst günstig - die Strecke kostete nur 6,60 Euro. Fahrkarten sind vor Abfahrt des Zuges zu stempeln. Vorbei ging’s am Containerhafen von Livorno Die Strecke von Campiglia nach Piombino muss mit dem Bus zurückgelegt werden. Zur Hauptsreisezeit herrschte dichter Andrang. Einige Fährgäste mussten im Reisebus sogar stehen. Direkt am Hafen von Piombino befindet sich ein großes Eisenhüttenwerk. Unser Schiff, die „Moby Tommy“ bei der Ankunft. Zwei Stunden später soll es mich nach Sardinen bringen. Über Bemalung der der Moby-Fähren lasst sich genüsslich Streiten. Bei den zahlreichen Kindern die am Hafen warteten, sorgten die verschiedenen Comic-Motive an den Schiffen jedoch für große Aufmerksamkeit. Und wieder mal flüchtet Tweety vor der großen Miezekatze. Anlegemanöver. Anders als bei vielen Fährhäfen in Nord- und Ostsee gibt es auch in Piombino keine Passagierbrücken für die Fußpassagiere um an Bord der Fähre zu gelangen. Stattdessen gibt es gleich hinter den Heckklappen für Autos und LKWs einen kleinen Eingang für Passagiere. Über 2 Rolltreppen erreicht man dann die Passagierdecks. Deutlich mehr Verkehr als auf der täglichen Moby-Verbindung nach Olbia wird auf den Strecken nach Elba abgefertigt. Im Schnitt alle 15 Minuten verlässt ein Schiff von Moby oder Toremar den Hafen. Blick auf Elba. Im Vordergrund die kleine Insel Cerboli. Die Insel ist unbewohnt. Mit über 30 Knoten geben wir mächtig Gas. Mit dem Nachteil, dass die antriebsbedingten Vibrationen an Bord - trotz spiegelglatter See - recht stark zu spüren sind. Die Fahrzeugdecks der Fähre waren bis zum Anschlag gefüllt. Außerdem waren noch zahlreiche Fußpassagiere an Bord. Es war voll. Sehr voll – fast schon unangenehm. Man hatte auf dem ganzen Schiff an vielen stellen mühe einen Sitzplatz zu finden. Egal ob draußen oder drinnen. In jeder Ecke des Schiffes lagen Leute auf dem Boden. Auch in Italien sind gerade Ferien. Dementsprechend viele Bambinis waren an Bord und trugen dementsprechend auf zum Lärmpegel bei. Bisher bedeuteten Schiffreisen für mich Entspannung. Doch dies wollte sich unter diesen Bedingungen irgendwie nicht so ganz einstellen. Auch die Toiletten wurden stark in Anspruch genommen - es stank wiederlich. Doch irgendwann musste auch ich. Als ich mich gerade schön auf der Kloschüssel plaziert hatte, rüttelte es an der Kabinentür. Ich machte mich bemerkbar und bat um einen Moment gedult. Doch es rüttelte weiter. Irgendwann wurde dann auch die Tür geöffnet und ein Schiffangestellter stand vor mir und bappelte wild auf italienisch auf mich ein und drückte die Spühlung. Englisch konnte er nicht - keine Ahnung was er wollte - aber es machte alles keinen ruhigen Eindruck. Egal. Noch ein paar Worte vom Schiff. Die Moby Tommy wurde im Jahr 2002 in Südkorea gebaut. In den ersten Jahren war das Schiff für die griechische Minoan Lines in der Adria unterwegs. 2006 ging es dann an Moby. Das Schiff ist mit rund 26000 BRT vermessen. Nach nur viereinhalb Stunden erreichten wir Sardinen. Die Einfahrt in die Bucht von Olbia ist landschaftlich sehr reizvoll. Gegenverkehr: Der nur mäßig gefüllte RoRo-Transporter "Delfino Bianco" Der Hafen von Olbia gehört bedeutendsten Fährhäfen des Mittelmeers. Rund eine Million Fahrzeuge sowie 3,5 Millionen Passagiere werden hier pro Jahr abgefertigt. Vor einigen Jahren war ich bereits schon einmal in Olbia. In Februar war die Stadt damals in ihren verträumten Winterschlaf gelegen - mit anderen Worten: Es herrschte überall quasi Tote Hose. Diesmal erlebte ich ein ganz anderes Olbia – als hektisches Tor nach Sardinen. Am Flughafen, den man von Fährhafen gut beobachten kann, starteten und landeten im dichten Takt Flugzeuge. Und auch im Hafen herrschte äußerst reger Betrieb. Insgesamt 5 großte Schiffe warteten mit offenem Bauch auf Autos bzw. gaben diese wieder frei. Boardinganzeige im Terminal aus der Zeit vor den digitalen Bildschirmanzeigen. Die wichtigste Strecke führt von Olbia nach Civitavechia rund 60 Kilometer nordwestlich von Rom gelegen. An diesem Abend sollte die Strecke von der SNAV sowie von Tirrenia bedient werden. Das Schiff von Tirrenia verlässt 2 Stunden nach dem Schiff der SNAV den Hafen von Olbia ist jedoch vor dieser in Civitavechia. Die „M/S Lazio“ hingegen läßt sich Zeit und fährt gemütlich die etwa 230 Kilometer lange Strecke. Ganz bewußt hatte ich mich für dieses Schiff entschieden. Im Gegensatz zu vielen großen Lademeter-Fährschiffen der neueren Generation versprühen diese sogenannten "Jumbofähren" der Achzigerjahre mit ihren weitläufigen, hohen Passagierdecks einen ganz besonderen Reiz. Die Lazio wurde im Jahr 1989 in Bremerhaven gebaut. Als Olau Britannia 2 war sie einige Jahre zwischen dem niederländischen Vlissingen und dem englischen Sheerness im Dienst. Zu jeder Zeit war sie zusammen mit ihrem Schwesterschiff Olau Hollandia 2 die größte Fähre auf dem Ärmelkanal. Nach dem Ende der Reederei Olau fuhr sie bis 2006 für P&O hauptsächlich zwischen Portsmouth und Le Havre. Anschließend wanderte sie dann ins Mittelmeer zur SNAV. Weitere Schwesterschiffe der stolzen Jumbofähren Made in Germany sind die King of Scandinavia und Princess of Norway, beide für DFDS zwischen Ijmuiden und Newcastle unterwegs. Das Schiff ist mit rund 33000 BRT vermessen. Als große Nordseefähre gebaut, gibt es natürlich bei der Lazio keinen bodennahen Eingang vor Fußpassagiere. Und so läuft man erstmal durch das Fahrzeugdeck um sich in einem der Treppenhäuser nach weit oben zu begeben. Vorbei an einem weiteren Autodeck… und noch einem Autodeck… ...erreicht man schießlich eines der Passagierdecks. Sehr angenehm war die Ruhe an Bord. Kein Vergleich zur brechend vollen Hinfahrt heute Nachmittag. Da die Überfahrt nicht ganz so günstig war, verzichtete ich auf eine Kabine. Bei den Sitzplätzen hat man bei der Buchung die Wahl zwischen Stühlen und flugzeugsitzartigen Ruhesesseln. Um ein wenig ausruhen zu können entschied ich mich für letzteres. Bei irgendeinem Umbau muss jedoch ein besonders toller Planer am Werk gewesen sein: Die Ruheräume befinden sich unmittelbar neben einer Bordbar, wo ein schlechter Alleinunterhalter bis tief in die Nacht versuchte das Publikum musikalisch zu unterhalten. So war nur begrenzt an Ruhe zu denken. Irgendwie verbrachte ich dann doch die Nacht mehr oder weniger im Halbschlaf, als wir gegen halb sechs über den Bordlautsprecher geweckt wurden. Ich machte mich frisch und ging nach draußen. Dort war bereits die Küste bei einem herrlichen Morgenrot zu erkennen. Da wir recht gut in der Zeit lagen, liefen die Motoren auf Sparflamme und so schlichen wir geradezu gemütlich in Civitavechia ein. Auch ein großes – und dazu noch recht äußerlich recht elegantes Kreuzfahrtschiff lag im Hafen: Die mit 84000 BRT vermessene Oosterdam der Holland-America-Line. Bugklappe auf und zahlreiche Autos, Caravans, Wohnwagen, LKWs und Motorradfahrer entschwinden dem dicken Bauch der Lazio. Von Fähranlager zum Bahnhof von Civitavechia sind es rund 1,5 Kilometer, die sich zu Fuß zurücklegte. Mein Hauptziel in diesem Tag: Siena. Doch es schaute erstmal garnicht gut aus: Der Abfahrtsmonitor im Bahnhof zeigte eine Verspätung von 40 Minunten für meinen Zug an. Da ich Umsteigen mußte, und der Anschlußzug auf der Nebenstrecke nur ein paar mal am Tag verkehrt, würde es sehr knapp werden. Ansonste sollte ich 3 Stunden auf den nächsten Zug warten müssen. Pünktlich vorrausgesagt mit 40 Minunten Verspätung traf dann auch der Regionalzug von Rom ein. Doch der Zugfahrer fuhr alle Geschwindigkeitsreserven aus und holte wieder 10 Minuten auf den 100 Kilometern an der Küste entlang nach Grosseto herein. Somit erreichte ich meinen Anschluss problemlos. Umsteigen in einen kleinen Schienenbus, die mich in gemächlicher Fahrt über eine verträumte eingleisige Nebenbahnstrecke nach Siena bringen sollte. Diese Reise führte durch die herrliche Landschaft der Tosanca. Vorbei an Sonnenblumenfeldern… …. und Zypressen. Die Altstadt des 50000 Einwohner zählenden Siena gehört seit 1995 zum Unesco-Weltkulturerbe. Hier feiert nicht Villaraba und auch nicht Villabacho. An diesem Wochenende fand in Siena das Weltberühmte „Pilao“ statt. Ein gigantisches Pferderennen auf dem zentralen Piazza del Campo. 10 Stadtteile treten mit einem Pferd gegeneinander an. Und danach wird natürlich in jedem Stadtteil bei einem großen Straßenfest gefeiert. Die ganze Stadt war mit Fahnen geschmückt. Ab dabei auch mit Ariel gespült wird um schneller wieder feiern zu können ist nicht bekannt. Piazza del Campo Palazzo Pubblico (Rathaus) Die 300 Meter lange Sandbahn ist fertig, die Holztribünen sind errichtet. Morgen kann das Rennen beginnen. Siena verkörpert ein typisches Stück Italien wie man es kennt. Die Wasche an der Hauswand… … und die große Pizza dürfen dabei natürlich nicht fehlen. Herrlich: Der Dom von Siena mit seiner Fassade aus Weißem und Schwarzem Marmor. Gegen Abend fuhr ich dann mit dem Zug wieder zurück nach Pisa. Während der erste Tal bis Empoli auf der Nebenstrecke durch Halte an jeder Milchkanne sich doch recht zog, ging es von Empoli nach Pisa auf der gut ausgebauten Hauptstrecke recht flott vorwärts. In Pisa übernachtete ich dann im Hotel La Pace, direkt am Bahnhof gelegen. Kein großartiges 3-Sterne-Hotel, aber eben in sehr praktischer Laufentfernung von Flughafen. Am nächsten Morgen hieß es wieder früh auf den Beinen stehen. Abflug um 07.00 Uhr. Am Flughafen herrschte von hektische Betriebsamkeit. Ryanair bietet am frühen morgen zahlreiche inneritalienische Verbindungen an. Mit der Ruhe, die der Flughafen bei meinem ersten Besuch 2004 ausstrahlte, hat dies nicht mehr viel zu tun. Pisa (PSA) – Memmingen (FMM) Ryanair FR8872 Boeing 737-800 EI-DPS Am Flughafen von Pisa ist auch der größte Lufttransportverband Italiens mit seinen zahlreichen Lockheed C-130 Hercules aktiv. Der rund einstündige Flug nach Memmingen verlief ereignislos. Jedoch verloren wir wenige Meter vor dem Aufsetzen stark an Höhe, der Pilot versuchte mit etwas Schub die Maschine abzufangen – jedoch nicht besonders erfolgreich und so krachten wir regelrecht auf die Landebahn. Der Rauchschleier der sehr herzhaften Landung war daher noch eine ganze Weile sehen. Das war mein kleiner Besuch in Italien - ich hoffe Euch hat mein kleiner Bericht auch gefallen. Nächste Woche geht’s nach Spanien. Ich freu mich schon.
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