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Sickbag

Der Korkenzieher: Erbil/Irak FRA-MUC-VIE-EBL-IST SAW-ESB-FRA

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Anfang des Jahres tat ich etwas skandaloeses: Ich buchte mir einen Trip mit sieben Legs, der mir keine einzige neue Airline und nur A320 und 737 ins Log bringen wuerde.

 

Und nein, ich war nicht krank oder so, aber das Ziel war das letzte Land des Nahen Ostens (ausser Israel) in dem ich noch nicht gewesen war: Irak. Und dorthin fliegen eben leider von den normal buchbaren Netzwerk-Airlines nur OS, KK und RJ, so dass sich da flugzeug- und airlinetechnische Langeweile nicht vermeiden liess. Klar tummeln sich dort total obskure Airlines opb noch viel obskureren Airlines (Hellasjet fuer Flyiraquna nach Europa, Imperial Jet und Sama Air fuer Zagros Air nach BEY und DXB, Shaheen Air fuer IA nach SDA etc.), aber das ist alles nur unter groesseren Verrenkungen von hier aus buchbar.

 

Also musste ich mich damit bescheiden, "nur" den Irak als mein bisher 97. Land zu bereisen. Und auf dem Rueckweg noch Ankara mitzunehmen, war mir diese Stadt doch auf meinen vielen Tuerkeireisen bisher erstaunlicherweise durch die Lappen gegangen.

 

Der noerdliche Teil des Irak (je nach politischer Agenda aka Suedkurdistan, Kurdische Autonome Region, Autonome Region Kurdistan, Republik Irak-Region Kurdistan, irakischer Teil Kurdistans) ist de facto seit dem Rueckzug der irakischen Truppen im Oktober 1991 infolge der Operationen Provide Comfort II und Northern Watch unabhaengig und blieb von Kriegshandlungen in der Operation Iraqi Freedom verschont. Auch im Anschluss blieb die Sicherheitslage vergleichsweise gut, es gab seit 2003 nur drei schwere Anschläge, den letzten 2007, die Region und ihre Hauptstadt prosperieren wirtschaftlich und politisch.

 

Unter anderem durch visafreie Einreise fuer Westler versucht die Regionalregierung, auslaendische Reisende und Firmen anzuziehen und Investments zu erleichtern.

 

Langer Rede kurzer Sinn, der Nordirak ist die einfachste (und vor allem sicherste!) Variante, mal den Irak zu sehen.

 

Am Ende des Tages buchte (und flog) ich wie folgt:

 

06MAR FRA-MUC LH960 0630-0725 A321-100

06MAR MUC-VIE OS112 0830-0945 A319-100

06MAR VIE-EBL OS829 1020-1555 A319-100

07MAR EBL-IST KK6201 0430-0600 A320-200

07MAR SAW-ESB H9190 1125-1220 B737-400

08MAR ESB-IST TK105 0515-0620 A320-200

08MAR IST-FRA TK1587 0820-1035 B737-800WL

 

 

06MAR FRA-MUC 0630-0725 Lufthansa A321-131 D-AIRO "Konstanz"

 

c/n 563, Erstflug 10.11.95, Auslieferung 11.12.95

 

http://www.airliners.net/photo/Lufthansa/A...-131/1236410/M/

 

Was soll ich sagen, einer dieser Fluege, die wie die Zugfahrt zum Flughafen null Eindruck hinterlassen. Wenn es wenigstens ein A300 gewesen waere... Aber heute muss man wohl schon um einen 321-100 froh sein - mein erster LH -100 seit ueber zehn Jahren, man glaubt es kaum. Sehr voll, eine gute Stunde vor Abflug gab es keinen Fensterplatz und am Gang nur noch die letzte Reihe 36. Was aber auch mit der extrem aergerlichen Position des MCD zu tun hatte: Er war hinter Reihe 22, was angesichts einer Handvoll Passagieren in der C und fast voller Y sehr unschoen ist.

 

Ansonsten war der Service sehr gut, wie ich es von LH kenne: Ich bestellte wie immer mein Sektchen, wurde sofort gefragt, ob ich noch ein zweites Getraenk haben wolle ("ja, danke, einen Whisky bitte" lag mir auf der Zunge ;-) ), und beim Einsammeln der Becher fragte mich die Dame, ob ich noch Nachschub haben wolle, da die Flasche ohnehin offen sei. Erinnerte mich an den LG-Steward, der drei Minuten vor der Landung mit einem fast uebervollen Glas Champagner vor mir stand und es mir mit der Bemerkung "you have to drink this to finish the bottle" beinahe aufnoetigte ;-)

 

 

06MAR MUC-VIE 0830-0925 Austrian Airlines A319-112 OE-LDD "Moscow"

 

c/n 2416, Erstflug 9.2.05, Auslieferung 8.3.05

 

http://www.airliners.net/photo/Austrian-Ai...-112/0794012/M/

 

http://www.airliners.net/photo/Austrian-Ai...-112/0833145/M/

 

Dito. Nothing to write home about. Wobei, ein Kritikpunkt muss sein, naemlich dass das Fruehstueck auch mal elaborierter war als ein Blaubeermuffin. Wenn auch ein ziemlich großer Muffin. Eigentlich die Mutter aller Muffins, muss ich konzedieren, Volumen der Schachtel war wohl ein guter halber Liter. Sekt und Spirituosen gab es nicht, und der Weißwein war zwar kalt (daran scheitern schon ziemlich viele Airlines) aber nicht so richtig genießbar. Aber selbst schuld, was bestelle ich mir auch einen oesterreichischen Weißen ;-)

 

 

06MAR VIE-EBL 1020-1555 Austrian Airlines A319-112 OE-LDF "Sarajevo"

 

c/n 2547, Erstflug 16.8.05, Auslieferung 26.8.05

 

http://www.airliners.net/photo/Austrian-Ai...-112/0929307/M/

 

Das 35-Minuten-Umsteigen funktionierte sehr gut, trotz um gut zehn Minuten verspaeteter Ankunft. Ich kam direkt am Gate an, als der Aufruf zum Boarding kam. Allerdings musste ich noch durch die Security, die in VIE ja nervigerweise direkt am Gate gemacht wird. Ebenso nervigerweise musste ich ziemlich lange anstehen, weil die Passagiere auf diesem Flug so ziemlich alles mitnehmen, was es in ihrer Heimat nicht gibt. Und das ist eine Menge. Stellt Euch das Publikum auf Tuerkei-Fluegen mit der sprichwoertlichen Waschmaschine und Autoreifen im Handgepaeck vor, und das dann noch einmal potenziert. Der Security-Checker schuettelte nur den Kopf und meinte "Mei, wos die Leit auf deam Fluag ois mitneama, Herrschaftszeiten..."

 

Womit wir auch schon zum Passagiermix kommen: Von dem schaetzungsweise zu zwei Dritteln ausgebuchten Flieger waren fast alles Ethno-Passagiere, relativ vereinzelt offensichtliche Geschaeftsleute. Das mag natuerlich an anderen Tagen als Freitag anders aussehen, ich hatte aber das Gefuehl, dass die OS halt den VFR-Markt abdeckt, dem die Flyiraqunas und Kurdistan Airlines dieser Welt zu shady sind.

 

Und als letzten Aergerfaktor war von den zwei Selfboarding-Gates eines abgesperrt, und an einem stand eine Agent und zog den Code ueber den Leser. Absurd, da kann man es sich auch gleich sparen. Wenigstens fragte niemand nach einem - natuerlich nicht benoetigten - Visum, als ich ueber VIE nach THR flog, hatte ich grossen Ueberzeugungsaufwand, an Bord gelassen zu werden *augenroll*

 

Der Flug selber war bis zum Verlassen der Reiseflughoehe unauffaellig und bis auf eine knappe Stunde Verspaetung, angeblich wegen verspaeteter Ankunft des Flugzeuges, was aber angesichts puenktlichen Boardingbeginns nicht wirklich sein kann, gab es auch nicht so viel zu meckern. Hoechstens, dass die Alkoholauswahl genauso schlecht war wie auf MUC-VIE, ich hatte eigentlich eine normale Interkontauswahl inklusive Spirituosen und Sekt erwartet, aber hey, was soll’s, als Monopolist kann man sich das wohl erlauben. Ach ja, und es wurde kein "32P" eingesetzt, also ein 320 mit echter 2-2 Business-Konfiguration, sondern ein normales Mitglied der Kont-Flotte. Wenn ich in der C gesaessen haette, haette ich mich geaergert ;-)

 

Mit dem Einleiten des Sinkfluges wurde es ein wenig spannend (aber bei weitem nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte): Obwohl Kurdistan wie gesagt eigentlich sicher ist, wird, wahrscheinlich verlangt es die Versicherung so, nicht normal angeflogen. Stattdessen verbleibt man bis direkt vor dem Flughafen (fast) auf Reiseflughoehe und geht dann in vier bis fuenf sehr engen Kurven ziemlich steil runter. Ist ganz nett, in niedriger Hoehe das Fenster komplett mit Bodensicht ausgefuellt zu haben, die Neigung entspricht schaetzungsweise ungefaehr dem, was man in wegen Bergen anspruchsvollen Approaches erlebt (TGU, Kai Tak), es ist aber bei weitem nicht so schlimm, wie es teilweise gemacht wird; ich hatte vorab von vor Angst schreienden und sich uebergebenden Passagieren gehoert, gar von Fingerfrakturen infolge zu festen Umklammerns der Armlehne und Zaehnen, die so fest zusammengebissen wurden, dass sie brachen, aber das waere masslos uebertrieben.

 

Aber vielleicht wurde der Anflug wegen der verbesserten Sicherheitslage auch entschaerft, man weiss es nicht; selbst RJ kommt mittlerweile mit eigenem Geraet und nicht mehr mit der AirQuarius F28.

 

Nun gut, wir landeten also, erreichten unsere Parkposition und wurden schwer bewaffneten Sicherheitskraeften und der auf Stand-by stehenden Feuerwehr begruesst. Erstere durchsuchten noch einmal gruendlich die Cleaner, bevor diese das Flugzeug betreten durften, was ich bisher nur in BOG erlebt habe.

 

Die Einreise gestaltete sich extrem unspektakulaer, keine Einreisekarte, keine Fragen, einfach nur ein Foto, ein "Welcome to Kurdistan, Sir", ein Stempel und fertig.

 

 

Erbil

 

Ich nahm mir ein Taxi, das vom Terminal bis zur Flughafengrenze (und nur dort) verkehrt, ging durch den dortigen grossen Checkpoint (natuerlich mit schwerer Bewaffnung und fetten Anti-Autobomben-Roadblocks) und nahm das naechste Taxi in die Stadt. Auf der Fahrt dorthin passierten wir eine weitere Strassensperre, die aber nur mit einem einzelnen leicht bewaffneten Soldaten besetzt war, und nach einer knappen Viertelstunde Fahrtzeit war ich in der Stadt.

 

Diese ist touristisch nicht wirklich attraktiv. Zwar ist Erbil eine der aeltesten Staedte der Welt, und es gibt eine ganz huebsche Zitadelle, die aber nichts ist im Vergleich zu z.B. Aleppo. Selbst das ziemlich haessliche Amman ist fast schoener. Ansonsten ist Erbil eine sehr typische (lies: langweilige) nahoestliche Groszstadt mit einer wuseligen Innenstadt, die im wesentlichen aus ziemlich verratzten Maerkten und kleinen Laeden besteht. Ich fand mich sehr an Adana erinnert und wurde in meiner Einschaetzung bestaetigt, dass der Grossraum nordoestliches Mittelmeer Kurdistan-Anatolien soziokulturell ziemlich homogen ist, egal, auf welchem Staatsgebiet man sich formal bewegt. Aehnliche Beobachtungen hatte ich schon zuvor in Grenzgebieten gemacht, natuerlich vor allem dann, wenn die Grenzziehung kuenstlich und willkuerlich erfolgte; Pandschab ist auch so eine Ecke, Lahore und Amritsar sind einander auch sehr aehnlich.

 

Auffallend war, wie freundlich die Menschen dort sind und wie genuin erfreut, dass ein Fremder in ihr Land kommt, die sind es halt auch leid, mit dem Restirak ueber einen Kamm geschoren zu werden und dass keiner kommt wegen der doppelt falschen Assoziationskette "Erbil - Irak - unsicher".

 

Zusammenfassend kann man sagen, dass - wenn man einmal die teilweise ziemlich extremen und in unseren verwoehnten Augen martialisch daherkommenden Sicherheitsvorkehrungen an oeffentlichen Gebaeuden ignoriert - Erbil geradezu langweilig normal ist; und das ist auch gut so.

 

So machte ich mich denn nach einem erweiterten Stadtrundgang wieder gen Flughafen auf, und in der anderen Richtung funktioniert es etwas anders: Man wird am Checkpoint rausgeworfen, wird dort ueberprueft (Pass, Ticket, Sicherheitskontrolle), anschliessend wird man per Bus ein paar hundert Meter zum eigentlichen Terminal gefahren, vor dessen Betreten eine weitere Sicherheitskontrolle erfolgt, und ab dort ist es wieder ganz normal. Der Flughafen ist relativ modern, die Abflughalle sieht aber ziemlich, oem, zweckmaessig aus und ist ein wenig vernachlaessigt. Offenbar war es fuer die Aussenwirkung wichtiger, die erste Tranche der Foerdergelder in die Modernisierung des Aeusseren zu stecken.

 

 

07MAR EBL-IST 0430-0600 atlasjet A320-232 TC-OGI

 

c/n 614, Erstflug 29.11.96, Auslieferung 17.1.97 an MEA, am 20.5.03 an Ryan International, verleast an Air Tran, am 29.11.04 an atlasjet, zwischenzeitlich verleast an Air Blue und Saudia

 

http://www.airliners.net/photo/Middle-East...-232/0177666/M/

 

http://www.airliners.net/photo/AirTran-(Ry...-232/0473756/M/

 

http://www.airliners.net/photo/Atlasjet-Ai...-232/0727905/M/

 

http://www.airliners.net/photo/Airblue-(At...-232/0967736/M/

 

http://www.airliners.net/photo/Airbus-A320-232/1429352/M/

 

http://www.airliners.net/photo/Atlasjet-Ai...-232/1411833/M/

 

Unser Flieger kam ohne weitere Ankuendigung oder gar Erklaerung eine Stunde zu spaet. Daumen runter.

 

Ab- und Steigflug waren wie der Anflug gepraegt durch enge Kurven und steile Steigrate. Ich galube ich war noch nie so schnell auf Reiseflughoehe (gut, in dem LT 332 ex THF vielleicht, der startete aehnlich raketenartig) und durchaus ueberrascht, wie viel Power in dem kleinen Airbus doch steckt. Das warme Fruehstueck war ok, mein mir fuer spaeter versprochener Wein wurde leider vergessen, wahrscheinlich waere er ohnehin nicht geniessbar gewesen, und ich verschlief den Flug im wesentlichen.

 

In IST mussten wir in einem relativ entlegenen Teil des Flughafens durch eine Sicherheitskontrolle, und die Paesse wurden gecheckt, bevor wir uns in den Strom der normalen ankommenden Passagiere einreihen durften.

 

 

Istanbul

 

Kenne ich schon, daher drehte ich keine touristisch motivierten Schlenker sondern bewegte mich so schnell wie moeglich von IST nach SAW. Schon unschoen, dass man dreimal umsteigen und jeweils neu bezahlen muss, die Transportkette Metro IST-Aksaray, Strassenbahn Aksaray-Kabatas, Fuenikueler Kabatas-Taksim, Bus Taksim-SAW ist ziemlich optimierungsbeduerftig. Naja, besser als letztes Mal (ERF-HAM-SAW IST-ADB), da ging es mitten in der Nacht in die andere Richtung, und ich musste von Taksim bis Zeytinburnu laufen.

 

 

07MAR SAW-ESB 1125-1220 Pegasus Airlines B737-4Y0 TC-APR

 

c/n 24685/1859, Erstflug 2.5.90, Auslieferung 15.5.90 an Futura, zwischenzeitlich verleast an Transbrasil, am 20.4.00 an Pegasus, zwischenzeitlich verleast an Air Algerie

 

http://www.airliners.net/photo/Futura-Inte...-4Y0/0151959/M/

 

http://www.airliners.net/photo/TransBrasil...-4Y0/0460278/M/

 

http://www.airliners.net/photo/Futura-Inte...-4Y0/0105004/M/

 

http://www.airliners.net/photo/Air-Algerie...-4Y0/0179028/M/

 

http://www.airliners.net/photo/Pegasus-Air...-4Y0/1287002/M/

 

Nichts zu berichten, ausser, dass H9 nicht nur in der mir schon bekannten 738 falsche Safety Cards verwendet. Diese bilden einen falschen Tueroeffnungshebel ab (737-Classic-Style) und nur zwei Overwing Exits. Davon abgesehen freute ich mich natuerlich, die 734, und dann auch noch die Alterspraesidentin der Flotte, zu bekommen, wusste gar nicht, dass die so was noch haben.

 

 

Ankara

 

Ankara war sehr enttaeuschend. Ein gesichtsloser Moloch mit einem ganz netten Zentrum aus Einkaufsstrassen, bis auf das Atatuerk-Mausoleum keine Sehenswuerdigkeiten, und noch nicht einmal eine besonders nette Atmosphaere, die zum Bummeln und sich einfach nur treiben Lassen einlaedt. Wieso sind alle grosse tuerkischen Staedte ausser dem historischen Stadtkern Istanbuls so? Ankara verhaelt sich zu Istanbul wie Den Haag zu Amsterdam.

 

Nichtsdestotrotz war der Stopover die Muehe wert, und das lag am bereits erwaehnten Atatuerk-Mausoleum Anitkabir.

 

Eine absolut riesige Anlage, die in ihrer Monumentalitaet geradezu absurd wirkt und ein bisschen den Gedanken an eine Mogelpackung aufkommen laesst (so viel Stein fuer eine einzige Leiche...) Der Personenkult ist absolut bizarr, angefangen mit der ehrfurchtvollen Ausstellung von Alltagsgegenstaenden aus Mustafa Kemals Leben, weitergehend mit der uebertriebenen Militaerpraesenz und natuerlich endend mit der grotesken gottgleichen Verehrung des praesidialen Sarkophages. Wenigstens besass man soviel Anstand, sich nicht der Tradition der kommunistischen Diktatoren Ho, Kim, Mao und Uljanow hinzugeben, und den armen Mann in einem Schneewittchensarg zur Schau zu stellen.

 

Die ganze Anlage, wo ich gerade Kim Il-Sung erwaehne, hat definitiv einen Touch Kumsusan-Palast, das Museum in Pjoengjang, dessen Hauptausstellungsstueck der Kadaver des Grossen Fuehrers ist. Z.B. das Mao-Mausoleum ist gegen Anitkabir ein Nichts.

 

Aber, wie gesagt, aeusserst sehenswert und lehrreich.

 

 

08MAR ESB-IST 0515-0620 Turkish Airlines A320-232 TC-JPG "Osmaniye"

 

c/n 3010, Erstflug 5.1.07, Auslieferung 26.1.07

 

http://www.airliners.net/photo/Turkish-Air...-232/1286825/M/

 

Und so begab ich mich also zu dem elend fruehen Rueckflug gen Esenboga. Ich war schon zuvor TK geflogen, zuletzt allerdings 2002 und war gespannt auf ihre Performance.

 

Der Check-In lief schon sehr holprig ab: Der Automat, der ohnehin sehr umstaendlich ist (Name und Buchungscode muessen ueber mehrere Schritte eingegeben werden) liess mich nicht einchecken, da er meinen Pass haette einlesen wollen. Was aber nicht ging, da ich im Inlandsterminal stand, wo die Automaten keine entsprechende Vorrichtung haben.

 

Also musste ich zum Schalter, wo mir eine des Englischen nicht sehr maechtige Dame die von mir erbetenen (zumindest auf den ersten Blick, dazu spaeter mehr) Sitzplaetze gab. Sie versicherte mir unter anderem, dass es sich nicht um die Notausgangsreihe handele, die ich nicht will, weil dort die Rueckenlehne nicht verstellbar ist.

 

Sehr negativ stiess mir dann an Bord auf, dass mein Sitzblock mit drei Mann komplett besetzt war, waehrend zwei Reihen weiter vorne ein ganzer Dreierblock frei war. Das geht nicht an.

 

Der Flug selber war sehr ok, es gab ein ziemlich leckeres Broetchen, allerdings keine Alkoholika. Die Rueckenlehne laesst sich angenehm weit zurueckstellen. Leider wurde ich relativ ruede und viel zu früh aufgefordert, diese wieder senkrecht zu stellen, naemlich bereits bei Verlassen der Reiseflughoehe eine halbe Stunde vor Landung. Wenn dabei hinter mir niemand sitzt und gleichzeitig aus dem Becherhalter des Sitznachbarn der Becher entfernt aber der Halter nicht hochgeklappt wird, weckt das Zweifel an der Faehigkeit der Besatzung, Sicherheitsvorschriften umzusetzen und ihren Job mitdenkend und mit Augenmass zu machen.

 

08MAR IST-FRA 0820-1035 Turkish Airlines B737-8F2(WL ) "Burhaniye"

 

c/n 35744/2733 Erstflug 28.11.08, Auslieferung 16.12.08

 

http://www.airliners.net/photo/Turkish-Air...-8F2/1462695/M/

 

Davon abgesehen, dass IST ein bloeder Flughafen zum Umsteigen ist, auch und vor allem bei intl/dom oder umgekehrt, ist der Hauptkritikpunkt ein viel gravierenderer: Zeitungen gibt es gegen Bordkarte an einem zentralen Ausgabepunkt im Abflugbereich. So weit, so gut - dass die einzige nicht tuerkische Zeitung aber Le Monde ist, ist nicht angemessen.

 

Auch dieser Flug war prima, ausser, dass sich die Rueckenlehne sehr viel weniger verstellbar ist als im 320 und dass es weder Sekt noch Spirituosen gab, aber der Weisswein war ganz ok (und sogar leidlich kalt, es gibt Airlines, die kriegen das nie gebacken), und mein SFML war ziemlich lecker, Krabbenomelette.

 

Wieder rummaekeln muss ich aber an der Performance von Eincheckerin und Besatzung: Erstere hatte mir entgegen meiner Bitte den Notausgang gegeben, letztere uebersahen oder tolerierten waehrend des gesamten Fluges einschliesslich Start und Landung ein in eben dieser Notausgangsreihe verstautes Gepaeckstueck. Das ist, pardon, nicht akzeptabel.

 

Ausserdem haette ich schon ganz gerne ein Wort der Erklaerung oder gar Entschuldigung fuer die 30minuetige Verspaetung, die sich aufgrund meines im Stundentakt fahrenden Zuges nach Hause fuer mich auf eine Stunde auswuchs.

 

 

Zusammenfassend kann bzw. muss ich ueber TK folgendes sagen:

 

Sie haben ein sehr ordentliches Produkt, das durchaus middle of the road im Mainstream mitschwimmen kann.

 

Kritikpunkte, anhand derer belegbar ist, dass das Produkt (noch?) nicht auf Par mit einer Top-Airline wie LH oder dem einen oder anderen Asiaten ist, sind:

 

- Unzulaengliche Check-In-Automaten

- Keine Spirituosen und Sekt

- Le Monde als einzige internationale Zeitung

- Ausweiskontrolle beim Boarding

- Inkonsistenter Sitzkomfort in A320 und B737

 

Darueber hinaus werden teilweise gute Konzepte und Ansaetze durch Inkompetenzen des Personals nicht umgesetzt, was illustriert, wie schwierig ein top down angeordneter Turnaround ist, und wie lange es dauert, tief eingefahrene Mentalitaets- bzw. Einstellungsprobleme auszumerzen.

 

Als Beispiele genannt seien

 

- Fehlende Englischkenntnisse des Personals

- Falsche Platzwahl beim Einchecken

- Uebereifrigkeit des Kabinenpersonals beim Klarmachen der Kabine

 

Sehr bedenklich fand ich, gerade vor dem Hintergrund des kuerzlichen Absturzes bei Amsterdam, die kleinen sicherheitlichen Nachlaessigkeiten der Stewardessen:

 

- Tolerieren oder Uebersehen von Gepaeck in der Notausgangsreihe

- Tolerieren des nicht eingeklappten Cupholders

 

Naja, wenigstens stimmten die Safety Cards.

 

 

Alles in allem war dies ein sehr interessanter Trip, bei dem ich viel gelernt habe. Zwar habe ich keine neue Airline erflogen, bzgl. TK auf Stand gebracht zu werden, war aber sehr schoen und angesichts der aktuellen Diskussionen sinnvoll.

 

Die Interessantheit des Trip in touristischer, kultureller und soziologischer Hinsicht lag eher darin, wie "uninteressant" (lies: normal) der Nordirak ist. Was natuerlich sehr begruessenswert ist.

 

Als abenteuerliche Avantgarde im engsten Wortsinne konnte ich mich weniger aus Sicherheitsgruenden fuehlen als eher deshalb, weil es bisher sonst niemand macht und weil das Land keine wirkliche akzeptable Infrastruktur hat, weder touristisch noch allgemein.

 

Fuer Frage stehe ich selbstverstaendlich gerne zur Verfuegung.

 

Danke fuer Eure Aufmerksamkeit.

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Guest Badmax

Wow, auf den Bericht hatte ich mich schon sehr gefreut. :) Freut mich, dass es den Korkenzieher auch in Human gibt. In Bagdad soll der nicht so gemütlich sein, aber das habe ich dir glaube ich schonmal erzählt.

 

Würdest du dich denn aus Erbil heraustrauen und auch die Provinz besuchen?

 

Gibt es nicht noch irgendwie die Möglichkeit ab IST in den Süden zu fahren, dort dann auf die Fähre nach Asien und von dort mit dem Bus nach SAW? Habe es noch nie gemacht aber wäre durchaus mal eine Überlegung wert.

 

Bin in 3 Wochen auf TK von DUS nach ADA gebucht, mal schauen wie es wird.

 

Liebe Grüße

Max

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>>>Würdest du dich denn aus Erbil heraustrauen und auch die Provinz besuchen?

 

Hach, schwierig. Grundsaetzlich ja, aus zwei Gruenden ueberlegte ich es mir aber sehr gut und entschiede mich wahrscheinlich dagegen:

 

1.: In der Stadt hast Du immer Menschenmassen um Dich, so dass das Risiko einer Entfuehrung geringer bis nicht existent ist. Wenn Du alleine oder mit einem Fuehrer durch die Landschaft schlappst, koennte das anders sein.

 

2.: Man muss immer aufpassen, wohin man geht und wissen wo man ist: Z.B. verlaeuft die Hauptstrasse von Erbil ins ebenfalls sichere kurdische Suleimaniya durch die Vororte von Kirkuk, die von Erbil an die tuerkische Grenze an Mosul vorbei - zwei absolute Hotspots.

 

>>>Gibt es nicht noch irgendwie die Möglichkeit ab IST in den Süden zu fahren, dort dann auf die Fähre nach Asien und von dort mit dem Bus nach SAW?

 

Nicht, dass ich wuesste. Und selbst wenn, zeitlich duefte die Variante mit Metro, Tram, Fuenikueler und Havas-Bus nicht zu schlagen sein.

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Dankeschön für die Mühe. Ich bereure ja fast, dass ich nicht mitgekommen bin, aber es scheint, als könnte man EBL auch später noch "erlegen", ob mit oder ohne Korkenzieher^^

 

>>>Gibt es nicht noch irgendwie die Möglichkeit ab IST in den Süden zu fahren, dort dann auf die Fähre nach Asien und von dort mit dem Bus nach SAW?

 

Nicht, dass ich wuesste. Und selbst wenn, zeitlich duefte die Variante mit Metro, Tram, Fuenikueler und Havas-Bus nicht zu schlagen sein.

 

Doch, den gibt es tatsächlich. Erst mit der Flughafenbahn, dann mit der Straßenbahn zum Dock in Eminönu (oder so ähnlich, eins hinter dem Sirkeci-Bahnhof). Von dort mit der Fähre nach Sarköy und dann mit einem Direktbus nach SAW. Wenn ich richtig zähle, kommt man dann mit um die 5 Lira weg. Je nach Taktzeit des Flughafenbusses dürfte sich das zeitlich nicht viel nehmen.

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