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mach2

Nostalgie 2: 7 TAGE RUS, USB, KAS, MON mit TU-134A,1992

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Nostalgie 2: 7 TAGE RUS, USB, KAS und MON mit TU-134A, Juni 1992

 

Die Reise fand Ende Juni 1992 statt. Für uns wurde für eine ganze Woche eine Tupolew 134A der AEROFLOT gechartert. Die 1. Strecke VIE nach SVO / Moskau. Parkposition vor dem Politikerterminal (bin kein Politiker) oder andere Delegationen.. Aus dem Flugzeug heraus ging’s über einen roten Teppich und eine sehr breite Treppe hinauf zum Empfangssaal. Begrüßung, small talk, Häppchen, Krimsekt usw.

Dann bin ich ins Stille Örtchen/Waschraum. Sämtliche Armaturen wie Wasserhähne waren abmontiert. Eh schon wissen.......

 

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N 2-01 SVO Apt.

 

Dann flogen wir weiter nach Tashkent/ Usbekistan. Übernachtung in einem Nomenklaturahotel. Viele ausgemusterte Verkehrsflugzeuge standen oder lagen am Airport herum und dienten auch als Ersatzteillager. Die 3. Strecke ging von Tashkent nach Alma Ata (Almaty/ Kasachstan).

 

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N 2-02 Tashkent Apt.

 

Die 4. Etappe sollte von Alma Ata nach Ulan Bator (nun Ulan Bataar)/Mongolei führen.

Ein wunderschöner Flug längs der Berge. Ich durfte ins Cockpit um zu fotografieren. 2 Piloten und ein Navigator.

 

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N 2-03

 

Die Flugzeugnase besteht aus Glasfenster. Prima Sicht nach vorne unten. Sprach mit den Piloten über die Concorde und die TU144. Einer sagte mir, die TU144 fliegt nicht mehr und eine TU144 sei in einem Museum in Moskau ausgestellt.

 

Ich saß wieder auf meinem Sitz. Einige Zeit später erfolgte die Durchsage eines unserer Piloten, dass es nach vielen Versuchen nicht gelungen sei mit dem Tower in Ulan Bator Funkkontakt aufzunehmen und wir nun wegen Spritmangel auf einem russischen Militärflughafen landen müssen.

 

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N 2-04 Kyzyl Apt. Welche Flugzeugfabrikate/Typen sind das?

 

KYZYL hieß der Ort oder die Stadt (knapp an der nordwestmongolischen Grenze)

mit dieser Militärbasis.

Wir landeten, rollten zur Parkposition und die Triebwerke wurden abgeschaltet.

 

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N 2-05

 

Ich sah durchs Fenster, dass ein Reifen des linken Hauptfahrwerkes komplett abgefahren war und man die Karkasse sehen konnte. Zeigte das einigen Passagieren und dann wussten es auch gleich alle an Bord, dass wir einen neuen Reifen brauchen. Die Besatzung war auch informiert worden.

 

Wir wunderten uns, wann nun endlich das Betanken der Maschine beginnen würde. Nun kam Licht ins Dunkel, die Crew hatte US-Dollars in cash an Bord, mit der der Sprit im Ausland wie Usbekistan, Kasachstan bezahlt werden musste bzw. der Mongolei bezahlt werden sollte und diese Länder für den Sprit keine Rubel akzeptierten. Da wir nun in Kyzyl außerplanmäßig wieder auf russischem Territorium landen mussten, akzeptierten nun wiederum die dortigen Behörden nur Rubel zur Bezahlung der Spritrechnung. Die Crew hatte aber nur Dollars. Also sollte bei der nächsten Bank im Ort Dollars in Rubel gewechselt werden. Dies ging aber nicht, da knapp vor dem Monatsultimo die vorhandenen Rubel für die Auszahlung der Löhne und Gehälter gebraucht würden. Bei der zweiten Bank soll die Umwechslung geklappt haben.

 

 

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N 2-06

 

Dann der Tankvorgang: Wir Passagiere mussten an Bord bleiben. Es erschien ein Tankwagen (Modell Wasserspritzwagen der Stadt Innsbruck der in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts, im Sommer den Asphalt mit Wasser kühlte, wenn dieser in der Hitze zu schmelzen begann). Eine Holzstaffelei wurde vom Tankwagen abgeladen, neben der Tragfläche aufgestellt und der Copilot stieg über diese auf die Tragfläche, öffnete den Tankdeckel und betankte unsere Maschine.

 

Auf dem Vorfeld standen jede Menge Militärflugzeuge. Funkkontakt zum Tower in Ulan Bator gab es immer noch keinen. Der Reifen wurde auch nicht gewechselt, war entweder nicht notwendig (was wir Passagiere bezweifelten) oder es gab keinen auf dieser Militärbasis.

Wir starteten (mein Blick war nur auf diesen kaputten Reifen gerichtet) zu unserem nächsten Etappenziel – Irkutsk. Das Essen war eine Katastrophe. Es gab die fetteste Wurst, die ich je gesehen hatte (gelbes Fett, ranziger Geruch) mit Reis. Ich hatte vorsorglich Speck mit Sauerteigbrot im Handgepäck und verköstigte mich selbst. Im Stillen Örtchen gab es ein Fenster in der Decke, durch das man das Leitwerk sehen konnte. Alle Stunden kontrollierte der Copilot, ob das Leitwerk vereist ist oder nicht. Die Spülung im Klo funktionierte nicht,

oder es war keine Spülflüssigkeit vorhanden. Gut, dass es die Schwerkraft gibt. Das Klopapier wurde wahrscheinlich in einer Spanplattenfabrik und nicht in einem Zellstoffwerk hergestellt.

 

Die Landung in Irkutsk war sehr spannend. Zum Glück hielt der Reifen. Übernachtung im Flughafenrestaurant. Am nächsten Morgen sehr früh Tagwache, da wir nun die Landegenehmigung für Ulan Bator bekommen hatten. Beim Boarding in Irkutsk sahen wir, dass der kaputte Reifen ersetzt wurde. Dann Flug Irkutsk – Ulan Bator. Wir hatten aber alle Bordkarten mit Ziel Singapore bekommen. Da waren wohl keine anderen vorhanden.

Was soll`s, wir landeten tatsächlich in Ulan Bator.

 

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N 2-07 ULN Apt.

 

Wir fuhren mit einem Bus zum Hotel. Die Crew folgte uns in einem kleineren Bus zum gleichen Hotel. Zu unserem Erstaunen hatte die Crew alle Essenstrollies vom Flugzeug zum Hotel mitgenommen. Wahrscheinlich sollte in der Hotelküche das Catering gemacht werden. Wir trauten unseren Augen nicht, als eine Stewardess einen Trolly über eine kleine Türschwelle in die Hotelhalle rollen wollte. Die kleinen Rollen des Trollys blieben an der Schwelle hängen. Die Trollytüre war nicht verschlossen. Die Trays samt Inhalt flogen auf den Boden der Lobby. Mit Kehrschaufel, Besen und rotem Kopf reinigte die Stewardess den Boden. Uns tat sie leid.

 

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N 2-08 ULN Apt.

 

Nächste Etappe Ulan Bator – Novosibirsk mit Tankstop. Dann flogen wir von Novosibirsk nach SVO/Moskau. Wir hatten die gleiche Crew eine Woche lang. In Moskau mussten sie nun aussteigen, da die Piloten die Flugdienstzeit überschritten hatten.

 

 

Vom „fliegenden Wechsel“ der Crew zu einer neuen Crew kann keine Rede sein. Das AEROFLOT Crew Management war für einen Wechsel nicht vorbereitet. Wir warteten 3 Stunden auf die neue Besatzung. Dann ging’s auf die letzte Etappe SVO nach VIE.

 

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N 2-09

 

MfG

mach2

 

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Danke für diesen Bericht! Vieles, was du berichtet hast, klingt für heutige Zeiten unglaublich und war daher sehr interessant zu lesen.

 

Martin

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Toll, ein richtiges Abenteuer zu den wildesten Zeiten des neuen Russlands.

In manchen Bereichen ist das auch heute noch nicht viel anders :).

 

Die Maschinen in Kyzyl sind apropos Yak-40.

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Es freut mich, dass euch der Bericht gefällt. Es sind alles Tatsachen. Solche Geschichten kann man nicht erfinden.

 

In Tashkent war die Gepäckskontrolle nur ein Alibi, ein Holzkasten ohne Funktion in dem man seinen Koffer sinnlos

hineinwuchtete. Auf, zu und auf, kein Signal, keine Lampe, nichts.

 

In Alma Ata wurden wir am Apt. von einem Bus abgeholt und mit Höchstgeschwindigkeit ins Zentrum gebracht.

Vor und hinter uns je eine Polizeistreife mit Blaulicht und Sirene. Alle Ampelkeuzungen, die wir passierten waren

in alle Richtungen auf Rot geschaltet. Da winkten uns Verkehrspolizisten bei rot einfach durch.

Von einem Minister und Handelskammerchef sind wir zum Mittagessen eingeladen worden. Die Gastfreundschaft

in diesen Ländern ist bekannt. Wir nahmen Platz und vor uns standen auch Wassergläser und in der Annahme.

dass wir Wasser eingeschenkt bekommen haben, hoben wir die Gläser und Ex damit. Es war aber Vodka. So ging eine

Runde um die andere.

 

Irkutsk bei Nacht im Flughafenrestaurant, da schreibe ich besser nichts, da ja viele der Passagiere Familie haben.

 

CROWD danke für Aufklärung, dass die Flieger in Kyzyl YAK-40 sind.l

 

MfG

mach2

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

h

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Wir trauten unseren Augen nicht, als eine Stewardess einen Trolly über eine kleine Türschwelle in die Hotelhalle rollen wollte.

 

:D Ha ha, ich lache mich fast tot, wenn ich mir das bildlich vorstelle. Ungefähr zwei Jahrzehnte vor jener beschriebenen Reise war ich eine Art von SXF-SVO-Pendler, aber mein Vater hatte einen Aeroflot-Boykott verhängt. Grund: die blöden Servierwagen an Bord, die den Gang versperrten und dauernd klemmten. Interflug hingegen war damals noch altmodisch und servierte alles zu Fuß per Hand. Allerdings gab es IMMER ein kaltes halbes Hähnchen mit kalten Beilagen. Dafür gab es keine UMs und ich konnte als Kind völlig problemlos (oder desorganisiert?) allein fliegen.

 

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nochmal vielen dank für deinen beitrag. mich faszinieren vor allem diese alten, angegilbten fotos. da fühlt man sich wirklich wieder richtig in die zeit vor dem fall des eisernen vorhangs zurückversetzt. poste gerne nochwas, wenn du mehr erfahrungen hast. hat spaß gemacht, den bericht zu lesen.

 

gruß, herb

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