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dertino

[FLIGHT/STAYREPORT] CGN - MZR via TMJ mit GAF (+ Bilder TMJ)

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Trip / Fligthreport

 

Ein außergewöhnlicher Trip stand auf meinem „Flugplan“. Ich sollte ein paar Tage nach Masar-I Sharif ins überwiegend deutsche Camp Marmal. Wem das nichts sagt, dies ist derzeit die Schaltzentrale der Bundeswehr im Rahmen der ISAF Operationen in Nordafghanistan. (http://de.wikipedia.org/wiki/Camp_Marmal)

 

Dass dies kein normaler und zudem auch risikobehafteter Trip sein sollte, zeigten schon die unzähligen Voraussetzungen. Allein mit Kreditkarte und Zahnbürste konnte und sollte man hier nicht weiterkommen. Nachdem die Vorbereitungen, darunter unzählige Dokumente, für diese Reise abgeschlossen waren kam dann auch die Flugbestätigung per eMail (das eTix der Luftwaffe):

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Einen kleinen Hacken hatte das ganze, Start und Ziel war jeweils der Flughafen Köln/Bonn, natürlich der militärische Teil in Köln Wahn. Das erste und letzte Leg München-Köln wurde deshalb mit dem Fahrzeug zurückgelegt. Von Köln Wahn ging es dann mit Zwischentop in Termez (Usbekistan) nach Masar-I Sharif. Der Rückweg wurde analog geflogen, dabei ist in Termez jeweils eine Übernachtung vorgesehen. (so die angedachte Planung!)

 

Gemäß Flugbestätigung war ich auch rechtzeitig, um genau zu sein 3,5h, vor Abflug am militärischen Check-In Bereich in Köln Wahn:

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Im Hintergrund schon gut zu erkennen der Abfertigungsneubau, in welchen die Flüge demnächst durchgeführt werden sollen. (geplant war die Fertigstellung im Sommer 2007!(1))

Derzeit wird alles in dem etwas kleineren und leicht baufälligen Terminal durchgeführt. Pünktlich 3h vor Abflug öffneten dann die 5 verfügbaren Schalter. So vergingen keine 5 Minuten bis ich meine Bordkarte für den Flug nach Termez in der Hand hielt.

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Das der Platz im derzeitigen Gebäude vorn und hinten recht eng bemessen ist, sieht man auch daran, dass der Sicherheitsbereich in einem Zelt auf dem Flughafenvorfeld ausweichen musste. Bis hierhin unterscheidet sich ein normaler Flug so gut wie gar nicht, Sicherheitskontrollen sind hier genauso streng wie an jedem anderen Flughafen, wenn nicht sogar schlimmer. Die 8kg Handgepäck wurden genau abgewogen und es durfte kein Kilo zu viel mit. Das führte zu einer kurzen Diskussion, da ich mit 10,5kg leider diese definierte und nirgends bekanntgegebene Höchstgrenze um 2,5kg überschritt. Nur soviel, ich brauchte nichts auspacken, das Argument der Overhead Locker hält maximal 10kg, habe ich mit einem kleinen Grinsen beantwortet.

 

Sicherheitsschleuse im Abflugbereich:

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Wartebereich vor dem Abflug:

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Das Zelt ist zwar keine Lufthansa Lounge aber man konnte die Wartezeit recht gut überbrücken. Für den Hunger zwischendurch gab es Wiener und kleine Snacks an der blauen Bar in der Mitte des Zeltes gegen Bares. Die übrige Ausstattung beschränkte sich auf folgendes Interieur:

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Eine halbe Stunde vor Abflug wurden dann die Zelttore geöffnete und es ging Standesgemäß in Bundeswehr Bussen zum bereitstehenden Airbus. Eine Schlechtwetter Meldung aus Termez verzögerte zwar den Abflug um eine halbe Stunde. Gesamtgesehen war dies nicht so tragisch, da der Anschlussflug eh erst am nächsten Tag stattfinden sollte.

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German Air Force

Airbus A310 MRT

CGN - TMJ

 

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Das Entertainment an Bord des Airbus A310 beschränkte sich leider nur auf die beiden folgenden Zeitschriften, aber der eigene MP3 Player und Laptop lassen die Zeit recht schnell vergehen.

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Die mehreren Getränkeumläufe und das erstklassige Lufthansa essen taten da Ihr übriges für einen sehr entspannten Flug. Neben dem Non Smoking Flug, ist dies natürlich auch ein Non Alcoholic Flug.

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Nach genau 6 Stunden Flugzeit landeten wir im nächtlichen und ungewohnt dunklen Termez. Ab jetzt wird der Unterschied zu "herkömmlichen" Flügen deutlich sichtbar. Einzeln nach namentlichem Aufruf wird dann im PAX Bereich zuerst auf das Gepäck gewartet bevor es später noch einen kleinen Happen zu essen gibt. Hierbei bekommt man aber nicht das komplette Gepäck zurück, sondern dies wird für den folgenden Weiterflug vorbereitet und eingecheckt. Man entnimmt somit nur Utensilien die für eine Nacht zwingend benötigt werden (Schlafsack, Zahnbürste etc.).

 

Um die Gegebenheiten in Termez etwas besser zu beschreiben, bediene ich mich einem Zeitungsartikel:

"Die Soldaten des Flughafens weisen den Ankömmlingen das Unterbringungszelt mit mehreren Feldbetten zu. Jeder sucht sich seine Liege. Morgens gibt es Frühstück anschließend geht's weiter in der Transall. In Termez sind die Witterungsbedingungen immer extrem, Sommer sehr heiß, im Winter knackig kalt. ... Das Flughafengelände darf nicht verlassen werden."

Da gibt es bis auf folgenden Sachverhalt nicht mehr viel Hinzuzufügen:

"Um die Wartezeit ein wenig zu versüßen, gibt es hier ein grosses Betreuungszelt mit kleiner Bar, Tischkicker und Sitzmobiliar."(2)

Einblick in den Wartebereich:

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Nach einer Nacht, im zum Glück recht gut geheizten Zelt, ging es am nächsten Tag Richtung Masar - I Sharif. Der Abflug konnte durch ein schnelles Boarding pünktlich gehalten werden. Hier zeigt sich der Vorteil einer Transportmaschine, alle passen mit einem mal hinein. Aus dem Bus aussteigen, hinein ins Flugzeug, Sitzplatz aussuchen, Handgepäck unter den Sitz verstauen, Ohropaxs oder MP3 Player ins Ohr fertig. Dauerte bei allen zusammen nicht mehr als 5 Minuten. Nachteil der Transall... man sieht nix vom Flug. So war der Kurzflug nach 15 Minuten Flugzeit leider auch schon zu Ende. Klappe auf, alle raus und da sind wir. Teil Eins der Reise abgeschlossen. Aufstehen ist wegen der nicht einschätzbaren Sicherheitslage mit verbundenen Ausweichmanövern während des Fluges verboten. Da die Passagiere alle in Flugrichtung sitzen, ergibt sich bei Start und Landung ein sehr interessantes Bild und Feeling.

 

Spätestens, wenn sich der Flugbegleiter oder besser Lademeister die schusssichere Weste anzieht, sollte man sich im Klaren sein, wo man sich ab jetzt befindet!

Bevor ich jetzt auf die Odyssee Rückflug eingehe ein paar Flughafenbilder aus der Afghanischen Gegend.

 

Terminal Masar-I Sharif

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Flughafen Kunduz:

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Flughafen im Westen von Afghanistan:

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Durch Umplanungen der Rückflüge blieb mir jetzt ein erneuter Nachtaufenthalt in Termez erspart. Gegenüber der Erstplanung war nun ein Flug am Morgen zurück nach Termez mit anschließendem Weiterflug nach Köln angesetzt. Diese theoretische Planung konnte aber wegen schlechtem Wetter in Usbekistan nicht gehalten werden und die bevorstehenden Rückflüge wurden kurzfristig um einen Tag verschoben. Stellte für mich kein Problem dar, hatte eh noch viel zu arbeiten.

 

Damit die Flexibilität der einzelnen Reiseteilnehmer getestet werden konnte, wurde der Rückflug dann doch, leider recht kurzfristig abgeändert. Geplant war nun wieder eine Übernachtung in Termez, was einen sofortigen Rückflug nach Termez bedeutete. Gesagt getan, 2h später waren wir wieder mit einer Transall in Usbekistan gelandet. Sicherheitskontrollen oder ähnliches sind auf dem Transportflug von Masaz-I Sharif aus nicht vorgesehen. Das Gepäck wird dabei direkt den Lademeistern übergeben. Die Wartezeit wird dann in einer kleinen und gemütlichen Wartehalle verbracht, bevor es mit dem Shuttlebus Richtung Transall geht. Eigentlich kein Unterschied zu einem europäischen Flughafen mit Bustransfer zum Flugzeug.

In Termez angekommen, erreichte uns leider die Botschaft, dass der Rückflug mit unserem A310 erneut abgesagt wurde und der nächste Versuch erst in ein paar Tagen, wenn sich das Wetter verbessert hat, durchgeführt wird.

Was soll ich sagen, es wurden dann 4 Nächte, die man in Termez verbringen musste. Außer warten blieb leider nicht viel anderes übrig. Zum Glück konnte man aber den Flugverkehr des Flughafens sehr gut verfolgen:

YAK 40 nach Taschkent, klein aber macht Lärm für 5 Flugzeuge:

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Antonov AN-24B

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YAK 40 (im Hintergrund auch endlich unser Airbus zu sehen)

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Highligt am Sonntag, die B757 nach Moskau:

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Ilyushin IL-114-100

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Antonov AN-2

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Impressionen vom Flughafen Termez.

Verwaltungsgebäude:

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Fahrzeugpark:

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Tankfahrzeuge und Wartungsbereich:

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Terminal Termez:

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Shuttle Bus (wird aber nur für die BW verwendet, Boarding in Temez heißt im Normalfall erreichen des Flugzeuges zu Fuß)

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Erstaunt war ich über die Pünktlichkeit der Maschinen, jede von mir beobachtete Maschine ging absolut pünktlich auf die Piste.

 

Nachdem sich das Wetter besserte konnte der Airbus aus Köln wieder Richtung Usbekistan starten und die „gestrandeten“ abholen. Ab hier war dann wieder deutsche Gründlichkeit am Werk. Gepäckkontrolle mit Spürhunden, Sicherheitsbereich (dafür wurde ein Bereich des Lagers abgesperrt) mit anschließendem Bus Transfer zum Airbus.

Boarding diesmal ohne Boarding Pass aber namentlich und mit freier Sitzplatzwahl.

 

Trotz der moderneren Airbus Ausstattung wurden die Monitore nur für das Sicherheitsvideo verwendet. Dafür gab es neben der eigenen MP3 Musik auch Musik aus der Armlehne. Der sehr ruhige Flug endete nach 6,5 Flugstunden wieder am Flughafen Köln Wahn. Wobei ich nach dem leckeren Essen leider die Hälfte verschlafen hatte. Obwohl es nicht so aussieht, sind die Sitze sehr bequem und die Beinfreiheit überaus gross bemessen.

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Alles in allem eine neue und mit vielen Eindrücken verbundene Erfahrung, die ich auf keinen Fall missen möchte. Auch wenn das Risiko in Masar-I Sharif doch stetig präsent und nicht zu unterschätzen ist!

Falls ihr trotzdem mal in den Genuß kommen solltest über Termez zu fliegen, auf keinen Fall das Sportzeug vergessen, das Essen war super und schlägt sich direkt auf den Hüften wieder.

 

Den nächsten Tripreport gibt es vermutlich erst im Oktober, der Weite Westen ruft dann wieder

 

 

(1) Luftwaffe Neubau Abflugbereich

 

(2) Y. Magazin der Bundeswehr, 8. Jahrgang Nr. 12,Bundesministerium der Verteidigung, Berlin, 2008, Seite 52

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Superinteressanter Bericht! Das liest man nicht alle Tage und es ist wirklich interessant mal zu lesen wie solche Militärflüge aussehen.

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>Wer hat den service an bord gemacht?

Das "Servicepersonal" wurde von Soldaten der Flugbereitschaft bzw. von zivilen Angestellten dieser Einheit bereitgestellt.

 

>Bist du "Zivilist" falls ja, wie kommt man solche Trips?

Im Einsatz sind viele deutsche Firmen, die mit der Bundeswehr zusammenarbeiten. Dabei wird auch vor Ort das Firmenpersonal eingesetzt. Zum Beispiel Kraus Maffei und einige Baufirmen. Um Vielleicht mal eine Größenordnung zu geben, beim Hinflug waren ca. 30 "Zivilisten" dabei.

 

Gruß

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Kann mich meinem Vorredner nur anschliessen, sehr interessant, danke!

dito! Auch nett zu sehen, dass die alte Abfertigungsbaracke in Wahn noch steht und genutzt wird :)

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Toller Bericht, herzlichen Dank! Schade, dass mir als Zivilist/Nicht-Kontraktor die Trall immer versagt bleiben wird, das waere echt mal fein. Aber Ariana sieht ja auch nett aus im Log, wenn ich dann dereinst mal Afghanistan unsicher mache ;-)

 

Durftet Ihr auf dem Rueckflug beim dem, oem, etwas laengeren, Umsteigen den Flughafen auch nicht verlassen? Was macht man vier Tage im Zelt?

 

Hast Du Bilder von den Trall-Fluegen?

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Na das nenn ich mal einen außergewöhnlichen Trip Report, den fand ich richtig lesenswert.

 

Als ich das Bild von der an Bord verteilten Zeitschrift mit dem großen Y gesehen hab, hab ich einen Moment lang tatsächlich geglaubt die Bundeswehr hätte Yps-Hefte an Bord ;-)

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Durftet Ihr auf dem Rueckflug beim dem, oem, etwas laengeren, Umsteigen den Flughafen auch nicht verlassen?

Nein, ohne Visum kein verlassen des Transitbereiches.

 

Was macht man vier Tage im Zelt?

Nix bzw. warten auf besseres Wetter.

 

Ich kann hier nur die Reportage von Kabel 1 empfehlen, die vorkurzem ausführlich über Termez bereichtet hat:

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