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[HOTS] Teil 2: Freizeitpark-Rundreise durch die Südstaaten der USA

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So, es hat etwas länger gedauert als gedacht, aber hier ist nun der zweite Teil meines Trip-Reports zur Heat of the South Tour (HOTS) von onride.de aus dem Jahr 2017. Ich habe versucht, mich kurz zu halten. Ist leider nicht ganz so gut gelungen, aber zu viel auslassen wollte ich dann auch wieder nicht. Für den Fall, dass jemand mit den paar Bildern und dem vielen Text nix anfangen kann, verlinke ich zusätzlich die "offiziellen" Videos zu jedem Tag. Die wurden jeweils recht zeitnah zusammengeschnitten und hochgeladen, damit die Zuhausegebliebenen immer wussten, was wir gerade so unternommen hatten. Für ein paar bewegte Eindrücke der Parks sicherlich nicht schlecht. Sollte es darüber hinaus Unklarheiten oder irgendwelche Fragen geben, stehe ich euch natürlich jederzeit zur Verfügung, auch per PN. Und wen das alles gar nicht interessiert, der wechsle bitte direkt zu Teil 3 mit dem Rückflug - sobald er dann mal fertig ist. Aber jetzt zurück zum Trip-Report:

 

 

Mit einer kleinen Gruppe war ich am 01.06.2017 von Frankfurt nach Houston gereist und hatte bereits das Space Center und den San Jacinto Battleground besichtigt. Mit Ankunft der Hauptgruppe am George Bush Intercontinental Airport begann zwei Tage später die offizielle Heat of the South Tour.

 

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Der Bus brachte uns zunächst nochmal kurz zum Hotel, am Abend ging es dann nach Galveston Island zum ersten Freizeitpark der Tour.


03.06.2017 Galveston Island Historic Pleasure Pier

 

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Wobei Freizeitpark ein wenig übertrieben ist, es handelte sich vielmehr um ein Pier. Den Galveston Island Historic Pleasure Pier.

 

Galveston selbst war einst eine bedeutende Hafenstadt und eine der einwohnerreichsten Städte in Texas. 1836 war sie sogar eine von fünf temporären Hauptstädten der unabhängigen Republik Texas. Nach einem schweren Hurrikan büßten aber nicht nur über 6000 Menschen ihr Leben, sondern Galveston auch seine Bedeutung ein. Heute dienen die Strände am Golf von Mexiko eher als Naherholungsgebiete und Touristenziele. Außerdem gibt es mehrere Museen, einen großen Wasserpark (Schlitterbahn Galveston), einen botanischen Garten und eben den von uns angesteuerten Freizeitpark. Der Pier wurde wohl 1943 als Erholungseinrichtung für das Militär errichtet, wenig später entstand der originale Pleasure Pier. 1961 musste dieser allerdings schließen, weil Hurrikan Carla den Pier schwer beschädigte. Stattdessen eröffnete 1965 das erfolgreiche Flagship Hotel über dem Golf von Mexiko. Hurrikan Ike beendete die Ära des Hotels 2008 wiederum mit erheblichen Sturmschäden. Nach einer umfangreichen Renovierung des Piers konnte 2012 schließlich der neue Pleasure Pier die ersten Besucher begrüßen. Historic ist also wirklich nur der Name, die Attraktionen sind allesamt noch recht jung.

 

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Zu besagten Attraktionen zählt auch eine Achterbahn des deutschen Herstellers Gerstlauer namens Iron Shark.

 

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30 Meter hoch, äußerst kompakte 380 Meter lang und eine tolle Lage so direkt über dem Meer.

 

Außerdem hat der Park noch einen 70 Meter hohen Starflyer (eine Art Kettenkarussell), ein Riesenrad, ein paar sonstige Fahrgeschäfte und auch eine Wildwasserbahn zu bieten. Letztere ist mit Spritzschutzwänden versehen, die verhindern sollen, dass zu viel Wasser verloren geht. Die schicken die vom Boot ausgelöste Welle dann eben zurück und in dieses hinein, sodass man ordentlich erfrischt aussteigt.:D

 

Fazit: Der Galveston Island Historic Pleasure Pier ist zwar noch nicht sonderlich alt, versprüht aber dennoch ein wenig den Charme vergangener Zeiten. Das Attraktionsangebot ist aufgrund des begrenzten Platzangebotes natürlich eingeschränkt, aber mit der unerwartet nassen Wildwasserbahn, dem zwar etwas ruppigen aber dennoch ganz guten Iron Shark und den verschiedenen Flatrides für alle Altersklassen ist man dennoch ziemlich gut aufgestellt. Zumal sich die Lage am und über dem Golf von Mexiko hervorragend eignet, um einfach mal ein wenig herumzuschlendern und den Tag zu genießen. Also ein idealer Auftakt für eine solche Freizeitpark-Tour, nicht nur für die gerade erst in Houston gelandeten.

 

https://www.youtube.com/watch?v=CiSxYyOyBhQ

(Die Kirmes hatte nur eine kleine Gruppe besucht, ich war nicht dabei.)

 


04.06.2017 Kemah Boardwalk

 

Der zweite Tourtag sollte laut Plan der einzige sein, an dem wir zwei Parks besuchen sollten. Auch wenn mich das bei einer Entfernung von knapp zweihundert Meilen und über dreieinhalbstündiger Fahrzeit etwas skeptisch werden ließ. Trotzdem sollten wir am ersten Ziel des Tages schonmal ausreichend Zeit zur Verfügung haben. Denn die Ankunft war für 10 Uhr und somit eine halbe Stunde vor Parköffnung geplant, vier Stunden später sollte der Bus wieder rollen...

 

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Man erwartete uns bereits und begrüßte uns mit einem Banner im 1997 eröffneten Kemah Boardwalk.

 

Der gehört genau wie der Pleasure Pier am Tag zuvor zum Unternehmen Landry's, weshalb wir einen Weekend Adventure Pass hatten, der neben Pier und Boardwalk auch im Downtown Aquarium in Houston hätte genutzt werden können (und zwar Freitags bis Sonntags). Aber wir waren ja nicht zum Fische gucken hier. Deswegen hatten wir die einzige Achterbahn des Parks eine halbe Stunde lang für uns allein.

 

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Und was für eine! Der 2007 eröffnete Holzhaufen katapultierte sich direkt an die Spitze meiner Lieblings-Holzachterbahnen.

 

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Nicht zuletzt dank des kompakten Layouts mit 42(!) Schienenschnittpunkten. Laut Park Weltrekord bei einer Holzachterbahn.:o

 

Highspeed von vorne bis hinten, wobei man ständig durchs Gebälk der übrigen Streckenabschnitte jagt. Das ganze gepaart mit rasanten Hüpfern, flotten Umschwüngen und angemessenen Fahreigenschaften. Vorne ist die Fahrt dabei etwas sanftmütiger, das gewisse Etwas entfaltet sie aber erst in den hinteren Reihen, weshalb ich fast die gesamte halbe Stunde in der vorletzten Reihe verbrachte. Für mich DIE Überraschung der Tour, denn zuvor hatte ich den Park überhaupt nicht auf dem Schirm. Ansonsten hat man nämlich lediglich ein paar Kirmes-Fahrgeschäfte zu bieten.

 

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Einzig das Boardwalk Beast hätte uns noch interessiert, für das aufpreispflichtige Speedboot war aber vermutlich das Wetter zu schlecht.

 

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Die Parkeisenbahn führte immerhin noch in ein paar idyllischere Bereiche entlang diverser Restaurants bis hin zum parkeigenen Hotel und einem Aquarium.

 

Sich dann mit 16 Personen im Saltgrass Steak House anzumelden war aber nicht ganz so clever. Statt uns einfach auf die diversen Tische aufzuteilen, wurde alles verrückt und eine lange Tafel für uns gebildet. War natürlich gut gemeint, dauerte aber einfach unnötig lange. Das Steak war dafür extrem lecker. Im Rückblick sogar das beste Essen der gesamten Tour. Anschließend wagte ich noch zwei Fahrten mit dem Boardwalk Bullet, was zeitlich sehr knapp wurde. Völlig außer Atem erreichte ich aber gerade noch rechtzeitig den Bus (dass er ungeachtet der Vollzähligkeit zur angekündigten Zeit einfach abfährt, hatte unser Reiseleiter bei vorherigen Touren schon mehrfach bewiesen9_9).

 

Fazit: Den Kemah Boardwalk hatte ich überhaupt nicht auf der Rechnung. Bis kurz vor unserer Tour an anderes Forenmitglied mit der Schule in Texas war und vom grandiosen Boardwalk Bullet schwärmte. Aber die von ihm geschürten Erwartungen konnten sogar noch übertroffen werden. Trotz der hammermäßigen Nacht-ERT auf Boulder Dash zwei Jahre zuvor konnte sich der Boardwalk Bullet mit seinem verschlungenen Highspeed-Layout quer durch das eigene Gebälk in Windeseile auf den ersten Platz meiner Lieblings-Woodies katapultieren. Die übrigen Fahrgeschäfte sind halt Standardware und könnten auch etwas schöner gestaltet sein. Dass man das kann, zeigt der hintere Bereich des Boardwalks mit seinen vielen Restaurants und Shops. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau, Hauptsache dem Boardwalk Bullet geht's gut.;)

 

 

ZDT's Amusement Park

 

Auf der knapp dreistündigen Fahrt ins Landesinnere durchfuhren wir mal wieder einen kräftigen Regenschauer, an unserem zweiten Tagesziel etwas östlich von San Antonio sollte es dann aber glücklicherweise wieder trocken sein. Etwa gegen 17:40 Uhr erreichten wir den Ort Seguin, laut Wikipedia eine der ältesten Städte in Texas, gegründet kurz nach der texanischen Revolution. Mitten im Ort befand sich einst ein Lebensmittelbetrieb, der von Getreidelagerung bis Fleischverarbeitung so ziemlich alles zu bieten hatte. Leider konnte ich nicht herausfinden, wann und warum das Unternehmen den Betrieb einstellte. Jedenfalls kam die Familie Donhauser irgendwann auf die Idee, das Gelände für einen Freizeitpark zu nutzen, wobei die vorhandenen Gebäude allesamt erhalten blieben und der neuen Nutzung entsprechend umgebaut wurden. Dort wo früher die Lebensmittel für den Verkauf vorbereitet wurden, befindet sich heute beispielsweise der Eingang zum Park. Außerdem ist das Gebäude voll mit diversen Spielautomaten. Mit gerademal 4 Hektar ist das Platzangebot für den Park natürlich sehr begrenzt, weshalb man sich eher auf Familien fokussiert hat. Deswegen hat man bei der Namensfindung für den Park auch die eigene Familie herangezogenen, die drei Kinder - Zac, Danielle und Tiffany - stellen die Anfangsbuchstaben ihrer Namen für das ZDT.

 

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Aus der Historie ergibt sich ein netter Industriecharme, die alten Getreidesilos dienen heute als Kletterwand.

 

Wir waren aber natürlich wegen der 2015 eröffneten Achterbahn hier. Die ist mit 19 Meter Höhe und einer Streckenlänge von nur etwas über 360 Metern auf dem Papier zwar nicht sonderlich groß, schlängelt sich aber durch einen großen Teil des Parks und wirkt vor Ort damit schon völlig überdimensioniert. Bei insgesamt gerademal 12 Attraktionen leistet sich schließlich nicht jeder Park den Luxus einer Achterbahn. Von einer Holzachterbahn ganz zu schweigen. Und erst recht keine Weltpremiere. Also außer ZDT's natürlich. Zu Beginn ist bei Switchback noch alles normal, der mit nur 4 Reihen extrem kurze (aber wirklich sehr schön gestaltete) Zug wird wie üblich einen Lifthill hinaufgezogen und stürzt sich nach einer engen Wende wieder in die Tiefe. Nach einem Hügel rauscht man unter dem Vordach einer Halle hindurch, wobei man den Pfeilern schwungvoll ausweicht.

 

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Eine erste Besonderheit ist dann eine Wendekurve mit 104° Querneigung, die durch eine Ecke der bereits angesprochenen Halle hindurchführt.

 

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Die Weltneuheit ist aber der sogenannte Grand Spike, dank dem die Bahn auch den Rekord der steilsten Holzachterbahn der Welt ihr Eigen nennt.

 

Und falls sich jetzt jemand wundern sollte: Nein, man hat nicht vergessen, die Bahn fertig zu bauen. Das soll so. Es handelt sich nämlich um den weltweit einzigen Wooden Shuttle Coaster. Der Zug rast also diesen 87° steilen Spike hinauf, rollt aus (wobei das Steckenende im Zug sitzend wirklich verdammt nah erscheint) und absolviert das zuvor erlebte Layout nochmals rückwärts. Leider natürlich deutlich langsamer, sodass man kaum noch aus dem Sitz gehoben wird und in der übergeneigten Kurve doch ziemlich unmotiviert herumhängt. Nur, wie kommt der Zug wieder in die Station, er ist ja jetzt zwischen den beiden höchsten Punkten des Layouts gefangen? Nun, zwischen der ersten Abfahrt und dem ersten Hügel befindet sich eine kleine Gerade, auf der der zurückkommende Zug bereits leicht abgebremst wird. Die Abfahrt kommt er so nur knapp zu einem Drittel hinauf, ehe er wieder die Richtung wechselt und auf der Geraden schließlich zum Stehen kommt.

 

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Über eine Weiche gelangt er dann wieder in die Station.

 

Clevere Sache, so können nämlich theoretisch zwei Züge eingesetzt werden, was bei einem Shuttle-Coaster ansonsten ja schwierig wird. Ich fand die Anlage zudem richtig gut, eine echte Spaßmaschine. Da man zudem (obwohl nur einer der beiden Züge eingesetzt wurde) maximal eine Fahrt warten musste, konnte ich mich kaum von Switchback lösen. Lediglich das Abkürzen über die Wand zwischen Ausgang und Wartebereich wurde auf Dauer etwas anstrengend, sodass ich irgendwann doch mal den Rest des Parks erkundete.9_9

 

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Der Wasserpark - bestehend aus ganzen zwei Rutschen - war bereits geschlossen.

 

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Zweites Highlight war die Kartbahn in und an einer alten Fabrikhalle.

 

Die Elektro-Karts waren zwar nicht wahnsinnig schnell, aber gerade in einer solchen Gruppe hat man seinen Spaß bei solchen Sachen. Auch wenn die Akkus nach zwei Rennen über je drei Runden immer eine kleine Pause zum Laden brauchten, weshalb man hier doch etwas länger warten musste. Ansonsten hat der Park wie gesagt (noch) nicht viel zu bieten, aber er zeigte sich äußerst sympathisch. Ein gemeinsames Essen in Form von Pizzastücken gab es auch noch, gegen 20 Uhr schloss der Park dann für die normalen Besucher.  Wir durften uns dagegen noch etwa eine Dreiviertelstunde lang auf der Achterbahn vergnügen - auch wenn man jetzt quasi länger warten musste als tagsüber.xD

 

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Anschließend brachte uns der Bus ins Best Western Plus Fiesta Inn, fast schon in Sichtweite zu Six Flags Fiesta Texas.

 

River Walk San Antonio

 

Den ersten großen Park der Tour sollten wir aber erst am übernächsten Tag besuchen. Jetzt mussten wir uns erstmal mit einem kurzen Überblick vom Highway aus begnügen. Unterdessen war im Bus der Plan verkündet worden, den Abend noch für einen kurzen Abstecher in die Stadt zu nutzen. Dank der Empfehlung eines Freundes gab es für mich da eigentlich keine Wahl. Beverly hätte die kleine Gruppe auch gerne mit dem Bus gefahren, aber unser Reiseleiter war da verständlicherweise nicht ganz einverstanden (Versicherung und so). So trafen wir uns nach dem Einchecken vor dem Hotel und versuchten, uns den Interessen entsprechend aufzuteilen und ausreichend Uber zu bestellen - gar nicht so leicht...

 

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Um 21:30 Uhr erreichten wir dann aber doch endlich die Fackel der Freundschaft vor dem Tower of the Americas.

 

Ganz unbewusst, denn damit wir uns alle wieder finden, hatten wir einen McDonald's als Treffpunkt ausgemacht. Unser Fahrer ließ uns auch direkt davor raus, sodass wir diese 20 Meter hohe Skulptur inmitten eines Kreisverkehrs ausgiebig bestaunen konnten. Denn die anderen Gruppen wurden teilweise auf der anderen Seite des Blocks abgeladen und mussten entsprechend erstmal zu uns finden. La Antorcha de la Amistad, wie die Skulptur offiziell heißt, war ein Geschenk Mexikos an die Stadt und wurde 2002 eingeweiht. Der 230 Meter hohe Tower of the Americas im Hintergrund war von 1968 bis 1996 der höchste Aussichtsturm in den USA. Heute ist er noch immer das höchste Gebäude in San Antonio. Seit 2004 wird der Tower mit seinem Restaurant in 168 Metern übrigens auch von Landry's (Galveston Island Historic Pleasure Pier und Kemah Boardwalk, falls es jemand schon vergessen haben sollte) betrieben, die wohl zusätzlich ein 4D-Kino, einen Souvenirshop und ein Café am Boden hinzugefügt haben. Eigentümer ist aber weiterhin die Stadt San Antonio.

 

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Wir waren aber primär wegen des River Walks hier.

 

Also zumindest unsere vierköpfige Truppe. Die anderen wollten zunächst zum ganzjährigen Haunted House Ripley's Haunted Adventure, bzw. dem zugehörigen interaktiven Darkride Tomb Rider 3D. Wir hatten darauf nicht so recht Lust und suchten lieber etwas zu essen (die Pizza in ZDT's war ja nur eine Kleinigkeit für Zwischendurch). Das sollte am River Walk doch eigentlich kein Problem sein. Dachten wir...

 

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Eine Etage unter dem Straßenlärm kann man hier regelrecht in eine andere Welt abtauchen.

 

Dabei sollte der idyllische, hufeisenförmige San Antonio River mitten in der Stadt schon zugeschüttet werden. Nach diversen Überflutungen, zuletzt einer besonders schlimmen im Jahr 1921, wollte man die Stadt vor weiteren Flutkatastrophen schützen. Stromaufwärts wurde daher der Olmos Dam errichtet, der die Wassermassen schon vor Erreichen der Stadt aufhalten sollte. Außerdem wurde eine Abkürzung für den Fluss geschaffen, sodass der hufeisenförmige Flusslauf durch die Stadt abgetrennt werden konnte. Er sollte anschließend einfach zugeschüttet werden, sodass der Fluss aus der Stadt verbannt worden wäre. Glücklicherweise gab es dagegen diverse Proteste und der Architekt Robert Hugman stellte seine ersten Pläne für den heutigen River Walk vor. Damals war das allerdings wohl noch eine eher gefährliche Gegend und die Idee fand nicht sonderlich viel Anklang. Bis 1939 stieg die Zustimmung aber, sodass schließlich über 5000 Meter Fußwege und mehr als 20 Brücken errichtet wurden. Später wurde sogar noch ein zusätzlicher Ausläufer zum Tower of the Americas anlässlich der dortigen Weltausstellung 1968 angelegt.

 

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Rund um die idyllische Bepflanzung haben sich zahlreiche Restaurants und Bars angesiedelt. Diverse kleinere und größere Wasserfälle lockern das Bild zusätzlich auf.

 

Ein Restaurant, welches uns zusagte - sowohl preislich als auch vom Angebot - fanden wir aber leider nicht. Zumal viele davon bereits geschlossen hatten oder im Begriff waren dieses zu tun. So verließen wir den River Walk schließlich und stürzten uns wieder ins Getümmel der Großstadt. Der Konsens war, nun einfach einen der Fast-Food-Läden aufzusuchen, ehe wir per Uber wieder ins Hotel zurückkehrten.

 

Fazit: Dass ZDT's Amusement Park ein eher kleiner Park ist, war mir bewusst. Aber SO klein hatte ich ihn dann doch nicht erwartet. Die Attraktionen halten sich entsprechend in Grenzen, den größten Teil macht wohl die Arcade aus. Im Vergleich dazu wirkt Switchback einfach völlig fehl am Platz, wenngleich die Einbindung der alten Gebäude - wie bei allen Attraktionen - hervorragend gelungen ist. Das gibt dem recht jungen Park ein cooles Industrie-Flair und wirkt, als würde das alles schon Jahrzehnte so dort stehen. Einzig die beiden Wasserrutschen passen für mich wirklich nicht dazu, da müsste einfach mehr her für einen halbwegs vernünftigen Wasserpark - wobei auch der Freizeitpark an sich gerne noch die ein oder andere Attraktion vertragen könnte.
Und der River Walk war ein schöner Abschluss dieses trotz zwei Parks noch recht entspannten Tages. Da hat man sich eine wirklich gelungene Oase mitten in der Stadt geschaffen, an der man wunderbar flanieren und dinieren kann - wenn man denn das passende Restaurant für sich findet.

 

https://www.youtube.com/watch?v=NUlVYHEjdto

 


05.06.2017 Schlitterbahn New Braunfels

 

Tag drei der diesjährigen USA-Tour stellte eine kleine Besonderheit dar: Für heute stand nämlich keine einzige Achterbahn auf dem Programm. Auch wenn die ein oder andere Attraktion den Begriff Coaster im Namen trägt. Stattdessen war noch ein etwas feuchter Entspannungstag angedacht, bevor es mit Six Flags am nächsten Tag dann endlich richtig losgehen würde. So ging es wieder zurück in die Nähe des gestrigen Zieles, aber noch ein klein wenig nördlicher. Genauer gesagt nach New Braunfels, einem 1845 von Carl Prinz zu Solms-Braunfels gegründeten Örtchen. Die Gründung geschah im Auftrag des Vereins zum Schutze deutscher Einwanderer in Texas (kurz Mainzer Adelsverein), die Stadt hat also starke deutsche Wuzeln, was auch mit dem jährlichen "Wurstfest" gefeiert wird. Außerdem gibt es hier und rundherum viele deutsche und ans Deutsche angelehnte Namen. So auch bei unserem heutigen Ziel, Schlitterbahn.

 

Hierbei handelt es sich um einen 1979 gegründeten Wasserpark. Mit gerademal vier Rutschen gestartet ist er heute einer der größten und bekanntesten in den USA. Ende 2017 wurde er zum 20. (in Worten: zwanzigsten!) Mal mit dem Golden Ticket Award als bester Wasserpark ausgezeichnet - seit der Einführung dieses Awards konnte also noch kein anderer Wasserpark in dieser Kategorie gewinnen.
Bisher gibt es noch vier weitere Ableger vorwiegend in Texas. Besonders bekannt dürfte aber jener in Kansas City sein, wo 2014 mit Verrückt die höchste Wasserrutsche der Welt eröffnete. Die wird nach einem tödlichen Unfall 2016 aber schon wieder abgerissen. In New Braunfels gibt es dagegen nicht so wirklich viele hohe Rutschen. Das Augenmerk liegt hier eher auf den sogenannten Tube Chutes, besonders im älteren Parkteil. Doch dazu später mehr, denn wir wurden bei den neueren Bereichen abgeladen, in dem dann doch ein recht großer Rutschenturm zu sehen war. Am Eingang wurden wir begrüßt und mit sage und schreibe vier(!) Wristbändern für unsere ganzen Extras ausgestattet - bei mir zusätzlich zu den beiden noch vorhandenen aus Galveston/ Kemah und ZDT's. Nämlich einmal das übliche für den Eintritt - da das riesige Gelände an vielen Stellen frei zugänglich wäre, muss man eben per Wristband feststellen, wer sich da wirklich aufhalten darf) - und eines, welches uns zur Teilnahme an der ERT berechtigen sollte. Dazu eines zum kostenlosen Auffüllen des Trinkbechers, den man uns ebenfalls aushändigte, und noch eines für ein Eis - das allerdings nur einmalig, sodass dieses Wristband dann abgeschnitten wurde.

 

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Im "Themenbereich" Surfenburg hatte man uns einen Pavillion zur Verfügung gestellt, wo wir später auch Mittagessen bekommen sollten.

 

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Auch hier wieder mit Willkommens-Banner. Wobei das hier unserem Reiseveranstalter galt.

 

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Ganz in der Nähe durften wir uns dann bis zum Eintreffen der übrigen Besucher auf zwei Prototypen vergnügen.

 

Nämlich dem oben zu sehenden ersten Surfsimulator der Welt aus dem Jahr 1991, sowie dem 1994 quasi als Nebenprodukt eröffneten Master Blaster Dragon's Revenge. Bei letzterem handelt es sich um eine Rutsche, bei der man in Doppelreifen sitzend von kräftigen Wasserdüsen auch bergauf getrieben wird. Abgesehen von der Gestaltung konnte mich die aber nicht so richtig begeistern. Ganz im Gegensatz zur Boogie Bahn, bei der ich trotz meiner Erfahrung mit dem FlowRider im Center Parcs De Eemhof so meine Probleme hatte. Meist wurde ich einfach mit dem Wasser nach hinten weggetragen oder kam zu weit an die Seiten, wo der Wasserfilm zu dünn wird und man aufsitzt. Zumindest uns Anfängern hatte der Park aber auch eine durchaus gutaussehende Trainerin zur Seite gestellt, die sich mit uns in die Welle stürzte und lehrreiche Hinweise gab. Einmal schaffte ich es so immerhin, mich aufs Board zu knien - auch wenn die Trainerin das Board dabei gut festhalten musste. Der nächste Schritt wäre dann eine 360°-Drehung gewesen, dabei hat es mich dann aber doch wieder umgehauen. Coole Sache auf jeden Fall, auch wenn wir alle nichtmal annähernd mit den Profis mithalten konnten, die später am Tag dort ihre Kunststückchen vollführten.

 

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Den einzigen größeren Rutschenturm des Parks findet man im Bereich Blastenhoff.

 

Dort war ich aber gar nicht erst, da die gesamte Plattform schon kurz nach Parköffnung voll mit Besuchern war. Da reizten mich andere Dinge einfach mehr. Beispielsweise The Falls, ein knapp 1.100 Meter langer Wildwasserfluss ("world's longest waterpark ride"), auf dem sich die Besucher in ihren Reifen zwischen Blastenhoff und Surfenburg hin- und her treiben lassen können. So spart man sich den Fußweg am Parkplatz entlang. Mal recht ruhig, mal mit ein paar flotteren Abschnitten. Aber immer mit viel Spaß, besonders in der Gruppe. Hat man es einmal rum geschafft, bringt ein Förderband die Reifen samt Mitfahrern wieder nach oben. Nach zweieinhalb Runden stieg ich dann aus und wartete aufs gemeinsame Mittagessen. Gleichzeitig gab es eine kleine Gesprächsrunde mit einem Verantwortlichen des Parks. Angesichts der ein oder anderen Wolke kam auch die Frage nach wetterbedingten Schließungen auf. Aber solange es kein Gewitter gäbe, würde man den Betrieb ganz normal weiterführen. Es wäre schließlich ein Wasserpark, bei Regen hätte man also einfach nur einen 360°-Wasserpark. Genau das sollten wir dann wenig später selbst erleben, denn die gesamte Gruppe fuhr nach dem Mittagessen mit den Shuttle-Bussen in den knapp fünf Minuten entfernten älteren Parkteil. Die altertümlichen Busse haben dabei eine äußerst ökologische Klimaanlage, nämlich den Fahrtwind. Bis auf wenige Ausnahmen hat man einfach sämtliche Fenster ausgebaut. Schon irgendwie cool, in einem Bus sitzend den Ellbogen aus dem Fenster raushängen zu lassen. :D Unterwegs fing es dann auch tatsächlich an zu regnen.

 

Der ältere Parkteil beherbergt wie schon gesagt vorwiegend Tube Chutes. Das sind ein den Hang geschlagene Betonrinnen, die über weite Teile einem schmalen Lazy River gleichen, aber eben mit einigen Schussfahrten und Stromschnellen aufgewertet werden. Oft genug bleibt man dabei an den diversen Schwellen hängen und muss auf die nächste Welle warten, die einen dann weiter bringt. Ausgelöst in der Regel durch den nächsten Rutscher, ich fragte mich daher zwischendurch, wie wohl die letzten Rutscher des Tages da wieder rauskommen?9_9 In vielen der Zwischenbecken stehen auch junge Ferienjobber, die nichts weiter zu tun haben, als die Rutscher in ihren Reifen weiterzuschieben. Ein unfassbarer Personalbedarf, das kann man nur glauben, wenn man es persönlich erlebt hat. Einige der Tube Chutes gehen zudem ineinander über, sodass man von ganz oben startend durchaus gute 45 Minuten lang quer über das gesamte Gelände gleiten kann, bis man dann doch mal seinen Reifen verlassen muss. Dabei landet man zwischendurch sogar mal in einem Seitenarm des Comal River, auf dem man einige Meter dahintreibt, bevor man über einen letzten Tube-Chute-Abschnitt zum Ausstieg gelangt. Die übrigen Chutes sind dann aber doch etwas kürzer und zum Teil auch deutlich rasanter. Mein Highlight war die White Water Tube Chute, bei der man zunächst einen 270°-Kreisel absolviert, wobei man von einem Zwischenbecken zum nächsten gelangt (allein auf den paar Metern stehen schon drei Mitarbeiter). Dann wurde ich aber ziemlich kalt erwischt. Das letzte Becken verließ ich rückwärts. In der Erwartung, dass unter der Unterführung der nächste Schweller warten und man wieder fast stehen bleiben würde. Aber da hatte ich gründlich falsch gedacht. Aus dem Kreisel kommend schaukelt man in der Kurve durch die Unterführung nämlich schön weit hoch. Noch immer mit Blick auf die rückliegende Strecke fiel ich in ein nicht enden wollendes Loch. Also gefühlt. Aus der Kurve heraus geht es nämlich ungebremst eine lange Abfahrt (mit Lamellen zum Bremsen, also inklusive kostenloser Massage) hinunter. Sooo steil ist die zwar nicht, aber schön lang, und wenn man nicht drauf vorbereitet ist, krallt man sich doch lieber am grifflosen Reifen fest. Einfach unbeschreiblich geil. Später nochmal vorwärts fehlte dann doch ein bisschen der Thrill vom ersten Mal, aber Spaß machte das Ding trotzdem noch.

Die ein oder andere "normale" Rutsch gibt es dort zwar auch, aber davon habe ich nur eine einzige aus den Anfangsjahren des Parks getestet. Denn die Tube Chutes könnten zwar etwas mehr "Flow" vertragen, waren für mich aber interessanter als jede Rutsche - schließlich rutscht man mal mindestens fünf Minuten, ohne sich ständig neu anstellen zu müssen. Schlußendlich brachten uns die Shuttlebusse wieder zurück und nach ein paar Runden im Lazy River setzte ich mich in unseren Pavillon. Ich war noch nie eine große Wasserratte. Hier und da nehme ich gerne mal ne ordentliche Rutsche mit, aber irgendwann ist auch mal gut. Ich war einfach erschöpft. Dass es nun wieder zu regnen anfing, ließ die Lust weiter sinken. Wenig später wurde aus dem Regen dann ein richtiges Gewitter, sodass der Badespaß eh ein Ende hatte. Die Rückfahrt zum Hotel wurde dann auch vorverlegt, wir hatten ja soweit alles geschafft.

 

Fazit: Ob Schlitterbahn New Braunfels nun der beste Wasserpark der Welt ist, müssen andere entscheiden. Mir fehlen da einfach die Vergleiche. Die neueren Bereiche (wenn auch nicht wirklich ausgiebig getestet) konnten bei mir jedenfalls nicht richtig einschlagen - trotz der sehr coolen ERT auf dem weltweit ersten Surf-Simulator. Einzig The Falls konnte mich begeistern. Vermutlich aufgrund der Ähnlichkeit zu den Tube Chutes im älteren Parkteil, der mit seiner Hanglage und dem dichten Wald viel natürlicher daherkommt. Und diese Tube Chutes sind auch das, was für mich den Besuch von Schlitterbahn ausgemacht hat: Ein gemütliches Treiben lassen mit der ein oder anderen rasanteren Passage. Aber immer ohne Hektik. Einzig die White Water Tube Chute fällt mit ihrem fulminanten Auftakt im Rückwärtsgang ein wenig aus dem Rahmen und damit weit nach oben im Ranking meiner Wasserrutschen-Favoriten. Das muss man einfach mal selbst erlebt haben. Trotzdem, nach mehreren Stunden im Wasser ist man froh, wenn man sich wieder an Land ausruhen kann.

 

https://www.youtube.com/watch?v=oWxUVDwe5-8

 


06.06.2017 Six Flags Fiesta Texas

 

Nach drei eher entspannten Tagen sollte der vierte Tag einer Coastertour in den USA deutlich würdiger werden. Mit Fiesta Texas stand nämlich der erste von vier Parks der Six-Flags-Gruppe auf dem Programm, weshalb wir von unserem Reiseveranstalter mit Season Pässen ausgestattet wurden. Außerdem besorgte ich mir wieder einen Trinkbecher, den man sich die gesamte Saison lang in allen Parks der Gruppe kostenlos füllen lassen kann. Bei den vorherrschenden Temperaturen Gold wert. Der Park eröffnete 1992 in einem alten Steinbruch, Six Flags übernahm das Management 1996. Einige der 9 Achterbahnen interagieren dabei hervorragend mit der gigantischen Felswand, die den Park umgibt. Darunter auch der 2000 eröffnete Superman Krypton Coaster, den wir nach etwas verspätetem Beginn vier oder fünf Runden für uns hatten.

 

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Der nach wie vor höchste (und schnellste) Floorless Coaster besaß noch bis 2013 den höchsten Looping der Welt mit 44 Metern.

 

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Insbesondere die zwei Stellen, an denen man vom oberen Plateau über die Felskante in die Tiefe rauscht fand ich klasse.

 

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Auch der etwas ältere (1997) Road Runner Express spielt schön mit dem Gelände, aber etwas familienfreundlicher.

 

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Morgens hieß es noch, der 2015 eröffnete Batman bliebe den ganzen Tag geschlossen. Nachmittags machte man aber doch auf.

 

Es handelte sich um einen Prototypen, bei dem die Sitze links und rechts der Schiene hängen und sich um 360° frei drehen können. Wobei die Drehung mit mehreren Magnetschwertern entlang der Strecke angestoßen wird. Da wird man schon ordentlich herumgewirbelt und muss aufpassen, dass der Kopf von den Impulsen der Magneten nicht zu heftig gegen die Kopfstütze geworfen wird. Kurz gesagt: Die eigentlich sanfte Fahrt wird durch die wilde Drehung der Sitze zu einem wahnwitzigen Erlebnis.

 

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Die zweite ERT hatten wir nach Parkschluss im Dunkeln auf dem Iron Rattler.

 

Eigentlich schon 1992 eröffnet war der Rattler von einigen Youtube-Videos durch seine extrem schwankende Auffahrt bekannt. Zur Saison 2013 legte Rocky Mountain Construction allerdings Hand an und verwandelte die Holzachterbahn zu einem Hybrid-Coaster. Die Holzstützen blieben also größtenteils erhalten, obendrauf wurden aber Stahlschienen mit abgewandelter Streckenführung montiert. So büßte die Bahn zwar etliche Streckenmeter ein, da man die Riesenhelix auf dem Plateau komplett einsparte. Dafür wird man nun an einigen Stellen brachial in den Bügel katapultiert.

 

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Die anstelle der Schlinger-Auffahrt verbaute Zero-G Roll steht wie eine Eins. Auch wenn sie nicht unbedingt so aussieht...

 

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Zum Finale fährt man obendrein durch einen Tunnel in der echten Felswand. Das hat man auch nicht oft.

 

Brachiale Airtime, die man auf den ersten Blick nicht unbedingt erwartet. Rasante und dennoch irgendwie harmonische Kurven mit völlig aberwitzigen Bankings. Eine schöne Rolle an der passenden Stelle. Und das alles mit absolut butterweichen Fahreigenschaften, perfekt in die Landschaft eingepasst. Wobei letzteres ja nicht der Verdienst von RMC ist. Einziger Kritikpunkt: Die Kürze. Insgesamt hat mir der deutlich kompaktere Wicked Cyclone 2015 etwas besser gefallen (länger, viele Headchopper, noch verrücktere Airtime), der Iron Rattler ist aber etwas harmonischer und einfach ein wahnsinnig heißes Gefährt - nachts konnten wir sehen, wie die Räder immer mal wieder Funken schlugen.:o

 

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Vor dieser Nacht-ERT hatten wir uns noch die Abendshow zum 25. Jubiläum des Parks angeschaut. Die Felswand nutzte man dabei als Projektionsfläche.

 

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Dazu einige Wasserfontänen und wohldosiertes Feuerwerk. Und ein paar Flammenwerfer.

 

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Als ob es nicht schon warm genug gewesen wäre.xD

 

Fazit: Der erste große Park der Tour war eine gewaltige Überraschung. Der verspätete Start der Superman-ERT war zwar typisch Six Flags, ansonsten bediente Fiesta Texas aber recht wenige Six-Flags-Klischees. Zum großen Teil ist das natürlich der Lage in einem ehemaligen Steinbruch geschuldet, die auch von drei der Achterbahnen hervorragend ausgenutzt wird. Das macht Fiesta Texas zu einem der schönsten Parks der Gruppe. Mit Superman und Iron Rattler hat er auch zwei richtig klasse Achterbahnen zu bieten, wobei auch die übrigen keinesfalls schlecht sind. Und mit dem grandiosen Sonderprogramm bestehend aus zwei ERTs, einem von mir nicht genutzten Vordrängel-Bändchen für die neueste Rutsche im zugehörigen Wasserpark, einem gemeinsamen Mittagessen und reservierten Plätzen bei der Abendshow war Fiesta Texas wirklich perfekt für den T-Shirt-Day.

 

https://www.youtube.com/watch?v=rvaXGpo423g

 


07.06.2017 Sea World San Antonio

 

Tag fünf sollte nochmals etwas buslastiger werden, aber erst am Nachmittag. Morgens war die Anfahrt noch recht kurz, es ging nämlich nach SeaWorld San Antonio. Mit etwa 100 Hektar der größte und aktuell auch der jüngste Park der Gruppe. Den Grundstein hatte man in San Diego 1964 gelegt. SeaWorld Ohio, als zweiter Park 1970 eröffnet, existiert schon nicht mehr. Er war zunächst an Six Flags und dann an Cedar Fair verkauft worden. Nach der Reduzierung auf einen reinen Wasserpark wurde er schließlich komplett geschlossen. In San Antonio ließ sich SeaWorld erst 1988 - unmittelbar vor der Übernahme durch Anheuser-Busch - nieder.

 

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Das Glasbaustein-Portal am Eingang wirkt dabei altmodisch verblasst, aber doch irgendwie interressant.

 

Der Eingangsbereich ist zudem etwas seltsam, das Portal ist nämlich nicht (mehr) der Eingang. Stattdessen findet dort nur die Taschenkontrolle statt, die eigentlichen Zugänge zum Freizeitpark sowie zum angeschlossenen Wasserpark zweigen erst vom Platz dahinter ab, damit man den Wasserpark auch unabhängig vom Freizeitpark besuchen könnte (früher war dies nur mit Kombitickets möglich). Das hat aber zur Folge, dass der 2016 neu gestaltete Discovery Point mit den Delfinen und einem Aquarium genau genommen außerhalb des Parks liegt.Man muss den eigentlichen Park also verlassen (ggf. an den Stempel für den Wiedereintritt denken!) und auf die andere Seite dieses kleineren Platzes gehen. Dort erfolgte bei mir allerdings keinerlei Ticketkontrolle. Alles ziemlich komisch irgendwie.:/

 

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Leider befand sich der Wave Breaker noch im Bau.

 

Erst eine gute Woche nach unserem Besuch konnten die ersten Besucher mit der neuen Achterbahn fahren, womit dies der erste "Ausfall" der Tour für uns war. Dafür entschädigte man uns mit ERTs auf den beiden anderen großen Achterbahnen des Parks. Den Inverted Coaster Great White verließen wir aber schon nach wenigen Runden wieder, diesem Layout sollten wir auf der Tour noch oft genug begegnen (insgesamt fünfmal, die erste - spiegelverkehrte - Bahn hatten wir schon am Vortag abgehakt). Den Rest der Zeit verbrachten wir auf dem 1999 eröffneten Steel Eel. Einem Hypercoaster mit 46 Metern Höhe. Auf den Hügeln wird man ordentlich aus dem Sitz gehoben und schwebt schön lange über die Kuppen hinweg. Dafür plumpst man am Ende regelrecht in den Sitz zurück, da zog sich jedes Mal ein Au! von vorne nach hinten durch den Zug. xD Ich fand das super, besonders hinten. Andere stiegen nach wenigen Fahrten wieder aus, sodass wir schlussendlich leider nur noch mit maximal halbvollem Zug unterwegs waren.

 

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Auch optisch finde ich die riesigen, teils schief stehenden Stützpfeiler einfach faszinierend.

 

Ansonsten ist die Attraktionsauswahl von SeaWorld San Antonio eher bescheiden. Man hat noch eine Kinderachterbahn und eine Wasserachterbahn (nahezu baugleich zu Atlantica im Europa Park) zu bieten, dazu noch ein paar Kinderfahrgeschäfte. Und ein Rafting ziemlich versteckt im hinteren Teil des Parks. Die Flächen dazwischen sind zwar ordentlich grün, aber ansonsten eben oftmals völlig leer. Selbst Tiergehege halten sich in Grenzen. Hier und da mal ein paar Aligatoren, Flamingos und dergleichen, aber das war es dann auch schon. Die Pinguine haben ein eigenes Gebäude, verschiedene Reptilien, Vögel und Spinnen sind ebenfalls auf recht kleiner Fläche in ihren Terrarien zu finden.

 

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Und selbst die Shows konnten mich nicht wirklich begeistern.

 

Das lag aber auch daran, dass die eigentlichen Shows erst am Nachmittag stattfanden. Was wir am Vormittag zu sehen bekamen, war eine einfache Vorstellung der Tiere. Dazu ein paar Erklärungen, wie sie trainiert werden und wie man mit ihnen umgeht. SeaWorld möchte so wohl versuchen, den Kritikern ein wenig den Wind aus den Segeln zu nehmen. Mich als einfachen Besucher langweilte das Gelaber allerdings nur. Ja, die von uns erwarteten Shows stehen selbstverständlich zurecht in der Kritik.

 

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Aber gerade die durch die Luft fliegenden Orcas sind nunmal spektakulär. Da muss man einfach staunen.

 

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Beim gemeinsamen Mittagessen verblieb ich etwas länger, dann schaute ich mir noch die Delfine am Discovery Point an.:x

 

Die konnten meine Stimmung nochmal ein wenig anheben, denn irgendwie hatte ich an diesem Tag einen kleinen Durchhänger. Sicherlich auch bedingt durch die Hitze, aber der Park konnte trotz des Namens auch nichts dagegensetzen. Der Discovery Point war aber wesentlich schöner gestaltet als der Rest des Parks und konnte mit den wunderschönen Meeressäugern und den majestätischen Haien im Aquarium endlich Pluspunkte sammeln. Zudem war am Becken der Delfine eine Mitarbeitern im persönlichen Gespräch mit den Besuchern. Das war dann doch etwas sympathischer als die Selbstbeweihräucherung in den Shows. Um kurz nach 14 Uhr setzte sich der Bus schließlich wieder in Bewegung zu einer gut fünfstündigen Fahrt gen Norden. Dabei gab es zwar durchaus grüne aber eben vorwiegend flache Prärie zu bewundern, was in Kombination mit der eh vorhandenen leichten Erschöpfung schnell zu schwer werdenden Augenlidern führte. Glücklicherweise machte ich die Augen kurz vor der texanischen Hauptstadt Austin im richtigen Moment wieder auf und sah etwas, das mir sehr bekannt vorkam...

 

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Nämlich den Circuit of the Americas mit der tatsächlich ziemlich steilen Anfahrt zur ersten Kurve.

 

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Wenig später durchquerten wir das Städtchen Waco, Heimat des Softdrinks Dr. Pepper. Hier das 2014 eröffnete McLane Stadium der Baylor University.

 

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Als die Skyline der nach der 80er-Jahre-Serie Dallas benannten Stadt auftauchte, versuchten einige vergeblich die Titelmelodie zu pfeifen...9_9

 

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Kurze Zeit später erreichten wir unser Domizil für die Nacht. Das Quality Inn & Suites in Grand Prairie, südwestlich von Dallas.

 

Fazit: In San Diego war ich eigentlich recht begeistert von SeaWorld und wäre gerne etwas länger geblieben. Hier in San Antonio hatte ich mit den fünf Stunden dagegen mehr als genug. Der hiesige SeaWorld mag zwar groß sein, er ist aber leider auch ziemlich leer. Einige Wege sind so verlassen, dass ich die Beluga-Wale glatt übersehen habe. Abgesehen von Great White und vor allem Steel Eel würde mich einfach nichts mehr in diesen Park ziehen. Ok, der Wave Breaker vielleicht... Auch die Shows waren eher ernüchternd. Man versucht wohl alles, um die Kritiken seitens der Umweltschützer soweit wie möglich zu entkräften. Ich persönlich bevorzuge dann aber doch eher die üblichen Shows, wie sie am Nachmittag stattfanden. Einzig der Discovery Point konnte mich nochmal überzeugen. Wenn man den ganzen Park in dieser Art umgestalten und mit Attraktionen deutlich aufstocken würde, würde meine Bewertung sicherlich besser ausfallen. Aber bis dahin wird es bestimmt noch eine ganze Weile dauern...

 

https://www.youtube.com/watch?v=tfRvhTAutUA

 


08.06.2017 Six Flags Over Texas

 

Nach dem zugekauften Fiesta Texas besuchten wir am sechsten Tourtag den Ur-Six-Flags-Park. Der 1961 eröffnete Six Flags Over Texas befasste sich thematisch mit den sechs Nationen, die bislang über Teile oder das gesamte Territorium des Staates Texas geherrscht hatten. Von deren sechs Flaggen, die eben einst über Texas wehten, stammt der Name. Besagte Nationen waren Spanien (1519-1685 und 1690-1821), Frankreich (nur Teile, 1684-1690 und 1800-1803), Mexiko (1821-1835), die unabhängige Republik Texas (1836-1845), die Konföderierten Staaten von Amerika (1861-1865) und natürlich die Vereinigten Staaten von Amerika (1845-1861 und 1865-heute). Der Park selbst war in einzelne Themenbereiche eingeteilt, die jeweils einer dieser Nationen gewidmet waren und heute noch bestehen. Übrigens war Six Flags Over Texas wohl der erste Freizeitpark, der das "Pay One Price" Modell einführte. Selbst bei Disney musste man damals noch jede Fahrt einzeln zahlen. Eigentümer des Parks ist aber nicht Six Flags selbst, sondern eine Art Kommanditgesellschaft, an der die Freizeitparkkette lediglich zu 50% und ohne Stimmrecht beteiligt ist. Six Flags ist eben nur für den Betrieb und das Management des Parks zuständig.

 

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Auch hier bereitete man uns wieder einen freundlichen Empfang (hinterher wurde das Schild wieder umgesteckt).

 

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Als man uns quer durch den noch menschenleeren Park führte, begegneten wir einem putzigen Grauhörnchen.:x

 

Unser Reiseleiter hatte wieder ein erstklassiges Sonderprogramm für uns ausgehandelt. Gleich drei der insgesamt 13 Achterbahnen sollten uns bereits vor der offiziellen Öffnung des Parks zur Verfügung stehen. Zunächst die vom ehemaligen deutschen Hersteller Schwarzkopf gebaute Doppelloping-Achterbahn Shockwave, auf der wir unserem Reiseleiter die erste Fahrt alleine gönnten, nachdem er uns eine rührende Geschichte aus seiner Kindheit erzählt hatte. Die durfte er anschließend auch den Verantwortlichen des Parks erzählen, die sie in einem kleinen Video verewigten:
https://www.youtube.com/watch?v=8_akiyfIPDg

 

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Danach durfte dann auch der Rest von uns ran. Shockwave war 1978 die erste Bahn mit zwei direkt aufeinander folgenden Loopings.

 

Und die drücken einen doch ordentlich in den Sitz. Im weiteren Verlauf der Strecke wird man dagegen mehrmals leicht aus dem Sitz gehoben. Und alls ohne die lästigen Schulterbügel, wie sie im Laufe der Jahre bei Loopings üblich wurden (inzwischen geht man ja glücklicherweise wieder davon weg). Dabei fährt sich Shockwave auch nach 40 Jahren noch wie neu. Warum, das konnten wir etwa nach einer Viertelstunde bei einem kurzen Blick unter die Station im Gespräch mit einem Techniker herausfinden.

 

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Viel zu sehen gab es da unten zwar nicht, aber interessant sind solche Backstage-Einblicke immer.;)

 

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Anschließend ging es weiter zur zweiten Bahn, dem New Texas Giant.

 

Der originale Texas Giant wurde 1990 gebaut und war damals mit 44 Metern die höchste Holzachterbahn der Welt. Solch große Holzachterbahnen werden mit den Jahren aber immer rauer und so nahm die Beliebtheit schnell ab. Zum Ende der Saison 2009 wurde die Bahn daher geschlossen. Einen Abriss hatte der Park aber dementiert. Stattdessen machte sich das bei den meisten Fans noch völlig unbekannte Unternehmen Rocky Mountain Construction an die Renovierung. Die hatten tatsächlich schon einige ältere Holzachterbahnen renoviert, aber bis dahin eben immer konventionell - also das alte Holz einfach durch neues ersetzt. Beim Texas Giant wurde die gesamte Strecke jedoch mit dem neu entwickelten IBox Track ersetzt, wodurch aus der Holz- eine Stahlachterbahn (bzw. eine Hybridbahn mit Stahlschienen aber Holzstützen) wurde. Um die Möglichkeiten dieses neuen Schienentyps zu zeigen, wurde das Layout nicht 1:1 ersetzt, sondern noch wilder und noch spektakulärer gemacht. Die erste Abfahrt des New Texas Giant ist also drei Meter höher und mit 79° deutlich steiler als früher. Auch die Kurvenneigungen wurden drastisch erhöht, auf bis zu 115°. Außerdem wird man auf den Hügeln nun regelrecht in den Bügel katapultiert, bei diesem Prototypen aber noch nicht ganz so brachial wie bei späteren Umbauten. Eine wirklich schöne Bahn, die mich vor allem aufgrund ihrer Länge begeistern konnte.

 

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Den Abschluss sollte dann die größte Achterbahn in ganz Texas bilden, wobei es nur noch zu 1-2 Fahrten reichte.

 

Titan ist dabei eine von nur drei komplett in Eigenregie gebauten Bahnen des Herstellers Giovanola (ansonsten war man als Subunternehmer an deutlich mehr Achterbahnen verschiedenster Hersteller beteiligt). Die 2001 eröffnete Titan ist dabei fast baugleich zur ein Jahr zuvor in Kalifornien eröffneten Goliath, die ich bereits 2013 fahren konnte. Einziger Unterschied ist eine zusätzliche Helix vor der Zwischenbremse, die trotz der Höhe ordentlich drückt. Hatte ich nicht erwartet. Ansonsten ist der 75 Meter hohe Stahlkoloss nicht der Oberknaller, aber ich mag ihn trotzdem irgendwie.

 

Zudem wäre noch erwähnenswert, dass man 1966 den weltweit ersten Mine Train Coaster (zugleich die erste Achterbahn mit Unterwasser-Tunnel) eröffnete, dem man 1969 einen zweiten Mini Mine Train für die jüngeren Besucher zur Seite stellte. 1963 hatte man bereits die erste Wildwasserbahn der Welt präsentiert, an unserem Besuchstag war jedoch nur die 1968 ergänzte zweite Bahn in Betrieb. Außerdem noch einen kurzen aber knackigen Shuttle Coaster, der mittels Verschiebeplattformen ebenfalls zwei Züge nutzen kann. Und eine frisch eröffnete Kopie des Batmans aus Fiesta Texas (hier aber dem Joker gewidmet), also der Bahn mit sich eigenständig überschlagenden Sitzen. Hier waren aber offenbar weniger Magnetschwerter verbaut, die Fahrt war nicht ganz so wild wie beim Prototyp. Völlig verrückt waren dagegen die Fahrten auf der verbliebenen Holzachterbahn und dem Spinning Coaster. Während man in anderen Parks nämlich teilweise mit Metalldetektoren abgesucht wird, damit man bloß nichts mitnimmt, MUSS man hier wirklich ALLES mitnehmen. Auch die Trinkbecher, die man idealerweise frisch gefüllt hat. Die sind nämlich nicht ganz dicht und so konzentriert man sich weniger auf die Fahrt selbst, als darauf, möglichst wenig Cola abzubekommen.9_9 Ein feuchtfröhlicher Spaß. Neben den durchweg guten Achterbahnen hat Six Flags Over Texas sogar zwei ganz nette Themenfahrten zu bieten. Eine etwas ältere mit klassischen Animatronics und einen ganz modernen mit Videoprojektionen und Laserpistolen an den Fahrzeugen, der inzwischen auch in den meisten anderen Parks der Kette Einzug gehalten hat.

 

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Die Abfahrt verzögerte sich dann etwas, da unser Bus auf sich warten ließ.

 

Irgendwas stimmte wohl mit der Klimaanlage nicht, weshalb man ihn lieber austauschen ließ. Für den Rest der Tour bekamen wir nun den Purplebus in hübschem lila. Mit diesem verließen wir Texas, nun sollten ein paar andere Südstaaten unsicher gemacht werden. Zunächst das nördlich angrenzende Oklahoma, wo wir direkt die Hauptstadt Oklahoma City ansteuerten.

 

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Nach guten drei Stunden erreichten wir das Days Inn Oklahoma City.

 

Fazit: Six Flags Over Texas war der allererste Six Flags Park. Trotzdem - oder gerade deshalb? - hat er mit den typischen Klischees nicht so wahnsinnig viel am Hut. Abgesehen von den neuesten Bereichen gibt es keinerlei Betonwüsten. Stattdessen ist der Park größtenteils recht dicht bewaldet und somit schön schattig. Und teilweise gibt es auch eine durchaus ansehnliche Thematisierung. Die Abfertigungen sind zwar sicherlich nicht Weltklasse, aber man fuhr wenigstens nicht mit Minimalkapazitäten. Aber vor allem hatte man sich auch hier ein tolles Begrüßungsprogramm für uns einfallen lassen. Ein mehr als gelungener Tag mit diversen Top-Coastern. Insbesondere natürlich Titan, New Texas Giant, Shockwave und dem Shuttle Coaster Mr. Freeze.
In Texas kann man sich Six Flags also definitiv mal antun, es lohnt sich.;)

 

https://www.youtube.com/watch?v=YzT3kkuFxxM

 


09.06.2017 Frontier City

 

Quasi am anderen Ende der Stadt trafen wir bereits auf den Parkplatz unseres Ziels für den siebenten Tag. Der fiel wieder etwas kleiner aus, dabei spielte Frontier City eine nicht kleine Rolle in der Geschichte von Six Flags. Im Jahr 1958 gegründet, wurde er 1981 von der Tierco Group übernommen, die ihn zugunsten eines Shoppingcenters plattmachen wollte. Dank einer Ölschwemme konnten diese Pläne aber nicht umgesetzt werden. Stattdessen schaffte man es, die Gewinne des Parks zu vervierfachen. Daher widmete man sich fortan dem Betrieb von Freizeitparks und benannte sich zu Premier Parks um. 2000 übernahm man schließlich Six Flags, womit der kleine Park in Oklahoma zum Hauptquartier einer der größten Freizeitpark-Gruppen wurde. 2007 wurde Frontier City aber verkauft. 2011 übernahmen die alten Manager von Premier Parks wieder den Betrieb, inzwischen heißt das Unternehmen auch wieder Premier Parks. Im Mai 2018 hat Six Flags nun dieses neue Premier Parks geschluckt, sodass Frontier City wieder zu Six Flags gehört (zumindest was den Betrieb angeht, Eigentümer ist nach wie vor EPR Properties).

 

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Frontier City ließ sich nicht lumpen und schmiss für uns ALLE FÜNF Achterbahnen eine Stunde früher an.O.o

 

Damit wir aber nicht die ganze Zeit mit halbleeren Zügen herumfuhren, klapperten wir einfach gemeinsam die fünf Bahnen ab. Beginnend bei Diamondback direkt am Eingang, wo man von einer erhöhten Plattform leicht in die Abfahrt beschleunigt wird, einen Looping absolviert und dann auf der gegenüberliegenden Plattform stoppt. Dann das ganze nochmal rückwärts und schon ist die Fahrt vorbei. Klingt nicht besonders spannend, aber man wird an den Übergängen zur Abfahrt doch ziemlich kräftig aus dem Sitz gehoben. Besonders im vorderen Wagen auf der Rückfahrt fand ich das richtig klasse. Die Kinderachterbahn kostete uns leider viel Zeit, da in jedem der drei Wagen maximal ein Erwachsener mitfahren durfte. Aber Count ist Count.9_9

 

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Highlight war aber der Looping Star, welcher 1978 und 1979 auf deutschen Kirmesplätzen unterwegs war, ehe er in die Staaten kam.

 

Nach zwei anderen Stationen hat die Bahn 1986 in Frontier City eine neue Heimat gefunden. Wiederum eine schöne Bahn aus deutscher Produktion, bei der wir für das Gruppenfoto auch in den sonst abgesperrten Innenbereich durften (die Bahn war in dieser Zeit natürlich abgeschaltet).

 

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Nein, vorteilhaft ist das Bild wahrlich nicht. Aber wann fährt man sonst schon einen Looping Star ohne Zug?:P

 

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Der 2007 eröffnete Suspended Family Coaster ist übrigens die einzige Bahn, die man fabriksneu bekam.

 

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Selbst die Holzachterbahn Wildcat stand zuvor in einem anderen Park in Kansas City.

 

Sie war 1967 eröffnet worden, 10 Jahre später hatte der Park schließen müssen und die Bahn rottete vor sich hin. Erst 1990 setzte man sie nach Frontier City um, wobei wohl ein paar Änderungen notwendig waren, um sie dem neuen Standort anzupassen. Der gesamte Park ist dabei im Western-Stil thematisiert, was man größtenteils auch konsequent umsetzt. Ich habe mich dort jedenfalls sehr wohl gefühlt, bis wir pünktlich um 13 Uhr wieder aufbrechen mussten. Es stand nämlich erneut eine fünfstünde Busfahrt inklusive Staatsgrenzen-Überquerung an. Nach nur einem Tag in Oklahoma führte uns der Weg nun in Richtung Osten bis nach Missouri. In Branson quartierten wir uns im Econo Lodge at Thousand Hills ein, wo leider ein paar Zimmer nicht sauber gemacht worden waren. Mein Zimmerpartner  und ich hatten sogar ein noch bewohntes Zimmer erwischt.¬¬

 

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Irgendwann war aber auch das geklärt, und wir konnten zum Abendessen aufbrechen.

 

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Quasi gegenüber spielten wir in einer kleinen Gruppe noch Minigolf.

 

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Es gab dort zwei Parcours mit aufwändiger Gestaltung. Inklusive regelmäßig ausbrechendem Vulkan.:o

 

Fazit: Dass Frontier City einmal zu Six Flags gehörte, hätte ich vor Ort niemals gedacht. Der Park ist recht schön angelegt, es gibt ausreichend Grün und auch ein paar auflockernde Wasserläufe. Einzig im Zentrum würde etwas mehr Schatten gut tun, aber dann müsste man mit dem Western-Thema brechen. Und das zieht man - bis auf ganz wenige Ausnahmen - wirklich konsequent durch. Nennt es altmodisch, aber mir gefällt es. Dass (bis auf eine) alle vorhandenen Achterbahnen gebraucht erstanden wurden, stört auch nicht weiter, schließlich war nicht eine davon wirklich schlecht. Wildcat als klassischer Woodie konnte dabei ebenso überzeugen wie der über jeden Zweifel erhabene Silver Bullet. Mein Highlight - wegen des Exotenbonus - war aber definitiv Diamondback mit den sympathischen Ride-Ops. Überhaupt waren die Mitarbeiter hier allesamt sehr freundlich und gut gelaunt. Und das obwohl sie ja extra für uns früher anfangen mussten. Ein riesen Dank an Frontier City daher für das Bereitstellen aller fünf Achterbahnen vor Parköffnung inklusive dem Spaziergang unter Silver Bullet. Sowas vergisst man nicht so schnell.

 

https://www.youtube.com/watch?v=V_-OJ-GLqqs

 


10.06.2017 Silver Dollar City

 

Branson wird auch "Live Entertainment Capital of the World" genannt, es gibt neben einigen weiteren Minigolf-Anlagen diverse Theater, Museeen, verschiedene Ziplines, und Go-Kart-Bahnen in sämtlichen Größen. Und etwas außerhalb in den Ozark Mountains natürlich auch einen Freizeitpark, den wir an Tag Acht besuchten. Auch Silver Dollar City ist sehr liebevoll im Stil einer Wetsernstadt der 1880er-Jahre gestaltet. Den Namen wählte man, weil die Besucher silberne Dollarmünzen als Wechselgeld bekamen. Wenn dann jemand fragte, woher die seien, antworteten sie: "Natürlich aus Silver Dollar City!" Werbung kann so einfach sein.:D Eine ERT bekamen wir hier zwar nicht, aber man stattete uns mit Pässen aus, damit wir die normalen Warteschlangen an den großen Attraktionen umgehen konnten. Außerdem zeigte man uns einen guten Platz, um die Baustelle der neuen Achterbahn für 2018 einzusehen. Letztlich ließ man uns als erste in die Warteschlange des Mine Trains, wo wir dann allerdings aufgrund einer Störung in der Schlussbremse stecken blieben. Es dauerte etwas, bis wir über eine Leuter aus dem Zug klettern konnten. Meine erste Evakuierung aus einer Achterbahn.

 

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Leider sind die Achterbahnen ziemlich gut im Wald versteckt und somit kaum einsehbar.

 

Die oben zu sehende Bahn Powder Keg eröffnete ursprünglich 1999 als Wasserachterbahn. Aufgrund zahlreicher technischer Probleme wurde sie aber schon nach 4 Jahren zur reinen Achterbahn umgebaut und erweitert. Zunächst wird man kräftig abgeschossen, dann auf einigen Hügeln ordentlich aus dem Sitz gehoben, ehe man in eine von der alten Bahn erhaltene Kurve einfährt, in der man doch überraschend kräftig in den Sitz gepresst wird. Es schließt sich der alte Lifthill an, bevor noch ein paar Meter neue Strecke bis zur Bremse folgen, die man sich allerdings auch irgendwie hätte schenken können. Ansonsten aber eine klasse Bahn.

 

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Am besten einzusehen ist die 2001 eröffnete Loopingachterbahn Wildfire, dank des hoch aufgeständerten Ausgangs.

 

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Die Lage im Hang bietet eine fantastische Aussicht.:x

 

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Outlaw Run aus dem Jahr 2013 ist noch immer die Holzachterbahn mit den meisten Inversionen (sie war zudem die erste).

 

Im Gegensatz zum IBox Track wird der von RMC hier verwendete Topper Track nämlich noch als reine Holzachterbahn gewertet - auch wenn wir Fans das etwas kritisch sehen. Zwar ist die Schiene tatsächlich größtenteils traditionell aus Holz, die oberen Lagen sind aber eben aus Stahl. Von den Fahreigenschaften her kommt man schon eher an eine Holzachterbahn, aber das ist wie gesagt eine Glaubensfrage. Die Fahrt selbst ist richtig gut und insbesondere die doppelte Rolle am Schluss, die elegant in die Bremse abbiegt, hat es mir angetan. Mein Favorit im Park blieb aber Powder Keg. Ein gemeinsames Mittagessen gab es zwar nicht, aber wir hatten Gutscheine für verschiedene Locations bekommen. Außerdem hatten wir eine kleine Ice Cream Party, bei der jeder einen Batzen Milcheis bekam, den er mit diversen Zutaten garnieren konnte. Dabei wurden in einem Quiz auch ein paar Souvenirs verlost.

 

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Zu guter Letzt bekamen wir noch unsere eigene Führung durch die Marvel Cave.

 

Einige Indianer hatten den Zugang im frühen 16. Jahrhundert entdeckt und hielten ihn für den Zugang zur Hölle. Die Spanier führten wohl 1541 die erste Expedition durch, in der Hoffnung Reichtümer oder gar den Jungbrunnen zu finden. Die erste bestätigte Expedition fand jedoch 1869 statt. Man hoffte auf Bleierz, wurde aber nicht fündig. Die Bergleute waren sich aber sicher, dass eine der Höhlendecken Marmor enthielt. Daher setzte sich bei den Einheimischen bald der Name Marble Cave durch. Erst 1882 gab es wieder eine Expedition, die zu dem gleichen Ergebnis kam. Außerdem fand man große Mengen Guano, also im weitesten Sinne Fledermauskacke. Ein Unternehmer wollte 1884 den Marmor abbauen, dieser entpuppte sich aber als einfacher Kalkstein, sodass man mit der Förderung des Guano (beispielsweise für Schießpulver) vorlieb nehmen musste. Nachdem die Höhle leer war, wurden seit 1894 Führungen angeboten. Ab 1960 entstand rund um den Zugang zur Höhle schließlich Silver Dollar City.

 

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Betritt man die Höhle, steht man auf einem Metalltum inmitten des gewaltigen Cathedral Rooms.

 

Satte 62 Meter misst er in der Höhe, die Breite beträgt 69 Meter, in der Länge sind es deren gar 125! Unfassbare Dimensionen, das kann man kaum beschreiben. Zum 100. Jubiläum der Höhlentouren ließ man hier drin 1994 gleich 5(!) Heißluftballons gleichzeitig fliegen. Unterirdisch! In einer Höhle! Leider konnte ich nicht herausfinden, ob der Weltrekord für die meisten unterirdisch geflogenen Heißluftballons noch Bestand hat.

 

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Je weiter wir nach unten kamen, desto enger wurden die Gänge natürlich.

 

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Am tiefsten Punkt der Höhle gibt es sogar einen bunt beleuchteten Wasserfall zu bestaunen.

 

Bei starkem Regen wird dieser Raum komplett geflutet, dann können natürlich keine Führungen angeboten werden. Uns führte man nun langsam wieder nach oben, die letzten Meter übernimmt eine Standseilbahn. Eine wirklich sehr interessante Führung, zumal ich zwischenzeitlich mal den Anschluss nach vorne verlor und unser Profi-Fotograf samt Aufpasserin noch ein gutes Stück hinter mir waren. Das war schon leicht gespenstisch. Aber auch so herrlich ruhig. Ich konnte mal richtig in die Atmosphäre der Höhle eintauchen.

 

Fazit: Silver Dollar City zählt für viele zu den schönsten Parks der Welt. Völlig zu Recht, da gibt es keinen Zweifel. Ein authentischer Western-Park, der es wirklich vermag, die Besucher in die 1880er-Jahre zurückzuversetzen. Und das trotz hochmoderner Fahrgeschäfte wie Powder Keg, Wildfire und Outlaw Run, die mal so richtig reinhauen. Von der Fahrt wohlgemerkt, Wartezeiten waren kaum vorhanden. Für uns mit dem Super Trailblazer Pass sowieso nicht. Das absolute Highlight war aber definitiv die Führung durch die Marvel Cave. Einfach nur faszinierend, sollte man in keinem Fall auslassen!
Vielen Dank dem Park für die kleinen Extras, die uns den ganzen Tag über das Gefühl gaben, hier Willkommen zu sein.

 

https://www.youtube.com/watch?v=OQrqhAm3spA

 


11.06.2017 Six Flags St. Louis

 

Wir blieben zwar in Missouri, mussten uns aber von der schillernden Touristenhochburg Branson verabschieden. In St. Louis sollte uns ein völliges Kontrastprogramm erwarten. Der hiesige Park war 1971 als dritter Park der Kette mit dem Namen Six Flags Over Mid-America (in diesem Fall gehörten die Flaggen zu Spanien, Frankreich, England, Illinois Missouri, und natürlich den USA) eröffnet worden. Er sollte auch endlich die uns bekannten Vorurteile bedienen, was schon mit den Verträgen zu unserem Sonderprogramm los ging. Da kam man nämlich einfach nicht zu Potte, ließ sie uns letztlich erst über einen der beiden Schwesterparks in Texas zukommen, sodass unser Reiseleiter sie schließlich einfach ablehnte. Weiter ging es dann im Park, wo man bei den meisten Achterbahnen gezwungen wird, die Taschen vor dem Betreten der Warteschlange in (natürlich kostenpflichtigen) Schließfächern zu verstauen. Einfach in der Station ablegen darf man sie nämlich nicht. Da bei unserer Ankunft aber noch niemand am Eingang der Bahn stand, um die Besucher darauf hinzuweisen, war ich mit Rucksack reingegangen. Ich konnte ihn auch unbemerkt in einer kleinen Spalte zwischen dem Regal für die Refill-Becher (ja, DIE darf man natürlich dort ablegen) und einer vorstehenden Wand verstauen, setzte mich hin und die Bügel wurden kontrolliert. Es musste nur noch der Startknopf gedrückt werden. Aber dann fiel diesem Blödmann von Operator auf dem Weg zurück nach vorne doch noch mein Rucksack auf und er suchte den Besitzer. Statt den fertigen Zug dann halt mal fahren zu lassen und mich hinterher zu belehren, wurden tatsächlich nochmal ALLE Bügel geöffnet, ich durfte aussteigen und dann ging die Abfertigung wieder von vorne los. Mit einem anderen Rucksack-Träger wechselte ich mich daher bei den entsprechenden Bahnen ab. Einer fuhr, der andere blieb mit den Rucksäcken am Zugangstor stehen, dann wurde getauscht. Es hätte mich nicht gewundert, wenn die Mitarbeiter da auch noch gemeckert hätten, aber das ließ man uns tatsächlich durchgehen. Geld sollte der Park von uns auf jeden Fall keines sehen (Season Pass und Trinkbecher hatten wir ja schon, der kleine Hunger wurde ignoriert). Es ist einfach unverständlich, wenn man im einen Park sein gesamtes Hab und Gut mitnehmen muss, und dann im anderen Park auf der baugleichen(!) Bahn gar nichts mitnehmen darf.

 

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Von den 9 Achterbahnen sind gleich 3 aus Holz.

 

Die größte hat zwar auch ihre Besonderheiten, wirklich überzeugen konnte mich aber nur die älteste aus dem Jahr 1976. Nicht zuletzt, weil man dort seine Taschen ablegen durfte. Die für mich beste Achterbahn in St. Louis war allerdings die Loopingachterbahn Ninja, welche 1986 zur Expo in Vancouver stand und 1989 hierher umgesetzt wurde.

 

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Optisch wie auch von der Fahrt her fand ich die Bahn überraschend gut.

 

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Auch der aus Over Texas bekannte Mr. Freeze mit seinen Verschiebeplattformen in der Station war hier nochmals zu finden.

 

Obwohl der Park im Nachhinein betrachtet nicht sooo schlecht war, war unsere Stimmung vor Ort einfach im Keller. Zumal eine der Bahnen auch noch den ganzen Tag geschlossen blieb.  Wir waren jedenfalls froh, als der Bus endlich wieder abfuhr. Wirklich besser werden sollte es aber nicht.

 

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Übernachten sollten wir im etwa eine halbe Stunde entfernten Hotel Sunset Lodge St. Louis.

 

Außer einem Banner im Fenster der Lobby wies vor Ort nichts darauf hin, dass hier noch ein geöffnetes Hotel zu finden wäre. Aber die Rezeption, auf deren klebrigem Fußboden man kaum vom Fleck kam, war tatsächlich besetzt und wir bekamen auch unsere Zimmer. Die waren allerdings auch nicht wirklich sauberer. Egal ob Teppichboden, Bettlaken oder Tapete. Überall Flecken. Und alles in desolatem Zustand. Dazu eine Luft, die schon nach kurzer Zeit einen Brechreiz auslöste. Wie wir rausfinden konnten, hatte es offenbar im Oktober 2016 ein Verfahren gegeben, in welchem dem Hotel die Betriebsgenehmigung entzogen werden sollte. Grund dafür sollen 349 Polizeieinsätze über einen Zeitraum von 12 Monaten gewesen sein. Meist wegen Prostitution, Drogen und Schlägereien. Vor ein paar Jahren soll in einem der Zimmer auch ein Meth-Labor hochgegangen sein. Mit der ganzen Gruppe so kurzfristig ein anderes Hotel zu finden, war natürlich unmöglich (zumal ein Großteil schon wieder in die Stadt verschwunden war), aber zumindest die schlimmsten Fälle konnten im Nachbarhotel Days Inn St. Louis untergebracht werden.

 

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Dessen Zimmer waren zwar auch schon etwas abgenutzt, aber kein Vergleich zu unserem vorherigen Zimmer.

 

Zum Essen schlossen wir uns einer kleinen Gruppe an, die noch ein gutes Stück an der bürgersteiglosen Straße entlang gen Norden lief, um die Burger von White Castle zu probieren. In Sachen Personal jedenfalls keine schlechte Wahl, wir wurden als Deutsche äußerst freundlich empfangen. Da von uns bisher niemand die Mini-Burger dieser Kette kannte, bekamen wir gleich mal eine Auswahl zum Probieren zubereitet. Kostenlos. Dann wurde bestellt und gegessen. So ganz mein Geschmack war es zwar nicht, aber nach dem Tag war das ein sehr gutes Abendessen. Während wir noch die letzten Happen aßen, kam die Mitarbeiterin zu uns an den Tisch und fragte, ob sie uns fotografieren dürfe. Ihr Chef freue sich immer über internationale Gäste und hätte gerne von allen Fotos. Dazu bekam jeder noch einen Souvenirbecher, den wir dann auch mitnehmen durften. Dass die Aufschrift "I HERZ WC" bei uns nicht unbedingt direkt mit White Castle in Verbindung gebracht würde, sondern eher das Gegenteil meint, fand die Dame dann genau wie wir ziemlich witzig.9_9

 

https://www.youtube.com/watch?v=FdYpKsG-G1I

 


12.06.2017 Holiday World

 

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In aller Frühe - um 5 Uhr rollte der Bus bereits - verließen wir St. Louis vorbei am Gateway Arch.

 

Wenig später verließen wir auch schon Missouri und durchquerten die Südspitze von Illinois (Staat Nummer 4), bis wir schließlich den bereits fünften Staat der Tour - Indiana - erreichten. Unser Ziel war die Holiday World in Santa Claus. Der Park wurde 1946 als Santa Claus Land eröffnet, damit die Kinder das ganze Jahr über den Weihnachtsmann treffen konnten. Zuvor machte der Ort nämlich nichts aus seinem Namen. 1984 fügte man Themenbereiche zu Halloween und dem Nationalfeiertag hinzu, womit man sich nicht mehr nur auf Weihnachten, sondern die amerikanischen Feiertage allgemein fokussierte. Daher die Umbenennung zur Holiday World. Inzwischen ist Holiday World insbesondere für seine drei Holzachterbahnen, die man in verschiedenen Rankings unter den vorderen Plätzen findet, weit über die Grenzen Indianas hinaus bekannt. Uns führte man aber über einen Wirtschaftsweg am Rande des Parks zur einzigen Großachterbahn aus Stahl.

 

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Der 2015 eröffnete Thunderbird ist bislang die einzige Achterbahn dieses Herstellers mit Abschuss.

 

Und der zieht trotz der wuchtigen Züge mit neben den Schienen hängenden Sitzen recht ordentlich. Ich bevorzugte dabei die rechte Seite, links wirkte die Fahrt nicht ganz so harmonisch. Insgesamt ist Thunderbird aber eher als Familienbahn einzustufen, trotz mehrerer Überschläge. Mir hat sie sehr gut gefallen, es gibt aber für mich bessere Bahnen dieses Typs.

 

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Die drei gut gepflegten Holzachterbahnen konnten mich zunächst nicht so recht überzeugen.

 

Vermutlich sind wir sie einfach zu früh gefahren, sie waren noch nicht richtig warmgefahren. Aber am Nachmittag wechselten wir in den Wasserpark, wo die Zeit jedoch nur für die beiden Watercoaster reichte. In den Böden der Schlauchboote sind Metallplatten eingelassen, sodass die Boote mit Magnetkraft auch bergauf beschleunigt werden können. Wildebeest aus dem Jahr 2009 bietet gleich 8 solcher Bergauf-Passagen und war mit 520 Metern damals der längste Water Coaster der Welt. 2012 übernahm Mammoth diesen Titel mit 537 Metern, aber nur 6 Bergauf-Passagen. Dafür sitzt man hier in Rundbooten, was die Fahrt nochmal deutlich spannender macht. Eine Mords-Gaudi, bei der kein Auge trocken bleibt - sind ja schließlich noch immer Wasserrutschen.xD

 

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Am Nachmittag brachten wir die Koffer zur Santa's Lodge, dann ging es zurück nach Holiday World.

 

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Hier ist wie gesagt das ganze Jahr Weihnachten. Bei über 30° einfach völlig absurd.O.o

 

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Wenigstens etwas Kunstschnee hätte es ruhig noch sein dürfen.

 

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Nach Parkschluss durften wir noch eine halbe Stunde lang The Voyage genießen.

 

Die größte Achterbahn des Parks ist mit einer Länge von knapp unter 2 Kilometern noch immer die zweitlängste Holzachterbahn der Welt. Auch die Höhe von 50 Metern kann sich durchaus sehen lassen. Am Morgen war ich noch ein wenig enttäuscht von der Bahn, nun am Abend war das eine ganz andere Fahrt. Satte 24,3 Sekunden schwebt man auf den zahlreichen Hügeln während der Fahrt, das war bis Anfang 2018 noch Weltrekord bei Achterbahnen. Hammergeile Airtime, die kaum mehr aufhören möchte, temporeiche Kurven, fünf Tunnel und geniale Umschwünge. Man muss allerdings schon im vorderen oder im hinteren Wagen sitzen, die Mitte fiel schon deutlich ab. Absolutes Highlight ist die Zwischenbremse, welche sich nur wenige Meter über dem Boden befindet. Dank des abfallenden Geländes versteckt sich im anschließenden Tunnel aber eine dreifache Abfahrt, sodass man trotzdem wieder richtig Tempo aufnimmt. Eine so genial platzierte Zwischenbremse ist mir sonst noch nicht begegnet. Die liebe Paula hat als Director of Communications des Parks unsere ERT sogar kurz per Live-Video auf Facebook begleitet. Gemäß den Kommentaren hat man uns auch auf einem Campingplatz in der Nähe gehört:
https://www.facebook.com/HolidayWorld/videos/10154827501199538/

 

Und zum Abschluss des Tages gab es vom in St. Louis gesparten Geld noch ein sehr leckeres Buffet im Hotel.

 

Fazit: Holiday World glänzt mit gleich drei hochgelobten Holzachterbahnen, von denen mich persönlich aber nur The Voyage so richtig begeistern konnte. Legend und Raven wären abends vermutlich auch etwas besser gewesen, aber für meine persönliche Favoritenliste reichte es bei meinen Fahrten leider nicht - was aber nicht heißen soll, dass sie schlecht wären. Aber Voyage am Abend ist kaum zu toppen. Mit was für einem Affenzahn man da durch die Dunkelheit brettert. Unvergesslich. Auch Thunderbird konnte überzeugen, ebenso wie die beiden Water Coaster des Wasserparks. Dass der Parkplatz genauso kostenfrei ist wie die Getränke im Park und auch die Sonnenmilch, kann man ruhig mal lobend erwähnen. Gerade der Parkplatz kostet bei größeren Parks im Amiland ja gerne mal fast so viel wie der Eintritt in kleinere Parks. Und trotz der unzähligen Pappbecher erhielt Holiday World schon mehrfach eine Auszeichnung zum saubersten Park - zurecht wie ich finde. Ein wirklich sehr sympathischer Park, auch dank Paula, die uns so freundlich durch den Tag führte. Danke!

 

https://www.youtube.com/watch?v=LalQlUz9i3Q

 


13.06.2017 Kentucky Kingdom

 

Tag 11 der Tour begann erneut mit der Überquerung einer Staatsgrenze. Nach gut anderthalb Stunden Fahrt überquerten wir bereits den Ohio River und befanden uns damit in Kentucky. Außerdem waren wir von der Central Standard Time zur Eastern Standard Time (bzw. der entsprechenden Sommerzeit) gewechselt. Aber nur kurzzeitig, am Abend sollte es nochmal kurz zurück gehen, weshalb ich die Uhr der Kamera noch nicht umstellte. Unser Ziel befand sich in Louisville in unmittelbarer Nachbarschaft zum Flughafen. Allzu viele Tiefflieger sind mir aber leider nicht aufgefallen, ich war mit anderen Dingen beschäftigt. Das Kentucky Kingdom eröffnete erstmals 1987, die Betreiber waren aber schon nach dem ersten Jahr Pleite. Erst 1990 konnte der Park unter Leitung von Ed Hart wiedereröffnen und galt in den Folgejahren als einer der am schnellsten wachsenden Freizeitparks in den USA. 1997 erfolgte jedoch der Verkauf an Premier Parks bzw. Six Flags. Als die Gruppe finanziell in Schieflage geriet blieb ab 2007 der nordwestliche Teil des Parks geschlossen. Die Restrukturierung nach der Insolvenz nutzte man, um den Pachtvertrag für Kentucky Kingdom zu kündigen (Eigentümer ist nach wie vor das Kentucky State Fair Board), woraufhin der Park 2010 komplett geschlossen blieb. Erst 2014 konnte der alte Betreiber Ed Hart seinen Park wieder übernehmen und nach aufwändigen Renovierungen und Ergänzungen erneut eröffnen.

 

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Eine dieser Ergänzungen war Lightning Run.

 

Der erste Hyper GT-X Coaster, der die Gene der großen Hyper Coaster auf ein deutlich kompakteres Layout überträgt. Das sieht zwar teilweise etwas komisch aus, fährt sich aber exzellent. Äußerst harmonisch und butterweich. Auch in Sachen Airtime braucht sich Lightning Run nicht vor größeren Anlagen zu verstecken. Leichte Abzüge gibt es für die stylischen aber etwas engen und unbequemen Züge. Trotzdem bleibt Lightning Run mein Favorit im Kentucky Kingdom.

 

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Zwei Jahre später wurde der Storm Chaser eröffnet.

 

Ein weiterer Umbau von RMC, wobei hier die Stützen schon vorher aus einem Stahlgerippe bestanden. 1998 war an dieser Stelle eine doppelte Holzachterbahn (also mit zwei sich duellierenden Strecken) eröffnet worden. Zunächst hieß diese Twisted Sisters, bis die Rockband Twisted Sister eine Klage androhte. Daraufhin änderte man den Namen auf Twisted Twins. Die Zwillinge gehörten zum 2007 stillgelegten Parkteil und rotteten fortan vor sich hin. Leider war das erste von RMC vorgeschlagene Layout mit Einbindung beider Lifthills etwas zu gewagt für den gerade erst neu gestarteten Pak, sodass von den einst zweimal 914 Metern nur noch einmal knapp 840 übrig blieben. Die haben es dafür in sich, man wird derart brutal in den Bügel geschossen, dass man Angst um seine Oberschenkel haben muss.

 

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Besonders die kleinen, verdrehten Hügelchen am Schluss sollte man nicht unterschätzen.

 

Mir war das schon einen Ticken zu viel des Guten, die knappe halbe Stunde, die wir die Bahn zu Beginn des Tages für uns hatten, hielt ich aber noch geradeso gurch. Die übrig gebliebene Holzachterbahn Thunder Run gefiel mir da tatsächlich etwas besser. Und der Inverted Coaster T3, kurz für Terror to the third Power, trägt seinen Namen auch zurecht.9_9 Ansonsten bietet der Park das Übliche, inklusive Wasserpark. Ein freundlicher Mitarbeiter führte uns nach dem Mittagessen noch herum, zeigte uns eine Erweiterungsfläche und plauderte etwas aus dem Nähkästchen. Das war sehr sympathisch, so offen gehen nicht viele Parks mit ihren Plänen um. Außerdem hatten wir Wristbänder bekommen, mit denen wir uns jederzeit kostenlos Getränke holen konnten. Gestalterisch kann Kentucky Kingdom dagegen nicht wirklich punkten. Ein paar idyllische Ecken gibt es, aber der Großteil ist doch eher trist und an einigen Ecken sieht man auch ganz deutlich, dass sich da mal ein paar Jahre niemand drum gekümmert hat.

 

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Gegen 16 Uhr verließen wir den Park. Vorbei am Papa John's Cardinal Stadium der University of Louisville.

 

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Genächtigt wurde im Sleep Inn & Suites Cave City.

 

Fazit: Dass Kentucky Kingdom vier Jahre lang geschlossen war, merkt man heute kaum noch. Die Attraktionen sehen aus wie neu (gut, oftmals sind sie es auch), alles ist pikobello sauber und die Verantwortlichen zeigten sich äußerst gastfreundlich. Ich bin froh, dass Ed Hart sein Baby wieder übernommen hat. Auch wenn er ein ähnliches Konzept verfolgt wie Six Flags - eher Thrill-Attraktionen, viel Beton, kein Theming - aber er kann halt deutlich besser investieren als eine große Kette, die alle ihre Parks bedienen muss. Bleibt zu hoffen, dass Kentucky Kingdom so bald wieder an den Erfolg von vor der Six-Flags-Ära anknüpfen kann. Die Voraussetzungen sind jedenfalls da, mit Thunder Run, Storm Chaser und Lightning Run (ziemlich sturmlastige Namenswahl) hat man drei hervorragende Achterbahnen. Und auch der Wasserpark sah lohnenswert aus. Einzig rund um Storm Chaser hat man noch etwas Arbeit. Die Überreste der Twisted Twins und einer Dragster-Bahn lassen den Bereich noch etwas heruntergekommen wirken. Aber hey, man hat Weltklasse-Coaster. Da ist die Optik tatsächlich zweitrangig.;)

 

https://www.youtube.com/watch?v=o3z0xCuLubM

 


14.06.2017 Beech Bend

 

Der zwölfte Tag führte uns in das Örtchen Bowling Green, welches gemessen an den Einwohnern tatsächlich der drittgrößte Ort in Kentucky ist. Im amerikanischen Bürgerkrieg war Bowling Green aufgrund seiner Lage ebenfalls heiß begehrt und wurde sogar mal kurzzeitig zur provisorischen Hauptstadt der konföderierten Regierung Kentuckys. Interessant für Fans amerikanischer Sportwagen ist die hier befindliche Produktionsstätte von General Motors. Seit 1981 wird dort nämlich die Chevrolet Corvette gebaut. Ein Corvette-Museum darf da natürlich auch nicht fehlen. Deswegen waren wir aber natürlich nicht hier. Auch Bowling hätten wohl die wenigsten von uns gerne hier gespielt...

 

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Wir besuchten den kleinen Park Beech Bend mit seinem Kentucky Rumbler.

 

Als offizielles Eröffnungsjahr des Freizeitparks gilt 1898, die ersten kleineren Fahrgeschäfte kamen jedoch erst in den 1940ern. Zusätzlich wurde auf dem Gelände eine kleine Rennstrecke (Mini-Oval + Dragster-Strecke) etabliert, in den 60ern folgten ein Campingplatz und ein kleiner Zoo. Nach dem Tod des Besitzers 1979 blieb der Park jedoch geschlossen, eine Investorengruppe hatte mit der Wiedereröffnung 1981 keinen Erfolg. Der Betrieb auf der Rennstrecke ging dagegen weiter, 1984 wurde diese (und wenig später auch das restliche Gelände) von Alfreda und Dallas Jones übernommen. Erst 1990 holten die beiden den Freizeitpark aus seinem Dornröschenschlaf, räumten ihn auf und eröffneten ihn mit neuen Fahrgeschäften wieder. Man kann jetzt nicht unbedingt sagen, dass hier ein Top-Park entstanden wäre, aber er hat sich über die Jahre tatsächlich gut gehalten.

 

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Vor Parköffnung hatten wir die Holzachterbahn eine ganze Stunde für uns alleine.

 

Der 2006 eröffnete Kentucky Rumbler sticht aus den übrigen, größtenteils transportablen und auf Familien ausgelegten, Attraktionen deutlich heraus. Ausgeprägte Airtime, Tempo von vorne bis hinten, und angenehme Fahreigenschaften. Wobei der Zug leider nicht den gewohnten Fahrkomfort bot. Aber angesichts der Tatsache, dass die Besitzer des Parks für diese Bahn ihre eigentlich für ein Strandhaus gedachten Ersparnisse zusammenkratzten, kann man darüber durchaus hinwegsehen. Ansonsten sind die Attraktionen (darunter zwei weitere Achterbahnen) wie gesagt eher auf Familien ausgerichtet, der Wasserpark im Zentrum sah auch noch interessant aus.

 

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Ein weiteres Highlight für mich war der Scat 2.

 

Auch wenn das Ding aussieht, als hätte man es vor Jahrzehnten in irgendeinem Hinterhof zusammengebastelt, wird dieses Fahrgeschäft tatsächlich so verkauft. Die Anlage hier stammt wohl aus dem Jahr 2008. Man lehnt sich außen an die gebogenen Wände mit dem Rückenpolster, bekommt eine Kette lose vorgehängt, dann geht die Fahrt los. Die gesamte Konstruktion beginnt sich zu drehen und ebenso tun es die beiden Plattformen mit den möglichst gleichmäßig verteilten Fahrgästen. Da wird man doch ganz ordentlich an die Rückenlehne gepresst, alle Achtung.

 

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Die Schiffschaukel ließen wir uns ebenfalls nicht entgehen.

 

Genau diese Anlage wurde nämlich 1992 für niemand geringeren als den King of Pop gebaut. Angeblich war sie Michael Jacksons Lieblingsattraktion in seinem eigenen Vergnügungspark auf der Neverland Ranch. Seit 2009 ist sie nun in Beech Bend zu finden. Wir konnten uns noch die kleine Zaubershow gegenüber anschauen (bei der zwei unserer Gruppe auch als "freiwillige" Assistenten mitmachen durften), dann wartete auch schon wieder der Bus auf uns. Gegen 13:30 Uhr ging es weiter in Richtung Tennessee, womit wir bereits den siebten US-Bundesstaat auf unserer kleinen Rundreise erreichten. Außerdem wechselten wir nun endgültig in die Eastern Standard Time.

 

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Nach etwas mehr als dreieinhalb Stunden sah ich eine Kugel vorbeifliegen, die mir verdächtig bekannt vorkam.

 

Auf die drittgrößte Stadt Kentuckys folgte mit Knoxville die drittgrößte Stadt Tennessees, wenn auch nur auf der Durchreise. Wie der geneigte Simpsons-Fan weiß, fand hier im Jahre 1982 die Weltausstellung statt, deren Wahrzeichen die sogenannte Sunsphere war. Also die goldene Sonnenkugel, die die Spitze eines 81 Meter hohen Turmes bildet. Obwohl schnell zum bekanntesten Symbol der Stadt avanciert, blieb die Kugel nach der Weltausstellung weitestgehend ungenutzt. Darauf beruht vermutlich auch die Simpsons-Folge, in der die Kinder nach Knoxville ausbüchsen, um die Weltausstellung zu besuchen - wo sie dann erst merken, dass die ja schon ein paar Jahre her ist. Die Sunsphere dient in der Folge als Perückenlager und wird schließlich von Nelson zum Einsturz gebracht.

 

Fazit: Beech Bend ist sehr übersichtlich und besteht im Grunde vorwiegend aus transportablen Attraktionen auf der grünen Wiese - beziehungsweise auf den breiten Wegen auf eben jener. Atmosphärisch konnte der Park bei mir leider nicht einschlagen, die Vegetation beschränkt sich abgesehen von wenigen Bäumen auf Gras und die Wege waren ziemlich verwaist. Ein so offener Park wirkt bei dem geringen Besucheraufkommen halt besonders leer. Dabei lohnt sich ein Besuch schon allein für den Kentucky Rumbler. Aber auch der Scat 2 war eine interessante Erfahrung. Und was man so liest, hätten die Betreiber auf jeden Fall mehr Besucher verdient, damit sie irgendwann doch noch zu ihrem Strandhaus kommen.

 

https://www.youtube.com/watch?v=BwrZOWpyX7c


Pigeon Forge Alpine Coasters

 

Unser Hotel sollte sich in Sevierville befinden, doch der Bus fuhr zunächst nach Pigeon Forge. Als kleine Überraschung hatte unser Reiseleiter noch zwei der hiesigen Alpine Coaster in die Tour eingebaut, die mit normalerweise 15 Dollar pro Fahrt nicht gerade als Schnäppchen bezeichnet werden können (aber im Amiland sind das halt normale Preise für sowas). Alpine Coaster sind eigentlich Allwetterrodelbahnen, man wird also bergauf gezogen und kann dann auf der Abfahrt selbst die Geschwindigkeit regeln. Ob man diese Anlagen als Achterbahn zählt, ist etwas strittig, weshalb der Jubel nicht ganz so groß ausfiel wie erhofft. Hinterher gab es aber auch niemanden, der sich über den kleinen Umweg beschwert hätte.;)

 

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Pigeon Forge ist eigentlich sehr ähnlich zu Branson. Ein Touristenort mit diversen Theatern, Museen und sonstigen Attraktionen.

 

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Darunter ein Ableger der WonderWorks oder das Titanic Museum.

 

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Und eben mehrere Alpine Coaster. Wir starteten mit dem Coaster at Goats on the Roof.

 

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Der Name kommt von den Ziegen, die hier auf dem Dach des zentralen Shops herumlaufen können.

 

Klingt bescheuert? Ist es auch. Lockt aber offenbar genug Touristen an. Tatsächlich stammt die Idee wohl aus Wisconsin, wo der Restaurantbetreiber Al Johnson mit Ziegen auf dem Dach seines Lokals schon in den 1970er Jahren für Aufsehen sorgte. Offenbar erfolgreich, das Restaurant existiert nämlich wohl nach wie vor. Hier in Pigeon Forge hat man die Idee dank einer Lizenz (so schreiben sie es zumindest auf ihrer Homepage) übernommen. Sicherheitshalber hat man 2015 trotzdem noch den Alpine Coaster als zweite Hauptattraktion ergänzt. Etwas ernüchtert war ich über die technische Ausstattung der Anlage, wie alle neueren Alpine Coaster hat er nämlich durchgehend Magnetbremsschwerter auf der Abfahrtsstrecke. Die beschränken natürlich die Höchstgeschwindigkeit und lösen damit durchaus elegant die alten Fliehkraftbremsen an den Schlitten ab. Auf den bisher von mir getesteten Anlagen wurde das Tempo aber vor den Kurven noch deutlich weiter herabgesetzt, sodass jeglicher Fahrspaß verloren ging. Hier war das zum Glück nicht der Fall, ich spürte nur selten eine Bremswirkung auf der 900 Meter langen Strecke - und dann auch eher schwach.

 

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Nur wenige Meter die Straße entlang trafen wir auf den zweiten Alpine Coaster.

 

Der Smokey Mountain Alpine Coaster ist zwar mit Baujahr 2013 zwei Jahre älter, dafür aber auch deutlich länger mit 1200 Metern. Keine Ahnung, ob es an der Dunkelheit lag (das war meine erste Nachtfahrt auf einem Alpine Coaster), aber die Fahrt kam mir zudem äußerst rasant vor für eine Anlage mit den Dauerbremsen. Sicherlich hat auch die wahnsinnig geile Beleuchtung (das sind ja fast mehr Lichter als in Las Vegas!) ihren Teil dazu beigetragen. Wo sonst ist man schließlich schneller als das Licht? Also ich meine so ein Lauflicht entlang der Strecke.:D

 

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Übernachtet wurde schließlich im Sleep Inn & Suites in Sevierville.

 

Fazit: Auch wenn Dirks Ankündigung nicht mit dem gebührenden Jubel aufgenommen wurde, war die Überraschung doch gelungen. Der ein oder andere wusste einfach noch nichts mit einem Alpine Coaster anzufangen. Wenn ich mich recht entsinne, hatten wir tatsächlich ein paar Ersttäter dabei. Mich selbst stimmten die beiden Anlagen sehr positiv, denn sie zeigten mir, dass die Dauerbremsen die Fahrt nicht zwangsläufig kaputtmachen müssen. Sie dienen hier wohl tatsächlich einzig und allein zur Einhaltung der Höchstgeschwindigkeit, statt wie auf anderen Anlagen die Schlitten in den Kurven totzubremsen. Das Ganze in Kombination mit einer Fahrt im Dunkeln, begleitet von über 300.000 LEDs ist natürlich nochmal ein völlig anderes Erlebnis als sonst. Der etwas jüngere Goat Coaster zieht beim direkten Vergleich zwar den Kürzen, dafür mussten wir dort aber auch nicht so lange warten. Und schlecht war er natürlich auch nicht.

 


15.06.2017 Dollywood

 

Wie bereits erwähnt, ist Pigeon Forge sehr ähnlich zu Branson. So gibt es auch hier seit 1961 einen bekannten Freizeitpark, der 1976 zum Schwesterpark der Silver Dollar City wurde. Zwischenzeitlich trug er sogar den gleichen Namen mit dem Zusatz Tennessee, ehe 1985 eine Country-Sängerin mit einer Beteiligung einstieg, die zur Umbenennung zu Dollywood führte. Nämlich die im Sevier County aufgewachsene Dolly Rebecca Parton. Nicht zu verwechseln mit der "Schauspielerin" *hust* Nora Dvoráková alias Dolly Buster. Die hat nämlich mit Dolly Parton in etwa so viel zu tun wie Hollywood mit Dollywood.9_9 Genau wie der Schwesterpark ist Dollywood im Western-Stil gehalten. Vielleicht nicht ganz so detailverliebt, dafür aber mit noch mehr spektakulären Achterbahnen. Sei es die weltweit erste Achterbahn mit Station Fly-Through (2004), der erste "Eurofighter" außerhalb Europas (2007), der erste Wing Coaster auf amerikanischem Boden (2012), oder der Prototyp des Gerstlauer Family Coasters mit zweifachem Abschuss und Rückwärts-Part (2014). Und als ob das nicht schon genug wäre, präsentierte man zur Saison 2016 auch noch die erste Holzachterbahn mit Abschuss.

 

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Auch wenn dieser bergauf führt und somit nicht auf Höchstgeschwindigkeit beschleunigt.

 

Es hat allerdings einen Grund, dass bislang noch niemand einen Magnetabschuss auf eine Holzachterbahn gebastelt hat. Denn der Spalt zwischen den Magneten am Zug sollte natürlich möglichst klein sein, damit die Statoren auf der Strecke effektiv arbeiten können. Holz lebt allerdings, weshalb man da deutlich mehr Spiel einrechnen musste. Aufgrund dieser Probleme war Lightning Rod im ersten Jahr sehr oft geschlossen. Auch vor unserem Besuch hatte man die Besucher wochenlang vertröstet, während RMC an der Bahn arbeitete. Statt der erhofften ERT vor Parköffnung konnte uns der PR-Chef des Parks also lediglich ein paar Backstage-Einblicke mit durchaus interessanten Hintergrundinfos bieten. Fahren sollte die Bahn an diesem Tag eigentlich nicht mehr.

 

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Wie gut, dass ich mir eh schon eine andere Bahn als 600. Count ausgesucht hatte.;)

 

Eine der unscheinbarsten Bahnen in Dollywood, welche 1999 als eine der letzten Achterbahnen des amerikanischen Herstellers Arrow Dynamics eröffnet wurde, ehe das Unternehmen 2001 in die Pleite schlidderte. Man hatte nicht den besten Ruf, die Bahnen waren zwar oft gut, verteilten aber oftmals unangenehme Ohrfeigen. Erst ganz am Schluss hatte man herausgefunden, wie man Achterbahnen mit guten Fahreigenschaften baut, aber da war es eben schon zu spät. Der Tennessee Tornado gehört zu diesen "sanfteren" Arrows und gleitet ohne Schläge über die gut 800 Meter lange Strecke. Dabei schmiegt sich diese hervorragend an das Gelände an, die erste immerhin fast 40 Meter hohe Abfahrt verläuft nahezu komplett unterirdisch durch den Berg. Die größte Besonderheit ist aber der 34 Meter hohe Looping, der etwas stärker in sich verdreht ist, wodurch man sich nicht einfach nur überschlägt, sondern gleichzeitig noch leicht zur Seite gedrückt wird. So schwer das zu beschreiben ist, so seltsam und doch irgendwie genial fährt es sich auch. Es folgen noch zwei weitere Überschläge, ehe man bereits in die Schlussbremse einfährt. Bei einer zweiten Fahrt vorne sitzend bin ich bei dem kleinen Hüpfer mit anschließender Bremsung nicht nur mit den Knien gegen die Frontwand geknallt, ich hing anschließend auch ziemlich seltsam im Wagen, mit dem Rücken mehr oder weniger auf der Sitzfläche liegend. Übrigens war der Designer der Bahn Alan Schilke, der sich heute bei RMC austoben darf...

 

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Der recht sanfte Wing Coaster Wild Eagle schmiegt sich ähnlich gut dem Gelände an.

 

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Etwas ausgeprägtere Stützen hat der Fire Chaser Express.

 

Eine Familienbahn mit zwei sanften Abschüssen (einmal vorwärts, einmal rückwärts) plus Lifthill. Trotzdem kommt das Schienenknäuel gerademal auf eine Länge von 740 Metern. Bei der Fahrt mit Zwischenstopp im explodierenden Feuerwerkslager könnte man schwören, es wären mehr.

 

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Die Mystery Mine vermischt Themenfahrt und Achterbahn.

 

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Und dann hatte der Park doch noch eine Überraschung parat.

 

Um 14 Uhr sollten wir uns nochmal bei Lightning Rod treffen und durften tatsächlich unsere ERT nachholen. Während das normale Publikum vor dem Eingang von den Mitarbeitern beruhigt werden musste, durften wir eine ganze Stunde lang Runde um Runde auf dieser genialen Holzachterbahn drehen. Hier hieß es zur Abwechslung also mal "Germany first".:P Der Abschuss zieht doch kräftiger als erwartet, endet aber deutlich vor der Kuppe, damit das Tempo bei der Abfahrt nicht zu hoch wird. Trotzdem ist Lightning Rod mit 117 km/h die schnellste Holzachterbahn der Welt. Auch sie wurde hervorragend ins Gelände eingepasst und bietet sagenhaftes Tempo mitten im Wald mit eleganten Umschwüngen und ausgeprägter Airtime. Wobei das absolute Highlight der Quadruple Down am Schluss ist. Vom Berg herunter wurde die Abfahrt also in vier Segmente unterteilt, die zusätzlich noch ein wenig verdreht wurden. Und irgendwie haben wir immer 5 Airtimemomente gezählt, man hätte das also durchaus auch als Quintruple Down vermarkten können.

 

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So oder so, dieses Element ist einfach nur geil.:x

 

Leider gab es am Nachmittag eine Gewitterwarnung, weshalb SÄMTLICHE Fahrgeschäfte ihren Betrieb einstellten. Einzig die Indoor-Achterbahn (eigentlich auch eher eine Themenfahrt) blieb geöffnet. Tatsächlich tröpfelte es am Ende nur ein wenig, irgendwann nahmen die Attraktionen wieder den Betrieb auf. So konnte ich noch das letzte Highlight von Dollywood erleben.

 

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Die Parkeisenbahn wird nämlich von einer richtigen, echten Dampflokomotive gezogen!O.o

 

#70 der White Pass & Yukon Route wurde 1938 gebaut und ist seit 1977 in Dollywood im Einsatz. Täglich werden rund 2 Tonnen Kohle verfeuert und verwandeln über 15.000 Liter Wasser in Dampf, während der Zug langsam den Berg erklimmt. Leider bekommt man dabei vom Park selbst nicht viel zu sehen, die Eisenbahnstrecke verläuft (jedenfalls noch) doch etwas abseits der übrigen Attraktionen. Nach der Fahrt in den offenen Wagen sind Haare, Haut und Klamotten der Passagiere aber auf jeden Fall voller feiner, schwarzer Pünktchen. Ruß, der die Echtheit des Dampfes bestätigt.;)

 

Fazit: Trotz der zahlreichen Parallelen zum Schwesterpark hat Dollywood doch eine ganz eigene Entwicklung durchgemacht. Der Grundgedanke mag identisch sein, aber in Dollywood scheint man in den vergangenen Jahren eher auf spektakuläre Achterbahnen zu setzen (was jetzt nicht heißen soll, dass das die Bahnen in Silver Dollar City nicht wären). Immerhin wurden diese seit 2014 im Zweijahresrhythmus eröffnet. Aber eben nicht einfach nur auf der grünen Wiese, sondern allesamt bestmöglich an das vorhandene Terrain angepasst und größtenteils auch recht gut thematisiert. Insbesondere die Mystery Mine und der Fire Chaser Express bieten dahingehend ein gelungenes Gesamterlebnis. Thunderhead, Wild Eagle und Tennessee Tornado punkten schon alleine durch ihre teils ungewöhnliche Fahrt. Und Lightning Rod ist einfach nur geil. Vor allem geschlossen. Wenn man als Gruppe trotzdem ne Stunde lang fahren darf.B|
Mein persönliches Highlight - abgesehen von dieser HAMMER ERT - war aber die Parkeisenbahn. Ich meine, die lassen da JEDEN Tag eine ECHTE Dampflok fahren. Faszination und Seltenheitsbonus schlagen einfach alles.

 

https://www.youtube.com/watch?v=bvlfWhZO4fY

 


16.06.2017 Carowinds

 

Eigentlich wäre Tag 14 bereits der letzte vollständige Tag in den USA gewesen, so hatten wir die Tour jedenfalls gebucht. Da der Vorschlag einer Verlängerung aber tatsächlich einstimmig angenommen wurde, ging es nicht geradewegs nach Süden, sondern wir legten noch einen Schwenker ein, der uns zum östlichsten Ziel der Reise führen sollte. Außerdem kamen so gleich zwei weitere US-Staaten auf unsere Liste, Nummer neun und zehn. Allerdings gab es an diesem Tag auch so viele Grenzüberquerungen, wie an keinem anderen Tag. Der Freizeitpark Carowinds wurde 1973 nämlich mit dem Gedanken eröffnet, die beiden Carolinas näher zusammenzubringen. Er befindet sich direkt auf der Grenze zwischen North Carolina und South Carolina. Das führt dann zu solchen Kuriositäten, dass ein und das selbe Produkt aufgrund unterschiedlicher Steuersätze im einen Shop mehr kostet als fünf Meter weiter. Zwischenzeitlich gehörte der Park mal zu Paramount, inzwischen ist er im Besitz von Cedar Fair.

 

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Ein paar der 13 Achterbahnen überqueren sogar die Grenze - glücklicherweise ohne Zollkontrolle unterwegs.:P

 

Etwas ungewöhnlich ist dabei, dass Carowinds gleich zwei Hyper Coaster besitzt. Nämlich den 2010 eröffneten Intimidator mit Nascar-Thema (Intimidator war der Spitzname des 2001 tödlich verunglückten Fahrers Dale Earnhardt), mit knapp 71 Metern so gesehen die höchste Achterbahn in South Carolina, sowie Fury 325, 2015 nicht nur als höchste Achterbahn in North Carolina eröffnet. Mit über 99 Metern ist sie zudem die höchste Achterbahn weltweit mit klassischem Lifthill. Das ist schon ein beachtlicher Anblick. Wirklich unglaublich ist aber die Abfertigung, eine so dichte Zugfolge bei einer so großen Bahn habe ich sonst noch nirgendwo erlebt. Hauptgrund dafür ist wohl, dass man hier seine Sachen vor Betreten der Warteschlange in einem (natürlich wieder kostenpflichtigen) Schließfach ablegen muss, sodass ein umständliches durch den Zug zur Ablage klettern schonmal entfällt. Wenn das wie hier zur Verkürzung der Wartezeit beiträgt, bin ich damit auch durchaus einverstanden. Mit lauten Ansagen wird der Fahrgastwechsel zudem fast schon wie in einem Bootcamp angeleitet. Alte Fahrgäste raus, neue rein, Bügel zu, und tschüss. Faszinierend, ich persönlich fühlte mich davon allerdings zu sehr gedrängt. Zumal man die meiste Zeit nur zwei oder drei Züge abwarten musste, bis man an der Reihe war. Und da es die einzige Bahn mit Schließfach-Zwang im gesamten Park war, beließ ich es bei nur zwei Fahrten. Zumal mir persönlich auch irgendwas fehlte - ohne jetzt genau zu wissen, was.

 

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Der Intimidator setzt eher klassisch auf Airtime mit aneinandergereihten Hügeln.

 

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Fury dagegen bleibt nach dem hohen Start recht bodennah und setzt mehr auf Highspeed mit Steilkurven.

 

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Und für die Musiker hat man die Wende als Violinschlüssel geformt - ob absichtlich oder zufällig, ist mir leider nicht bekannt.:D

 

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Vom 20 Meter niedrigeren Aussichtsturm hat man einen schönen Blick auf die Skyline von Charlotte - der Flughafen wäre ein Stück weiter links.

 

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Die dritte Top-Bahn ist der 1999 eröffnete Inverted Coaster Afterburn.

 

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Mein persönliches Highlight war aber der Flying Coaster Nighthawk.

 

Der wurde 2000 als weltweit erster (richtiger) Flying Coaster in Kalifornien eröffnet. Schon 2004 folgte der Umzug nach Carowinds, wobei er zunächst als Borg Assimilator mit Star Strek Thema eröffnet wurde, bis Paramount den Park eben verkaufte. Da es morgens ein paar Verzögerungen mit unseren Eintrittskarten gegeben hatte (die zuständige Mitarbeiterin war wohl nicht aufzufinden), hatte jeder von uns vier Vordrängel-Pässe bekommen. Zweimal konnten wir so die längste Warteschlange des Parks an diesem Coaster überspringen. Die zweite Fahrt hatten wir noch schnell vor dem befürchteten Regen machen wollen, die ersten Tropfen waren schon gefallen. Als wir gerade festgeschnallt wurden, hörte ich ein bedrohliches Rauschen. Es schüttete nun plötzlich wie aus Eimern und ich war mir sicher, man würde uns wieder aussteigen lassen und den Betrieb einstellen. Aber falsch gedacht, im strömenden Regen wurden wir auf die Reise geschickt. Wir waren klatschnass. Ich verblieb den Rest der Zeit dann in einem der Shops, einige andere trotzten dem Regen und nutzten die nun natürlich noch leereren Warteschlangen richtig aus.

 

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Auch wenn sich die Regentropfen bei über 150 km/h wie Nadelstiche anfühlen mussten...O.o

 

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Mit dem Four Points by Sheraton Charlotte - Pineville gab es kurz vor Schluss nochmal ein kleines Hotel-Highlight.

 

Einige ließen sich später nochmal per Uber zum Park bringen, um die langen Öffnungszeiten bis spät in die Nacht voll auszukosten, nachdem es wieder aufgehört hatte zu regnen. Ich selbst verzichtete darauf, nach zwei Wochen Achterbahn ist man dann doch langsam übersättigt. Außerdem konnte Carowinds bei mir eben nicht ganz so sehr punkten wie bei anderen.

 

Fazit: Carowinds hat definitiv einige tolle Achterbahnen zu bieten. Allen voran natürlich die drei Großen (Fury, Intimidator, Afterburn), auch wenn mich keiner davon wirklich restlos begeistern konnte. Afterburn und Intimidator noch am ehesten, bei Fury fehlte mir wie schon gesagt noch etwas. Die Höhe ist mehr als beeindruckend und der Speed nicht zu verachten, aber ansonsten bietet mir die Bahn leider nicht den erwarteten Thrill. Der Flying Coaster erfüllte die Erwartungen dagegen, ich konnte damit schließlich alle drei Auslieferungen dieses Modells bereits fahren. Negativ fiel eigentlich höchstens der Stand-Up Coaster Vortex auf, aber selbst dieser war noch im Rahmen. Optisch hat Carowinds bei mir einen zwiespältigen Eindruck hinterlassen. Viele Bereiche sind doch recht schön geraten, mit viel Grün und einigen schattenspendenden Bäumen. Aber es gibt leider auch einige Bereiche, in denen die Sonne erbarmungslos auf den Beton knallt. Insgesamt hat Carowinds allein schon durch die rekordverdächtige Abfertigung bei Fury und den weiterlaufenden Betrieb selbst in strömendem Regen einen positiven Eindruck hinterlassen. Und den etwas holprigen Start in den Tag hatte man ja schon zum Mittagessen wieder glatt gebügelt.

 

https://www.youtube.com/watch?v=BmUDvFWUub4

 


17.06.2017 Six Flags Over Georgia

 

Unser letzter vollständiger Tag in den USA. Obwohl wir noch gut vier Stunden Fahrt bis zum letzten Park der Tour vor uns hatten, ging es nicht ganz so früh los. Einige waren ja erst spät abends aus Carowinds zurückgekehrt. Außerdem war das Grande Finale jetzt nicht unbedingt ein Knallerpark, muss man einfach so sagen.

 

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So war es bereits 11:40 Uhr, als wir die Hauptstadt des elften Bundesstaates - Georgia - passierten. Atlanta.

 

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Wären wir hier zuvor abgefahren, wären wir fast direkt bei der World of Coca Cola und dem Georgia Aquarium gelandet.

 

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Leider ein ganz mieses Bild, aber links erkennt man noch das Dach des nagelneuen Mercedes-Benz Stadium.

 

Der Bau dieser 1,4 Milliarden Dollar teuren Arena begann 2014, die Eröffnung fand erst im August 2017 statt. Im November wurde dann der alte Georgia Dome direkt daneben gesprengt. Eigentlich hatte ich überlegt, die beiden Stadien am nächsten Tag vor dem Abflug noch eben aus der Nähe zu bewundern, daraus wurde aber letztlich leider nichts. Gegen Mittag erreichten wir schließlich Six Flags Over Georgia, etwas westlich von Atlanta. Der Erfolg von Six Flags Over Texas hatte den Gründer schon bald dazu veranlasst, einen zweiten Standort ins Auge zu fassen. Er erwarb ein passendes Gelände hier bei Atlanta und so eröffnete 1967 der zweite Six Flags Park, der eben die Six Flags Over Georgia thematisierte. In diesem Fall wären das die Flaggen von Spanien, Frankreich, Großbritannien, dem Staat Georgia, den konföderierten Staaten und natürlich wieder den USA. Genau wie das Original gehört auch dieser Park einer Investorengruppe und wird lediglich durch Six Flags betrieben, was auch schon zur ein oder anderen Meinungsverschiedenheit inklusive Klagen geführt hat. Übrigens war Six Flags damit der erste Betreiber in den USA mit zwei Parks. Und wir hatten nun auf unserer Tour alle drei originalen Parks der Kette besuchen können (Over Texas, Over Georgia und St. Louis). Die anderen Parks wurden allesamt zugekauft oder kamen nach der Übernahme durch Premier Parks hinzu. Aufgrund der schlechten Erfahrung in St. Louis hatte ich mich dieses Mal wieder im Vorfeld informiert und den Rucksack im Bus gelassen. Geld trug ich ja eh immer im Brustbeutel unter dem T-Shirt mit mir, und ein Gummiband mit zwei Taschen hatte ich um den Bauch gespannt. In der einen Tasche trug ich das Brillen-Etui spazieren, in dem die Brille während der Achterbahnfahrten verschwinden konnte, die andere Tasche war für das Smartphone reserviert. Und die Kamera hing mit ihrer Tasche fest am Gürtel. Wirklich bequem war das zwar nicht, insbesondere in den teils engen Achterbahnsitzen, aber in jedem Fall besser als ständig nach Schließfächern suchen zu müssen. Und anders als befürchtet, hatte auch keiner der Ride-Ops etwas an den Dellen meines T-Shirts auszusetzen. Der Eingangsbereich war schon recht gut gefüllt, daher kauften sich viele aus Panik direkt einen Flash Pass, um die Wartezeiten an den Attraktionen umgehen zu können. Ich bin kein Frein dieser Vordrängel-Pässe und verzichtete daher. Bis auf wenige Ausnahmen waren die Wartezeiten nämlich auch ohne diesen völlig im Rahmen.

 

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Inklusive kurzer Störung mussten wir beim Flying Coaster mit fast einer Stunde am längsten warten.

 

Der Superman wurde 2002 eröffnet und war damit auch einer der ersten Coaster seiner Art, sowie die erste Achterbahn mit einem Pretzel Loop. Six Flags kaufte im Jahr danach noch zwei Kopien der Anlage, eine davon hatte ich schon 2015 testen können. Das Original gefällt mir aber noch einen Ticken besser, da es nicht einfach auf der flachen Wiese steht, sondern ein wenig den Geländeformen folgt. Direkt eine andere Fahrt.

 

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Bei der 1973 eröffneten Great American Scream Machine konnte man dagegen sogar direkt einsteigen.

 

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Ebenso wie beim frisch renovierten Schienenknäuel Blue Hawk.

 

Jedenfalls nachdem man auch hier endlich eine Störung beseitigt hatte. Die äußerst kompakte Bahn wurde 1989 auf einem Pier in New Jersey eröffnet. Als dieser 1992 schließen musste, kam die Bahn nach Over Georgia. Unser mitgereister Achterbahnprüfer vom TÜV war sich ziemlich sicher, dass die Bahn eigentlich sogar zu eng gebaut wurde und man an einigen Stellen andere Schienen oder Stützen berühren könnte, wenn man wollte. Ausprobieren wollte das aber keiner von uns.9_9

 

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Der Georgia Cyclone von 1990 wurde bereits einen guten Monat später geschlossen.

 

Das Layout war eine gespiegelte Version der Cyclone aus Coney Island und ich fand die Bahn eigentlich recht gut. Trotzdem wurde sie zur Saison 2018 nun ebenfalls von RMC aufgemöbelt und dreht inzwischen als Twisted Cyclone ihre Runden.

 

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Zwei weitere Highlights sind der Georgia Scorcher und der ihn überspannende Goliath.

 

Ersterer eröffnete 1999 als letzter Stand-Up Coaster überhaupt - in der Achterbahn zu stehen hat sich trotz diverser Versuche einfach nicht durchgesetzt. Trotz abblätterndem Lack und längerer Störung (wir waren nach halbstündiger Wartezeit gerade vor dem Gate angelangt) fand ich den Georgia Scorcher aber richtig gut. Gleich nach den japanischen Stand-Ups für mich sogar der beste. Goliath dagegen ist als Hypercoaster mit 61 Metern Höhe seit 2006 die mit Abstand größte Achterbahn Georgias. Nach Überquerung des Eingangsbereichs verläuft die Strecke größtenteils außerhalb des Parks. Der Höhepunkt der Fahrt ist eine 540°-Helix als Wende, bei der man trotz zunehmendem Radius kontinuierlich kräftig in die Sitzschale gepresst wird. Das erinnerte schon fast an den gleichfarbigen Titan in Over Texas.

 

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Schon Obelix wusste: Wenn die Vögel tief fliegen, gibt's Regen!xD

 

Deswegen stellte auch Six Flags Over Georgia am Nachmittag zweimal kurzzeitig den Betrieb wegen Gewitterwarnungen ein. In der ganzen Zeit fiel allerdings nicht ein Tropfen Regen. Die Zeit konnten wir lediglich für eine Runde mit der Parkeisenbahn nutzen, außerdem nahmen wir sogar die Oldtimerbahn (von 1967 und noch original benzingetrieben) um den Hügel in der Parkmitte mit. Das bereits 1908 gebaute Karussell dort schauten wir uns aber nur von außen an. Die größte Überraschung war wohl die Themenfahrt Monster Mansion. Bei der zur Eröffnung des Parks 1967 als Tales of the Okefenokee präsentierten Bootsfahrt schippert man nach zwei Umgestaltungen durch ehemalige Disney-Mitarbeiter 1981 und 2009 nun an allerlei witzigen, skurrilen und herzallerliebsten Monstern vorbei. Zur Erinnerung: Wir befinden uns in einem Six Flags Park. Eher bekannt für nackte Coaster auf der grünen Wiese, wenn nicht gar direkt auf dem Parkplatz. Und ausgerechnet hier befindet sich der mit über 107 beweglichen Figuren größte Animatronic-basierte Darkride außerhalb von Disney! Kaum zu glauben, aber die Monster Mansion ist eine wirklich putzige Themenfahrt.

 

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Nach Parkschluss durften wir dann noch ein paar exklusive Runden auf Mind Bender drehen.

 

Die Mitarbeiter an der ebenfalls 1978 eröffneten Schwesterbahn von Shockwave aus Over Texas wussten allerdings noch nichts von ihrem Glück und mussten erstmal überzeugt werden. Im Laufe der ERT ließen sie sich aber von der sagenhaften Stimmung anstecken, feierten mit und fertigten die Züge so flott ab, wie vermutlich nie zuvor. Auch die Bahn selbst konnte wie erwartet überzeugen, insbesondere dank der Ausnutzung des Geländes. So steht der zweite Looping recht tief und konnte damit fast ans Ende der Fahrt gesetzt werden. Gegen 22:15 Uhr mussten wir den Park dann doch langsam verlassen, eine der 11 Achterbahnen war leider auch hier den gesamten Tag über nicht in Betrieb gegangen.

 

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Die letzte Nacht verbrachten wir im Quality Inn & Suites Atlanta Airport South.

 

Fazit: Ich gebe zu, dass Six Flags Over Georgia mit den ständigen Ausfällen und den vermeintlich unnötigen Schlechtwetter-Unterbrechungen eigentlich noch schlechter hätte abschneiden müssen als der Schwesterpark in St. Louis. Ich persönlich sah das diesmal einfach nicht so eng, da ich die Erwartungen schon weit heruntergeschraubt hatte. Die Ausfälle nervten etwas, aber irgendwie gewöhnte man sich halt dran. Da ich hier vorbereitet war, störte auch die Schließfach-Politik nicht. Und landschaftlich fand ich Six Flags Over Georgia eigentlich sogar ziemlich schön, besonders im hügeligen und bewaldeten Zentrum. Auch das Achterbahnportfolio konnte mich durchweg überzeugen, egal ob Mind Bender, Goliath, Blue Hawk, Great American Scream Machine oder die anderen. Die größte Überraschung war aber die Monster Mansion. Wer rechnet bitte in einem Six Flags Park mit so einer tollen, klassischen Themenfahrt? Und die kurze ERT am Abend war ein mehr als würdiger Abschluss dieser wie immer (fast) perfekten Tour.

 

Hier hatte unser Kameramann leider überhaupt keine Lust zu filmen, bewegte Bilder von diesem Park müsst ihr bei Interesse also selbst suchen.

 

 

Soviel also zu unserer kleinen Tour durch 11 US-Staaten und 15 Freizeitparks. Im dritten Teil des Trip-Reports werde ich dann ausführlich von der Rückreise nach Deutschland berichten.

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Hammer-Teil, dieser Tripreport! Wer nur ein bißchen Begeisterung für Roller-Coaster & Co hat, kommt hier voll auf seine Kosten. :D Ich hab erstmal nur gelesen und viel Zeit damit verbracht9_9. Das Dilemma mit der Brille kommt mir irgendwie bekannt vor und deine Lösung ist echt simpel & doch effektiv:).

Danke für´s Einstellen, war echt klasse!!!

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Ja, die meisten in der Gruppe nutzen eigentlich Brillenbänder, dann können sie die Brille meistens anlassen. Ich trau denen aber irgendwie nicht (hab es aber auch noch nie probiert, weil ich es eben gewohnt bin, ohne Brille zu fahren) und es gibt genug Bahnen und Parks, bei denen man die Brille dann trotzdem abnehmen muss.

 

Sonst lag die Brille meist im Etui im Rucksack im Schließfach (und zwar länger, muss sich ja lohnen). Da hätte ich dann eigentlich direkt alles im Bus lassen können. Die besagte Lösung hatte ich jetzt zum ersten Mal angewendet, das war schon recht zufriedenstellend. Auch wenn es mir schon lieber ist, einfach alles in den Rucksack zu stecken und in der Station zu lassen.

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