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Klage: Dienstbekleidung und Kopftuch am Flughafen

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Du hast bei uns auch nicht die Freiheit, z. B. "Nazi" zu sein oder mit einem Maschinengewehr durch die Straßen zu laufen. Freiheit wird an vielen Stellen eingeschränkt. Was Du mit "jedes Recht für alle" willst, ist Anarchie. Religionsausübung in unserem normalen Rahmen ist problemlos möglich, Fundamentalismus unter dem falschen Etikett der "Religion" nicht.

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Falsch. Wenn ich mit dem Maschinengewehr durch die Stadt laufe, gefährde ich mich und andere. Ein Maschinengewehr ist nun mal per se ein gefährlicher Gegenstand. Das kann man von einem Stück Stoff auf dem Kopf nicht behaupten. Die Freiheit, Waffen zu tragen, ist deswegen mit gutem Recht eingeschränkt.

Es ist im Übrigens hierzulande auch nicht verboten, "Nazi zu sein". Der bloße Umstand, sich zu einer fremdenfeindlichen, menschenverachtenden Ideologie zu bekennen, ist keine Straftat. Ein Gedanke kann nicht verboten werden - das ist ein sehr wichtiger Grundsatz des Rechtsstaates. Dass man Organisationen, die derartige Ideologien umsetzen wollen, samt ihrer Symbole verbietet, ist eine andere Sache, denn in so einem Fall verlässt man die Ebene des Denkens und begibt sich in die Sphäre des Handelns.

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vor 31 Minuten schrieb Gyps_ruepelli:

Noch zum Kopftuch als Solches: Ich finde die Frage interessant, ob das ein religiöses Symbol ist. Meine Oma trug im Kuhstall auch ein Kopftuch, war aber Christin. Der dem Kopftuch verwandte Turban ist z.B. nicht eindeutig einer Religion zuzuordnen. Ich stelle mir die Frage, ob man das nicht als "Bekleidungsvorschrift" auslegen muss, die schlussendlich mit der Verpflichtung orthodoxer Juden gleichzusetzen ist, wann immer möglich einen Hut zu tragen. Niemand käme auf die Idee, der Hut eines orthodoxen Juden sei ein religiöses Symbol.

Ich glaube, Du bringst hier ein paar Dinge völlig durcheinander. Das Kopftuch Deiner Oma ist nie ein religiöses Symbol gewesen. Das muslimische Kopftuch ist es aber wohl, auch wenn die Bedeckungsvorschriften im Koran nur in 3 Versen vorkommen, also eher unwichtig sind. Im Lauf der Zeit haben sich die Kleidervorschriften in verschiedenen islamischen Schulen unterschiedlich entwickelt. Der Kemalismus in der Türkei hatte dafür gesorgt, dass das Kopftuch bei Frauen "aus der Mode" geriet, und zu Beginn der Arbeitsimmigration in Europa auch kaum zu sehen war. Das hat sich durch fehlenden Druck in den europäischen Ländern, teilweise auch durch Druck der Männer, aber auch durch wachsendes weibliches Selbstverständnis geändert. Man darf auch nicht vergessen, dass der Islam einen Missionsauftrag hat, der z.T. ja auch heute sehr blutig umgesetzt wird (siehe IS). Also, das Kopftuch ist ohne Zweifel ein religiöses Symbol. Das Kreuz am Kettchen um den Hals ist es natürlich auch, Nur ist das Kreuz eben sehr viel diskreter. Und da das Kreuz nicht nur Teil des christlichen Glaubens sondern auch Teil unseres europäischen Kulturgutes ist, regt sich niemand darüber auf. Ob man das heute in der Türkei auch offen tragen könnte, ohne kritisiert zu werden, da habe ich mittlerweile meine Zweifel. Den Hut bei orthodoxen Juden in den Vergleich einzubeziehen, ist schon deshalb untauglich, weil er mengenmäßig hier einfach unerheblich ist. Kommt hinzu, dass der mosaische Glaube keine Mission kennt. Eine Kippa wird i.d.R. auch nur bei religiösen Handlungen getragen.

vor 4 Minuten schrieb Gyps_ruepelli:

Dass man Organisationen, die derartige Ideologien umsetzen wollen, samt ihrer Symbole verbietet, ist eine andere Sache, denn in so einem Fall verlässt man die Ebene des Denkens und begibt sich in die Sphäre des Handelns.

Interessanter Satz. Der salafistische Missionsauftrag und der Dschihadismus sind ja organisatorisch als auch von deren Symbolen also etwas, was wir verbieten dürfen. Das Kopftuch als Teil der Symbolik beim Dschihad sollen wir aber akzeptieren. Damit ich nicht falsch verstanden werde, nicht jede Kopftuchträgerin ist eine Dschihadistin; umgekehrt aber wohl.
Und um den Kreis zu schließen: Wenn ich als Mitteleuropäer in einem Flugzeug der Lufthansa eine Flugbegleiterin mit Kopftuch erleben würde, wär ich zumindest ziemlich irritiert.

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Ich glaube nicht, dass ich etwas durcheinander bringe. Für das Grundrecht auf freie Religionsausübung spielt keine Rolle, ob die Religion, die ausgeübt wird, groß, klein, missionarisch oder mosaisch ist. Auch historische Hintergründe spielen dafür keine Rolle. Das Christentum hat seinen Missionsanspruch im Übrigen in der Vergangenheit auch sehr blutig durchgesetzt.

Was mich bei der Rezeption des Kopftuchs als "religiöses Symbol" umtreibt ist die Frage, ob das Kopftuch ein solches Symbol per se ist oder ob es qua Rezeption dazu gemacht wird. Das Kreuz und auch das Ichtys-Symbol sind ganz klare Symbole des Christentums. Der Davidstern und die Menora stehen sehr klar für das Judentum. Aber ist das beim Kopftuch auch so? Für mich sind das klassische Symbol des Islams Halbmond und Stern. Und das gilt mit Sicherheit auch für die IS-Flagge, die ja das islamische Glaubsbekenntnis enthält.

Eine Anekdote am Rande dazu - auch wie man das Kopftuch missverstehen kann: Ich kenne eine Erzählung aus einem kleinen Dorf, in dem eine syrische Flüchtlingsfamilie untergebracht und sehr gut integriert ist. Irgendwann zeigte eine alte Frau aus dem Dorf den Syrern ein Familienphoto und eine Frau war völlig aus dem Häuschen und sagte "Moslem!" und deutete auf die Schwester der besagten alten Frau. Die ist Ordensschwester und trägt Habit...

vor 23 Minuten schrieb aaspere:

Interessanter Satz. Der salafistische Missionsauftrag und der Dschihadismus sind ja organisatorisch als auch von deren Symbolen also etwas, was wir verbieten dürfen. Das Kopftuch als Teil der Symbolik beim Dschihad sollen wir aber akzeptieren. Damit ich nicht falsch verstanden werde, nicht jede Kopftuchträgerin ist eine Dschihadistin; umgekehrt aber wohl.

Und um den Kreis zu schließen: Wenn ich als Mitteleuropäer in einem Flugzeug der Lufthansa eine Flugbegleiterin mit Kopftuch erleben würde, wär ich zumindest ziemlich irritiert.

Ich störe mich an der "Symbolik des Kopftuchs beim Dschihad". Allein der Umstand, dass meinetwegen alle Dschihadistinnen Kopftuchträgerinnen sind (wir sind uns einig, dass die Umkehrung in keinem Fall richtig ist!), kann doch kein Grund sein, Kopftücher zu verbieten. Für mich ist das Kopftuch viel zu abstrakt, um ein "eindeutiges Symbol" zu sein. Dass eine Kopftuchträgerin, der man auf der Straße begegnet, mit großer Sicherheit Muslima ist, ist in der Tat richtig, aber ich bezweifle trotzdem die Eindeutigkeit des Symbols.

Und was die Flugbegleiterin angeht: Warum nicht? Ich meine, wenn ich von ihr den Tee bekomme, den ich haben möchte und sie freundlich zu mir ist - was habe ich da noch zu wollen?

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vor 8 Minuten schrieb Gyps_ruepelli:

Auch historische Hintergründe spielen dafür keine Rolle.

Doch, genau die historischen Hintergründe spielen die größte Rolle. Unser ganzes Denken und Handeln spielt sich doch vor dem Hintergrund unserer Erfahrungen und Erkenntnisse aus der Historie ab. 

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Ja, man muss aber vorsichtig sein, wie man dieses Wissen einsetzt. Die selben Argumente, mit denen man vor 50 Jahren in den USA gegen die Desegregation gekämpft hat nutzt man heute, um die sexuelle Gleichberechtigung aufzuhalten. Genauso ist es mit den Argumenten gegen Latinos, zuvor waren es Italiener, Iren, Chinesene, etc. 

Ich lasse das Argument zu, dass ein Kreuz ein religöses Symbol sein kann oder ein kulturelles Symbol. Genau das selbe gilt für das Kopftuch und den Turban. Wer entscheidet dann, ob es für den Träger ein kulturelles Symbol oder ein religöses Symbol ist. Das kann nur der Träger für sich entscheiden. 

Schaffe ich eine Behörde für den Test auf Kulturadaptionsfähigkeit [was auch immer?]. Testet diese Behörde dann auch die Weigerung der katholischen Kirche, das Priesteramt für Frauen weiterhin nicht zugänglich zu haben. Oder schränkt man die Rechte der katholischen Kirche ein, weil die Aufklärung diverse Pädophilie-Skandale zu wünschen übrig lässt.

Noch weniger zielführend ist es, die Definition von Extremisten zu übernehmen und damit vor denen zu kapitulieren oder deren Religionsauslegung zu validieren. Oder einen Schritt weiter zu gehen und Restriktionen in Land X als Rechtfertigung für Restriktion im eigenen Land heranzuziehen.

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Lieber Oliver, mach es doch nicht so kompliziert. Der Begriff Historikerstreit ist mir durchaus geläufig. Hier dreht es sich aber erstmal nur um zwei höchstrichterliche Entscheidungen in Sachen Kopftuch am Arbeitsplatz. Die Trägerinnen berufen sich immer auf den Grundstz der freien Religionsausübung. Und die Richter sagen jetzt eben: "Das kommt drauf an.", der liebste Satz der Juristen. Damit haben wir nach wie vor keine Rechtssicherheit, weder für die absoluten Gegner des Kopftuches, wie z.B. User Nosig, noch für die Ultraliberalen. Nur die Richtung ist etwas konkreter vorgegeben.

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Am 14.3.2017 um 16:30 schrieb Gyps_ruepelli:

Falsch. Total falsch. Hierzulande geht nicht, was andere in ihrer freien Entfaltung einschränkt. Punkt. Die wohlfeile Wahlkampfformulierung "Toleranz ist keine Einbahnstraße" ist innerhalb eines Staates zu verstehen. Wenn z.B. ein in Deutschland lebender Türke erwartet, dass er in seiner Wahlheimat akzeptiert wird, dann muss er akzeptieren, dass sein Sohn u.U. einen Mann statt einer Frau mit nach Hause bringt und dass er seine Tochter nicht "zwangsverheiraten" kann. Wir haben uns Regime wie das in Saudi-Arabien in keinem Punkt als gesellschaftspolitische Vorbilder zu nehmen. Ich könnte mich schütteln, wenn ich die Diskrminierung von Christen in der Türkei als Argument gegen einen Moscheebau in Deutschland höre.

Noch zum Kopftuch als Solches: Ich finde die Frage interessant, ob das ein religiöses Symbol ist. Meine Oma trug im Kuhstall auch ein Kopftuch, war aber Christin. Der dem Kopftuch verwandte Turban ist z.B. nicht eindeutig einer Religion zuzuordnen. Ich stelle mir die Frage, ob man das nicht als "Bekleidungsvorschrift" auslegen muss, die schlussendlich mit der Verpflichtung orthodoxer Juden gleichzusetzen ist, wann immer möglich einen Hut zu tragen. Niemand käme auf die Idee, der Hut eines orthodoxen Juden sei ein religiöses Symbol.

Danke für diesen Beitrag! Ich stimme vollumfänglich zu. Meine Oma trug als Christin immer Kopftuch, auf Grund ihres Glaubens. Freitags aß sie nur Fisch und sie fastete vor Ostern. In der Kirche saß sie immer getrennt von Opa. Opa war der Boss, half Null bei Kindererziehung und Haushalt und Oma hatte zu kuschen. Das ist nur 60 Jahre her und heute regen manche sich tierisch auf, weil andere Kulturen ein paar Jahrzehnte hintendran sind und das heute noch pflegen was bei Opa und Oma früher völlig normal war.

Woher nehmen solche Menschen die Arroganz, aufgrund des Glücks, heute hier zu leben, derart abfällig, nierderträchtig und unchristlich über andere Kulturen zu urteilen?

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Am 14.3.2017 um 16:14 schrieb Nosig:

Nein. Hier ist christliches Abendland und nicht der Libanon. In Saudi Arabien gehen dafür keine Hotpants. Man muss nicht alles egalisieren wollen bis der letzte Spinner sein Recht kriegt. Dann kriegt keiner mehr sein Recht.

Was willst Du? Libanesische oder arabische Verhältnisse mit den daraus zwagsweise folgenden, erheblichen Einschränkungen Deiner persönlichen Rechte? Dann bist Du in einer freiheitlichen Gesellschaft falsch.

Du kannst nicht gleichzeitig freiheitliche und einschränkende Rechte einfordern.

Entweder - Oder.

Ich wette, Du würdest nie die Freiheit Deiner Rechte aufgeben, damit die Freiheit andersdenkender Menschen beschnitten werden kann.

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Es kommt noch ein Aspekt hinzu: Ich bin absolut dafür, die Einhaltung unserer Werte einzufordern, wenn durch die Ausübung einer fremden Tradition jemand anders in seiner Freiheit eingeschränkt wird (eben das Beispiel "Zwangsheirat"). Wenn man aber niemanden einschränkt (ich erkenne durch das Tragen eines Kopftuches durch eine Stewardess/Verkäuferin etc. keine Einschränkung meiner eigenen Freiheit), ist es okay.

Man führt nun gern ins Feld, dass manche der Kopftuch tragenden Frauen (nicht alle!) von ihren Männern oder Familien dazu gezwungen würden, Kopftuch zu tragen. Aber was wäre die Konsequenz eines "Kopftuchverbotes"? Die Konsequenz wäre nicht, dass eine erzkonservative Familie sagen würde "okay, wenn's verboten ist, darfst Du das Kopftuch ablegen". Es würde eher bedeuten, dass man den Frauen verbieten würde, das Haus zu verlassen und das kann auch nicht im Sinne der Frauen sein.

Es ist auch nicht immer, dass das, was man selbst als das Beste für einen Menschen empfindet, von diesem Menschen selbst für das Beste gehalten wird. Mein Vater erzählte neulich, er habe bei einem Krankenhausaufenthalt, das Pflegepersonal wie üblich mit "Herr" bzw. "Frau" sowieso angesprochen. Die Frauen bestanden aber auf der Anrede "Schwester" Vorname. Eine Krankenschwester aus meinem Bekanntenkreis erzählte einmal, dass die Bezeichnung "Schwester" von Krankenpflegerinnen als respektvoll empfunden wird und nicht etwa - wie ich es empfinde- als herablassend. Der langen Rede kurzer Sinn: Nicht jede Frau, die man als durch das Kopftuch unterdrückt bedauert, empfindet sich auch als unterdrückt.

Dass Niqab und Burqa nochmal auf einem ganz anderen Blatt stehen, versteht sich von selbst.

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Deine Meinung zum Kopftuch ist ja o.k., für Dich. Nur, der EuGH hat da eine etwas differenzierte Meinung; und nur das zählt jetzt.
Übrigens:
Ein führender Repräsentant dieser anderen Kultur (@ mautaler) hat gestern in Antalya mit Religionskriegen in Europa gedroht.

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vor 11 Minuten schrieb aaspere:

Übrigens:
Ein führender Repräsentant dieser anderen Kultur (@ mautaler) hat gestern in Antalya mit Religionskriegen in Europa gedroht.

Und was hat ein durchgeknallter Staatspräsident in Kleinasien mit Muslimen in Mitteleuropa zu tun? Und: Wenn wir Muslimen in Mitteleuropa das Kopftuch verbieten - befeuern wir damit nicht nur noch den Streit?

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Ein Aspekt darf man auch nicht vergessen, es gibt nicht "einen" Islam als einheitliche oder kohärante Bewegung - genausowenig wie es es ein Christentum oder eine katholische Kirche gibt. Am stärksten unter den Terroristen, die im Namen des Islam agieren, leiden im übrigen die gemäßtigen Muslime, die auch die größte Opfergruppe stellen. Wenn man die gemäßtigen ausgrenzt, um die radikalen zu kontrollieren schaft man noch mehr radikale. 

Die wichtigste Aufgabe in Deutschland/Europa ist es, dafür zu sorgen das die "abgegängten" der Gesellschaft nicht ihre Bestimmung im Terrorismus sehen. Es gibt keine typische Demografie aber junge Männer, abgebrochene Ausbildung, Arbeitslosigkeit, Kriminalität (Raub, Körperverletzung, Einbruchdiebstahk, Drogenhandel.)

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vor 5 Minuten schrieb OliverWendellHolmesJr:

Ein Aspekt darf man auch nicht vergessen, es gibt nicht "einen" Islam als einheitliche oder kohärante Bewegung - genausowenig wie es es ein Christentum oder eine katholische Kirche gibt.

Grundsätzlich hast Du Recht, aber ich muss Dich in einem Punkt korrigieren: Das Christentum hat - gemessen an anderen Religionen - einen hohen "Standardisierungsgrad". Gerade der Katholizismus ist extrem standardisiert. Das geht soweit, dass Du einer Messe folgen kannst, selbst wenn sie in einer Dir völlig fremden Sprache gehalten wird. Ich kann es nicht einschätzen, wie es im Islam ist, aber ich würde davon ausgehen, dass der Standardisierungsgrad dort eher dem des Protestantismus entspricht oder darunter liegt. Und der Protestantismus ist ja schon extrem divers.

Ich glaube, das ist ein ganz wichtiger Punkt, den man immer im Kopf behalten sollte, wenn man sich als Christ mit dem Islam befasst.

bearbeitet von Gyps_ruepelli

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Am 24.2.2017 um 10:03 schrieb snooper:

Ich verstehe bsp nicht, warum Arbeitnehmer meinen, unbedingt ihren Kollegen und ihrer Umwelt mitteilen müssen, welchen Glauben sie vertreten .Glauben ist Privatsache und gehört in die Privatspäre und Kirchen. Insofern verstehe ich diese Urteile nicht (gab ja in Berlin wohl auch schon eines mit Schadenersatz?) und ich zweifle die Objektivität und Unvoreingenommenheit solcher Arbeitnehmer an. Ich klebe mir auch nicht das Emblem von Dortmund oder Bayern München ans Revers und erscheine so vor meinen Kunden!

 

 

ob ein Kopftuch tatsächlich eine Religionszugehörigkeit dokumentiert, sei einmal dahin gestellt. Tatsächlich war das Tragen von Kopftüchern in Europa bis weit in die fünfziger Jahre nicht unüblich.  Im übrigen ist es Teil einer offenen Gesellschaft, daß Menschen auch ihre religiösen und politischen Auffassungen öffentlich machen "dürfen".  Und wenn man an die Diskussionen in den achtziger Jahren über Punk Frisuren denkt, dann gibt es bei der "Kopftuch" Frage sicherlich Parallelen.  Warum muß eigentlich ständig in vorgeblich offenen und demokratischen Gesellschaften darüber sinniert werden, was man alles nicht tun sollte anstatt einfach einmal Toleranz zu üben, auch wenn wie zum Bsp ich das Tragen von Kopftüchern bei Frauen ganz furchtbar finde. Und bei der Frage der Wahl der Religionszugehörigkeit hat sich der Staat und damit die Öffentlichkeit nicht einzumischen und das ist auch gut so.

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vor 5 Stunden schrieb flieg wech:

ob ein Kopftuch tatsächlich eine Religionszugehörigkeit dokumentiert, sei einmal dahin gestellt.

Eben nicht, sonst hätte sich der EuGH doch nicht damit in der Form beschäftigt. Und es dreht sich doch auch nicht um ein Kopftuch, das Oma trug oder auch heute noch aus praktischen Gründen trägt, sondern um das Kopftuch, das bei Musliminnen Teil ihrer Religionsausübung ist. Daran kann doch nun wirklich kein Zweifel bestehen. Alle muslimischen Frauen sagen selber, dass sie dieses Kopftuch (zum Zweck der vollständigen Verhüllung der Haarpracht) aus religiösen Gründen tragen. Dagegen ist ja auch nichts einzuwenden, wenn dies nicht zur Störung des Betriebsfriedens führt.
OWH hatte auf der vorigen Seite die EuGH-Entscheidung im ersten Fall völlig richtig so zusammengefaßt:
"Das Ergebnis ist wie folgt: Eine Regel, die das Tragen jeglicher politischer, weltanschaulicher oder religiöser Symbole am Arbeitsplatz untersagt ist zulässig. Sprich es gilt sowohl für das Kopftuch als auch für die Halskette im Kreuz."
Das gibt den Unternehmen, und das ist eben nicht "Öffentlichkeit" die Möglichkeit, klare Regelungen zu treffen, die für alle Mitarbeiter verbindlich sind.

vor 5 Stunden schrieb flieg wech:

Warum muß eigentlich ständig in vorgeblich offenen und demokratischen Gesellschaften darüber sinniert werden, was man alles nicht tun sollte anstatt einfach einmal Toleranz zu üben, auch wenn wie zum Bsp ich das Tragen von Kopftüchern bei Frauen ganz furchtbar finde. Und bei der Frage der Wahl der Religionszugehörigkeit hat sich der Staat und damit die Öffentlichkeit nicht einzumischen und das ist auch gut so.

Ich weiß, dass Du eine andere Meinung hast, aber wir sind eine offene und demokratische Gesellschaft. Und genau deswegen dürfen wir auch über dieses Thema diskutieren. Und meine Toleranz in dieser Frage erstreckt sich auf den gesamten Bereich der Öffentlichkeit mit den Ausnahmen, die die Rechtsprechung bereits vorgegeben hat.
Und niemand stellt hier die Wahl der Religionszugehörigkeit infrage. "Der Staat", wie Du es beschreibst, tut das auch nicht. Der Staat aber, das sind wir alle (auch Du), und unsere gewählten Vertreter in Gemeinden, Kreisen, Ländern, dem Bund und in Europa besitzen auch von Dir den Auftrag, unser Zusammenleben so zu regeln, dass es funktioniert. Das ist keine "Einmischung" sondern Demokratie. Und die Gerichte, wenn sie denn angerufen werden, überprüfen diese Regelungen auf Rechtmäßigkeit. Das religiös begründete Kopftuch von hauptsächlich türkischstämmigen Mitbürgerinnen bedarf ganz offensichtlich solcher Regeln, und das wiederum ist aus meiner Sicht gut so.

 

bearbeitet von aaspere

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Ich glaube, das Urteil als Solches wird hier auch von niemandem in Frage gestellt (obwohl auch ein höchstrichterliches Urteil in einer Demokratie selbtverständlich nicht sacrosankt ist und kritisiert werden darf). Die grundlegenden Argumente, die hier vorgebracht wurden, richteten sich nicht gegen das Urteil, sondern gegen einige, die das Urteil zum Anlass genommen haben, weitergehende Forderungen in dieser Richtung zu präsentieren, die über das Urteil hinaus gingen.

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Na ja, der User "flieg wech" meinte schon, dass das "den Staat" nichts anginge, und damit stellte er auch das Urteil infrage. Und dieses Urteil des EuGH gilt so lange, bis er zu einer anderen Auffassung in einem identischen oder vergleichbaren Fall kommt. Dann würde er seine Entscheidung revidieren. Kritisieren darf man jedes Urteil weil wir in einer freiheitlichen Gesellschaftsordnung leben.

 

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Diesen Dresscode gibts nicht nur in den USA, sondern bei allen Airlines die ihren Mitarbeitern und deren Familien diese Mitarbeiter Tickets geben und eine der Bedingungen für diese Tickets ist ein Dresscode. Der verantwortliche Mitarbeiter wird wohl in nächster Zeit wieder reguläre Tickets kaufen müssen.

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Naja, sagen wir es mal so: Wenn Trump nichts weltbewegendes getwittert hat, muß man eben mit dem vorlieb nehmen, was so anfällt.

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Vorgehensweise im Twitter-Zeitalter: auf etwas eindreschen und um Klärung der Fakten Andere sich bemühen lassen.

bearbeitet von MileHigh

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Diesen Dresscode gibts nicht nur in den USA, sondern bei allen Airlines die ihren Mitarbeitern und deren Familien diese Mitarbeiter Tickets geben und eine der Bedingungen für diese Tickets ist ein Dresscode. 

Sehr richtig. Schon vor der Schulung bei einer Airline werden u.a. zahlreiche Dokumente zugesendet, wo es u.a. um "grooming standards" während und nach der Schulung bzw. während des Tragens der Uniform zur und von der Arbeit geht. Da wird bis ins Detail erklärt, was erwünscht und nicht erwünscht ist. Dies ist meiner Ansicht nach sehr hilfreich und es stellt sich für mich gar nicht nicht Frage, von den Standards abzuweichen. 

Bei einem meiner vorherigen Arbeitgeber existierten auch Regeln, an die sich aber überhaupt nicht gehalten oder auch noch "diskutiert" wurde, ob man wirklich die Krawatte tragen muss. Fürchterlich...

Ein Vorgesetzter würde schon nach Absprache grünes Licht geben, wenn es zu heiss ist und die Krawattenpflicht für den Dienst X außer Kraft gesetzt wird.

Gruss

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