EDDS Geschrieben 27. Januar 2021 Melden Geschrieben 27. Januar 2021 vor 11 Minuten schrieb D-AHLA: Die X3-Piloten werden doch niemals im Monat 8.000-10.000 Euro netto verdienen!? Die X3 Piloten gibt es nicht. Es gibt Co-Piloten und Kapitäne, und auch dort gibt es, je nach Einstellungsdatum, noch verschiedene Vergütungstabellen. Netto-Gehälter sind auch nicht vergleichbar, da sie nach den persönlichen Lebensumständen variieren. Deine genannten Zahlen kann man aber schon als groben Durchschnittswert für einen Kapitän ansetzen, wobei da auch noch Luft nach oben ist. Bei den FOs bewegt man sich irgendwo zwischen 3,5k und 6,5k netto bei StK 1.
jubo14 Geschrieben 27. Januar 2021 Melden Geschrieben 27. Januar 2021 vor 2 Stunden schrieb EDDS: Nur noch mal als kleiner Hinweis bzw. airliners.de-Moderator vs. airliners.de Artikel 26.01.21 8:00Uhr Also eigentlich nicht. Denn wie habe ich geschrieben? Am 26.1.2021 um 12:33 schrieb jubo14: Denn anders als bei der Lufthansa, hat man es bei TUI wohl nicht für nötig befunden, eventuelle Kurzarbeit tarifvertraglich zu regeln. Wer daran nun "Schuld" ist, wäre zwar interessant zu wissen, tut nun aber nichts zur Sache. Wenn der Arbeitgeber die Kurzarbeitsregelung nicht im Tarifvertrag wollte, da die dort nur mit einer Aufstockung durch die VC akzeptiert worden wäre, kann man dann ja ohne Weiteres dem Arbeitgeber die "Schuld" geben. Wobei auch bei einer "Nicht-Einigung" immer beide Seiten zu gehören. Man hat sich bei TUI schlicht nicht einigen können, bei LH aber schon. Ändert aber prinzipiell nichts an der momentanen Situation. Und ganz nebenbei, wenn TUI nun den Piloten einfach nur ein Schreiben hat zukommen lassen mit dem Inhalt "Akzeptieren sie die Kurzarbeit?", dann würde ich vollstes Verständnis für die Ablehnung haben. In unserer Firma haben wir die Zustimmung zur Kurzarbeit nämlich mit einem Angebot der Aufstockung auf mindestens 80% vom Netto verbunden. Dennoch ist es bei TUI nun so, dass es keine Kurzarbeit gibt, weil die Piloten ihre Zustimmung verweigern. Und das völlig unabhängig davon, ob man es verstehen kann oder nicht, ob es begründet ist oder nicht. Einfach weil es Gesetze gibt, die das so wollen.
Beliebter Beitrag Wurstwasser Geschrieben 27. Januar 2021 Beliebter Beitrag Melden Geschrieben 27. Januar 2021 vor 2 Stunden schrieb jubo14: Dennoch ist es bei TUI nun so, dass es keine Kurzarbeit gibt, weil die Piloten ihre Zustimmung verweigern. Und das völlig unabhängig davon, ob man es verstehen kann oder nicht, ob es begründet ist oder nicht. Einfach weil es Gesetze gibt, die das so wollen. Hallo in die Runde, das ist so komplett falsch. Die Piloten und auch die VC wollten Modelle mit Kurzarbeit. Nur wie oben schon erwähnt hätte es eben eine gewisse Aufstockung seitens der Tui benötigt, damit die Piloten wenigstens 50% den alten Nettogehaltes bekommen hätten. Das wollte die Tuifly Geschäftsführung nicht, weil der Tui Konzern die Vorgabe gemacht hat, dass in keinem Unternehmensteil der Tui aufgestockt wird. Also hat man sich im Frühjahr auf einen (umgangssprachlich so genannten) Tarifvertrag Corona geeinigt, in dem für alle Piloten ein Pauschaler Gehaltsverzicht von 20% vereinbart wurde. Übrigens auch für die, die schon in einem der tariflich vereinbarten Teilzeitmodelle bis zu 50% Arbeit und Bezahlung arbeiten. Dieser Tarifvertrag, lief nach einer einmaligen Verlängerung der vereinbarten Laufzeit Ende November aus. Bis dahin haben sich die Tuifly Piloten wie alle anderen Mitarbeiter des Konzerns auch an den Kosteneinsparungen beteiligt. Ein Kurzarbeitsmodell mit Aufstockung hätte dem Tui Konzern deutlich mehr Geld incl Lohnnebenkosten gespart, aber wie schon erwähnt: Konzernraison... Im Sommer hat die Tuifly dann den Mitarbeitern mitgeteilt, dass man die Flotte mehr als halbiert und große Teile des Bodens und der Technik auslagert, übrigens nach England und Belgien. Also traten die Mitbestimmungsgremien von Boden, Cockpit und Kabine in Interessenausgleich- und Sozialplanverhandlungen ein. Parallel dazu hat die VC mit der Tuifly Verhandlungen ausgenommen, ob man durch Kostenreduzierungen (Arbeitszeitregelungen, Alters/Überhangsversorgung und Nullrunden) die Tariflichen Bedingungen so weit absenken kann, dass die Tui doch mehr Flugzeuge betreibt. Diese Verhandlungen hat Tuifly irgendwann für gescheitert erklärt und den Verhandlungstisch verlassen. Streitpunkt war unter anderem, dass die VC gefordert hat, nicht betriebsbedingt zu kündigen sondern andere Modelle zu finden. Das war aber seitens Tui nicht gewünscht. Kurz darauf lief der Tarifvertrag Corona aus. Tuifly hat bei der VC angefragt, ob man den Tarifvertrag mit dem vereinbarten Gehaltscut nicht noch verlängern könne. Die VC hat das zum Anlass genommen, diese Verhandlungen mit der Weiterführung der Verhandlungen zur Restrukturierung zu verknüpfen. Ohne darauf einzugehen hat Tuifly dann in einem Internen Mailing über die Piloten geschimpft, die sich nicht an den Kosteneinsparungen zur Krisenbewältigung beteiligen würden. Die VC Hätte den Tarifvertrag vermutlich sogar verlängert, allerdings mit entsprechenden Klauseln, dass die Mitarbeiter, die ihren Arbeitsplatz dann verlieren daraus keinen Nachteil haben. Nun kommt die Nachricht, dass man sich zur Mediation treffen möchte und pünktlich dazu meldet sich der Konzernbetriebsratsvorsitzende zu Wort und schimpft unter Verbreitung von Unwahrheiten über die unsolidarischen Piloten. Für den Rest zitiere ich mich selber aus meiner Kommentierung des Artikels dazu: Die Frage "Qui Bono" muss hier erlaubt sein.... Warum stichelt der oberste Mitarbeitervertreter gegen eine Berufsgruppe eines Unternehmensteils ohne sich selbst für die auch betroffenen Mitarbeiter am Boden oder in der Kabine einzusetzen? Übrigens ist die Tuifly im Konzernbetriebsrat, dem Herr Jacobi vorsteht noch die größte Gruppe mit den meisten Stimmen. Und die hat ihm die letzten Jahre dort erheblichen Widerstand geleistet sowie seiner Truppe gemeinsam mit der VCveinige Aufsichtsratsposten abgeluchst... Das die Tuifly an die aktuellen Bedingungen angepasst werden muss, bestreitet kein Pilot. Die Frage ist nur, warum jetzt und warum so? Warum versucht man nicht gemeinsam durch die Krise zu gehen wie bei der Condor? Und wenn man restrukturieren muss, warum macht man das nicht sozialverträglich mit den Mitarbeitern? Vielleicht weil man die Chance wittert, sich die Krise zumindest dahingehend zunutze zu machen, in dem man die Altersstruktur und die Tarifbedingungen so billig und mit wegen der Krise an Almosen grenzende Abfindungen durchzieht. So billig wie jetzt bekommt man eben Kündigungen nie wieder. Und man kann nachdem man alle erst mal billig losgeworden ist in die dann günstige Tarifstruktur wieder einstellen. Ein Schelm wer böses dabei denkt... 10
EDDS Geschrieben 27. Januar 2021 Melden Geschrieben 27. Januar 2021 @Wurstwasser Danke für die ausführliche Klarstellung.
D-AHLA Geschrieben 27. Januar 2021 Melden Geschrieben 27. Januar 2021 @Wurstwasser, auch von meiner Seite Danke für den ausführlichen Einblick. Allerdings muss ich über die Forderungen der Vereinigung Cockpit mal wieder mehr als nur schmunzeln. Von einem Unternehmen, dass die Hälfte seines Betriebes abbauen muss (weil schon vor der Krise höchstdefizitär und Ausblick mehr als düster), zu verlangen, auf betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden, ist doch mehr als naiv. Der kurzfristige Abbau kann doch niemals nur ansatzweise über eine natürliche Fluktuation realisiert werden. Zudem wird das Cockpitpersonal in Zeiten wie diesen doch kaum für einen Abbau über einvernehmliche Lösungen zu begeistern sein, da können diese noch so lukrativ sein (was sie wiederum bei einem so hochverschuldeten Konzern eigentlich auch gar nicht sein können). Um Lösungen wie bei der Condor zu finden, bedarf es des Szenarios einer vollkommenen Betriebsschließung. Anders lässt sich mit der VC nicht verhandeln. Davon zeugt auch die oben angesprochenen angebotenen Arbeitszeitregelungen, Alters/Überhangsversorgung und Nullrunden auf Basis eines nicht mehr konkurrenzfähigen Tarifwerks. Nach einer langfristigen, nachhaltigen Lösung klingt das jedenfalls nicht.
jubo14 Geschrieben 27. Januar 2021 Melden Geschrieben 27. Januar 2021 vor 42 Minuten schrieb Wurstwasser: das ist so komplett falsch. Also eigentlich nicht, das alles was Du schreibst, nicht das geringste mit der Kurzarbeit, und nur um die geht es in meinem Statement, zu tun hat. Deine Schilderungen sind sehr interessant zu lesen. Das meiste hat man durchaus so mitbekommen, bzw. sich zusammen suchen können, einiges ist zumindest mir neu. Aber wie ich schon in einem früheren Posting geschrieben habe, ist es eigentlich normal, dass man bei einer längeren Krise auch einen "Not-Tarifvertrag" abschließt. Ob als Ersatz oder Ergänzung zur Kurzarbeit, wird sich sicherlich von Unternehmen zu Unternehmen unterscheiden. Die Lufthansa hat hier deutlich längere Laufzeiten vereinbart. Warum die bei TUI nun so knapp bemessen waren, kann ich als Außenstehender natürlich nicht beurteilen. Ich kann mich nur wundern, was ich offen gestanden auch mache. Warum eine Lösung wie bei Condor für TUI nicht möglich ist, liegt aber leider auf der Hand. Die Flotte bei TUI ist schlicht zu groß und sollte auch schon vor der Krise verkleinert werden. Condor ist "nur das Geld ausgegangen". Wenn also das Ziel ist, nach Corona wieder mit annähernd gleicher Flotte weiter zu fliegen, müssen die Lösungen zwangsläufig andere sein, als wenn man beabsichtigt nach der Krise mit nur noch der halben Flotte weiter zu fliegen. Von daher ist es leider die unschöne Wahrheit, dass es für die Geschäftsführung ein absolutes no-go sein muss, wenn in einer Regelung bei der TUI betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen werden. Die wird es leider geben (müssen).
TobiBER Geschrieben 27. Januar 2021 Melden Geschrieben 27. Januar 2021 vor 4 Stunden schrieb Skydiver: Die Diskussion hatten wir hier schon zu Genüge aber die Sache ist die, das maximale KUG mit Kindern liegt bei etwa 2600€ im Monat, wenn man jetzt vorher 8-10k netto verdient hat, ist das ein krasser Unterschied von heute auf morgen und laufenden Kosten. Natürlich kann man jetzt sagen da muss man für schlechte Zeiten sparen, aber wer legt für sowas unverzinst 100-200k aufs Konto vor allem bei den Immobilienpreisen heutzutage. Und beantworte dir Frage einfach für dich selbst, würdest du auf dem Niveau von 2600€ Einkommen leben, wenn du 10k verdienen würdest? Freiwllig sicher nicht, aber manchmal wird einer dann doch zu gewzungen. Ich zitiere hier mal die dpa dazu: Zitat ....54 Prozent seien auch besorgt um ihre eigene wirtschaftliche Zukunft. Das drücke auf die Einkommensaussichten. Denn: Mit der Verlängerung der Lockdown-Maßnahmen steige auch die Furcht vor einer Pleitewelle in den betroffenen Branchen.....
Lucky Luke Geschrieben 27. Januar 2021 Melden Geschrieben 27. Januar 2021 vor 1 Stunde schrieb Wurstwasser: Und wenn man restrukturieren muss, warum macht man das nicht sozialverträglich mit den Mitarbeitern? Vielleicht weil man die Chance wittert, sich die Krise zumindest dahingehend zunutze zu machen, in dem man die Altersstruktur und die Tarifbedingungen so billig und mit wegen der Krise an Almosen grenzende Abfindungen durchzieht. So billig wie jetzt bekommt man eben Kündigungen nie wieder. Und man kann nachdem man alle erst mal billig losgeworden ist in die dann günstige Tarifstruktur wieder einstellen. Ein Schelm wer böses dabei denkt... Und wenn ich dieses Zitat lese, denke ich mir genau im Kontext des vorangegangenen Beitrags, ob sich die Piloten von TUIfly des Sprichworts mit der Taube, dem Spatz, der Hand und dem Dach bewusst sind. Irgendwie versteh ich auch diese Seite, aber es ist doch offensichtlich, dass TUI eigentlich schon vor Corona absolut keinen Bock mehr auf eine eigene Airline-Operation in Deutschland in dieser Größe hatte, und jetzt tut man von der Mitarbeiterseite her noch sein Bestes, um der GF wirklich ein für alle mal zu beweisen, dass es vielleicht wirklich nicht so schlecht wäre, diese, sorry, Krawallschachtel loszuwerden? Wenn man mal aus Sicht der Konzern-GF schaut, war ein zukunftsorientierter Umgang mit der deutschen TUIfly über die letzten Jahre selten was anderes als ein absoluter PITA. Natürlich tut TUI in gewissem Maße gut daran, sich weiterhin eigene Luftfahrtkapazitäten beizubehalten. Nur erstens könnten das auch die anderen Konzernairlines übernehmen, dann wird halt aus Belgien heraus bereedert (wobei ich nicht weiß, wie da die Kostenstruktur ausschaut), und auch das früher so leidige Thema Ägypten/Türkei ist da nicht mehr so kritisch, und zweitens gibt es auch in dieser Hinsicht einen Tipping Point, ab dem man lieber in Kauf nehmen wird, alle Flugkapazitäten ab DE extern einzukaufen, als sich weiter mit so einem Problemfall rumzuschlagen. Wie naiv muss man sein, um wirklich überrascht zu sein, dass TUI jetzt die historische Chance sieht, ein für alle Mal die Kostenstruktur wieder auf ein kompetitives Niveau zu bringen? Natürlich lässt sich keiner gern die Butter vom Brot nehmen, nur ich hoffe wirklich sehr für die Belegschaft, dass sich dieser Poker am Ende ausgeht. Weil hier wird meines Empfindens nach mit recht viel Einsatz gepokert. 1
Wurstwasser Geschrieben 27. Januar 2021 Melden Geschrieben 27. Januar 2021 vor 4 Minuten schrieb Lucky Luke: Und wenn ich dieses Zitat lese, denke ich mir genau im Kontext des vorangegangenen Beitrags, ob sich die Piloten von TUIfly des Sprichworts mit der Taube, dem Spatz, der Hand und dem Dach bewusst sind. Irgendwie versteh ich auch diese Seite, aber es ist doch offensichtlich, dass TUI eigentlich schon vor Corona absolut keinen Bock mehr auf eine eigene Airline-Operation in Deutschland in dieser Größe hatte, und jetzt tut man von der Mitarbeiterseite her noch sein Bestes, um der GF wirklich ein für alle mal zu beweisen, dass es vielleicht wirklich nicht so schlecht wäre, diese, sorry, Krawallschachtel loszuwerden? So könnte man durchaus denken, wenn dem nicht entgegensteht, dass man vor der Coronakrise Tarifverträge mit diversen Nullrunden und anderen Themen vereinbart und damit den Weg für eine Expansion der Tuifly bereitet hat. Noch Anfang des Jahres wusste man bei Tuifly kaum, wie man die ganzen Crews für die 787 schult und dazu die damit verbundenen Upgradings und Neueinstellungen. Und - wie man so hört ist das Thema unter welchen Bedingungen nach Kündigungen wieder eingestellt wird ein Streitthema... Das Thema Restrukturierung ist mit allen Nebenströmungen so komplex, dass das hier den Rahmen sprengt. Es ist ein Politikum und die Verfechter der kleinen Airline haben sich durchgesetzt. Übrigens auch im Meinungsmainstream hat sich die Aussage durchgesetzt, dass Tuifly viel zu teuer ist. Woher wissen das denn alle? Weil es immer wieder behauptet wird( -> internes Politikum) oder wie hier oder in den Kreisen der Airlineinteressierten schon mal jemand die Zahlen gesehen hat? Ich bestreite auch nicht, dass man aus Management Sicht die Krise nutzen muss, das machen alle Airlines von LH bis Wizzair. Jetzt ist die Gelegenheit die Gehaltsstrukturen nachhaltig zu senken bevor sich die Piloten alles Stück für Stück wieder holen. Auch wenn mir das alles klar ist, finde ich die Härte mit der das gespielt wird unappetitlich. Aber dieser Riss zwischen Mitarbeitern und Airlines ist ja nichts neues. Was mich allerdingswundert ist, wie sehr Airlinebegeisterte das in Foren auch noch gut finden.... Ich kann mir das nur mit Neid erklären... 2
AOG Geschrieben 27. Januar 2021 Melden Geschrieben 27. Januar 2021 Ich habe nicht den Eindruck, dass es die Foristen gut finden. Eher realistisch sehen. Ich kenne Tuifly kaum, kenne aber etliche Techniker, Flughafenarbeiter, Bodendienstleister und aus unserem Unternehmen auch das fliegende Personal. Ich kriege gerade mit, dass etliche Leute die Luftfahrt verlassen und ich glaube auch nicht, dass die Meisten wieder kommen. Ich sehe auch, dass etliche Leute immense Gehaltseinbußen haben und teilweise einen Nebenjob machen müssen. Das die Firmen gerade alle total verunsichert sind (Mitarbeiter wie auch Managment) ist auch nicht zu übersehen. Deswegen glaube ich, dass es ein gewagtes Spiel ist, bei Tuifly nicht gemeinsam an eine Lösung zu arbeiten. Denn ich glaube auch, dass ansonsten etliche Leute kräftig verlieren, da die Flottenreduzierung kommen wird. Und wenn es in 2-4 Jahren wieder Personalbedarf gibt, dreht sich die Verhandlungsposition von den Leuten, die zwischenzeitlich (vielleicht auch zu schlechteren Konditionen) in der Luftfahrt überlebt haben. Denn dann sind die Lizenzen wichtig.
HX583 Geschrieben 28. Januar 2021 Melden Geschrieben 28. Januar 2021 da muss ich AOG zustimmen. die Foristen, oder sagen wir die meisten sind weniger voreingenommen und betrachten die Dinge von unterschiedlichen Perspektiven. Bei dir ist es ja offensichtlich, dass du ein X3 Pilot bist und dich hier extra neu angemeldet hast um deine Sicht der Dinge darzulegen. nur nehme es den anderen nicht krumm, oder unterstelle ihnen gleich Neid (scheint bei Piloten immer so eine Art Beißreflex zu sein) wenn sie deine Ausführungen auch kritisch hinterfragen.
Lufticus Geschrieben 28. Januar 2021 Melden Geschrieben 28. Januar 2021 Sieger und Verlierer... Klingt nach einem tragfähigen Konzept, um die größte globale Krise seit Ende des Zweiten Weltkriegs zu meistern. 1
Pad81 Geschrieben 28. Januar 2021 Melden Geschrieben 28. Januar 2021 Ich glaube das ist zu kurz gesprungen. Die Piloten haben in den letzten Jahren ihre starke Position genutzt um eben auch Themen zu regeln, die weit in die Unternehmenstrategien reinspielen. Es herrschte Mangel am Piloten und einen Streik konnte man sich nicht leisten. Das war bei den Bereichen Technik und Boden nicht so, da konnte/kann man vieles schlichtweg outsourcen. Nun ist das Pendel zur anderen Seite ausgeschlagen und die Piloten haben schlechtere Verhandlungsbasen und müssten mehr Kompromisse eingehen als vorher. Das haben nur leider nicht alle begriffen. Die Forderung auf Verzicht auf Kündigungen kann nicht aufrecht gehalten werden, wenn feststeht, das die Hälfte der Flotte gehen soll. Da ist der Zug abgefahren. Wenn man aber darauf weiter bestehen will, muss man sich nicht wundern wenn Verhandlungen abgebrochen werden. vor 1 Minute schrieb Lufticus: Sieger und Verlierer... Klingt nach einem tragfähigen Konzept, um die größte globale Krise seit Ende des Zweiten Weltkriegs zu meistern. Es gibt leider nur Verlierer derzeit. 3
D-AHLA Geschrieben 28. Januar 2021 Melden Geschrieben 28. Januar 2021 vor 47 Minuten schrieb flapsone: vor allem aus einer Perspektive: des Außenstehenden, ohne direkten Zugang zu faktenbasierten Informationsquellen. Wer seine Meinung nur auf Zeitungsberichte und "Hörensagen" stützt, sollte diese erstmal hinterfragen. Dass immer so gegen Piloten und deren gut organisierte Gewerkschaft gepoltert wird, ist mir einerseits unverständlich und doch gleichzeitig nachvollziehbar. Unverständlich, da in Deutschland nur noch wenige Berufsgruppen die Möglichkeit wahrnehmen, ihre Interessen gegenüber der Geschäftsleitung und den meistens dahinterstehenden Aktionären durchzusetzen - und anstatt die wenigen Verbleibenden solidarisch zu unterstützen, fällt man ihnen letztlich in den Rücken. Wer also sagt "Technik, Boden, Verwaltung haben bereits verloren, nun sollen die Piloten auch verlieren", der könnte doch genauso gut sagen "Technik, Boden, Verwaltung haben bereits verloren, ich hoffe die Piloten halten durch". Aber, und da komme ich dann zum nachvollziehbaren Teil, solange man selbst nicht profitiert, die eigene Lage sich nicht verbessert, fühlt man sich wahrscheinlich besser wenn es allen anderen auch schlecht geht. Der Mensch ist halt Mensch. Ich hoffe jedenfalls dass die Tuifly-Piloten eine für sie akzeptable Lösung erringen können. Die Missgunst der Kabine, Technik oder Verwaltung sind für mich aber durchaus nachvollziehbar, wenn man selbst in Zeiten wie diesen feststellen muss, wie egoistisch, dogmatisch und unappetitlich die Vereinigung Cockpit ausschließlich ihre eigenen Interessen berücksichtigt. Dies war in der Vergangenheit aufgrund ihrer hervorragenden Verhandlungsposition möglich, die sich nun jedoch um 360 Grad gedreht hat und sich in den nächsten Jahren nicht ändern wird. In der Schweiz schulen sie Piloten schon zu Lockführern um! Am 27.1.2021 um 11:30 schrieb Skydiver: Die Diskussion hatten wir hier schon zu Genüge aber die Sache ist die, das maximale KUG mit Kindern liegt bei etwa 2600€ im Monat, wenn man jetzt vorher 8-10k netto verdient hat, ist das ein krasser Unterschied von heute auf morgen und laufenden Kosten. Natürlich kann man jetzt sagen da muss man für schlechte Zeiten sparen, aber wer legt für sowas unverzinst 100-200k aufs Konto vor allem bei den Immobilienpreisen heutzutage. Und beantworte dir Frage einfach für dich selbst, würdest du auf dem Niveau von 2600€ Einkommen leben, wenn du 10k verdienen würdest? Auch mit 2.600 € netto kommt man eine Zeit lang über die Runden... Was sollen denn die Kollegen in der Kabine sagen, die selbst in guten Zeiten nicht mal ansatzweise auf dieses Einkommen zurückgreifen können?!
Wurstwasser Geschrieben 28. Januar 2021 Melden Geschrieben 28. Januar 2021 vor 1 Minute schrieb D-AHLA: Die Missgunst der Kabine, Technik oder Verwaltung sind für mich aber durchaus nachvollziehbar, wenn man selbst in Zeiten wie diesen feststellen muss, wie egoistisch, dogmatisch und unappetitlich die Vereinigung Cockpit ausschließlich ihre eigenen Interessen berücksichtigt. Dies war in der Vergangenheit aufgrund ihrer hervorragenden Verhandlungsposition möglich, die sich nun jedoch um 360 Grad gedreht hat und sich in den nächsten Jahren nicht ändern wird. In der Schweiz schulen sie Piloten schon zu Lockführern um! Lieber D-AHLA, leider total falsch und offensichtlich nicht gut informiert... Die Restrukturierung bei Tuifly umfasst alle Berufsgruppen, aber den Boden trifft es am härtesten. Bis auf die Line Maintenance wird die ganze Technik abgebaut und viele operationelle Stellen sollen nach England ausgelagert werden. Daran ändert die Anzahl der Flugzeuge oder die Verhandlung der VC nichts. Das hat mit der Struktur der Tui Aviation zu tun und wie man sich insgesamt als europäische Airline aufstellt, die in den jeweiligen Ländern nur noch die notwendigsten Funktionen und die Postholder vorsieht. Im Rahmen der Europäischen Gesetzgebung kommt das europäische AOC immer näher. Den Interessenausgleich verhandeln Cockpit und Kabine gemeinsam in der Gesamtvertretung Bord, mit dem Boden ist man im Krisenstab zusammen. Wo genau vertritt jetzt die VC unappetitlich und dogmatisch nur die eigenen Interessen bzw wie genau soll sie denn Deiner Meinung die Interessen des Bodens und der Verdi vertreten? Und wo darf sie das rechtlich? Übrigens arbeiten im Aufsichtsrat der Tuifly die Verdi wunderbar mit der VC zusammen. Richtig ist allerdings, dass es den Piloten bisher aufgrund der Verhandlungspositionen gut ging. Genau die haben die Piloten eben nicht mehr. Und die europäische Liberalisierung wird das nicht verbessern, wie man am Beispiel Ryanair und Wizzair plus Ableger sehr gut erahnen kann. 2
schwarzerAbt Geschrieben 28. Januar 2021 Melden Geschrieben 28. Januar 2021 vor 4 Minuten schrieb D-AHLA: Die Missgunst der Kabine, Technik oder Verwaltung sind für mich aber durchaus nachvollziehbar, wenn man selbst in Zeiten wie diesen feststellen muss, wie egoistisch, dogmatisch und unappetitlich die Vereinigung Cockpit ausschließlich ihre eigenen Interessen berücksichtigt. Dies war in der Vergangenheit aufgrund ihrer hervorragenden Verhandlungsposition möglich, die sich nun jedoch um 360 Grad gedreht hat und sich in den nächsten Jahren nicht ändern wird. In der Schweiz schulen sie Piloten schon zu Lockführern um! Richtig erkannt. Hochmut kommt vor dem Fall. Jetzt stell mal einen vergleich her vom Lockführer zum Piloten mit der Bezahlung, und das schon seit Jahrzehnten. Der Pilot hat/hatte von 100 bis 600 Personen an Bord. Der Lockführer bis zu 1000 Personen. Was verdient ein Lokführer von bis ( 1600-3000 € netto etwa mit allen Zulagen ) im unregelmäßigen Wechseldienst. Der Pilot? Ok der Lokführer hat Schienen (dafür SIFA und Indusi die ständig betätigt werden muß(Aufmerksamkeit/Geschwindigkeitskontrolle.). Dafür der Pilot einen Autopilot und einen Co.
schwarzerAbt Geschrieben 28. Januar 2021 Melden Geschrieben 28. Januar 2021 Ich wollte damit nur aufzeigen, das es Jahrzehnte für die Piloten ein schwimmen als Fettauge auf der Suppe war. So wie es@ Wurstwasser angeschnitten hat. Viele haben sich auch für was besseres gehalten gegenüber anderen Mitarbeiter. Jetzt wo man vom hohen Ross absteigen sollte statt runter zu fallen ist natürlich schwer. Corona hat das halt mit der Holzhammermethode gemacht. Ist aber nun mal so, besonders wenn wir noch Jahre brauchen um auf Niveau von 2019 zu kommen (wenn überhaupt).
PhlY3r Geschrieben 28. Januar 2021 Melden Geschrieben 28. Januar 2021 @schwarzerAbt Auweia. Du willst jetzt ernsthaft das Berufsbild eines Lokführers mit dem eines Piloten vergleichen ? Nur weil beide Personen befördern ? Der Koch darf dann mit dem Chirurgen verglichen werden, weil beide mit dem Messer hantieren ? 4
schwarzerAbt Geschrieben 28. Januar 2021 Melden Geschrieben 28. Januar 2021 vor 1 Minute schrieb PhlY3r: @schwarzerAbt Auweia. Du willst jetzt ernsthaft das Berufsbild eines Lokführers mit dem eines Piloten vergleichen ? Nur weil beide Personen befördern ? Der Koch darf dann mit dem Chirurgen verglichen werden, weil beide mit dem Messer hantieren ? ich weiß das man das nicht 1 zu 1 vergleichen kann bzw will ich auch nicht. Nur mal etwas die Verhältnismäßigkeit nicht aus dem Auge verlieren und mal sehen was sonst so verdient wird in der Transportbranche.
D-AHLA Geschrieben 28. Januar 2021 Melden Geschrieben 28. Januar 2021 vor 14 Minuten schrieb flapsone: Wieviele Jobs in Kabine, Technik und Verwaltung der jeweiligen Betriebe wurden in der Vergangenheit durch die VC gerettet, indem man erfolgreich Flugzeugtransfers zu schlechter tarifierten oder gar ausländischen Tochter- und Schwesterfirmen verhindern/begrenzen konnte? Und dass Gewerkschaften keine direkten Forderungen für fremde Berufsgruppen stellen können, sollte doch auch klar sein, ... nahm ich zumindest bisher an. Die Frage ist eher, wieviel Jobs in der Kabine, Technik und Verwaltung die VC mit ihren Forderungen verhindert hat. Die Langstreckenoperation bei X3 wäre auch fast daran gescheitert, obwohl die Mehrheit diese unbedingt umsetzen wollte und zu Zugeständnissen bereit war um diese zu ermöglichen. Und ja, am Ende hat sich auch die VC ums notwendigste bewegt...
Patsche Geschrieben 28. Januar 2021 Melden Geschrieben 28. Januar 2021 vor einer Stunde schrieb D-AHLA: Die Frage ist eher, wieviel Jobs in der Kabine, Technik und Verwaltung die VC mit ihren Forderungen verhindert hat. Die Langstreckenoperation bei X3 wäre auch fast daran gescheitert, obwohl die Mehrheit diese unbedingt umsetzen wollte und zu Zugeständnissen bereit war um diese zu ermöglichen. Und ja, am Ende hat sich auch die VC ums notwendigste bewegt... Wenn eine Langstreckenops von anfang an auf Zugeständnisse angewiesen war, könnte man sich natürlich auch fragen ob nicht einfach das Konzept Mist war. Das billigeres Personal nicht alles ist sieht man ja an EWG, EWE, LGW, SXD usw. 1
PhlY3r Geschrieben 28. Januar 2021 Melden Geschrieben 28. Januar 2021 vor 1 Stunde schrieb schwarzerAbt: Nur mal etwas die Verhältnismäßigkeit nicht aus dem Auge verlieren und mal sehen was sonst so verdient wird in der Transportbranche. Also ohne den Brummi/Lok/Busfahrern zu Nahe zu treten: Dein Vergleich hinkt. Ich nehme an, Du bist auch kein Pilot. Wenn der Lokführer ein Problem mit dem Zug hat, hält er an und niemand kommt zu Schaden. Der LKW Fahrer tut dasselbe und meldet sich beim ADAC. Wenn ihm der Sprit ausgeht, hilft auch in diesem Fall gerne jemand aus. Bei den Piloten sieht das wohl leider anders aus. Der Zeitraum, sich mit einem Problem auseinanderzusetzen ist streng begrenzt. Die Optionen oft eingeschränkt. Das Wetter nicht immer auf Deiner Seite. Die "Leute hinten" sitzen im selben Boot, an diese denkt man aber eigentlich gar nicht so wirklich, weil man ja selber in der Karre sitzt und nicht in die Zeitung will...; Wenn Du aus der Branche wärest, würdest Du so einen Unsinn auch zwecks Vergleich nicht bringen. Das hinkt einfach. Ich sage auch nicht, dass man hier permanent "am Limit" arbeitet. Aber die Piloten sind für diesen einen Tag da, an dem sie anderen Menschen an Bord durch professionelles Verhalten das Leben erhalten. Und dies erfordert nunmal Professionalität, die es nicht umsonst gibt. 1
Lucky Luke Geschrieben 28. Januar 2021 Melden Geschrieben 28. Januar 2021 Dieser geschissene "PiLoTeN SiNd nUr DiE BuSfAhReR dEr LüFtE"-Vergleich ist leider so deppert und wird trotzdem weiter fleißig in der Gesellschaft gepushed. Wenn ich jedes Mal, dass ich mir den Schmarrn anhören und dann korrigieren durfte nen Döner hätte essen müssen, hätte ich jetzt die Figur von Jumbo Schreiner. Das Ding ist, und das bedenken viele Leute nicht, Piloten werden nicht für ihre alltägliche Arbeit bezahlt. Ich mein, ich hab selber nie ein Verkehrsflugzeug gesteuert, aber genug fliegendes Personal hat schon selber eingestanden, dass für die Everyday Work die Bezahlung bei den oberen 40 oder 50% aller Arbeitgeber eigentlich ziemlich wild ist. ABER: Piloten werden bezahlt für zwei oder drei Momente in ihrer Karriere. Zwei oder drei Momente in denen "make it or break it" sehr wortwörtlich ist und oft über Leben oder Tod entscheidet. Die Momente, in denen eben nicht Joe Public auch die Knöpfe im Airbus drücken könnte, weil mehr gefragt ist als reiner Dienst nach Vorschrift. Jetzt kann man natürlich sagen - "aber so viele Ereignisse gibts ja gar nicht im Avherald". Dann sag ich "überleg mal warum". 2
EDDS Geschrieben 28. Januar 2021 Melden Geschrieben 28. Januar 2021 (bearbeitet) vor 44 Minuten schrieb Lucky Luke: Das Ding ist, und das bedenken viele Leute nicht, Piloten werden nicht für ihre alltägliche Arbeit bezahlt. Ich mein, ich hab selber nie ein Verkehrsflugzeug gesteuert, aber genug fliegendes Personal hat schon selber eingestanden, dass für die Everyday Work die Bezahlung bei den oberen 40 oder 50% aller Arbeitgeber eigentlich ziemlich wild ist. ABER: Piloten werden bezahlt für zwei oder drei Momente in ihrer Karriere. Zwei oder drei Momente in denen "make it or break it" sehr wortwörtlich ist und oft über Leben oder Tod entscheidet. Die Momente, in denen eben nicht Joe Public auch die Knöpfe im Airbus drücken könnte, weil mehr gefragt ist als reiner Dienst nach Vorschrift. Das sehe ich anders, dass das Gehalt nur durch ein oder zwei Situationen in der Berufslaufbahn zu rechtfertigen ist. Zumal die allermeisten Piloten diese hop oder top Situationen in Ihrer Karriere gar nicht erleben, weil diese viel zu selten vorkommen. Weiterhin kann kein Einstellungsprozess und kein Simulatortraining sicherstellen, dass alle im Cockpit beschäftigten Personen die Situationen auch zuverlässig meistern, weil die Realität eben nicht simulierbar ist. Nicht umsonst passieren ca. 70% der Unglücke auf Grund von menschlichem Versagen. Natürlich kann man gewisse Persönlichkeiten raus filtern, aber auch in den Cockpits arbeiten nicht nur "Heros", sondern ganz normale Menschen mit unterschiedliche Charaktereigenschaften. Das Gehalt ist viel mehr dadurch zu rechtfertigen, dass der Job keine Fehler verzeiht. Egal zu welcher Uhrzeit der Dienst begonnen hat, egal bei welchem Wetter, egal in welcher Zeitzone. Man muss unter allen Bedingungen in der Lage sein, sinnvolle und möglichst richtige Entscheidungen zu treffen. Und wer glaubt, dass in einem Cockpit keine Fehler passieren, der irrt auch komplett. Es passieren ständig Fehler, nur werde diese durch standardisierte Abläufe und Checklisten gecovered. Das ist die eigentliche Herausforderung im Alltag, im Gegensatz zu einem LKW-Fahrer oder einem Lokführer, welche sich beide bei schlechtem Wetter, Müdigkeit oder Überforderung einfach durch anhalten aus der Gefahrensituation befreien können. Bearbeitet 28. Januar 2021 von EDDS 1
Lucky Luke Geschrieben 28. Januar 2021 Melden Geschrieben 28. Januar 2021 @EDDS Schau, eigentlich widersprechen wir uns gar nicht so sehr. Dein vor 8 Minuten schrieb EDDS: Man muss unter allen Bedingungen in der Lage sein, sinnvolle und möglichst richtige Entscheidungen zu treffen. ist doch nur eine gesünder formulierte Variante von vor 51 Minuten schrieb Lucky Luke: Piloten werden bezahlt für zwei oder drei Momente in ihrer Karriere. Du hast ja selber erwähnt, dass die Brot-und-Butter Normal OPS eigentlich recht gut Fehler verzeiht dank der Standardisierung, und ehrlich gesagt habe ich es selten so empfunden, als wäre das Decision Making auf Routine-Flügen eine besonders schwere Geschichte, aber das ist auch nicht meine Expertise, dafür wurde ich nie bezahlt. Zwei oder drei kritische Momente war vielleicht ein bisschen übertrieben, aber auf jeden Fall ein geringer Teil der durchgeführten Flüge. Damit meine ich jetzt auch gar nicht mal unbedingt Situationen, in denen fünf der vier vorhandenen Triebwerke explodieren und gleichzeitig zwei Flügel abfallen, während die Crew eine Fischvergiftung erleidet. Sondern eben genau dieses Risiko von Mental Slips, die im falschen Moment aus einer absoluten Routine Havoc entstehen lassen können, weil die Crew leider in wenigen Sekunden einen falschen Pfad heruntergegangen ist. Sei es eine Situation wie Helios 522, sei es das Drücken des TOGA-Knopfes, ohne zu bemerken, dass leider die Throttle Lever nicht nach vorne fahren, sei es ein Gear Up-Manöver, was komplett an der falschen Stelle kommt. Das waren alles Situationen, in denen Crews einwandfrei flugfähige Luftfahrzeuge aufgrund kurzer Lapsus zerlegt haben, im Fall Helios leider nicht nur das Lfz. Und die entstanden alle aus *eigentlich* einfachen Situationen heraus. Um mal wieder den Bogen zu TUI zu spannen: vor 6 Stunden schrieb flapsone: Wer also sagt "Technik, Boden, Verwaltung haben bereits verloren, nun sollen die Piloten auch verlieren", der könnte doch genauso gut sagen "Technik, Boden, Verwaltung haben bereits verloren, ich hoffe die Piloten halten durch". Aber, und da komme ich dann zum nachvollziehbaren Teil, solange man selbst nicht profitiert, die eigene Lage sich nicht verbessert, fühlt man sich wahrscheinlich besser wenn es allen anderen auch schlecht geht. Das ist doch ne recht absurde Annahme. Wenn überhaupt, rührt die Missgunst eher daher, dass man Empathie für die Leute empfindet, die selbst zu Kompromissen bereit waren und dafür finanziell bluten, es aber am Ende nichts bringt, weil andere Interessengruppen innerhalb der Arbeitnehmervertretung eine zu harte Linie gefahren sind. Ja, meinetwegen einigt man sich sogar mit TUI, die Piloten kommen gut weg und stehen erstmal finanziell besser da, schauen also zunächst wie die Schlauen, die Gewinner aus. Nur ist davon langfristig immer noch nichts gewonnen. Natürlich gibt es auch innerhalb einer Belegschaft immer eine Spanne an Meinungen, aber bei der anderen blauen deutschen Airline gab es nicht wenige am Boden und in der Kabine, die empfunden haben, dass das "Leben wie Gott in Frankreich" von Reihe Null nur möglich ist, weil eben andere Bereiche kompromissbereiter waren. Ja klar, natürlich können auch alle Mitarbeiter so einen harten Arbeitskampf fahren, nur ist eine Kette immer nur so stark wie ihr schwächstes Glied, und solange zigtausend Jungspunde sich nicht zu schade sind, bei Ryanair und Wizzair anzuheuern, solange zu viele private Flugschulen nur nach Geldbeutel und nicht nach Skill ausbilden, kannst du eben den Arbeitskampf genau so lange fahren, bis es deinen Arbeitgeber nicht mehr gibt. Das ist halt die andere, die traurige Seite, und bis Frühjahr letzten Jahres ist ja dieser Ritt auf der Messerklinge recht gut gelungen, aber Corona hat den europäischen Luftfahrtmarkt jetzt wirklich nicht entspannt.
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